Teil 1
Die Frau heißt Lina. Lina hat eine sanfte Stimme. Sie liebt Lieder und Worte. Heute hält sie ein kleines Gedicht in der Hand. Das Gedicht riecht nach Papier und Sonne. Lina liest es leise. Die Worte klingen wie kleine Glöckchen.
Lina ist Sängerin und Musikerin. Sie spielt die Gitarre, die kleine Trommel und manchmal die Flöte. Sie mag Musik aus vielen Ländern. Musik ist für sie wie ein großes Fenster. Durch das Fenster sieht sie bunte Häuser, hört fremde Stimmen und fühlt neue Rhythmen.
Lina sitzt auf einem weichen Kissen. Um sie herum liegen Instrumente. Ein Tuch deckt die Gitarre. Eine Lichterkette leuchtet wie Sterne. Lina atmet tief ein. Sie sagt: „Ich will dieses Gedicht singen.“ Dann streicht sie mit den Fingern über die Seiten. Die Seiten fühlen sich warm an.
Teil 2
Lina summt eine Melodie. Die Melodie ist rund wie ein Ballon. Sie rollt langsam durch den Raum. Lina klopft sanft den Takt auf ihr Herz. Drei Schläge. Drei Schläge. Ein leicher Wind. „Hörst du?“ flüstert sie. „Die Wörter wollen tanzen.“
Sie sagt das Gedicht noch einmal. Lauter. Leiser. Mit einem Lächeln. Dann sucht sie eine Melodie, die passt. Manchmal singt sie hoch. Manchmal singt sie tief. Sie probiert leise Töne. Sie probiert helle Töne. Die Töne sind wie Farben. Warmes Gelb, sanftes Blau, grünes Flüstern.
Ein kleiner Vogel auf dem Fensterbrett zwitschert. Lina nickt. „Danke,“ sagt sie. Sie nimmt die Gitarre und zupft eine Saite. Die Saite singt lange und weich. Die Flöte neben ihr klingt wie ein Bach. Die Trommel gibt den Schritt. Drei kleine Schläge. Drei kleine Schläge. Kinder können mitklatschen.
Lina erklärt leise, wie sie arbeitet. „Zuerst höre ich dem Gedicht zu,“ sagt sie. „Dann spiele ich, bis die Worte springen. Ich probiere viele Töne. Manchmal frage ich Freunde aus anderen Ländern. Sie singen mir fremde Lieder. So lerne ich neue Melodien.“ Lina lächelt. „Musikerinnen teilen viel. Musikerinnen hören viel.“
Ein Freund kommt ins Zimmer. Er hat ein kleines Rassel-Instrument. „Kann ich helfen?“ fragt er. „Ja,“ sagt Lina. „Wir probieren die Rassel hier.“ Sie zeigt, wie verschiedene Klänge zusammenpassen. „Hörst du, wie das Klingeln sich mischt? Es wird ein neues Lied.“ Der Freund klatscht. Der Vogel macht mit.
Lina zeigt, wie der Körper arbeitet. „Die Stimme ist wie eine Blume,“ sagt sie. „Wenn du sie pflegst, blüht sie. Wir trinken Wasser, wir atmen tief. Wir sprechen langsam. Wir räuspern uns nicht zu viel. Wir üben leise. So bleibt die Stimme weich.“ Kinder können das nachmachen. Tief einatmen. Langsam ausatmen. Ruhig summen.
Lina nimmt das Gedicht und singt eine kleine Strophe. Die Melodie ist wie ein Wiegenlied. Sie wiegt die Wörter hin und her. „Ahh...“ singt Lina. „Mmm...“ singt Lina. Die Gitarre umarmt die Melodie. Die Flöte malt Wolken dazu. Die Trommel gibt Schritt. Menschen aus weit entfernten Orten singen im Herzen mit. Die Musik verbindet.
Teil 3
Es wird später. Die Lichterkette flimmert freundlich. Lina legt das Gedicht auf ihren Schoß. Sie hat die Melodie gefunden. Sie hat das Gedicht in ein Lied verwandelt. „Danke,“ flüstert sie. „Danke, kleines Gedicht.“
Bevor Lina singt, atmet sie noch einmal tief ein. Sie macht einen warmen Tee. Tee für die Stimme. Sie trinkt in kleinen Schlucken. Sie singt nicht zu laut. Sie singt nicht zu lange. Sie schützt ihre Kehle wie einen kleinen Vogel.
Die Freunde hören zu. Sie klatschen sanft. „Das ist schön,“ sagt der Freund mit der Rassel. Der Vogel zwitschert leise. Die Musik ist wie eine Decke. Sie wärmt und beruhigt. Lina singt die letzten Zeilen. Die Melodie fällt wie Blätter. Langsam, ruhig, weich.
Als das Lied zu Ende ist, legt Lina die Gitarre behutsam hin. Sie streichelt die Saiten mit einem Lächeln. Die Flöte ruht in ihrem Etui. Die Trommel steht still. Lina sagt: „Musizieren ist teilen. Musizieren heißt zuhören. Musikerinnen lernen jeden Tag.“ Sie sagt: „Manchmal reisen Lieder. Sie finden neue Häuser und neue Ohren. So lernen wir einander kennen.“
Lina fühlt ihre Kehle. Sie ist warm. Sie fühlt sich ruhig und weich. „Meine Kehle ist ausgeruht,“ flüstert sie. „Sie ist wie ein kleines Nest.“ Sie gähnt leise und reckt sich. Die Freunde nicken. Alle fühlen die Ruhe.
Bevor Lina einschläft, liest sie das Gedicht noch einmal nur mit den Augen. Die Wörter ruhen nun. Die Melodie bleibt wie ein sanfter Wind. Lina deckt sich zu. Die Lichterkette blinkt ein letztes Mal. Draußen singt der Nachtvogel einen kurzen Ton.
Lina schließt die Augen. In ihrem Kopf spielen die Melodien weiter, aber leise. Die Musik ist freundlich. Sie bleibt in ihrer Brust wie ein warmes Lied. Die Kehle ist ruhig. Der Atem ist weich.
Gute Nacht, sagt die Musik. Gute Nacht, sagt das Gedicht. Gute Nacht, sagt Lina. Die Stimme schläft sanft. Die Welt hört zu und lächelt.