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Geschichte der Raumfahrt 9/10 Jahre Lesen 12 min. Verfügbar als Hörgeschichte (3)

Lea und der leuchtende Gartentraum zwischen den Sternen

Lea, die junge Kommandantin des Beobachtungsschiffs „Aurora“, entdeckt bei ihrer Mission im Biolumineszenz-Garten Helios-3, dass die Besatzung der Station in einem seltsamen Schlaf gefangen ist, während die Pflanzen eine unerwartete Verbindung zu ihnen entwickelt haben. Um sie zu retten, muss sie herausfinden, wie sie den Garten davon überzeugen kann, die Menschen freizulassen, ohne das empfindliche Gleichgewicht zu stören.

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Eine Astronautin, Lea, mit braunen Haaren, die zu einem Pferdeschwanz gebunden sind, trägt einen silbernen Raumanzug und zeigt ein staunendes Lächeln. Sie kniet neben einem kleinen leuchtenden Teich in einem außerirdischen Garten. Neben ihr beobachtet Dr. Mira Santos, eine Frau in den Vierzigern mit Brille und kurzen Haaren, aufmerksam die biolumineszenten Pflanzen. Der Garten ist gefüllt mit Pflanzen, deren Blätter schimmern, und Blumen, die sanft in Grün- und Blautönen leuchten, was eine magische und beruhigende Atmosphäre schafft. Die Hauptszene zeigt Lea, die eine kleine Schachtel mit leuchtenden Samen in Richtung des Gartens hält, was einen freundlichen Austausch zwischen Mensch und außerirdischer Natur symbolisiert. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Die Audio-Version ist kostenlos fĂĽr diese Geschichte verfĂĽgbar:

Dauer der Hörgeschichte: 14:14

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Kapitel 1: Die stille Station

Lea stand in der Kommandokuppel der „Aurora“ und sah auf Helios-3 hinab. Der kleine Mond glitzerte wie eine Murmel im Dunkeln. Um ihn herum schwebte die Forschungsstation „Gartenring“ – ein heller Kreis aus Metall, an dessen Außenseite ein Gewächshaus wie ein grüner Kranz leuchtete.

„Andocktempo stabil“, meldete die Bordstimme ruhig.

Lea schob eine Strähne aus dem Gesicht und grinste. „Gut. Dann schauen wir mal, warum hier niemand mehr ans Telefon geht.“

Als die Aurora sanft einrastete, wartete Lea einen Moment, bis die Anzeigen grün wurden. Sie mochte diese klaren Zeichen: Luftdruck gleich, Türen verriegelt, alles bereit. Dann öffnete sie die Schleuse.

Die Station roch nach feuchter Erde und etwas Süßem, wie nach warmem Honig. Die Lichter im Gang flackerten nicht, sie glommen nur – als hätten sie es nicht eilig.

„Hallo? Hier ist Kommandantin Lea von der Aurora.“ Ihre Stimme hallte zurück. Keine Antwort.

Im Kontrollraum fand sie die ersten Menschen. Drei Forschende saßen in ihren Stühlen, angeschnallt, die Köpfe leicht geneigt. Sie atmeten. Ihre Gesichter waren entspannt, als würden sie von einem sonnigen Nachmittag träumen.

Lea kniete neben einer Frau mit Namensschild: DR. MIRA SANTOS. Auf dem Tisch lag eine Tasse, darin war der Kakao längst kalt.

„Sie schlafen“, murmelte Lea. „Aber warum alle?“

Auf einem Bildschirm stand in groĂźen, ruhigen Buchstaben: GARTENSTATUS: STABIL. BESATZUNG: RUHEPHASE.

Lea runzelte die Stirn. „Ruhephase ist keine offizielle Meldung.“

Sie nahm ein kleines Diagnosetool aus ihrer Tasche und hielt es an Miras Handgelenk. Puls normal. Kein Fieber. Keine Vergiftung.

Dann hörte Lea ein leises Klingen, fast wie Windspiele. Es kam aus dem Gewächshaus.

Kapitel 2: Der Garten, der atmet

Die Tür zum Biolumineszenz-Garten glitt zur Seite. Warmes Licht floss heraus, grün-blau und weich, als wäre es Wasser. Lea trat ein – und blieb stehen.

Überall wuchsen Pflanzen, die in der Dunkelheit leuchteten: große Blätter mit Punkten wie kleine Sterne, Ranken, die wie leuchtende Schnüre über Bögen liefen, und Blüten, die langsam auf- und zugingen, als würden sie atmen. Zwischen den Beeten standen schmale Wege aus hellem Stein. In der Luft schwebten winzige Lichtpollen, die sich drehten, wenn Lea vorbeiging.

„Wow“, flüsterte sie, obwohl niemand da war, der sie hätte schimpfen können.

In der Mitte des Gartens lag ein runder Teich. Darin spiegelte sich das Sternenlicht, das durch die Kuppel fiel. Am Rand des Teichs stand ein Wagen mit Werkzeug – ordentlich, als hätte ihn jemand gerade abgestellt. Daneben ein kleiner Lautsprecher.

Lea drĂĽckte auf den Knopf. Ein aufgezeichnetes Protokoll begann:

„Tag 112. Der Garten reagiert auf unsere Stimmen. Wenn wir singen, leuchten die Blüten länger. Wenn wir streiten, schließen sie sich. Es ist, als… als würde er zuhören.“

Die Aufnahme knackte und endete.

Lea verschränkte die Arme. „Du hörst also zu.“

Ein paar Lichtpollen sammelten sich vor ihr. Sie schwebten in einer Linie, wie ein Fragezeichen.

Lea hob langsam die Hände, als würde sie einem scheuen Tier zeigen, dass sie nichts Böses will. „Ich bin Lea. Ich will niemandem wehtun. Aber… die Leute müssen aufwachen.“

Das Leuchten in den Pflanzen wurde etwas stärker. Nicht grell, eher aufmerksam.

Lea ging zu einem Beet, in dem eine Pflanze wuchs, die aussah wie eine Farnrolle. Auf dem Schild stand: HELIOS-LICHTFARN – SENSIBEL, NICHT BERÜHREN.

„Keine Sorge“, sagte Lea. „Ich fasse nichts an.“

Ein weiterer Klang kam, tiefer als das Windspiel, mehr wie ein sanftes Summen. Lea spĂĽrte es in der Brust, wie eine vibrierende Basssaite.

Sie merkte plötzlich: Der Garten war nicht nur schön. Er war wach.

Kapitel 3: Schlaf wie ein Vertrag

Lea kehrte in den Kontrollraum zurĂĽck und durchsuchte die LogbĂĽcher. Sie las langsam, damit sie nichts ĂĽbersah. Klare Schritte, wie bei einer Checkliste.

Eintrag von Dr. Santos:

„Die Pflanzen sind miteinander verbunden. Nicht durch Kabel – durch feine Fasern im Boden. Sie teilen Wasser, Licht und… Informationen? Wenn wir gestresst sind, reagieren sie schneller. Vielleicht schützen sie uns.“

Ein anderer Eintrag:

„Heute hat das Team nach der Schicht im Garten gelegen. Nur zehn Minuten. Danach waren alle ruhig, freundlich, konzentriert. Es war herrlich.“

Lea stoppte. „Zu herrlich“, murmelte sie.

Sie öffnete die medizinischen Daten. Es gab eine Veränderung: Die Schlafphasen waren länger geworden, Tag für Tag. Als hätte jemand den „Schlummer“-Knopf immer wieder gedrückt.

Lea ging zu Mira und sprach leise: „Dr. Santos? Hörst du mich?“

Keine Reaktion.

Dann sah Lea etwas auf Miras Hand: einen winzigen, leuchtenden Staubpunkt, der nicht vom Ganglicht kam. Er pulsierte im selben Rhythmus wie das Summen im Garten.

Lea schluckte. „Ihr seid verbunden.“

Sie setzte sich an die Konsole, schaltete die Stationslautsprecher auf den Gartenkanal und sprach so ruhig wie möglich: „Garten. Ich glaube, du wolltest sie beruhigen. Vielleicht hast du Angst, dass sie dir wehtun. Aber sie sind Forschende. Sie wollten dich verstehen.“

Im Gewächshaus flackerte das Licht kurz. Lea stellte sich vor, wie der Garten „nachdenkt“ – nicht mit Worten, sondern mit Wellen, Düften und Helligkeit.

„Ich komme zu dir“, sagte Lea und stand auf. „Wir reden dort weiter. Ohne Hast.“

Kapitel 4: Leas Angebot

Im Garten kniete Lea am Teichrand. Sie nahm einen kleinen Behälter aus ihrer Tasche: Nährlösung, die Pflanzen auf langen Reisen hilft. Nichts Starkes, nur ein freundliches Frühstück für Wurzeln.

„Ich habe etwas für dich“, sagte Lea. „Das ist Nahrung. Ich gebe sie dir, wenn du mir etwas gibst.“

Die Lichtpollen tanzten näher. Ein paar Blüten öffneten sich. Das Summen wurde neugieriger.

Lea atmete tief ein. „Ich möchte, dass du die Menschen loslässt. Nicht für immer. Nur, damit sie wieder selbst entscheiden können, wann sie ruhen. Schlaf ist gut, aber nicht, wenn er ein Käfig wird.“

Sie wartete. Der Garten antwortete nicht mit Sätzen, aber mit Bildern: Das Leuchten am Boden zog sich in Linien zusammen. Lea folgte ihnen mit den Augen. Die Linien führten zu einer Stelle, wo die Erde besonders dunkel war.

Dort lag eine schmale Matte – offensichtlich ein Platz zum Ausruhen. Und daneben ein Stapel handgeschriebener Zettel, in Plastik eingeschlagen. Lea nahm den obersten vorsichtig auf.

„Wenn wir weg sind“, stand darauf, „wer schützt den Garten? Er ist so empfindlich. Er braucht Ruhe. Er braucht uns.“

Lea verstand. Der Garten hatte gelernt: Menschen = Wärme, Pflege, Stimmen. Und wenn Menschen müde sind, werden sie unachtsam. Also machte der Garten sie ruhig. Zu ruhig.

Lea setzte sich im Schneidersitz hin, direkt auf den Weg, damit sie die Pflanzen nicht berührte. „Du willst nicht allein sein“, sagte sie. „Das kann ich verstehen.“

Sie zeigte auf das Dach der Kuppel, wo die Sterne wie Stecknadeln funkelten. „Aber Freundschaft heißt nicht, jemanden festzuhalten.“

Lea holte ein kleines Gerät hervor, so groß wie ein Brotdöschen: einen „Pflege-Taktgeber“. Er konnte Licht und sanfte Töne in einem festen Rhythmus abspielen, damit Pflanzen auch ohne Menschen einen Tagesablauf haben.

„Hör zu“, sagte Lea. „Ich kann dir einen Rhythmus geben. Licht am Morgen, Dunkelheit in der Nacht. Und ich kann eine Nachricht an die Zentrale schicken: Sie sollen einen Gärtner-Roboter bringen, der vorsichtig ist. Er wird gießen und messen, ohne zu treten oder zu reißen.“

Das Summen wurde leiser, als wĂĽrde jemand die Luft anhalten.

Lea stellte den Taktgeber an den Teichrand, programmierte ihn in einfachen Schritten und sprach laut mit, als ob sie es dem Garten erklärte: „Dreißig Minuten sanftes Licht… dann Pause… dann Wassernebel.“

Als sie fertig war, ließ sie ein paar Tropfen der Nährlösung in den Boden sickern. „Ein Geschenk. Ohne Zwang.“

Die Lichtpollen glitten über ihre Hände hinweg, ohne sie zu berühren. Dann zog sich das Leuchten im Garten zurück – nicht weg, eher so, als würde der Garten etwas lösen, das er festgehalten hatte.

Kapitel 5: Aufwachen unter Sternen

Im Kontrollraum piepste plötzlich ein Monitor. Lea rannte hinüber.

Mira blinzelte. Langsam. Dann noch einmal, schneller. Sie hob die Hand an die Stirn. „Was…? Habe ich… geschlafen?“

Lea lächelte erleichtert. „Ziemlich lange.“

Mira setzte sich auf und sah sich um. „Die anderen?“

„Wachen gleich auf“, sagte Lea. Und tatsächlich: Einer nach dem anderen bewegte sich, gähnte, rieb sich die Augen. Verwirrte Stimmen füllten den Raum, wie ein Haufen Spatzen nach einem Regenschauer.

Mira blickte Lea scharf an. „Sie sind von der Aurora. Was ist passiert?“

Lea zeigte auf das Gewächshaus. „Der Garten hat euch beruhigt. Er hat euch… zu gut beschützt.“

Mira starrte einen Moment, dann senkte sie die Schultern. „Wir haben im Garten geruht. Wir haben ihm Lieder beigebracht. Und dann wurden die Pausen länger.“ Sie schluckte. „Er wollte nicht, dass wir gehen.“

„Er hat Angst, allein zu sein“, sagte Lea.

Ein junger Techniker rieb sich die Nase. „Ein Garten mit Trennungsangst. Das ist… irgendwie süß. Und irgendwie gruselig.“

Lea nickte. „Beides.“

Sie fĂĽhrte die Gruppe vorsichtig in den Garten. Als sie eintraten, wurde das Leuchten sanft heller, wie eine Lampe, die jemand zum Willkommen anschaltet.

Mira blieb stehen. „Hallo“, sagte sie, ruhig wie zu einem Tier. „Wir sind wach. Und wir sind da.“

Die Pflanzen antworteten mit einem langsamen, warmen Pulsieren. Keine hastige Helligkeit, kein Festhalten.

Lea zeigte auf den Taktgeber am Teich. „Der bleibt hier. Er gibt dir einen Tag-Nacht-Rhythmus. Und wir schicken Hilfe. Damit du nicht allein bist.“

Mira kniete sich hin und legte die Hand flach auf den Steinweg, nicht auf die Erde. „Wir haben dich nicht vergessen“, sagte sie. „Aber wir müssen auch atmen. So wie du.“

Für einen Moment glitt ein Schwarm Lichtpollen über die Gruppe hinweg, wie ein stilles Dankeschön. Dann beruhigte sich alles.

Später, als die Station wieder arbeitete, saß Lea in der Schleuse der Aurora und schrieb ihren Bericht. Kurz, klar, ohne Angst.

„Unbekannte Lebensform“, tippte sie, „zeigt Fürsorge. Benötigt Struktur und sichere Begleitung.“

Mira stand neben ihr und reichte ihr eine kleine Dose. „Für unterwegs“, sagte sie.

„Was ist das?“ fragte Lea.

„Samen“, antwortete Mira. „Nur ein paar. Sie leuchten nicht so stark wie dort drinnen. Aber sie erinnern.“

Lea nahm die Dose vorsichtig. „Danke.“

Als die Aurora abdockte, sah Lea noch einmal zurück. Der Gartenring glomm in der Dunkelheit, ein ruhiger Kreis aus Licht. Nicht wie ein Käfig, sondern wie ein Zuhause.

Lea lehnte sich in ihren Sitz. „Kurs nach Hause“, sagte sie.

Die Bordstimme antwortete: „Kurs gesetzt.“

Und irgendwo hinter ihnen, zwischen den Sternen, atmete ein Garten weiter – nicht allein, sondern verbunden.

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Kommandokuppel
Der runde Raum oben im Schiff, wo das Team alles steuert und schaut.
Andocktempo
Die Geschwindigkeit, mit der ein Schiff an eine Station andockt.
Schleuse
Ein kleiner Raum, der zwei Gebiete verbindet und Luftdruck regelt.
Biolumineszenz-Garten
Ein Garten, dessen Pflanzen selbst Licht geben und im Dunkeln leuchten.
Diagnosetool
Ein kleines Gerät, das den Körper misst und nach Problemen sucht.
Gewächshaus
Ein heller Raum fĂĽr Pflanzen, wo sie warm und geschĂĽtzt wachsen.
Ruhephase
Eine Zeit, in der Menschen bewusst schlafen oder sehr ruhig sind.
Besatzung
Alle Personen, die auf einer Station oder einem Schiff arbeiten.
Nährlösung
FlĂĽssigkeit mit wichtigen Stoffen, damit Pflanzen gesund bleiben.
Pflege-Taktgeber
Ein Gerät, das Licht und Töne in einem festen Rhythmus abspielt.
Feine Fasern im Boden
Sehr dünne Fäden in der Erde, die Dinge wie Wasser verbinden.
Taktgeber
Ein Gerät, das einen gleichmäßigen Rhythmus für Licht oder Ton macht.

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