Laden läuft...
Pirategeschichte 5/6 Jahre Lesen 19 min.

Kapitänin Mira und das Versprechen der stillen Bucht

Kapitänin Mira und die Crew der Silbermöwe retten eine Schildkröte und eine Möwe und geraten in einen Konflikt mit dem gefürchteten Käpt’n Grint, den sie mit Mut, Klugheit und Fairness zu lösen versuchen.

Lade diese Geschichte als PDF herunter

Ideal zum Teilen oder Ausdrucken dieser Geschichte!

E-Book herunterladen (.epub)

Lesen Sie diese Geschichte auf Ihrem E-Reader.

Kapitänin Mira, lächelnd aber konzentriert, rotes Kopftuch im Wind, abgenutzte blaue Jacke, kniet auf dem hellen Holzdeck und schneidet behutsam ein Netz von einer verletzten Möwe; der etwa achtjährige Junge Pelle mit zerzaustem kastanienbraunem Haar steht links hinter ihr, hält eine kleine Laterne und ist bereit zu helfen; der stämmige Mann Kalle mit rotem Bart steht am Heck, die Hände an einem Seil, wachsam und beruhigend; die Schildkröte Tilda mit gesprenkeltem Panzer sitzt in einem offenen Fass und blickt dankbar; die Möwe Flocke hat weiße, leicht zerzauste Federn und eine noch verfangene Kralle, wirkt erleichtert; Schauplatz: Deck des kleinen Schiffes "Silbermöwe" mit dicken Taue, patinierter Steuerrad und aufgeblähten weißen Segeln, im Hintergrund eine felsige Bucht und türkisfarbenes Wasser, am Horizont ein großes schwarzes Schiff mit Totenkopfflagge fern und drohend; warme Spätnachmittagsbeleuchtung, einfache ausdrucksstarke Formen, stimmungsvolle, sichere Abenteueratmosphäre. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Teil 1: Das Versprechen auf den Wellen

Kapitänin Mira stand am Bug ihres Schiffs, der „Silbermöwe“. Der Wind zupfte an ihrem roten Kopftuch, und das Meer glitzerte wie tausend kleine Münzen. Möwen riefen, als würden sie mitlachen.

„Alle Hände an Deck!“, rief Mira. Ihre Stimme klang warm, aber klar. „Heute fahren wir nicht nur für Gold. Heute fahren wir für ein Versprechen.“

Der kleine Schiffsjunge Pelle hüpfte neben ihr auf und ab. „Für welches Versprechen, Kapitänin?“

Mira beugte sich zu ihm. „Gestern Nacht, als der Nebel kam, haben wir etwas gefunden.“ Sie zeigte nach achtern, wo ein rundes Fass festgebunden war. „Darin saß eine Schildkröte. Eine echte Meeresschildkröte. Und sie hatte… Besuch.“

„Besuch?“ Pelles Augen wurden groß.

„Eine Möwe hatte sich in einem Fischernetz verfangen“, sagte Mira leise. „Die Schildkröte hatte sie getragen, damit sie nicht untergeht. Aber das Netz war zu fest. Also habe ich versprochen: Ich bringe euch beide in eine sichere Bucht, ohne Netze und ohne Angst.“

Da kam Bootsmann Kalle mit einem breiten Grinsen. Sein Bart wackelte, wenn er lachte. „Und ohne Ärger, hoffe ich.“

„Ärger ist manchmal wie Salz“, meinte Mira. „Ein bisschen gehört dazu. Aber gerecht muss es sein.“

Sie ging zum Fass, öffnete vorsichtig den Deckel und flüsterte: „Hallo, ihr zwei. Wir sind da.“

Langsam streckte die Schildkröte den Kopf heraus. Sie hatte einen Panzer mit hellen Punkten, wie Sterne. Auf ihrem Rücken saß tatsächlich eine Möwe, die ein Bein in einem dünnen Netz hatte. Die Möwe blinzelte misstrauisch.

Pelle flüsterte: „Sie hat Angst.“

Mira nickte. „Dann sprechen wir ruhig.“

„Ich bin Mira“, sagte sie zu der Möwe, als wäre es ganz normal, mit einer Möwe zu reden. „Du bist sicher auf meinem Schiff. Wir tun niemandem weh. Wir helfen.“

Die Möwe machte ein krächzendes Geräusch, als wolle sie sagen: Na gut, aber ich passe auf.

Die Schildkröte schnaubte leise. Kalle grinste. „Die klingt, als würde sie lachen.“

„Sie heißt Tilda“, sagte Mira. „Und die Möwe nennen wir Flocke. So weiß jeder, wer gemeint ist.“

Pelle hielt die Hände hinter dem Rücken. „Darf ich ihnen Wasser bringen?“

„Gute Idee“, sagte Mira. „Und danach üben wir Knoten. Du wirst sie heute brauchen.“

Da rief Ausguck Leni von oben: „Segel am Horizont! Und… oh! Nicht freundlich! Schwarze Flagge!“

Alle Köpfe drehten sich. Ein Schiff kam näher, dunkel wie eine Regenwolke. Auf dem Mast flatterte ein Totenkopf mit grünem Schal.

Kalle brummte: „Käpt'n Grint. Ein miese Laune auf zwei Beinen.“

Mira zog ihr Fernrohr heraus. „Er nimmt sich, was er will. Und er lacht dabei, wenn andere weinen.“

Pelle schluckte. „Kommt er wegen uns?“

Mira legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Vielleicht wegen dem Fass. Vielleicht wegen unserer Karten. Aber egal warum: Wir bleiben ruhig. Wir bleiben klug. Und wir bleiben fair.“

Sie drehte sich zur Crew. „Hört zu! Niemand schießt zuerst. Wir verteidigen uns, ja. Aber wir tun keinem weh, der sich ergibt. Das ist unsere Regel.“

Die Crew nickte. Manche grinsten sogar. Sie mochten Miras Regeln. Sie fühlten sich richtig an.

„Und jetzt“, sagte Mira, „holen wir Tilda und Flocke in Sicherheit. Unter Deck, warm und ruhig.“

Pelle und Kalle trugen das Fass vorsichtig nach unten. Dabei flüsterte Pelle: „Keine Sorge, Flocke. Wir sind die guten Piraten.“

Flocke krächzte, als würde sie sagen: Das will ich hoffen!

Teil 2: Der Trick mit der stillen Bucht

Das schwarze Schiff kam näher. Man konnte schon die Stimmen hören, rau und laut, wie Topfdeckel, die klappern.

„Silbermöwe!“, brüllte jemand. „Stoppt! Oder wir machen euch zu Fischfutter!“

Mira stellte sich ans Steuer. „Kalle! Segel etwas fieren! Leni, halt Ausschau nach den Felsen der Stillen Bucht.“

„Die Stille Bucht?“ Pelle kam wieder an Deck und rieb sich die Hände. „Da ist es eng.“

„Genau“, sagte Mira. Ihre Augen funkelten. „Eng ist gut, wenn der andere größer ist und zu schnell will.“

Kalle kratzte sich am Kopf. „Grint wird da nicht reinpassen, oder?“

„Doch“, sagte Mira. „Aber nur, wenn er vorsichtig fährt. Und vorsichtig ist nicht sein Lieblingswort.“

Die „Silbermöwe“ tanzte über die Wellen. Sie war kleiner, wendig, und ihre Segel waren hell wie Wolken. Hinter ihnen schob sich Grints Schiff heran, schwer und gierig.

Pelle hielt sich am Geländer fest. Sein Bauch kribbelte, als hätte er Seifenblasen gegessen. „Kapitänin, ich habe Angst.“

Mira beugte sich zu ihm, ohne die Hand vom Steuer zu nehmen. „Angst ist wie ein Sturm im Bauch. Man kann ihn nicht einfach wegpusten. Aber man kann trotzdem segeln. Mut heißt: Du machst weiter, auch wenn's wackelt.“

Pelle nickte langsam. „Dann segle ich mit.“

„Gut so“, sagte Mira. „Und jetzt brauche ich dein schlaues Köpfchen. Kannst du das kleine Beiboot bereit machen? Aber leise.“

„Wozu?“

Mira zwinkerte. „Für einen Mini-Regen aus Überraschungen.“

Pelle grinste, trotz allem. „Oh! Ich mag Überraschungen.“

Als sie die Stille Bucht erreichten, wurde das Wasser plötzlich dunkelgrün. Felsen ragten aus dem Meer wie schlafende Riesen. Zwischen zwei Felsen war eine schmale Durchfahrt.

„Links halten!“, rief Leni.

Mira steuerte hinein. Die „Silbermöwe“ schlüpfte durch, als wäre sie ein Fisch. Hinter ihnen versuchte Grints Schiff zu folgen. Es knarrte, es ächzte, und man hörte Flüche.

„Haha!“, rief Kalle, aber leise, damit das Glück nicht erschrickt.

Da gab es einen Rums. Grints Schiff hatte einen Felsen geküsst. Nicht freundlich, eher so: Bumm!

„Jetzt!“, sagte Mira.

Pelle ließ das Beiboot ins Wasser. Darin lagen alte Kokosnüsse, die Kalle als „Übungs-Kanonenkugeln“ aufhob, und ein Sack voller Kreidepulver.

„Was soll ich tun?“, flüsterte Pelle.

„Rudere hinter den Felsen“, sagte Mira. „Und wirf ein bisschen Kreide ins Wasser. Nicht ins Gesicht von jemandem, nur ins Wasser. Das macht eine weiße Wolke. Wie Nebel. Dann denken sie, da ist eine Sandbank.“

Pelle öffnete den Sack. „Das ist… schlau!“

„Und gerecht“, sagte Mira. „Wir halten sie auf, ohne sie zu verletzen.“

Pelle ruderte, so leise er konnte. Die Ruder machten kaum Platsch. Er war stolz, dass er es schaffte. Sein Sturm im Bauch war noch da, aber kleiner.

Hinter einem Felsen streute er Kreide ins Wasser. Sofort stieg eine milchige Wolke auf. Von Grints Schiff hörte man: „Achtung! Wasser wird hell! Das ist… das ist…“

„Ein Geisterriff!“, brüllte jemand.

„Blödsinn!“, brüllte Grint. „Vorwärts!“

Da warf Pelle zwei Kokosnüsse ins Wasser. Plopp. Plopp. Sie hüpften gegen den Schiffsrumpf.

„Kanonenkugeln!“, schrie einer.

Pelle kicherte und hielt sich dann schnell die Hand vor den Mund. „Psst.“

Mira wartete, bis Grints Schiff zögerte. Dann gab sie ein Zeichen. „Segel setzen! Raus aus der Bucht, aber in die andere Richtung.“

Die „Silbermöwe“ glitt weiter, hinein in eine ruhigere Lagune. Dort war das Wasser so still, dass man die Wolken darin sehen konnte.

Pelle ruderte schnell zurück und kletterte an Bord. Seine Wangen glühten. „Ich hab's geschafft!“

Mira strich ihm über das Haar. „Du warst mutig und klug. Genau so.“

Doch dann hörten sie ein neues Geräusch. Ein dünnes, trauriges Krächzen aus der Kajüte.

„Flocke!“, rief Pelle. „Sie ist noch im Netz!“

Mira biss sich auf die Lippe. „Stimmt. Und wir brauchen Ruhe, um es zu lösen. Aber Grint ist noch da draußen.“

Kalle hob eine Augenbraue. „Dann machen wir's eben schnell.“

„Nein“, sagte Mira fest. „Nicht schnell. Vorsichtig. Wenn wir ziehen, tut es weh. Gerecht heißt auch: Wir nehmen uns Zeit, wenn jemand Hilfe braucht.“

Sie kniete sich neben das Fass. Tilda sah Mira an, als würde sie sagen: Bitte.

„Keine Sorge“, flüsterte Mira. „Ich halte mein Versprechen.“

Teil 3: Netze, Mut und ein fairer Handel

Unter Deck roch es nach Holz, Seife und ein bisschen nach Fisch. Mira setzte sich auf den Boden. Pelle hielt eine Laterne, damit das Licht sanft war.

„Flocke“, sagte Mira ruhig, „ich löse das Netz. Aber du musst still halten. Kannst du das?“

Flocke zappelte kurz, dann blieb sie sitzen. Ihre Augen waren groß, aber sie vertraute ein bisschen mehr.

Mira holte ein kleines Messer. „Nicht erschrecken“, sagte sie. „Ich schneide nur das Netz.“

Kalle stand in der Tür und hielt Wache. „Wenn Grint wiederkommt, sag ich Bescheid.“

Mira schnitt Faden für Faden. Es war fummelig. Einmal rutschte ihr Finger ab, und sie sagte: „Au!“ ganz leise.

Pelle erschrak. „Tut's weh?“

„Ein kleiner Pieks“, sagte Mira und lächelte. „Das ist okay. Manchmal tut Helfen ein bisschen weh, aber es lohnt sich.“

Plötzlich rief Leni von oben: „Kapitänin! Grint hat uns gefunden! Er kommt in die Lagune rein!“

Kalles Gesicht wurde ernst. „Mist.“

Mira atmete tief durch. Das Netz war fast ab, nur noch ein kleiner Knoten.

„Kapitänin, was machen wir?“, fragte Pelle, und seine Stimme zitterte.

Mira sah ihn an. „Wir denken. Wir rennen nicht. Und wir bleiben fair.“

Sie machte den letzten Schnitt. Das Netz fiel ab wie ein alter Handschuh. Flocke streckte das Bein aus, wackelte und krächzte erleichtert.

Tilda blinzelte langsam, als wäre sie stolz.

Mira stand auf. „Pelle, bring Flocke und Tilda in die warme Kiste mit den Tüchern. Und gib ihnen Wasser.“

„Ja!“, sagte Pelle. Seine Hände waren plötzlich ganz ruhig.

Mira stieg an Deck. Grints Schiff schob sich in die Lagune. Es war wie ein großer Schatten über dem stillen Wasser.

Grint stand am Bug. Er hatte eine schiefe Mütze und Augen, die immer nach Streit suchten. „Mira!“, rief er. „Gib mir das Fass! Da drin ist eine seltene Schildkröte. Die bringt mir Geld!“

Mira stellte sich breit hin, aber nicht drohend. „Sie bringt dir vielleicht Geld“, rief sie zurück. „Aber ihr bringt das Leid. Und das ist nicht richtig.“

Grint spuckte ins Wasser. „Richtig? Piraten reden nicht von richtig!“

Mira hob das Kinn. „Doch. Manche schon. Wir nehmen nicht von Schwachen. Wir helfen, wenn wir können. Und wir halten unsere Versprechen.“

Grint lachte laut. „Dann gib mir wenigstens deine Karte zur Stillen Bucht!“

Mira verschränkte die Arme. „Nein. Diese Bucht soll still bleiben. Für Tiere. Für Fischer. Für alle, die Ruhe brauchen.“

Grint knurrte. „Dann komme ich eben rüber!“

Seine Männer machten sich bereit, ein Seil zu werfen. Pelle drückte sich hinter Kalle, aber er sah trotzdem hin. Er wollte nicht weglaufen. Das war neu.

Mira hob die Hand. „Warte!“ rief sie. „Ich mache dir einen Handel.

Grint hielt inne. „Ha! Jetzt wirst du vernünftig.“

„Vielleicht“, sagte Mira. „Du willst etwas Wertvolles. Ich gebe dir etwas Wertvolles. Aber nicht das Fass.“

Kalle flüsterte: „Was denn? Unsere Kekse?“

Mira grinste kurz. „Besser.“

Sie zog einen kleinen Beutel hervor. Darin klirrten Silberknöpfe, alte, schöne. „Das sind Knöpfe von einer Uniform, die wir im Meer gefunden haben. Niemandem gehören sie jetzt. Aber sie sind fairer als eine gefangene Schildkröte.“

Grint blinzelte. „Silber.“

„Ja“, sagte Mira. „Du bekommst den Beutel, und du drehst ab. Und du lässt diese Lagune in Ruhe.“

Grint zögerte. Seine Männer tuschelten. Einer sagte: „Käpt'n, Silber ist Silber…“

Grint schnaubte. „Und wo ist der Trick?“

Mira zeigte auf das ruhige Wasser. „Kein Trick. Nur eine Regel. Keine Verletzten. Keine Gefangenen. Und du lässt Tiere frei.“

Grint verzog den Mund. „Ich lasse niemanden frei.“

Da krächzte Flocke plötzlich von unten, laut und frech, als hätte sie genug gehört. Und gleich danach klapperte etwas: Tilda stieß mit dem Panzer gegen die Kiste.

Pelle rief leise: „Sie sagen: Nein!“

Mira musste lachen, kurz und hell. Dann wurde sie wieder ernst. „Siehst du? Selbst die Tiere finden deinen Plan schlecht.“

Grint wurde rot im Gesicht. Doch dann sah er auf seine Männer. Einige wirkten unsicher. Sie hatten den Knall am Felsen noch im Kopf. Und sie mochten keine Geisterriffe.

„Na gut!“, knurrte Grint schließlich. „Gib her.“

Mira warf den Beutel nicht direkt auf sein Deck. Sie legte ihn auf ein kleines Brett, band es an ein Seil und ließ es über das Wasser gleiten. „So“, sagte sie. „Fair und sicher.“

Grint zog es heran, wog es in der Hand und grunzte. „Diesmal.“

„Und diesmal hältst du dich an den Handel“, sagte Mira.

Grint spuckte wieder, aber er hob die Hand. „Zurück! Wir fahren.“

Sein Schiff drehte schwerfällig ab und verschwand langsam aus der Lagune.

Pelle atmete aus, als hätte er die Luft lange gehalten. „Wir haben's geschafft.“

Mira nickte. „Wir haben's ohne Kampf geschafft. Das ist manchmal der größte Sieg.“

Kalle lachte. „Und ohne dass du deine Kekse hergeben musstest!“

Pelle kicherte. „Kekse sind auch wertvoll.“

„Sehr“, sagte Mira ernst, und alle lachten.

Teil 4: Ein sicherer Ort und ein ruhiges „Land in Sicht“

Am nächsten Morgen war das Meer sanft. Es schaukelte die „Silbermöwe“, als würde es sie wiegen. Die Sonne machte goldene Streifen auf das Wasser.

Mira öffnete die Kiste. Tilda kroch langsam heraus, und Flocke hüpfte auf den Rand. Ihr Bein war frei. Sie streckte es, als würde sie testen, ob es wirklich stimmt.

„Heute“, sagte Mira, „bringen wir euch nach Hause.“

„Wo ist das Zuhause?“, fragte Pelle.

Mira zeigte auf eine kleine Karte. „Eine geschützte Bucht hinter den Korallen. Dort gibt es keine Netze. Dort passt ein Schiff nicht hinein. Nur Tiere und kleine Boote.“

Leni rief vom Ausguck: „Wind ist gut!“

Die Crew arbeitete fröhlich. Sie sangen ein Lied, das ein bisschen schief war, aber sehr laut. Mira ließ Pelle kurz ans Steuer, während sie daneben stand.

„Ich darf lenken?“, fragte er.

„Ja“, sagte Mira. „Aber langsam. Das Meer mag keine Hektik.“

Pelle hielt das Rad fest. Es fühlte sich groß an. Doch Mira blieb nah, und das machte ihn stark.

Gegen Mittag änderte sich die Farbe des Wassers. Es wurde heller, türkis, wie eine riesige Bonbon-Schüssel. Unter der Oberfläche sah man Korallen, rot und lila, wie Blumen im Meer.

„Da!“, rief Pelle. „Ich sehe Felsen, aber freundlich.“

Mira lachte. „Freundliche Felsen sind die besten.“

Sie setzten das kleine Beiboot ins Wasser. Pelle durfte mit, zusammen mit Mira. Kalle blieb auf der „Silbermöwe“ und winkte.

Im Beiboot saß Tilda ruhig. Flocke stand auf dem Bug und tat so, als wäre sie Kapitänin. Sie hob den Schnabel in den Wind.

„Schau mal“, sagte Pelle. „Flocke spielt Piratin.“

„Eine tapfere“, sagte Mira. „Sie hat viel überstanden.“

Sie glitten in die geschützte Bucht. Dort war das Wasser so ruhig, dass es fast still klang. Am Rand wuchsen Mangroven, deren Wurzeln wie kleine Finger ins Wasser griffen. Es roch nach warmem Holz und Salz.

Mira kniete sich hin. „Tilda“, sagte sie. „Hier bist du sicher.“

Tilda glitt ins Wasser. Sie schwamm einen Kreis, als würde sie sich bedanken, und tauchte dann unter.

Flocke sprang auf einen Ast, schüttelte die Flügel und krächzte laut. Es klang wie: Danke! Oder vielleicht: Endlich!

Pelle winkte. „Tschüss, Tilda! Tschüss, Flocke!“

Flocke flog eine Runde über ihre Köpfe und ließ eine kleine Feder fallen. Sie landete genau auf Pelles Knie.

„Für mich?“, flüsterte er.

Mira nickte. „Ein Geschenk. Für deinen Mut.“

Auf dem Rückweg zum Schiff saßen Pelle und Mira still im Beiboot. Nicht, weil sie traurig waren. Eher, weil sich alles warm anfühlte.

„Kapitänin“, sagte Pelle schließlich, „warum hast du Grint Silber gegeben? Er war doch gemein.“

Mira sah auf die Wellen, die kaum kräuselten. „Weil Gerechtigkeit nicht immer heißt, dass der andere leer ausgeht“, sagte sie. „Manchmal heißt es, dass niemand verletzt wird. Und dass die Schwachen geschützt werden.“

Pelle dachte nach. „Also… du hast bezahlt, damit die Schildkröte frei ist.“

„Ja“, sagte Mira. „Und ich habe gezeigt, dass man auch als Piratin ein gutes Herz haben kann.“

Als sie wieder an Bord der „Silbermöwe“ kletterten, jubelte die Crew. Kalle wischte sich mit dem Ärmel über die Augen, als wäre da Seewasser. „Ich hab nur Wind im Auge“, murmelte er.

Mira stellte sich ans Bug. Die See war weit und freundlich. Hinter ihnen lag die sichere Bucht, vor ihnen das offene Blau.

Leni rief vom Mast, ihre Stimme hell wie eine Glocke: „Land in Sicht!“

Alle kamen nach vorn. Am Horizont lag eine Insel, grün und ruhig, wie ein schlafender Drache, der nett träumt. Die Sonne legte einen goldenen Weg dorthin.

Mira atmete tief ein. „Land in Sicht“, sagte sie leise, zufrieden. „Und unser Versprechen ist gehalten.“

Pelle drückte die Feder in seine Tasche. „Und ich auch“, sagte er. „Ich will auch so sein. Mutig. Klug. Und gerecht.“

Mira legte einen Arm um ihn. „Dann bist du auf dem besten Schiff der Welt.“

Die „Silbermöwe“ glitt weiter, und das Meer sang leise dazu, ganz seren.

Ohne Werbung 3€ pro Monat

Möchten Sie eine unterbrechungsfreie Lektüre? Unterstützen Sie Oh My Tales, entfernen Sie alle Anzeigen und profitieren Sie ab 3€ pro Monat von weiteren enthaltenen Vorteilen.

Die Pläne und Preise ansehen
Teilen

Melden Sie ein Problem mit dieser Geschichte

Was haben Sie von dieser Geschichte gehalten?

Geben Sie Ihre Meinung ab, indem Sie dieser Geschichte je nachdem, was Sie und/oder Ihr Kind davon gehalten haben, eine Bewertung geben. Vielen Dank im Voraus!

Vielen Dank! Ihre Bewertung wurde berücksichtigt!

Das Quiz: Hast du die Geschichte gut verstanden?

Bug
Vorderer Teil eines Schiffes, dort steht man oft und schaut nach vorn.
Kapitänin
Die Frau, die das Schiff leitet und für alle Leute sorgt.
Deck
Die obere Fläche eines Schiffes, wo Leute gehen und arbeiten.
Fass
Ein rundes Behältnis aus Holz, das Dinge oder Tiere tragen kann.
Kajüte
Ein kleiner Raum im Schiff, wo Menschen schlafen oder sich verstecken.
Lagune
Ein ruhiges Wasser hinter Felsen, oft sehr geschützt und still.
Korallen
Bunte Meeresfächer unter Wasser, wie kleine steife Blumen.
Mangroven
Bäume am Wasser mit vielen Wurzeln, die ins Meer wachsen.
Versprechen
Wenn jemand sagt, er wird etwas tun und es ernst meint.
Crew
Alle Leute, die zusammen auf einem Schiff arbeiten.
Ausguck
Person, die hoch oben nach Schiffen oder Land schaut.
Segel
Großer Stoff am Mast, der den Wind fängt und das Schiff bewegt.
Ruder
Teil, mit dem man das Schiff lenkt, oft eine lange Stange.
Knoten
Ein fest gebundener Punkt in einem Seil, hält Dinge zusammen.
Panzer
Har­te Schale auf dem Rücken einer Schildkröte, wie ein Schutz.
Nebel
Dichter Dunst, der alles weiß oder grau und schwer sichtbar macht.
Geisterriff!
So nennen sie einen gefährlichen, scheinbar geheimnisvollen Felsen.
Handel
Wenn zwei Personen etwas tauschen oder eine Abmachung treffen.

Erstellen Sie eine magische und einzigartige Geschichte für Ihr Kind!

Erstellen Sie in nur wenigen Minuten ein personalisiertes Abenteuer, in dem Ihr Kind zum Helden wird. Mit unserem exklusiven Tool ist es einfach, kostenlos und unterhaltsam!

Eine Geschichte erstellen

Laden Sie diese Geschichte herunter:

Lade diese Geschichte als PDF herunter E-Book herunterladen (.epub)

Erhalten Sie jeden Sonntagabend neue Geschichten!

Erhalten Sie 7 spannende und fesselnde Geschichten, die auf das Alter und die Vorlieben Ihres Kindes abgestimmt sind, jeden Sonntag um 17 Uhr*. Es ist kostenlos und garantiert spamfrei!
*E-Mail wird um 17 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (MEZ) gesendet.
Wir mögen auch keinen Spam. Deshalb senden wir Ihnen nur Geschichten. Sie können sich jederzeit abmelden.