Teil 1
Kapitän Bruno stand auf dem Deck seines kleinen Piratenschiffs. Es hieß „Die Blaue Muschel“. Das Holz roch nach Sonne und Salz. Die Segel waren weiß wie Wolken. Und Brunos rotes Tuch flatterte lustig im Wind.
Unter seinem Arm trug Bruno eine Geige. „Heute Abend gibt es Musik am Feuer“, sagte er. „Aber meine Geige klingt schief. Sie braucht Mut… und gute Ohren.“
Der Papagei Pico hüpfte auf die Reling. „Krii! Gute Ohren! Und gute Kekse!“, rief er.
Die Matrosen lachten. Sie waren freundlich und fröhlich. Einer putzte Tassen. Eine andere knotete Seile. Alle summten leise, als ob das Meer selbst mitsang.
Da kam ein „PLOPP“ aus der Kiste mit den Instrumenten. Bruno öffnete sie. Drinnen lag sein Stimmgerät. Oder… nein. Da lag nur ein runder, grüner Apfel.
„Das ist ja frech“, sagte Bruno und schmunzelte. „Jemand hat mein Stimmgerät getauscht.“
Pico tat ganz unschuldig. „Krii! Apfel ist auch rund!“
Bruno legte die Hand ans Ohr. „Wir finden es wieder. Ganz ruhig. Wir sind Piraten. Wir können suchen. Wir können denken.“
Am Horizont lag eine Insel. Sie sah aus wie ein schlafender Wal. Ăśber ihr hing ein kleiner, grauer Wolkenhut.
„Dort“, sagte Bruno, „vielleicht ist es dort. Wir segeln hin.“
Die Crew rief: „Aye!“
Teil 2
Als sie näher kamen, zog Wind auf. Die Wellen klatschten wie nasse Hände. Das Schiff wippte. Nicht schlimm, nur wild genug, dass es kitzelte im Bauch.
„Festhalten!“, rief Bruno. Er blieb ganz gerade stehen. Sein Blick war ruhig. „Wir schaffen das. Eins, zwei, eins, zwei.“
Die Crew machte es nach. „Eins, zwei, eins, zwei.“
So wurde der Wind weniger frech.
Ein paar Tropfen Regen tanzten auf Brunos Nase. Pico schüttelte sich. „Krii! Dusche!“
Bruno lachte. „Nur eine kleine Sturm-Puste. Danach wird es wieder hell.“
Bald lagen sie in einer stillen Bucht. Das Wasser war grĂĽn und glitzerte. Am Strand standen Palmen wie groĂźe Besen. Dahinter war ein Pfad aus weichem Sand.
Bruno nahm die Geige und ging voran. „Wir bleiben zusammen“, sagte er. „Keine Eile. Und wir hören gut hin.“
Auf dem Pfad fanden sie Muscheln, die leise klirrten, wenn man drauftrat. Dann hörten sie ein „Tick-tack, tick-tack“.
„Das ist kein Monster“, flüsterte Bruno. „Das klingt wie… ein Gerät.“
Sie bogen um einen Busch. Dort saß eine kleine Krabbe. Sie hatte etwas Glänzendes zwischen den Scheren: Brunos Stimmgerät!
Die Krabbe sah Bruno an. Ihre Augen waren wie zwei schwarze Perlen. Sie wirkte nicht böse. Nur sehr stolz.
Bruno kniete sich hin. „Hallo, kleine Kapitän-Krabbe“, sagte er sanft. „Du hast etwas gefunden, das mir gehört. Ich brauche es für Musik.“
Die Krabbe machte „Klick!“ und hielt das Stimmgerät noch fester.
Pico flüsterte: „Krii! Ich kann verhandeln!“
Er legte den grünen Apfel vor die Krabbe. „Tausch!“
Die Krabbe schnupperte. „Klick… klick.“ Sie schob das Stimmgerät langsam nach vorn und zog den Apfel zu sich.
„Bravo“, sagte Bruno. „Das war schlau. Und mutig.“
Teil 3
Zurück auf dem Schiff wurde der Himmel wieder blau. Das Meer war nun weich und freundlich. Bruno setzte sich auf eine Kiste, die nach Zitronen roch, und stimmte die Geige. „Pieep… pieep…“ machte das Gerät. Bruno drehte ganz vorsichtig. „So. Noch ein bisschen. Jetzt.“
Er strich ĂĽber die Saiten. Der Ton war warm wie Kakao. Die Crew wurde still. Pico schloss sogar kurz die Augen.
Am Abend ankerten sie wieder in der Bucht. Ein kleines Feuer knisterte am Strand. Der Wind war nur noch ein sanftes Pusten. Bruno spielte eine einfache, fröhliche Melodie. Sie hüpfte wie ein kleiner Fisch.
Die Matrosen klatschten im Takt. Pico sang schief, aber sehr mutig: „Krii-rii-rii!“
Bruno lachte. „Du bist mein bester Sänger, Pico.“
Dann legte Bruno die Geige neben sich. „Heute haben wir gesucht, gedacht und freundlich getauscht“, sagte er. „Und wir sind zusammen geblieben.“
Die Crew nickte. Die Augen wurden langsam mĂĽde. Das Meer rauschte wie eine Decke.
Bruno sah zu den Sternen. „Morgen segeln wir weiter“, flüsterte er. „Aber jetzt ruhen wir uns aus. Ganz sicher. Ganz gemütlich.“
Und so schliefen die Piraten ein, mit Musik im Herzen und Salzluft in der Nase.