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Geschichte des Valentinstags 11/12 Jahre Lesen 33 min.

Felix und Lumi und die leisen Herzen

Felix plant, den Valentinstag mit farbenfrohen Papierherzen auf dem Spielplatz zu feiern, um anderen Freude zu bereiten, während er gleichzeitig ein gefundenes Medaillon einer Mitschülerin zurückgeben möchte. Auf seinem Weg trifft er Lumi, ein geheimnisvolles Wesen, das ihm hilft, seinen Plan leise und mit Herz zu verwirklichen.

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Ein 12-jähriger Junge, Felix, mit zerzausten braunen Haaren und neugierigen, funkelnden Augen, steht im Mittelpunkt eines sonnigen Parks und lächelt strahlend. Er trägt eine leuchtend rote Jacke und einen blauen Schal und hält ein kleines Papierherz in der Hand, bereit, es aufzuhängen. Neben ihm steht Mira, ein 11-jähriges Mädchen mit langen braunen Haaren und einem hübschen roten Haarband, die Felix bewundernd ansieht und ein silbernes Medaillon in den Händen hält. Sie steht etwas im Hintergrund, mit leuchtenden Augen vor Aufregung. Die Szenerie zeigt einen grünen Park mit kahlen, zarten Bäumen, einem hellblauen Himmel mit fluffigen Wolken und einem Holzpavillon, an dem Papierherzen hängen, die sanft im Wind wehen. Die Szene zeigt Felix und Mira, umgeben von einer Gruppe fröhlicher Kinder, die die aufgehängten Herzen entdecken und süße Botschaften lesen, was eine warme und kameradschaftliche Atmosphäre zum Valentinstag schafft. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Der Plan mit den Papierherzen

Der Februar roch nach kalter Luft und Orangenschalen. Felix blies weiße Wölkchen in den Morgen und strich mit dem Handrücken über das beschlagene Fenster. Draußen lag ein schmaler Rand Frost auf den Gartenzäunen, als hätte die Nacht Puderzucker verstreut. In der Küche klapperte eine Tasse. Es sollte ein ganz normaler Schultag werden, dachte er, aber sein Kopf vibrierte schon vor Ideen. Valentinstag. In seiner Klasse nannten sie ihn den Tag der Freundschaft. Keine kitschigen Liebesbriefe, sondern kleine Gesten, die jemandem den Tag heller machten. Genau sein Ding.

Felix war elf, mochte Teamarbeit und Taktikspiele und fand, dass fast alles leichter ging, wenn man es zu zweit anpackte. Sogar Hausaufgaben. Eigentlich vor allem Hausaufgaben. Er hatte schon am Vorabend bunte Zettel geschnitten und rote Fäden zusammengerollt. Heute, nach der Schule, wollte er damit den Spielplatz im Park in eine leise Überraschung verwandeln. Nicht groß, nicht laut, aber warm. Er stellte sich vor, wie Kinder beim Klettern plötzlich ein Herz entdeckten, an dem stand: Du bist mutig. Oder: Danke, dass du teilst. Oder: Lachen steckt an.

Mama mischte Kakao, und Felis rutschte auf den Küchenstuhl, die Knie gegen die Tischkante gedrückt. Er tippte auf die Tasche, in der Schere, Klebestift und Kartonherzen lagen. Seine Finger kribbelten. Die Schule war ein Zwischenstopp, die eigentliche Reise begann danach. So fühlte es sich an.

„Brauchst du Hilfe mit den Bastelsachen?“, fragte Mama und strich ihm durch die Haare.

„Ich schaff das als Team, Mama. Ich hab da so einen Plan … zu zweit“, sagte Felix und grinste geheimnisvoll.

„Na dann viel Erfolg, Team Felix“, lachte sie und stellte den Kakao hin.

In der Schule war es laut, fröhlich, von Stimmen geschichtet wie Pfannkuchen. Felix mochte das. Manche hielten ihm schon kleine Kärtchen hin, mit Glitzer und Strichmännchen. Er sagte danke, steckte sie in die Jackentasche und dachte an das, was er später tun würde. Im Gruppenraum zeichneten sie Partnerporträts. Während er seinem Sitznachbarn Jonas die Schokoladenkrümel vom Pulli pinselte, wanderte sein Blick immer wieder zum Fenster. Der Park lag dahinter wie ein graugrüner Teppich mit Bäumen, und ganz hinten schimmerte das Klettergerüst. Er spürte, wie die Idee in ihm klopfte.

Als er nach Hause lief, knisterten die Papiertüten in seiner Tasche. Da passierte es. Ein flackerndes Licht streifte ihn, obwohl die Sonne hinter Wolken hing. Es war, als ob jemand leise eine Streichholzflamme in der Luft anzündete. Felix blieb stehen, blinzelte, und plötzlich saß auf der Gartenmauer ein kleines Wesen.

Es sah aus wie ein Kind, vielleicht alt wie er, mit einer Jacke, die im Grau glitzerte. Im Haar steckte eine Feder, die nicht zu fallen schien. Die Augen hatten dieses Licht, das nicht blendete, sondern warm an die Wange rollte. Felix spürte, wie seine Schultern sich entspannten, als ob er diese Wärme kannte, ohne sie benennen zu können.

„Also doch“, dachte er, „ein Team.“

„Alles okay?“, rief Mama vom Fenster, die seinen Stopp bemerkt hatte.

„Ja, alles gut“, sagte Felix und hob die Hand.

Das Wesen auf der Mauer legte den Kopf schief und nickte, als hätte es den Gruß für sich genommen. Es sagte nichts, aber die Stille um es herum war anders, leiser, sichtbarer.

Felix schob das Gartentor auf und kontrollierte in seinem Zimmer seine Bastelsachen. Er sortierte Herzen, groß, klein, sehr klein, und schrieb mit dünnem Filzstift Botschaften. Seine Hand krampfte, aber ein gutes Krampfen, so wie beim langen Fahrradfahren, wenn die Luft kühl und die Beine leicht sind. Er klebte Schnüre, ordnete Sticker, probierte Knoten. Die Uhr tickte. Sein Herz ebenso.

Vor dem Spiegel setzte er die Mütze auf und zog seine Handschuhe über. Als er die Zimmertür öffnete, stand das Wesen im Flur. Es war nicht groß, nicht klein, irgendwie genau richtig, und es wirkte, als sei es in die Luft gezeichnet und dann sorgfältig ausgemalt worden.

„Psst“, sagte es, und seine Stimme war ein Flügelschlag. „Ich heiße Lumi.“

„Ich bin Felix. Ich arbeite am liebsten zu zweit“, antwortete er.

„Ich weiß“, murmelte Lumi und lächelte so weich wie frisch gebackenes Brot.

„Dann … machen wir das zusammen?“, fragte Felix und spürte, wie sein Plan plötzlich nicht nur Plan war, sondern Abenteuer.

„Leise und gut“, sagte Lumi.

Felix roch Kleber und kalte Erde. Im Flur knarzte die Diele. Die Tür zur Welt stand auf, der Valentinstag wartete. Und jetzt war er nicht mehr allein.

Kapitel 2: Lumi und der leise Flügelplan

Felix setzte sich an den Schreibtisch, und Lumi ließ sich quer über die Rückenlehne seines Stuhls fallen, als wäre sie die weichste Wolke des Zimmers. Ein etwas goldener Staub hing in der Luft, nicht störend, nur sichtbar, wenn man dagegen blinzelte. Aus dem Radio kroch leise Musik, der Geruch von Klebstoff mischte sich mit dem Duft vom Kakao, den er noch nicht ganz ausgetrunken hatte. Draußen scharrte eine Amsel in den braunen Blättern.

Felix holte die Schablonen hervor. Herzen. Sterne. Eine kleine Wolke mit einem lachenden Gesicht. Er nahm die rote Pappe und schnitt ein großes Herz. Es schnitt sich erstaunlich glatt, als hätte die Schere sich überlegt, heute besonders freundlich zu sein. Er schrieb: Du machst die Welt bunter. Er bohrte mit dem Spitzer ein Loch in die Pappe und fädelte einen dünnen roten Faden hindurch.

Lumi folgte der Bewegung mit den Augen und legte die Hände auf die Tischplatte. Ihre Finger waren fast durchsichtig, aber sie konnte Dinge anfassen. Ein leichtes Knistern ging durch den Faden, als sie ihn festhielt. Selbst die Luft schien zuzuhören.

„Die Herzen müssen so hängen, dass man sie entdeckt, aber erst, wenn man nahe dran ist“, sagte Felix halblaut zu sich selbst, weil lautes Denken bei ihm zum Planen gehörte.

„In der Nähe vom Kletterseil. Unter der Brücke vom Kletterturm. An der Seite der Rutsche, da, wo die Erbsenlache vom Sommer war“, schlug Lumi vor.

„Ja, und ein paar ganz unten am Wippenrand, damit auch die Kleinen was finden“, sagte Felix.

„Und eins am Eingang, ganz klein, für die, die nur kurz durchgehen“, meinte Lumi.

„Ich will, dass es wie ein Hauch ist“, murmelte Felix. „Wie ein Nicken. Kein Lautsprecher.“

„Zart. Wie Atem auf kaltem Glas“, sagte Lumi und malte mit ihrem Finger ein Herz auf die Tischkante, das sofort wieder verschwand.

„Wir machen das als Team“, sagte Felix. „Wir zwei. Aber niemand darf merken, dass ich's war.“

„Du magst Überraschungen, die sich anfühlen wie ein Geschenk ohne Schleife“, sagte Lumi.

„Genau. Und die Schule dachte, ich will nur Partnerarbeit, weil ich reden mag. Aber eigentlich mag ich den Moment, wenn der andere plötzlich grinst.“

„Dann wird heute viel gegrinst“, schelmte Lumi.

Felix sortierte weiter. Er schrieb: Du kannst gut zuhören. Er schrieb: Deine Ideen sind wichtig. Er schrieb: Es ist schön, dass du da bist. Seine Buchstaben waren schmal und lang, die i-Punkte wurden zu kleinen Sternen. Der Kleber glänzte und trocknete, machte die Pappe starr und geruchsstark. Er band Knoten, kontrollierte ihre Festigkeit, klopfte die Rollen mit Fäden gerade. Es war eine Sorte Arbeit, die im Körper kribbelte, weil man wusste, dass sie nicht gesehen werden würde und gerade deshalb groß wurde.

Zwischendurch aß er einen Apfel und schnitt mit der stumpfen Seite des Messers kleine Herzchen in die Schale. Ein paar davon klebte er auf neutrale Zettel, weil nicht jedes Herz rot sein musste.

Seine Gedanken sprangen zum Spielplatz. Er mochte den Platz. Er kannte die Geräusche: das Quietschen der Schaukelketten, das dumpfe Poltern, wenn jemand von der kleinen Mauer sprang, das Scharren, wenn Schuhe über Sand schleiften. Er sah die Rutsche, das Schiffklettergerüst, die Krone aus bunten Stangen, die sich anfühlten, als würden sie singen, wenn der Wind darüber strich. Und er wusste, dass morgens kaum jemand dort war. Perfekt.

Er packte alles in einen Rucksack, der zu groß schien und doch jeden Gegenstand wie selbstverständlich schluckte. Lumi streckte die Beine, als ob sie sich aufwärmte. Felix zog eine zweite Hose über die Leggings, denn der Frost würde zwicken.

„Wenn wir das schaffen, merkt keiner, dass es jemand geplant hat. Es fühlt sich dann an, als hätte der Spielplatz selber was gesagt“, sagte Felix.

„Und du bist die Stimme im Flüsterton“, antwortete Lumi.

„Ich werde leise gehen. Keine Spuren, außer Fäden und Worte“, sagte Felix.

„Ich halte den Wind fest, wenn er frech wird“, versprach Lumi.

„Deal“, sagte Felix und klopfte auf seinen Rucksack.

„Deal“, lächelte Lumi.

Er schaute auf die Uhr. Es war später geworden, als er dachte. Sein Puls stieg ein wenig, eine angenehme Aufregung, so wie vor einem Sprung vom Fünfsprungstein, wenn das Wasser blau und glatt wartet. Er zog die Schuhe an. Das Licht im Treppenhaus war kühl und flach. Kurz dachte er an Jonas und an Mira aus der Klasse, und wie sie wohl reagieren würden. Er spürte ein Ziehen in der Brust, die Art Ziehen, die dazugehört, wenn man etwas Gutes im Geheimen tut. Er mochte dieses Ziehen.

„Los“, sagte er, mehr zu sich selbst als zu Lumi. Und die Haustür öffnete sich wie ein Vorhang, der die Bühne freigab.

Kapitel 3: Der Spielplatz im Morgenglitzern

Der Park war still, als hätte er sich eine dicke Decke übergezogen. Ein paar Krähen hockten auf den kahlen Ästen wie schwarze Knoten. Der Sand auf dem Spielplatz war hart gefroren, aus ihm ragten kleine Krusten wie feine Krater. Die Rutsche war kalt und glatt und spiegelte den blassen Himmel. Der Atem in Felix' Schal fühlte sich warm und feucht an, er schob ihn kurz herunter, um besser zu atmen. Seine Stiefel knirschten auf Kies. Lumi schwebte neben ihm, fast auf Augenhöhe, und sah aus, als hätte sie kaltes Licht gegessen.

„Es ist ruhiger als in einer Bibliothek“, flüsterte Felix, obwohl niemand da war.

„Die Stille hat heute einen Ohrwurm“, antwortete Lumi und hob die Nase in die Luft.

„Der Spielplatz riecht nach Metall und ein bisschen nach Orangen, jemand hat wohl Neujahrsschalen hier vergraben“, lachte Felix leise.

„Fang an“, sagte Lumi und zeigte auf den Kletterturm.

Felix kletterte, die Hände in Handschuhen, etwas unbeholfen, aber sicher. Er band das erste Herz an eine Querstange, dort, wo man hinfasste, wenn man den letzten Schritt auf die Plattform machte. Es baumelte, kaum sichtbar, aber nah. Er trat zurück, betrachtete es aus dem Winkel eines Kindes, das gerade keuchend hochkommt, und nickte. Passte. Er befestigte eines an der Schräge unter der Brücke, eines an der Halteschlaufe der Hangelstange, eines an einer Schraube, die man sonst nicht beachtete. Die Fäden flüsterten leise, wenn er sie zog.

Lumi hielt den Faden, wenn der Wind ihn rauben wollte, und zog ihn sanft nach. Manchmal streckte sie einen Finger in die Luft, und der Wind machte einen kleinen Bogen, höflich, als wüsste er, dass hier etwas Feines geschah.

„Mira wird staunen“, sagte Felix ohne es zu merken.

„Und Jonas wird lachen und so tun, als hätte er's erwartet“, zwinkerte Lumi.

„Ich hab Jonas gern, aber heute ist mein Du du“, grinste Felix.

Er kroch durch den Tunnel des Spielschiffs. Hier war es wärmer als draußen, und der Sand roch nach Sommer, als hätte er sich Erinnungsstücke aufbewahrt. Er band ein Herz in den Schatten, eins an das Steuerrad. Er klebte ein sehr kleines an den Rand eines Bullauges. Es war, als versteckte er Süßigkeiten vor Mäusen, nur ohne Mäuse und ohne Zucker.

Als er vom Schiff sprang, glitzerte etwas am Fuß der Rutsche. Ein kleines Etwas, halb vom Sand bedeckt, halb vom Frost festgehalten. Felix kniete, bevor er wusste, dass er kniete, und zog es heraus. Ein silbernes Medaillon, so klein wie ein halber Keks. Es hatte die Form eines Herzens und fühlte sich kalt an, aber nicht feindlich. Auf der Rückseite waren winzige Kratzer, wie Lachen in Metall.

„Schau mal, Lumi“, sagte Felix, und sein Atem malte eine Wolke vor das Gesicht des Funds.

„Das hat einer verloren, dem es etwas bedeutet“, sagte Lumi.

Felix drückte das Medaillon auf, vorsichtig, aber bestimmt. Es ging auf wie eine Nussschale. Drinnen sah er ein Bild, halb verblasst: ein Mädchen mit einem roten Stirnband, daneben eine ältere Frau mit vielen Lachfalten. Auf der anderen Seite steckte ein winziger Zettel, die Kanten vom Zufall zerfranst. Darauf stand in dünnen Buchstaben eine Telefonnummer. Die Tinte war nicht verlaufen, obwohl das Ding wohl eine Nacht draußen gelegen hatte. Glück, dachte Felix. Oder so.

„Das müssen wir zurückgeben“, sagte Felix.

„Manchmal ist die beste Überraschung, etwas zu finden und zurückzugeben“, sagte Lumi.

„Ich hebe es auf. Nachher. Aber jetzt mach ich hier fertig“, sagte Felix und steckte das Medaillon in die Brusttasche, nahe am Herz. Es fühlte sich richtig an.

Er arbeitete weiter. Ein Herz an die Schaukelkette, so fest, dass niemand sich daran wehtat. Eins an die Rückenlehne der Bank. Er zeichnete mit Kreide ein paar kleine, verwischbare Herzen auf den Pfad, die im Regen verschwinden würden, aber heute leuchteten wie geheime Zeichen. Der Himmel hellte sich ein wenig. Ein Hund bellte in der Ferne, jemand ließ eine Thermosflasche klacken. Felix spürte, wie die Zeit rückwärts ging und vorwärts und zu ihm zurück. Es war wie Musik, die man selber macht, nur leiser.

Als er merkte, dass ihm ein Band fehlte, improvisierte er einen Knoten mit einem Schuhband, das er als Reserveschuhband extra in der Tasche hatte. Lumi hielt die Ränder, lachte leise, wenn ein Knoten besonders gut gelang. Es war schön, es machte warm. Und über allem hing die Idee, dass bald viele Füße über diesen Boden gehen würden, und manche würden kurz stehen bleiben, lesen, lächeln, und dann war etwas anders in ihnen, auch wenn sie nicht wussten, warum.

„Wir schaffen das“, sagte Felix, als wäre noch etwas Großes zu überwinden, obwohl alles gerade floss.

„Und das Herz in deiner Tasche erzählt seinen Weg zurück“, antwortete Lumi.

„Ja“, nickte Felix. Er strich über die Brusttasche, als hätte er die Hitze des Metalls spüren können.

Kapitel 4: Ein Anruf rettet das Funkeln

Als Felix sich dem Pavillon näherte, sah er das Schild: Heute geschlossen – Frost. Er hatte gehofft, hier an den Holzpfosten mehrere der kleinen Herzen aufzuhängen, die besonders hübsch gelungen waren. Der Pavillon war der Ort, an dem die Eltern gerne standen und auf die Kinder warteten, der Ort mit dem besten Überblick, dem Geruch nach Kaffee, wenn jemand eine Tasse mitbrachte. Das Tor war mit einer Kette versperrt, auf der ein dünner Hauch Eis funkelte. Dahinter lagen die Pfosten, glatt und nah – unerreichbar.

Felix stellte seinen Rucksack auf der Bank ab und atmete eine Sekunde lang. Er mochte Hindernisse, die man klug umschiffen konnte. Es gab ein Schild am Zaun, er kannte es: Für Anliegen in Notfällen: Herr Blum – Parkbetreuung. Darunter eine Telefonnummer. Der Notfall, dachte Felix, ist vielleicht kein echter, aber doch wichtig. Für Herzen. Für Lächeln.

Er holte sein Handy. Seine Finger waren kalt, aber die Zahlen fanden ihren Platz.

„Guten Morgen, Herr Blum? Der Pavillon ist zu, und ich wollte … äh … eine kleine Sache für Valentinstag aufhängen. Ganz harmlos, nur Papierherzen. Darf ich vielleicht kurz rein?“, sagte Felix.

„Na, das ist mal ein ungewöhnlicher Grund“, brummte eine freundliche Stimme am anderen Ende. „Wie heißt du denn?“

„Felix. Ich bin elf. Ich mach das leise. Versprochen. Keine Sauerei“, sagte er.

„Felix, ich bin in der Nähe. Gib mir zehn Minuten. Und Papierherzen für die Herzen, das klingt nach einem guten Frostgrund“, sagte Herr Blum und lachte leise.

„Super, danke! Und ich habe hier auch ein Medaillon gefunden. Silber, mit Foto. Gibt's bei Ihnen eine Fundkiste?“, fragte Felix.

„Gibt es. Bring's gleich mit. Vielleicht kenne ich den Besitzer, ich kenne viele Gesichter hier“, antwortete Herr Blum.

Felix legte auf und steckte das Handy in die Tasche. Sein Herz pickte gegen die Rippen, aber angenehm. Es war gut, jemanden angerufen zu haben. Er schaute zu Lumi. Sie war auf dem Zaun gelandet und hatte dort einen kleinen Eisfaden zwischen den Fingern, der nicht schmolz.

Kurz danach bog ein schmaler Mann mit blauer Wollmütze ums Eck. Er hatte einen Schlüsselbund, der klimperte, und Wangen, die rot waren von der Kälte. Er nickte, als würden sie sich schon kennen, obwohl sie das nicht taten.

„Du bist also der Herzensarbeiter“, sagte Herr Blum, und seine Augen funkelten.

„Ja. Ich will's diskret machen, wie ein Wind, der freundlich ist“, sagte Felix.

„Dann lass uns freundlich sein“, grinste Herr Blum und öffnete das Tor. Das Metall knarrte, der Frost bröckelte in feinen Linien. „Zeig mal, wo du was hin willst.“

Felix zeigte, und Herr Blum hielt an den richtigen Stellen, so dass Felix an höher gelegene Balken kam. Lumi schwebte knapp unter dem Dach, hob einen Faden sanft an, wenn er sich verheddern wollte, und hielt ihn, während Felix einen Knoten machte. Der Mann sah sie nicht, drehte aber den Kopf, als wäre da ein Schatten, den er kannte, aber gerade nicht benennen konnte.

Als sie fertig waren, holte Felix das Medaillon aus der Tasche und legte es in die Hand von Herrn Blum. Der drehte es, öffnete es, nickte.

„Die da ist Mira, oder? Die mit dem roten Stirnband. Kommt oft hier her, zusammen mit ihrer Oma. Ich glaub, die haben gestern lange gesucht“, murmelte er. „Bring's am besten in die Fundkiste, und ich hänge eine Notiz an die Tafel. Oder … warte mal. Sie kommen meistens gegen zehn. Wenn du Zeit hast, kannst du es ihr gleich selbst geben.“

Felix fühlte ein warmes Etwas in seinem Bauch. Mira aus seiner Klasse. Er kannte ihr Stirnband. Er wusste, wie sie die Augen zusammenkniff, wenn sie nachdachte. Er wusste, dass sie gerne Tafelbilder ordentlich machte. Und er wusste jetzt, was zu tun war.

„Das ist gut. Ich warte“, sagte er.

„Dann mach dich bereit für viele Lächeln, Felix“, sagte Herr Blum.

„Danke, dass Sie das Tor aufgemacht haben“, sagte Felix.

„Für Lächeln mach ich immer ein Tor auf“, antwortete Herr Blum und ging pfeifend davon.

Felix stand noch einen Moment still. Dann hängte er die letzten Herzen auf. Der Pavillon sah aus, als wäre ein stiller Regen aus roten Fetzen gefallen, die sich in Luftschleifen verhakt hatten. Und in seiner Brusttasche klopfte das Medaillon, als wüsste es, dass sein Weg gleich weiterginge.

Kapitel 5: Das Fest der kleinen Gesten

Der Himmel wurde heller. Er war nicht wirklich blau, eher ein helles Grau, das atmete. Leute tauchten auf, langsam, wie Figuren in einem Film, der ganz leise wurde. Eine Frau schob einen Kinderwagen, in dem ein Winzling strampelte. Zwei Kinder kamen mit Mützen bis über die Ohren, sprangen über die Kreideherzen, als wären es Pfützen im Sommer. Ein älterer Mann setzte sich auf die Bank und legte die Hände auf den Stock, und sein Blick blieb an dem Herz an der Banklehne hängen. Seine Mundwinkel hoben sich. Es war ein sanftes Lächeln, wie Teig, der aufgeht.

Ein Junge mit einer gelben Jacke streifte mit der Hand die Halteschlaufe und bemerkte das Herz daran. Er las, langsam, leise, und seine Augen wurden rund. „Du bist mutig“, stand da. Er hob den Kopf und blickte in die Umgebung, als hätte ihm das Schild eine geheime Nachricht zugesteckt.

„Guck mal, Mama, hier hängt was!“, rief ein Mädchen am Kletterturm.

„Warte, lies es mal“, sagte ihre Mutter und beugte sich dabei so tief, dass ihre Mütze die Stirn berührte.

„Du machst die Welt bunter“, las das Mädchen. „Cool.“

Felix stand ein Stück abseits, hinter dem kleinen Weidenhäuschen, das im Sommer Schatten spendete und jetzt wie ein braunes Türmchen aussah. Er fühlte sich wie ein Zauberer, der den Trick verraten könnte, aber sich entschied, es nicht zu tun. Lumi schwebte neben ihm und legte sich eine Strähne hinters Ohr. Sie sah glücklich aus, obwohl sie nicht lachte. Sie hatte diese Ruhe, die sich gegen Aufregung setzte wie eine Handfläche gegen eine Welle.

„Es funktioniert“, flüsterte Felix.

„Es funktioniert, weil es nicht laut sein will“, flüsterte Lumi zurück.

Ein kleiner Junge mit dicken Handschuhen griff nach dem Herz an der Schaukel und hielt es, als sei es ein Schatz, der nicht seine sein sollte und doch in seine Hand gehörte. Seine Großmutter lächelte ihn an, die Augen zu schmalen Monden zusammengezogen. Der ältere Mann auf der Bank las langsam die Zeilen auf mehreren Herzen, so als würde er sie auswendig lernen und mitnehmen.

Ein Wind zog durch den Pavillon, zupfte an den Fäden, aber nicht zu sehr. Es klang, als ob leise Musik gespielt wurde. Felix stand und fühlte, wie sein Herz sich streckte.

Da näherte sich ein Mädchen mit einem roten Stirnband und einem Schal, der in der Sonne leuchtete, als hätte jemand Zimt in Wolle gestrickt. Neben ihr ging eine ältere Frau, deren Lachfalten man auch aus der Entfernung sehen konnte. Mira und ihre Oma. Felix hielt die Luft an, ohne zu schnaufen. Er spürte das kleine Medaillon in seiner Brusttasche, das mit der Bewegung klopfte. Miras Blick glitt über den Boden, suchend, tastend.

„Ich find's nicht, Oma“, murmelte Mira.

„Vielleicht hat es jemand gefunden und abgegeben“, sagte die Oma und drückte Miras Arm.

„Es ist von dir. Ich wollte vorsichtig sein“, sagte Mira und biss sich auf die Lippe.

„Passiert“, flüsterte die Oma. „Manches geht weg und kommt zurück. Manches geht weg und macht Platz.“

Felix fühlte einen Ruck in seiner Brust. Er wusste, dass er gleich hingehen würde. Er wusste nur noch nicht, wann der Moment am feinsten war, am leisesten, am richtigen. Er sah, wie Mira kurz neben der Rutsche stehen blieb und an die Kanten fasste, ohne zu rutschen. Er sah, wie sie in den Sand schaute, als könnte sie etwas zum Klingen bringen, wenn sie nur die richtige Stelle fand.

„Jetzt?“, flüsterte Felix.

„Bald“, flüsterte Lumi. „Lass ihr Zeit, die Herzen zu sehen.“

Mira hob den Blick und sah das Herz am Pavillonpfosten. Sie ging darauf zu und las. Ein kurzer Schatten löste sich aus ihrem Gesicht. Der Mundwinkel hob sich. Die Oma nickte, als hätte sie genau das erwartet. Felix fühlte sich, als säße er auf einer Schaukel, kurz vor dem höchsten Punkt.

„Es ist schön, dass du da bist“, stand auf dem kleinen Herz, das Mira gelesen hatte.

Felix küsste die kalte Luft mit seinem Atem. Er wusste, dass sein Plan gelang. Er wusste, dass es Menschen gab, die heute etwas Leichtes mit nach Hause nehmen würden, das man nicht fassen, aber spüren konnte. Und er wusste, dass das kleine, silberne Ding in seiner Tasche gleich dorthin passen würde, wo es hingehörte.

Kapitel 6: Ein Herz findet zurück

Felix spürte die Wärme in der Tasche, obwohl das Medaillon kalt sein musste. Er trat unter den Pavillon, als eine Gruppe Kinder lachend zum Kletterseil rannte. Er fügte sich ein in die Bewegungen, als wäre er ein Teil der Schatten und des Lichtes. Mira stand jetzt eine Armlänge von ihm entfernt, die Oma betrachtete eine Notiz an der Pinnwand, auf der in krakeligen Buchstaben stand: Heute viele Herzen. Lächeln erlaubt. Dahinter hatte Herr Blum gewiss seine Finger im Spiel.

Felix holte das Medaillon aus der Tasche. Er hielt es so, dass das Licht darauf tanzte. Dann räusperte er sich, leise, freundlich.

„Mira? Ich glaube, das gehört dir“, sagte Felix.

Mira drehte sich um. Ihre Augen wanderten vom Medaillon zu seinem Gesicht, wieder zurück, als bräuchte sie zwei Blicke. Sie atmete ein, als hätte jemand ihr ein Päckchen Luft gereicht.

„Das ist es!“, sagte Mira, die Hand am Mund.

„Ich hab's heute früh gefunden. Am Rutschenfuß. Es war kalt, aber schön“, sagte Felix.

„Danke“, sagte Mira und hielt das Medaillon, als wäre es aus Zucker. Ihre Finger zitterten ein bisschen, die Art Zittern, die von Erleichterung kommt.

„Verschließ es gut. Vielleicht machst du eine kleine Schnur doppelt drum“, sagte Felix.

„Ja. Und ich werd's nicht mehr beim Rennen aufmachen“, lachte Mira.

Die Oma trat heran, lächelte in Falten, die aussahen wie Wege auf einer Karte. „Manchmal gehen Dinge weg, damit man merkt, wie sehr sie zu einem gehören. Schön, dass du es zurückgebracht hast“, sagte sie, und ihre Stimme war warm wie eine Decke.

Felix nickte. Er spürte seine Wangen. Irgendwo hinter ihm, vielleicht bei den Büschen, lachte jemand. Der Wind war freundlich, als hätte er seine Hände in den Taschen und pfeife ein Lied, das er nur für sich kannte.

Die Herzen am Pavillon bewegten sich kaum. Sie waren nicht für den Wind gemacht worden, sondern für die Augen, die neben ihnen stehen blieben, kurz, lang genug. Felix schaute zu Lumi. Lumi stand neben dem Pfosten, ihr Gesicht hell, als sei jemand in ihrem Inneren eine Kerze angezündet. Sie nickte, und dieses Nicken war so milde, dass Felix ein „gut gemacht“ hörte, obwohl niemand es sagte.

Menschen lasen Herzen. Kinder hielten die Schaukel an und lasen. Ein Vater hielt ein Handy hoch und fotografierte zwei Herzen, die sich zufällig überlappten. Herr Blum tauchte wieder auf, die Mütze schief, der Schritt flink. Er hob die Hand zum Gruß und machte ein Gesicht, als wüsste er mehr, als er sagte.

„Jonas wird sich heute wundern, dass der Spielplatz Worte hat“, dachte Felix und spürte ein Kichern in seiner Brust.

Mira hielt das Medaillon fest und sah sich um, als suche sie weitere Dinge, die zu ihr gehörten. Dann blickte sie wieder zu Felix, wirklich, und nicht durch ihn hindurch.

„Hast du die Herzen …?“, begann sie und nickte zum Pavillon.

Felix legte die Hand auf seinen Rucksack. Er fühlte das Gewicht von Schere und Kleber, von Bändern und Papier. Er fühlte auch Lumi neben sich, die Luft leicht vibrierend.

„Ich mag Teamarbeit. Und heute hat der Spielplatz ein bisschen mitgeholfen“, sagte Felix und zwinkerte, nicht zu groß, nicht zu klein.

Mira lachte. Es war ein kurzes Lachen, ehrlich, ohne Kanten. „Dann sag dem Spielplatz Danke. Und dir selbst ein bisschen“, sagte sie.

„Mach ich“, antwortete Felix.

„Und … danke“, sagte Mira noch einmal, und in ihrem „Danke“ lag das Geräusch von jemandem, der auf einem gefrorenen See die ersten mutigen Schritte macht und merkt, dass das Eis trägt.

Felix steckte die Hände in die Jackentaschen und ging ein paar Schritte zurück. Kinder kletterten, Herzen glitten sacht, die Oma und Mira setzten sich auf die Bank, und die Oma legte die Hand auf Miras Schulter, so, als stünde da eine Lampe, die man angeschaltet lassen wollte. Der Atem der Menschen mischte sich und stieg als kleine Wolken in die helle Luft.

„Du hättest es groß machen können“, sagte Lumi, als sie neben Felix schwebte, „aber du hast es leise gemacht. Das ist manchmal das Größte.“

„Ich mag leise groß“, sagte Felix.

„Und Team groß“, fügte Lumi hinzu.

„Und zurückgeben groß“, sagte Felix und spürte, wie in ihm etwas ganz Ruhiges und Warmes entstand, so wie der Moment, in dem man nach einem Lauf stehen bleibt und die Welt auf einmal klar ist.

Er hob den Blick. Über dem Pavillon, hinter den kahlen Ästen, war ein Streifen Himmel aufgehellt, als hätte jemand mit Kreide eine Linie gezogen. Der Frost begann zu glitzern, als ob er das Licht verschluckte und dann doch wieder losließ. Die Herzen waren da. Die Menschen waren da. Und er war da, zusammen mit Lumi. Er erkannte, dass manches besser ist, wenn man es teilt, und manches besser, wenn man es still tut. Vielleicht ist Liebe genau das, dachte er, ein Team, das Bescheid weiß, auch wenn niemand klatscht.

Herr Blum kam vorbei und klopfte mit zwei Fingern an den Pfosten. Er sah Felix an, als wollte er ein Geheimnis teilen, und tat es nicht. Das war sehr passend.

Lumi streckte die Hand aus, als wollten ihre Finger den Frost berühren, und der Frost ließ sich. „Wenn du das nächste Mal wieder leise etwas Großes vorhast – ich bin hier“, sagte sie.

Felix nickte. „Ich weiß“, sagte er, und das war keine Floskel.

Er sah zu Mira, die das Medaillon anlegte, die Schnur um den Hals straff zog und das Herz unter den Schal schob. Sie legte eine Hand darauf. Dann hob sie den Blick und winkte ihm zu. Kein großes Winken, ein kleines, so wie zwei Leute sich zunicken, die wissen, dass etwas zwischen ihnen passiert ist, das niemand erklären muss.

Felix winkte zurück. Er fühlte sich ganz. Die Luft schmeckte nach Metall und nach Anfang. Auf dem Boden, dort, wo der Sand fester war, zeichnete er mit der Spitze seines Schuhs ein sehr kleines Herz. Er trat wieder weg, so, dass es gerade sichtbar blieb, wenn jemand genau hinsah. Dann drehte er sich zur Bank, zu den Kindern, zu den Herzen am Pavillon. Seine Hände waren warm in den Taschen. Er atmete, und sein Atem mischte sich mit vielen anderen. In diesem Atem war der Tag.

„Komm, Team“, sagte er leise zu Lumi, und sie nickte und glitt neben ihm her, so unauffällig wie ein Gedanke, der bleibt.

Und während in den Baumwipfeln die Krähen noch einmal riefen, löste sich in Felix etwas, das nicht mehr gespannt sein musste. Es veränderte die Art, wie er ging. Er spürte, dass der Valentinstag ihm eine Sache geschenkt hatte, die nicht mit Papier oder Faden zu tun hatte. Es war die Gewissheit, dass kleine Gesten Landkarten sein können, auf denen andere den Weg zu einem Lächeln finden. Und es war die Freude, dass ein Herz seinen Weg zurückgefunden hatte, in die Hände, zu denen es gehörte.

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