Morgens auf dem Hof
Am Rand des Dorfes wohnt Mia, eine Bäuerin mit warmen Händen. Jeden Morgen sagt sie: „Guten Morgen, Hof.“ Der Wind kitzelt, die Sonne lächelt weich.
Mia zieht ihre Gummistiefel an. Sie trägt einen Eimer, leicht wie ein Lied. Hühner wackeln heran. „Guten Morgen, Henne“, sagt Mia. „Gack“, sagt die Henne, als würde sie kichern.
Heute sät Mia kleine Samen. Sie gräbt eine kleine Rille. Sie legt die Samen hinein, ganz vorsichtig. „Ihr dürft schlafen“, flüstert sie. „Erde ist eure Decke.“ Sie streicht die Erde zu. Dann gießt sie Wasser. Tropf, tropf, wie leise Musik.
„Samen brauchen Zeit“, sagt Mia. „Sonne für Wärme. Regen zum Trinken. Wir warten. Wir vertrauen.“ Die Wolken kommen. Mia lächelt. „Regen hilft“, sagt sie. Die Luft duftet nach frischer Erde, wie nach Brot.
Mittags, wenn alles summt
Der Traktor brummt freundlich: brumm-brumm. Mia fährt langsam, wie eine Schildkröte. Auf dem Anhänger liegt Heu. „Für euch“, sagt sie zu den Kühen. Die Kühe muhen weich. „Muuuh“, wie ein tiefer Bass.
Mia melkt Lotte, die Kuh. Plitsch, platsch. Die Milch klingt wie kleine Regentropfen im Eimer. „Danke, Lotte“, sagt Mia. Sie füttert die Hühner. Korn fällt wie goldener Regen. Im Nest liegen Eier. Rund und warm. „Ein Geschenk“, sagt Mia.
Sie zupft Unkraut. „Nur ein bisschen Platz machen“, murmelt sie und kichert. Bienen summen um bunte Blumen. „Die Blumen sind der Tisch der Bienen“, erklärt sie. „Wir pflanzen, wir gießen, wir warten. Im Frühling säen wir. Im Sommer pflegen wir. Im Herbst ernten wir. Im Winter ruht der Boden. So wie wir.“
Mia streicht über die Erde. „Ich passe auf dich auf“, sagt sie zum Feld. Das Feld sagt nichts, aber es fühlt sich ruhig an. Alles atmet. Alles hat Zeit.
Abends, wenn der Hof atmet
Die Sonne wird rund und orange, wie ein Pfirsich. Mia zieht Möhren aus der Erde. Sie sind orange wie kleine Lichter. „Danke, Boden“, flüstert sie. Sie kocht Suppe. Es riecht warm und gut.
Sie zählt die Tiere: „Alle da.“ Die Hühner sitzen eng. Die Kühe kauen langsam. Der Wind ist weich. Der Mond schaut zu.
Mia deckt die Gartenbeete zu, wie mit einer stillen Decke. „Gute Nacht, Samen“, sagt sie. „Träumt vom Wachsen. Ich bin morgen wieder da.“ Sie lächelt. Der Hof schnurrt leise. Alles ist gut. Morgen kommt ein neuer Tag, mit Arbeit, mit Liebe, mit Vertrauen.