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Weihnachtsgeschichte 11/12 Jahre Lesen 20 min.

Die zwei Glöckchen im Winterwald: Wie Brumm Weihnachten fand

Der schüchterne Bär Brumm hilft der Maus Lila, verlorene Weihnachtsgeschenke im Winterwald zu verteilen, und erlebt dabei, wie kleine Gesten Wärme und Gemeinschaft für die stillen Tiere bringen.

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Brumm, ein großer brauner Bär mit dichtem, glänzendem Fell und sanftem, erstaunten Blick, hockt da und hält behutsam eine kleine silberne Glocke zwischen seinen großen Pfoten, ein rotes Halstuch um den Hals, sein Atem sichtbar in der kalten Luft; Lila, eine kleine graue Maus mit wachen Augen und zuckenden Schnurrhaaren, steht auf Brumms Rücken, lächelt schelmisch und hält ein buntes Fadenende, um die Ast zu erreichen; ein winziger Zaunkönig mit braun-ockerfarbenem Gefieder und neugierigen runden Augen sitzt schüchtern auf einem nahen Zweig und neigt den Kopf zu den Glöckchen; Flock, ein junger Hermelin im weißen Winterpelz mit einem kleinen grauen Fleck am Ohr, zittert leicht, schaut dankbar zu und kuschelt sich an Brumms Pfoten; die Szene spielt in einer Lichtung mit schneebedeckten Tannenzweigen, funkelndem Pulverschnee auf dem Boden und einem dämmernden, sternenübersäten Himmel, Mondlicht schimmert zwischen den Bäumen. Hauptsituation: ein warmes, stilles Moment, in dem die Freunde zwei kleine Glocken an einen niedrigen Ast hängen; das Metall glänzt schwach, der Schnee glitzert und die Stimmung ist von Zusammenhalt und intimer Weihnachtsatmosphäre geprägt. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Schneespuren im Fichtenwald

Der Wald trug seinen Wintermantel: Schnee auf den Zweigen, Eisfunken in der Luft, und der Wind summte leise, als würde er ein Lied üben. Zwischen den Fichten stapfte ein Bär mit vorsichtigen Pfoten. Er hieß Brumm, war groß, aber so still, dass sogar die Krähen manchmal vergaßen, dass es ihn gab.

Brumm mochte die kalten Monate. Sie rochen nach Harz, nach klarer Luft und nach Ruhe. Und doch war da jedes Jahr etwas, das ihn kribbelig machte, wie ein Kitzeln hinter den Ohren.

„Weihnachten“, murmelte er und blieb stehen.

Er hatte das Wort schon oft gehört. Die Eulen flüsterten es, wenn es früh dunkel wurde. Die Hasen kicherten darüber, als wäre es ein Geheimnis. Und die Wölfe… na ja, die Wölfe taten so, als wäre Weihnachten ihnen egal, was vermutlich bedeutete, dass es ihnen sehr wichtig war.

Brumm verstand es nicht. War Weihnachten ein Festmahl? Ein Zauber? Ein Geräusch?

Er zog die Nase hoch. Irgendwo roch es nach etwas Süßem, fast wie Honig, aber nicht ganz. Dazu kam ein zarter Klang, als ob ein winziges Glöckchen irgendwo versteckt war und sich nicht entscheiden konnte, ob es klingeln wollte.

Brumm folgte dem Geruch und dem Klang, Schritt für Schritt. Unter einer Tanne lag etwas, das nicht in den Wald gehörte: ein kleiner Korb, halb im Schnee versunken, mit einer Decke darüber.

„Hallo?“ Brumm beugte sich vor, so vorsichtig, als könnte sein Atem den Korb erschrecken.

Aus dem Korb sahen zwei runde Augen heraus. Eine Maus, grau wie Asche und geschniegelt, aber mit zitternden Schnurrhaaren.

„Psst!“, piepste sie. „Nicht so laut! Ich versuche, unauffällig zu sein.“

Brumm blinzelte. „Du bist… in einem Korb. Im Schnee.“

„Genau“, sagte die Maus und klopfte sich die Decke zurecht. „Mein Plan ist hervorragend. Leider ist es kalt.“

Brumm setzte sich, sodass der Schnee um ihn herum leise seufzte. „Warum bist du hier?“

Die Maus zog die Nase kraus. „Ich heiße Lila. Und ich sollte eigentlich Geschenke ausliefern.“

Brumm hob eine Augenbraue. „Geschenke? Im Wald?“

„Ja!“, sagte Lila, als hätte Brumm gerade das Offensichtliche übersehen. „Weihnachten, du weißt schon. Kleine Überraschungen für alle. Nüsse für die Eichhörnchen, getrocknete Beeren für die Drosseln, ein warmer Moosball für den Igel…“

Brumm schluckte. „Das klingt… freundlich.“

„Ist es auch“, sagte Lila, und für einen Moment leuchteten ihre Augen. Dann verdunkelte sich ihr Blick. „Aber ich habe mich verlaufen. Und der Korb ist schwer. Und…“ Sie seufzte dramatisch. „Ich glaube, Weihnachten läuft ohne mich weiter. Das wäre eine Katastrophe.“

Brumm starrte auf den Korb. Er war diskret, ja. Aber in ihm steckte ein mutiger Kern, wie eine Eichel, die trotzdem wächst, auch wenn Schnee darauf liegt.

„Ich helfe dir“, sagte er.

Lila blinzelte. „Du? Du bist ein… Bär.“

„Ich bin stark“, erklärte Brumm, als wäre das ein ganz einfacher Satz. „Und ich will verstehen, was Weihnachten ist.“

Lila lächelte schief. „Dann komm. Weihnachten versteht man nicht mit den Ohren. Man versteht es mit den Pfoten.“

Brumm schob den Korb vorsichtig auf seinen Rücken, als wäre er ein Schatz. Und gemeinsam stapften sie los, in die winterliche Dämmerung hinein, wo der Schnee knisterte wie Papier und der Himmel nach Sternen aussah, die sich schon warm liefen.

Kapitel 2: Das Rätsel der stillen Freude

Der Weg führte zu einer Lichtung, auf der der Wind freier tanzte. Dort stand ein alter Baumstumpf, der im Sommer nach Pilzen roch und im Winter nach Geschichten. Darauf saß ein Rabe und betrachtete die Welt, als wäre sie ein Rätsel, das er gleich lösen würde.

„He, Schwarzfeder!“, rief Lila. „Wir brauchen Hilfe. Brumm trägt den Geschenkkorb, aber wir wissen nicht, wo zuerst hin.“

Der Rabe drehte den Kopf so weit, dass es aussah, als wolle er sich selbst in den Nacken schauen. „Weihnachtsposten? Das ist selten geworden. In letzter Zeit wird viel geredet und wenig gemacht.“

Brumm räusperte sich. „Ich will Weihnachten verstehen.“

Der Rabe krächzte, aber es klang fast wie ein Lachen. „Verstehen? Dann beobachte. Weihnachten ist nicht nur Glitzer und Schleckereien. Es ist eine Art, sich gegenseitig wärmer zu machen, ohne ein Feuer anzuzünden.“

Lila nickte eifrig. „Genau! Und wir haben eine Liste.“ Sie zog ein zusammengerolltes Blatt hervor, das viel zu groß für eine Maus war, und entrollte es mit einem Schwung, als wäre sie ein Kapitän auf hoher See.

Der Rabe sprang vom Stumpf und hüpfte näher. „Hm. Igel im Brombeerwinkel. Dachs am Bachufer. Eule beim alten Kirschbaum.“

Brumm spürte, wie die Worte in ihm herumkullerten. Wärmer machen ohne Feuer. Geschenke, die nicht nur Sachen waren, sondern… Zeichen.

„Und wohin zuerst?“ fragte Brumm.

„Zum Igel“, sagte der Rabe sofort. „Der Brombeerwinkel ist windig. Wenn dort jemand friert, friert er gründlich.“

„Danke“, sagte Lila.

Der Rabe sah Brumm an, als würde er ihm heimlich eine Aufgabe geben. „Bär. Wenn du Weihnachten verstehen willst, musst du auch Fragen stellen, die unbequem sind.“

Brumm nickte langsam. „Welche?“

„Zum Beispiel: Wer bekommt nichts?“, krächzte der Rabe.

Diese Frage blieb in der Luft hängen wie eine Schneeflocke, die nicht weiß, wo sie landen soll.

Lila zog am Korbband. „Los, Brumm. Wir haben viel zu tun.“

Sie zogen weiter. Der Schnee wurde tiefer, und Brumm musste manchmal die Pfoten hochheben wie schwere Kissen. Der Korb wippte auf seinem Rücken, und bei jedem Wippen klang leise etwas darin: ein feines, helles Klimpern.

„Hörst du das?“ fragte Brumm.

„Das sind kleine Glöckchen“, sagte Lila. „Damit die Geschenke nicht einschlafen.“

„Und Weihnachten?“ Brumm schnupperte. „Schläft Weihnachten manchmal ein?“

Lila grinste. „Nur, wenn niemand es weckt.“

Brumm stapfte fester. Dann würden sie es eben wecken. Mit Pfoten, mit Wegen, mit Mut.

Kapitel 3: Ein Moosball für den Igel

Der Brombeerwinkel war ein Wirrwarr aus Zweigen, die wie krumme Finger aus dem Schnee ragten. Zwischen den Dornen hing ein dünner Eisfilm, der leise klirrte, wenn der Wind daran zog. Es war ein Ort, der „Aua“ sagte, wenn man nicht aufpasste.

„Hier wohnt Stachel“, flüsterte Lila. „Er tut immer so, als bräuchte er niemanden. Aber im Winter…“ Sie zuckte mit den Schultern.

Brumm kniete sich hin, sodass seine Schnauze knapp über dem Schnee schwebte. „Stachel? Bist du da?“

Es raschelte. Ein kleiner Hügel bewegte sich. Dann schob sich ein Igel hervor, rund wie ein vergessener Tannenzapfen mit Augen.

„Was ist?“ knurrte Stachel. „Wenn ihr gekommen seid, um mich zu stören, seid ihr zu früh. Ich war gerade dabei, mich nicht zu freuen.“

Lila kicherte. „Perfekt! Dann passen wir genau rein.“

Stachel schielte zum Korb auf Brumms Rücken. „Was habt ihr da?“

„Ein Geschenk“, sagte Brumm.

„Ich will keins“, brummte Stachel sofort, so schnell, dass es fast verdächtig klang.

Brumm legte den Korb ab und holte vorsichtig einen runden Moosball heraus, dicht und weich, mit einem Band aus getrockneten Grashalmen.

„Moos ist warm“, erklärte Brumm. „Und es piekst nicht.“

Stachel starrte den Ball an, als hätte er Angst, er könnte ihn anlächeln. „Warum?“

Brumm suchte nach Worten, die so einfach waren wie ein klarer Wintermorgen. „Weil jemand an dich gedacht hat.“

Für einen Moment war nur das Knistern des Eises zu hören. Dann schnupperte Stachel am Moosball.

„Der riecht nach Sommer“, murmelte er, und seine Stimme war plötzlich nicht mehr so knurrig.

Lila klatschte leise in die Pfoten. „Genau. Sommer zum Mitnehmen.“

Stachel nahm den Ball, vorsichtig, als würde er ein Ei tragen. „Ich… danke“, sagte er, als wäre das Wort eine ungewohnte Nuss, die er erst knacken musste.

Brumm spürte etwas in der Brust, das größer wurde. Kein Hunger. Eher… ein helles, rundes Gefühl.

„Ist das Weihnachten?“ flüsterte er Lila zu, während Stachel sich schon wieder in den Brombeeren gemütlich einrollte.

„Ein Stück davon“, sagte Lila. „Aber nicht alles.“

Sie machten sich wieder auf den Weg. Hinter ihnen raschelte es, und Stachels Stimme rief, halb verlegen, halb mutig: „He! Wenn ihr mal… äh… Dornen aus dem Fell braucht, sagt Bescheid!“

Lila prustete. „Ein echtes Weihnachtsangebot!“

Brumm lachte leise, und der Wald lachte ein kleines bisschen mit.

Kapitel 4: Der Dachs und die leere Stelle

Am Bachufer war das Wasser nicht ganz zu Eis geworden. Es glitt dunkel und flink zwischen weißen Rändern dahin, als hätte es es eilig. Unter einer Wurzel lag der Dachsbau, und davor stand der Dachs selbst, geschniegelt wie immer, als würde er gleich eine wichtige Rede halten.

„Ich habe euch erwartet“, sagte er. „Der Rabe hat schon geflattert.“

Lila machte eine kleine Verbeugung. „Für dich haben wir getrocknete Beeren. Extra süß.“

Der Dachs nickte zufrieden, doch seine Augen blieben ernst. „Gut. Aber ich habe ebenfalls etwas für euch: eine Nachricht.“

Brumm legte den Korb ab. „Welche?“

Der Dachs trat zur Seite und zeigte auf eine Stelle im Schnee. Dort waren Spuren, viele Spuren, die durcheinanderliefen—und dann plötzlich endeten sie, als hätte jemand die Geschichte abgeschnitten.

„Jemand hat versucht, den Wald zu durchqueren“, sagte der Dachs. „Klein. Sehr klein. Und jetzt… nichts.“

Lila schluckte. „Vielleicht ist es nur ein Vogel…“

„Vögel fliegen“, sagte der Dachs trocken.

Brumm beugte sich über die Spuren. Sie waren winzig, kaum mehr als Punkte. „Wer ist es?“

Der Dachs schüttelte den Kopf. „Ich weiß nur: Es ist jemand, den kaum einer bemerkt. Genau wie du, Bär.“

Diese Worte trafen Brumm seltsam. Diskret zu sein war bisher sein normaler Zustand gewesen. Doch plötzlich klang es wie eine Aufgabe.

„Dann suchen wir“, sagte Brumm, und seine Stimme war ruhig, aber fest.

Lila nickte sofort. „Weihnachten ohne jemanden? Nein. Nicht mit uns.“

Der Dachs gab ihnen ein Bündel trockenes Gras. „Für den Fall, dass ihr jemanden findet, der friert. Und noch etwas…“ Er zog aus seinem Bau ein kleines Säckchen. Darin klang etwas metallisch. „Ein Ersatzglöckchen. Falls eures verloren geht.“

Brumm hörte es klimpern und dachte an das feine Geräusch im Korb. „Warum Glöckchen?“

Der Dachs sah zum Himmel, wo die ersten Sterne wie Stecknadeln funkelten. „Weil Hoffnung manchmal ein Geräusch braucht, um gefunden zu werden.“

Sie folgten den Spuren, erst am Bach entlang, dann hinein in eine Senke, wo der Schnee weicher war. Lila lief voraus, schnell wie ein Gedanke. Brumm kam hinterher, mit großen Schritten, die trotzdem leise waren.

„Da!“ rief Lila plötzlich.

Unter einem umgekippten Ast lag ein winziges Fellknäuel. Es zitterte.

Brumm kniete sich hin. „Hallo?“

Zwei Knopfaugen blinzelten. Ein Hermelin, noch jung, das weiße Winterfell mit einem grauen Fleck am Ohr.

„Ich… ich wollte auch etwas bringen“, flüsterte es. „Ich hatte einen kleinen Tannenzweig. Für… für alle. Aber dann kam der Wind. Und ich bin…“ Die Stimme brach wie dünnes Eis.

Lila zog sofort das trockene Gras hervor und nestelte ein Nest. „Du bist nicht zu klein. Du bist nur zu kalt.“

Brumm legte seinen großen Vorderarm sanft um den Ast, sodass er wie eine Wand gegen den Wind wurde. „Wie heißt du?“

„Flock“, hauchte das Hermelin.

„Flock“, sagte Brumm. „Du gehörst dazu. Weihnachten auch.“

Flocks Augen wurden feucht, aber diesmal glitzerte es darin wie Sternlicht.

Kapitel 5: Der Weg zur Eule und das große Teilen

Sie gingen langsam, weil Flock noch wackelig war. Brumm trug den Korb und ließ Flock in seinem Fell mitlaufen, warm und sicher, wie in einer flauschigen Höhle. Lila sprang neben ihnen her und erzählte Geschichten, damit die Kälte keine Gelegenheit hatte, zu laut zu werden.

„…und dann hat ein Eichhörnchen einmal eine ganze Nuss für mich geteilt“, sagte Lila. „Eine GANZE. Ich habe fast geweint. Oder geniest. Schwer zu sagen.“

Flock kicherte schwach. „Teilen ist… mutig.“

„Genau“, sagte Brumm. „Und manchmal ist Mut leise.“

Beim alten Kirschbaum, der im Winter wie eine schwarze Zeichnung gegen den Himmel stand, saß die Eule. Ihr Blick war so ruhig, dass selbst die Nacht kurz anhielt, um zuzuhören.

„Ihr kommt spät“, sagte die Eule, ohne streng zu klingen. „Aber ihr kommt zusammen. Das ist wichtiger.“

Lila öffnete den Korb und holte ein kleines Bündel heraus: eine glänzende Feder, sorgfältig gesäubert, und dazu ein paar getrocknete Kräuter.

„Für dich“, sagte sie. „Damit dein Nest weich und dein Kopf klar bleibt.“

Die Eule neigte den Kopf. „Danke. Und für euch habe ich eine Frage, Brumm.“ Ihr Blick bohrte sich nicht, er leuchtete nur. „Was glaubst du jetzt, ist Weihnachten?“

Brumm sah den Korb an, die dünnen Pfotenspuren im Schnee, Flocks zitternde Ohren, Lilas wache Augen. Er dachte an Stachel, der Sommer roch. An den Dachs, der Hoffnung klingen ließ.

„Weihnachten ist…“, begann er langsam, „wenn man merkt, dass im Wald eine leere Stelle ist—und man sie nicht einfach leer lässt.“

Lila nickte. „Schön gesagt! Und ein bisschen ernst. Aber schön.“

Flock hob den Kopf. „Ich wollte auch etwas geben.“ Es zog mit zitternden Pfoten einen kleinen Tannenzweig hervor, zerknittert, aber noch grün. „Der ist nicht viel.“

Die Eule betrachtete den Zweig, als wäre er ein Schatz. „Er ist genau richtig.“

Brumm spürte, wie das helle, runde Gefühl in seiner Brust noch größer wurde. Es passte nicht mehr ganz hinein, als wolle es hinaus in die Welt.

„Wir sollten die restlichen Geschenke verteilen“, sagte Lila. „Und vielleicht…“ Sie blickte zu Flock. „…auch ein paar neue machen. Nur für den Fall, dass jemand sonst noch friert.“

„Ich kenne Stellen, wo selten jemand hingeht“, sagte die Eule. „Dort wohnen die Stillen. Die, die nicht rufen.“

Brumm hob den Korb wieder auf. „Dann gehen wir dorthin.“

Sie zogen los, geführt von der Eule, begleitet vom Flüstern der Zweige. Unterwegs teilten sie alles, was sie konnten: Beeren, Nüsse, sogar eine besonders schöne Steinchen-Sammlung, die Lila eigentlich „für später“ aufgehoben hatte.

„Später ist jetzt“, sagte sie entschlossen und drückte das Steinchen einem schüchternen Maulwurf in die Pfote. Der Maulwurf lächelte, als hätte er plötzlich ein kleines Fenster zur Welt bekommen.

Und überall, wo sie etwas gaben, geschah etwas Seltsames: Die Nacht wurde nicht dunkler. Sie wurde weicher.

Kapitel 6: Der letzte Klang und der Grell im Schnee

Als der Korb fast leer war, begann es feiner zu schneien. Nicht stürmisch, sondern wie leises Puderzuckerstreuen. Der Wald sah aus, als hätte ihn jemand frisch eingepackt.

„Wir haben es geschafft“, sagte Lila und wischte sich den Schnee von den Schnurrhaaren. „Fast alle.“

„Fast?“ fragte Brumm.

Lila zögerte. „Es gibt immer jemanden, den man übersieht. Deshalb ist es ‚fast‘.“

Brumm erinnerte sich an die Frage des Raben: Wer bekommt nichts?

Er blieb stehen. „Dann suchen wir weiter. Nicht hektisch. Einfach… aufmerksam.“

Sie gingen eine Weile schweigend. Dann hörte Brumm es wieder: das feine Klimpern. Diesmal kam es nicht aus dem Korb.

„Hört ihr das?“ flüsterte er.

Flock spitzte die Ohren. „Das klingt… wie ein Glöckchen.“

Lila drehte sich im Kreis. „Aber wir haben doch—“

Da sahen sie es: An einem niedrigen Ast hing ein kleines Glöckchen, halb von Schnee bedeckt. Es war nicht groß, nicht prunkvoll. Aber es funkelte, als hätte es ein Stück Stern in sich.

Unter dem Ast saß ein winziger Zaunkönig, aufgeplustert wie ein flauschiger Ball. Er schaute hoch, als wäre das Glöckchen eine Lampe, die nur für ihn brannte.

„Hallo“, sagte Brumm sanft. „Gehört das dir?“

Der Zaunkönig hüpfte ein bisschen, als wolle er zugleich ja und nein sagen. „Ich habe es gefunden“, piepste er. „Es lag im Schnee. Ich dachte… vielleicht ist es kaputt. Aber es klingelt, wenn der Wind freundlich ist.“

Lila lächelte. „Der Wind kann freundlich sein?“

„Manchmal“, piepste der Zaunkönig. „Wenn man ihm eine Chance gibt.“

Brumm sah das Glöckchen an. „Wir suchen immer nach großen Zeichen“, sagte er langsam. „Dabei hängt die Wärme manchmal einfach an einem Ast.“

Flock rutschte aus Brumms Fell und stellte sich auf die Hinterpfoten. „Dürfen wir es da lassen? Für alle? Dann kann jeder, der vorbeikommt, hören, dass… dass er nicht allein ist.“

Die Eule nickte feierlich. „Ein Klang als Wegweiser. Das ist ein gutes Ende.“

Lila holte aus dem Säckchen des Dachses das Ersatzglöckchen. „Und dann hängen wir das zweite dazu“, sagte sie. „Damit es doppelt so mutig klingt.“

Brumm hob die Pfoten, behutsam wie bei einem Neugeborenen. Gemeinsam befestigten sie beide Glöckchen am Ast: eines gefunden, eines geschenkt. Zwei kleine Monde aus Metall, bereit, die Dunkelheit zu kitzeln.

Ein Windstoß strich durch die Zweige. Die Glöckchen klingelten.

Kein lautes Läuten, eher ein silbriges Lachen. Es glitt über den Schnee, sprang von Baum zu Baum und setzte sich in die Ohren wie ein Versprechen.

Brumm schloss die Augen. Er dachte an Stachel, an den Maulwurf, an Flock, an all die stillen Tiere, die heute ein bisschen heller geworden waren.

„Jetzt verstehe ich Weihnachten“, sagte er leise.

Lila schob ihn mit der Schulter an. „Na endlich. Und?“

Brumm öffnete die Augen und sah, wie die Glöckchen am Ast tanzten. „Weihnachten ist Solidarität“, sagte er. „Und Optimismus. Nicht, weil alles perfekt ist. Sondern weil wir trotzdem losgehen.“

Flock nickte so energisch, dass sein grauer Ohrfleck wackelte. „Und weil es klingelt.“

Sie blieben noch eine Weile stehen, bis der Schnee ihre Spuren weich machte. Dann drehten sie um, zurück in den Wald, der nun warm wirkte, obwohl er kalt war.

Hinter ihnen, am Ast, schaukelten die zwei Glöckchen und klingelten weiter—für jeden, der vorbeikam, für jeden, der suchte, für jeden, der sich traute, leise mutig zu sein.

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Wintermantel
Metapher für eine dicke Schneedecke, die den Wald wie ein Mantel bedeckt.
Fichtenwald
Wald, in dem viele Fichten wachsen; Nadelbäume, die hoch und schlank sind.
Harz
Eine klebrige, aromatische Substanz, die aus Bäumen kommt und nach Wald riecht.
Kribbelig
Ein unruhiges, leicht nervöses Gefühl im Körper, wie kleine Kitzel.
Diskret
Leise und unauffällig handeln, damit andere es kaum bemerken.
Glöckchen
Ein kleines, klingelndes Metallteil, das bei Bewegung leise Töne macht.
Brombeerwinkel
Ein Platz im Wald mit vielen Brombeersträuchern und engen Zweigen.
Dachsbau
Das unterirdische Zuhause eines Dachses, mit Tunneln und Kammern.
Hermelin
Ein kleines, weißes Raubtier; im Winter trägt es oft weißes Fell.
Solidarität
Wenn Menschen oder Tiere einander helfen und füreinander da sind.
Optimismus
Die Hoffnung, dass Dinge gut werden, auch wenn es schwierig ist.

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