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Zeitreisegeschichte 11/12 Jahre Lesen 32 min.

Die Taschenuhr, die die Zeit beruhigte

Das elfjährige Mädchen Mira findet in einem Schulkeller eine magische Taschenuhr, die sie ins Jahr 1891 führt, wo sie zusammen mit dem Uhrmacher Kronenberg und dem Jungen Jakob lernen muss, die Regeln der empfindlichen Zeit zu respektieren, um einen gestohlenen Chronokristall zu sichern.

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Ein 12-jähriges Mädchen mit kastanienbraunem Pferdeschwanz, rundem Gesicht und Sommersprossen kniet mit konzentrierter, erstaunter Miene und setzt behutsam einen kleinen leuchtend blauen Kristall in eine dafür geformte Vertiefung, ein etwa 11-jähriger Junge mit zerzausten braunen Haaren steht leicht zurückhaltend, besorgt aber loyal, die Hand helfbereit, und ein etwa 60-jähriger Uhrmacher mit faltigem Gesicht, Brille auf der Nasenspitze und grauen Stoppeln leuchtet die Szene mit einer kleinen goldenen Laterne ruhig und wohlwollend aus; Schauplatz ist eine felsige Nische unter einer alten Werkstatt mit feuchten Steinwänden, bläulichen Adern, schwebendem goldenen Staub und an den Wänden hängenden Kupferzahnrädern, die warme Laternenbeleuchtung kontrastiert mit dem blauen Kristalllicht und erzeugt eine intime, sanft-feierliche Atmosphäre mit zentraler Komposition. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Das Summen im Schulkeller

Mira war elf und hatte eine besondere Begabung: Wenn etwas knifflig wurde, blieb sie dran. Nicht aus Sturheit, sagte sie, sondern aus Neugier. „Die Welt ist voller Schrauben“, meinte sie gern, „und ich will wissen, wofür die sind.“

An diesem Mittwoch suchte ihre Klasse im Schulkeller Requisiten für das Sommerfest. Es roch nach Staub, Pappe und ein bisschen nach Farbe. Zwischen kaputten Staffeleien und einem Kasten mit Glitzerhüten stand ein alter Holztisch. Darauf lag eine Uhr.

Nicht irgendeine Uhr. Eine Taschenuhr, groß wie eine Mandarine, mit einem Deckel aus Messing. In den Deckel war ein kleines Zahnrad eingraviert, das aussah, als würde es gleich losrollen.

„Guck mal, Mira“, flüsterte ihr Freund Ben und hielt eine Federboa hoch. „Für dich: Zeitreisende Diva.“

„Sehr witzig“, sagte Mira, aber ihre Augen klebten an der Taschenuhr.

Sie nahm sie vorsichtig hoch. Das Metall war warm, als hätte es in der Sonne gelegen. Doch hier unten gab es keine Sonne. Als Mira den Deckel öffnete, sah sie ein Zifferblatt mit ganz normalen Zahlen. Nur der Sekundenzeiger war merkwürdig: Er hüpfte nicht, er glitt. Und er summte. Ganz leise, wie ein zufriedener Käfer.

„Ist das… an?“ Ben beugte sich näher.

Mira drehte die Uhr um. Auf der Rückseite stand: E. Kronenberg, Werkstatt für feine Mechanik. Darunter ein Satz, so klein, dass Mira die Nase fast auf das Metall drücken musste: Bitte respektiere die Zeit. Sie ist empfindlich.

„Das klingt wie eine Drohung“, meinte Ben.

„Oder wie eine Regel“, sagte Mira. „Und Regeln sind da, damit nichts kaputtgeht.“

Sie wollte die Uhr wieder hinlegen, wirklich. Doch da merkte sie: Seitlich gab es einen winzigen Hebel. Er stand auf „0“. Daneben waren „-“ und „+“ eingraviert. Mira spürte ein Kribbeln in den Fingerspitzen.

„Nicht!“, zischte Ben. „Wenn das eine Alarmanlage ist…“

„Ich fasse nur kurz an“, sagte Mira. Ihre Stimme klang mutiger als sie sich fühlte. Sie schob den Hebel ein Stück Richtung „-“.

Die Uhr summte lauter. Das Licht im Keller flackerte. Der Staub in der Luft schien stehen zu bleiben, als hätte jemand die Welt kurz angehalten. Mira blinzelte—und alles wurde weich, wie ein Foto, das sich im Wasser auflöst.

„Mira?“, hörte sie Ben, ganz weit weg.

Dann machte es plopp. Nicht laut. Eher wie ein Korken, der aus einer Limonadenflasche springt.

Und Mira stand nicht mehr im Schulkeller.

Kapitel 2: Ein Hof voller Pferde und Fragen

Mira stand auf einem Hof aus Kopfsteinpflaster. Die Luft roch nach Heu, Holzrauch und etwas Süßem, vielleicht Apfelkuchen. Ein Pferd schnaubte neben ihr, als wollte es sagen: Wer bist du denn?

„Oh!“, machte Mira und sprang zur Seite.

Ihre Schuhe waren noch da, ihr Rucksack auch. Nur: Der Keller war weg. Stattdessen standen niedrige Häuser mit Fachwerk um sie herum. An einem Brunnen plätscherte Wasser. Und überall liefen Menschen in Kleidung herum, die Mira nur aus Bildern kannte: lange Röcke, Westen, Mützen. Niemand hielt ein Handy.

Ein Junge in etwa ihrem Alter starrte sie an, als hätte sie plötzlich Flügel bekommen. „Du siehst aus wie… wie aus einem Theaterstück“, sagte er.

Mira schluckte. „Äh. Und du siehst aus wie… wie aus einem Geschichtsbuch.“

Der Junge runzelte die Stirn, verstand das wohl nicht, aber seine Neugier gewann. „Ich bin Jakob“, sagte er. „Und du?“

„Mira.“ Sie zog die Taschenuhr aus ihrer Tasche, als könnte sie sie beschützen. „Wo bin ich?“

Jakob deutete mit dem Kinn auf ein Schild über einer Tür: Kronenbergs Werkstatt. „Hier. Bei Meister Kronenberg. Du bist spät dran, wenn du helfen willst.“

Mira schaute auf das Schild. Kronenberg. Genau wie auf der Uhr. Ihr Herz klopfte schneller.

Die Werkstatttür ging auf, und ein Mann kam heraus. Er hatte graue Haare, die wie Metallspäne abstanden, und eine Brille, die auf der Nasenspitze balancierte. Seine Hände waren voller feiner Kratzer, als hätte er jeden Tag mit winzigen Drachen gerungen.

„Jakob, du lässt die Tür offen. Zugluft ist der Feind der Präzision“, sagte er streng—und dann sah er Mira. Sein Blick blieb an ihrer Kleidung hängen, an den Turnschuhen, am Reißverschluss ihres Rucksacks.

Statt zu schreien oder wegzulaufen, tat er etwas Seltsames: Er nickte langsam. „Ah“, sagte er, als hätte er genau das erwartet. „Eine Besucherin.“

Mira hob die Uhr. „Ich glaube… das hat damit zu tun.“

Meister Kronenberg trat näher, sah das Messing, und seine Augen wurden weich, wie bei jemandem, der einen alten Freund trifft. „Du hast sie gefunden“, murmelte er. „Dann hat sie dich ausgewählt.“

„Ausgewählt?“, wiederholte Mira.

Jakob schaute zwischen ihnen hin und her. „Meister, was ist das für eine Uhr?“

„Eine, die man respektiert“, sagte der Meister. „Mädchen, komm hinein. Und du, Jakob: Wasser holen. Und keine Fragen auf dem Hof. Fragen haben Ohren.“

Jakob zog eine Grimasse, rannte aber zum Brunnen.

Drinnen war die Werkstatt ein Wunderland. Zahnräder hingen an der Wand wie Sonnen. Kleine Schubladen waren beschriftet: Federn, Schrauben, Rubinlager. Auf der Werkbank lag ein unfertiges Gerät, das aussah wie eine Mischung aus Kompass und Käfig.

Meister Kronenberg deutete auf einen Hocker. „Setz dich, Mira.“

„Woher kennen Sie meinen Namen?“, fragte sie.

Er lächelte kaum sichtbar. „Die Zeit flüstert. Wenn man zuhört.“

Mira setzte sich. „Welche Zeit ist das hier?“

„Das Jahr 1891“, sagte er. „Und bevor du erneut an Hebeln spielst: Du bleibst, bis wir die Regeln geklärt haben.“

Mira atmete aus. 1891. Das war nicht nur „ein bisschen früher“. Das war… richtig Vergangenheit.

„Ich will niemandem schaden“, sagte sie schnell. „Ich wollte nur… schauen.“

„Schauen ist gut“, sagte Kronenberg. „Anfassen ist gefährlich.“

Mira nickte. „Wie komme ich zurück?“

Der Meister klopfte auf die Taschenuhr. „Mit ihr. Aber nicht sofort. Zuerst musst du verstehen, was du beinahe ausgelöst hast.“ Sein Blick wurde ernst. „Und dann musst du etwas zurückbringen. Es gehört nicht in deine Zeit.“

„Was denn?“, fragte Mira.

Er öffnete eine Schublade und holte ein kleines Glasröhrchen hervor. Darin lag ein winziger, blauer Stein, so klar wie gefrorenes Wasser. „Ein Chronokristall“, sagte er—und hielt dann kurz inne, als hätte er sich zu viel erlaubt. „Ein Zeitstein. Er ist in dieser Epoche nicht sicher. Und in deiner auch nicht. Er muss an seinen Platz zurück.“

Mira starrte das Röhrchen an. Der Stein schien im eigenen Licht zu leuchten.

„Und wo ist sein Platz?“, fragte sie leise.

Meister Kronenberg sah sie an, als wäre das die wichtigste Frage der Welt. „Genau dort, wo du ihn finden wirst, wenn du lernst, richtig hinzuschauen.“

Kapitel 3: Die Regeln der empfindlichen Zeit

Am Nachmittag saßen Mira, Jakob und Meister Kronenberg an einem kleinen Tisch in der Werkstatt. Draußen klapperten Pferdehufe. Drinnen tickten Uhren in verschiedenen Rhythmen, wie eine seltsame Musik.

Jakob schob Mira eine Tasse hin. „Kräutertee“, sagte er. „Kein Kakao. Den haben wir nur sonntags.“

Mira nahm einen Schluck. Er schmeckte nach Minze und irgendwas, das an Wald erinnerte. „Danke.“

Jakob beugte sich vor. „Bist du wirklich… aus der Zukunft?“

Mira zuckte mit den Schultern. „Offenbar. Bei uns gibt's… elektrische Lichter überall, Autos, und wir können mit Leuten sprechen, die weit weg sind, ohne zu schreien.“

Jakobs Augen wurden groß. „Zauberei.“

„Technik“, sagte Mira automatisch. Dann erinnerte sie sich an Kronenbergs Blick. Regeln. Respekt. „Aber es fühlt sich manchmal wie Zauberei an.“

Meister Kronenberg räusperte sich. „Hört zu. Zeitreisen sind kein Spiel. Die Zeit ist wie ein Uhrwerk. Sie läuft, weil jedes Zahnrad seinen Platz hat. Wenn man eines herausnimmt, rutschen andere nach. Erst ein bisschen. Dann mehr.“

Mira dachte an den Hebel. „Und ich habe ein Zahnrad herausgenommen?“

„Du hast daran gezupft“, sagte der Meister. „Noch ist nichts gebrochen. Aber es gibt Paradoxien, die sich wie freche Katzen verhalten: Du jagst sie weg, und sie kommen durch das Fenster wieder rein.“

Jakob kicherte. „Freche Katzenparadoxie.“

Kronenberg hob eine Augenbraue. „Zum Beispiel: Wenn du hier etwas Wichtiges veränderst, könnte es sein, dass du die Uhr nie findest. Dann wärst du nicht hier. Aber du bist hier. Das ist der Knoten.“

Mira runzelte die Stirn. „Also darf ich nichts verändern.“

„Du darfst atmen“, sagte Kronenberg trocken. „Du darfst lernen. Du darfst helfen. Aber du darfst niemandem beweisen, dass du aus der Zukunft bist, indem du Dinge zeigst, die diese Zeit nicht versteht. Du darfst niemanden erschrecken oder ausnutzen. Respekt ist die beste Tarnung.“

Mira nickte. „Ich will niemanden benutzen.“

„Gut“, sagte der Meister. Er stellte das Glasröhrchen mit dem blauen Stein zwischen sie. „Dieser Zeitstein wurde gestern Abend aus meiner Werkstatt gestohlen. Ohne ihn ist die Uhr… hungrig. Sie sucht sich ihren Weg, manchmal mit zu viel Kraft.“

Jakob riss die Augen auf. „Gestohlen? Von wem?“

„Jemand, der denkt, er könne die Zeit wie eine Abkürzung benutzen“, sagte Kronenberg. „Ein Händler namens Ravel. Er verkauft alles, was glitzert, und verspricht Wunder. Er wird den Stein heute Abend auf dem Markt zeigen. Vielleicht kauft ihn jemand, der ihn in einen Fluss wirft. Oder in einen Ofen. Oder in eine Schublade, die hundert Jahre lang zu bleibt. Dann zieht die Zeit Fäden, um ihn wiederzufinden.“

Mira sah auf den Stein. „Und diese Fäden… könnten mich treffen.“

„Genau“, sagte Kronenberg. „Du bist schon ein Faden. Ein sehr lebendiger.“

Jakob legte die Hände auf den Tisch. „Dann holen wir ihn zurück!“

Kronenberg schüttelte den Kopf. „Ich bin bekannt. Ravel würde sofort verschwinden. Jakob, du bist zu auffällig. Mira aber…“ Er betrachtete sie. „Du bist neu. Niemand kennt dich. Du kannst untergehen in der Menge.“

Mira spürte, wie ihr Mut und ihre Angst sich umarmten, wie zwei Kinder, die nicht wissen, ob sie kämpfen oder weinen sollen. „Ich mache es“, sagte sie.

„Nicht allein“, sagte Jakob sofort. „Ich kenne den Markt. Ich kenne Ravels Trickkisten.“

„Und ich kenne Regeln“, sagte Mira. Sie sah den Meister an. „Was ist die wichtigste?“

Kronenberg hielt kurz inne. Dann tippte er auf das Röhrchen. „Nimm nichts mit aus der Zukunft, das hier zurückbleibt. Und nimm nichts von hier mit, das du später nicht wieder zurückbringen kannst. Die Zeit mag keine Souvenirs.“

Mira musste kurz lachen. „Also kein Zeitreise-Andenken.“

„Nur Erfahrungen“, sagte Kronenberg. „Die wiegen wenig, aber sie verändern dich.“

Er gab Mira einen schlichten Stoffumhang und eine Mütze. „Damit fällst du weniger auf. Und—“ Er reichte ihr einen kleinen Metallring. „Wenn du ihn drückst, summt die Uhr kurz. Das ist dein Zeichen: Sofort stehen bleiben. Manchmal versucht die Zeit, dich zurückzuziehen, wenn du zu nah an einem Knoten bist.“

„Wie ein Gummiband“, murmelte Mira.

„Genau“, sagte Kronenberg. „Und Gummibänder schnappen.“

Kapitel 4: Der Markt und der Mann mit dem falschen Lächeln

Der Markt war ein Wirbel aus Stimmen, Gerüchen und Farben. Gemüseberge glänzten, als hätte jemand sie poliert. Ein Fischhändler rief so laut, dass Mira dachte, ihr Ohr würde mitverkauft. Kinder rannten zwischen Körben hindurch und lachten.

Mira ging neben Jakob her. Sie hielt die Mütze tief ins Gesicht gezogen. Unter dem Umhang fühlte sie sich ein bisschen wie eine Ermittlerin. Nur ohne Dienstmarke und mit mehr Herzklopfen.

„Da“, flüsterte Jakob und deutete auf einen Stand mit bunten Tüchern. Dahinter stand ein Mann mit geschniegelt schwarzem Haar und einem Schnurrbart, der aussah wie zwei kleine Kommas. Er lächelte, als hätte er eine geheime Handvoll Zucker.

„Ravel“, sagte Jakob. „Der kann aus einem leeren Hut eine Rechnung zaubern.“

Ravel hielt gerade ein glänzendes Objekt hoch: das Glasröhrchen mit dem blauen Stein. Das Licht fing sich darin und warf einen blauen Fleck auf sein Handgelenk, als hätte ihn die Zukunft geküsst.

„Meine Damen und Herren!“, rief Ravel. „Ein Stein, so selten, dass er nur einmal in einem Leben auftaucht! Ein Stein, der…“ Er senkte die Stimme dramatisch. „…das Glück schneller macht.“

„Glück schneller“, murmelte Mira. „Als wäre es ein Fahrrad.“

Jakob grinste kurz. „Er redet immer so.“

Mira beobachtete die Menge. Viele sahen neugierig aus, aber auch unsicher. Eine Frau zog ihr Kind weg. Ein alter Mann kniff die Augen zusammen, als wolle er prüfen, ob der Stein ihm etwas schuldet.

Mira flüsterte: „Wir müssen ihn ablenken. Und dann…?“

Jakob zog einen Apfel aus seiner Tasche. „Dann Apfel.“

„Was?“

„Warte.“

Jakob drängte sich nach vorn. „Herr Ravel!“, rief er. „Ist das wahr, dass der Stein Wünsche erfüllt?“

Ravel drehte sich, sah Jakob, und sein Lächeln wurde breiter. „Junger Mann, er erfüllt—was man zu bezahlen bereit ist.“

Mira trat einen Schritt zur Seite, so dass sie den Stand von hinten sehen konnte. Da war eine Kiste, halb offen. Ravel hatte sicher noch mehr Zeug. Spiegel, Karten, vielleicht sogar eine Fluchtluke.

Jakob hob den Apfel. „Dann wünsche ich mir, dass dieser Apfel… eine Birne wird!“

Ein paar Leute lachten. Ravel lachte mit, aber seine Augen blieben kalt. „Wünsche“, sagte er, „sind keine Kinderspiele.“

Mira nutzte den Moment. Sie schob sich hinter den Stand. Ihr Herz schlug wie ein Trommler im Schullandheim. In der Kiste lagen Tücher und kleine Fläschchen. Kein Röhrchen.

Natürlich, dachte Mira. Er trägt es am Körper. Wie ein Dieb sein schlechtes Gewissen.

Sie schielte um die Ecke. Ravel steckte das Röhrchen gerade in seine Westentasche. Gut sichtbar. Fast zu sichtbar.

„Er will, dass man es sieht“, flüsterte Mira. „Er genießt das.“

Jakob lenkte weiter ab. „Also kann man damit nicht… die Zeit ändern?“

Bei dem Wort „Zeit“ zuckte Ravel kurz, als hätte ihn eine Mücke gestochen. „Zeit“, sagte er langsam, „ist… ein Geschäft. Wer früh kauft, gewinnt.“

Mira spürte, wie sich ihr Nacken anspannte. Das klang gefährlich.

Sie dachte an Kronenbergs Regel: Respekt ist die beste Tarnung. Also tat sie so, als wäre sie nur ein Kind, das etwas verloren hat.

Sie trat nach vorn, mit gesenktem Blick. „Entschuldigung“, sagte sie leise zu Ravel. „Ich… ich suche meinen Bruder. Er ist klein und hat…“ Sie stockte absichtlich und schaute an Ravel vorbei. „Oh! Da ist er!“

Ravel drehte sich reflexartig. In dem Augenblick ließ Jakob den Apfel fallen. Er rollte genau vor Ravels Füße. Ravel trat darauf, rutschte aus—nicht schlimm, eher peinlich—und musste sich am Stand festhalten.

Mira griff zu. Nicht nach dem Röhrchen direkt. Zu auffällig. Sie schnappte sich ein Tuch vom Stand, als würde sie helfen, es aufzufangen, und schob dabei mit den Fingern ganz sanft das Röhrchen aus der Westentasche in ihre Umhangtasche.

Es fühlte sich an, als hätte sie einen Eiswürfel gestohlen, der trotzdem warm ist.

„Pass doch auf!“, fauchte Ravel und richtete sich auf. Seine Wangen waren rot.

„Tut mir leid!“, sagte Jakob schnell und hob den Apfel auf. „Der ist… äh… ausgebüxt.“

Ein paar Leute lachten wieder. Ravel zwang ein Lächeln auf. „Kinder“, sagte er mit honigsüßer Stimme, „sind wie Winde. Sie wehen überall hinein.“

Mira spürte das Röhrchen gegen ihre Seite drücken. Sie nickte, murmelte etwas und zog Jakob weg.

Sie gingen in eine schmale Gasse. Erst als Ravels Stand außer Sicht war, holte Mira das Röhrchen heraus. Der blaue Stein leuchtete stärker, als freue er sich.

„Wir haben ihn!“, flüsterte Jakob.

In diesem Moment vibrierte der Metallring in Miras Hand. Summen. Kurz. Dringend.

„Stehen bleiben“, sagte Mira und blieb wie angewurzelt stehen.

Jakob stolperte fast in sie hinein. „Was ist los?“

Mira sah nach unten. Der Schatten ihrer Füße… war doppelt. Als stünden zwei Sonnen am Himmel. Und ein Schatten bewegte sich einen Tick später als der andere.

„Oh nein“, hauchte Mira. „Das ist bestimmt ein Knoten.“

Die Luft wurde wieder weich. Nicht so stark wie im Keller, aber genug, dass Miras Magen sich anfühlte, als würde er eine Treppe hinunterlaufen.

Jakob packte ihren Ärmel. „Mira? Du wirst blass.“

„Ich glaube, die Zeit zieht“, sagte Mira. „Wie ein Staubsauger.“

„Das klingt ekelhaft“, flüsterte Jakob.

Mira hielt das Röhrchen fest. „Wir müssen raus aus der Gasse. Auf den freien Platz. Und ruhig bleiben.“

Sie atmete langsam. Ein. Aus. Der doppelte Schatten wurde wieder einer. Das Summen im Ring verstummte.

„Puh“, sagte Jakob. „Das war… unheimlich.“

„Nicht unheimlich“, sagte Mira, obwohl sie selbst zittrige Knie hatte. „Nur… empfindlich.“

Kapitel 5: Der kleine Paradox-Streich

Als sie zurück zur Werkstatt liefen, wurde ihnen klar, dass Ravel nicht einfach aufgeben würde. Auf halbem Weg hörten sie Schritte hinter sich, schneller als ihre.

„Er folgt uns“, flüsterte Jakob, ohne sich umzudrehen.

Mira presste das Röhrchen tiefer in die Tasche. „Dann müssen wir ihn abhängen. Aber ohne Chaos.“

„Ohne Chaos“, wiederholte Jakob und grinste schief. „Du kennst mich schlecht.“

„Respektvoller Trick“, sagte Mira streng. „Kein Stolpernlassen.“

„Schade.“

Sie bogen in eine Seitenstraße. Dort stand ein Wagen mit Säcken voller Mehl. Ein Bäcker schimpfte gerade mit einem Lehrling, weil ein Sack aufgerissen war und eine weiße Wolke machte.

Mira flüsterte: „Wir gehen da nicht durch. Dann sieht man uns.“

Jakob nickte. „Dann oben lang.“

„Oben?“, fragte Mira—und sah eine Holztreppe, die zu einem schmalen Steg zwischen zwei Häusern führte. Eine Art Liefergang.

„Schnell“, sagte Jakob.

Sie stiegen leise hinauf. Von oben sah Mira den Markt wie eine Landkarte: Menschenpunkte, bunte Stände, Rauchfäden. Hinter ihnen tauchte Ravel unten in der Straße auf, suchend wie ein Fuchs.

„Er hat gemerkt, dass das Röhrchen weg ist“, flüsterte Jakob.

Mira spürte einen Stich Mitleid. Nicht, weil er bestohlen worden war—sondern weil er glaubte, er könne sich nehmen, was nicht ihm gehörte.

„Wir geben es zurück“, flüsterte Mira. „An seinen Platz.“

Sie huschten über den Steg. Plötzlich blieb Mira stehen.

Auf einem Fensterbrett lag ein kleines Spielzeug: ein Zinnvogel mit aufgezogenen Flügeln. Er war wunderschön. Bestimmt gehörte er einem Kind. Der Vogel stand gefährlich nah am Rand.

Mira wollte ihn nur ein Stück zurückschieben. Nur aus Respekt, damit er nicht herunterfällt und kaputtgeht.

„Nicht anfassen“, flüsterte Jakob, der Kronenbergs Stimme erstaunlich gut nachmachte.

Mira zog die Hand zurück. „Stimmt. Souvenir-Regel. Und außerdem: Nicht mein Vogel.“

In dem Moment ging unten eine Tür auf. Ein kleines Mädchen schaute heraus, sah den Vogel am Rand und rief: „Pip! Nicht schon wieder!“

Der Zinnvogel kippte—doch statt zu fallen, blieb er hängen, weil ein Faden an ihm befestigt war. Das Mädchen zog ihn lachend zurück.

Jakob stieß Mira mit dem Ellbogen an. „Siehst du? Die Zeit hat ihr eigenes Sicherheitsseil.“

Mira musste kichern, obwohl die Situation ernst war. „Vielleicht.“

Sie gingen weiter, und da passierte es: Mira hörte ihre eigene Stimme. Von irgendwoher. Ganz leise, wie ein Echo.

„Ich fasse nur kurz an…“

Mira blieb wie erstarrt stehen. „Hast du das gehört?“

Jakob schluckte. „Das war… du. Aber du hast das doch vorhin gesagt. Im Keller, oder?“

Mira fühlte, wie ihr Kopf warm wurde. „Das ist das Paradox-Katzen-Ding. Ein Echo. Weil ich zu nah an dem Moment bin, der mich hergebracht hat.“

Unten rief Ravel etwas, seine Stimme schnitt durch die Straße. „Ihr da oben! Ich sehe euch!“

Jakob zog Mira weiter. „Keine Zeit für Echo-Unterhaltung!“

Sie sprangen vom Steg auf einen Heuballen in einem Hinterhof. Mira landete weich, aber ihr Rucksack machte „uff“, als wäre er beleidigt.

Ravel erschien am Ende des Hofes, außer Atem. „Gebt es mir!“, rief er. „Das gehört mir!“

Mira stellte sich aufrecht hin, obwohl sie nur elf war und Ravel doppelt so groß wirkte. „Es gehört niemandem, der es verkauft“, sagte sie laut. „Es gehört dorthin, wo es sicher ist.“

Ravel lachte scharf. „Sicher? In Kronenbergs staubiger Werkstatt? Er ist ein alter Mann, der mit Zahnrädern redet!“

„Und Sie reden mit Gier“, sagte Mira. Ihre Stimme zitterte, aber sie blieb stehen. „Das ist viel ungenauer.“

Jakob flüsterte: „Wow.“

Ravel trat einen Schritt näher. „Kleines Fräulein, du hast keine Ahnung, was man damit tun kann. Man könnte… früher wissen, welche Lose gewinnen. Man könnte… immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.“

Mira hob das Röhrchen. Der blaue Stein leuchtete so stark, dass Ravels Augen kurz zusammenkniffen.

„Immer am richtigen Ort“, sagte Mira. „Und dann? Würden Sie dann auch respektvoll sein? Oder nur schneller?“

Ravel schwieg. Für einen Moment sah er nicht wütend aus, sondern… hungrig. Wie jemand, der nie genug bekommt, egal wie viel er hat.

Mira atmete tief ein. „Die Zeit ist kein Marktstand“, sagte sie. „Und Menschen sind keine Figuren, die man verschiebt.“

Jakob stellte sich neben sie. „Und außerdem“, sagte er, „wir sind schneller.“

Ravel machte einen Satz nach vorn. Mira drückte den Metallring.

Die Taschenuhr in ihrer Tasche summte. Nicht nur kurz. Diesmal länger, wie ein warnendes Tier. Die Luft flirrte. Ravels Bewegung verlangsamte sich, als würde er durch Honig laufen. Seine Finger blieben einen Zentimeter vor Miras Umhang stehen.

Mira riss die Augen auf. „Ich wollte das nicht!“

„Das ist die Zeitbremse“, keuchte Jakob. „Sie hält den Knoten fest!“

Mira nutzte die Chance, nicht um Ravel zu bestrafen, sondern um Abstand zu gewinnen. Sie und Jakob rannten zur Werkstatt. Hinter ihnen löste sich das Flirren, und Ravel schrie ihnen hinterher—doch seine Stimme klang plötzlich unsicher.

Kapitel 6: Der Platz des Steins

In der Werkstatt war es warm. Meister Kronenberg stand schon an der Tür, als hätte er ihren Weg durch die Zeit gespürt. Seine Augen fielen sofort auf das Röhrchen.

„Ihr habt ihn“, sagte er leise.

Mira hielt es hin. „Ravel ist hinter uns her.“

„Das ist zu erwarten“, sagte der Meister ruhig. „Kommt.“

Er führte sie nicht zur Werkbank, sondern zu dem unfertigen Gerät, das Mira am ersten Tag gesehen hatte: der Kompass-Käfig. Er öffnete eine kleine Klappe. Innen war eine Mulde, exakt in der Form des blauen Steins.

„Sein Platz“, flüsterte Mira.

„Für den Moment“, sagte Kronenberg. „Aber nicht für immer. Der Stein gehört nicht in meine Schublade. Er gehört zurück in den Ort, aus dem ich ihn entnommen habe—nur für kurze Messungen. Ich war… ungeduldig.“ Er sah Mira an, und in seinem Blick lag echte Reue. „Auch Erwachsene machen Fehler. Respekt bedeutet auch, das zuzugeben.“

Mira nickte langsam. Das tat gut zu hören.

„Woher stammt er?“, fragte Jakob.

Kronenberg nahm eine Laterne. „Unter der Werkstatt gibt es einen alten Hohlraum im Fels. Eine Nische. Dort liegt eine Ader dieses Materials. Wenn der Stein dort ruht, beruhigt sich das Uhrwerk der Zeit.“

„Wie ein Schlüssel, der wieder ins Schloss kommt“, sagte Mira.

„Genau“, sagte der Meister.

Sie stiegen eine knarrende Treppe hinunter. Unter der Werkstatt war es kühl. Die Laterne warf goldene Kreise an die Wand. Der Boden war uneben, und Mira musste aufpassen, nicht zu stolpern.

In der Felswand sah Mira eine kleine Vertiefung. Darin glimmte es schwach blau, als würden dort winzige Sterne schlafen.

„Das ist wunderschön“, flüsterte Jakob.

„Und gefährlich, wenn man es weckt“, sagte Kronenberg.

Mira hielt das Röhrchen fest. Sie spürte Ehrfurcht, als würde sie etwas Lebendiges in den Händen halten, das älter war als alle Geschichten in ihrer Schulbibliothek.

„Mira“, sagte Kronenberg, „du legst ihn zurück. Du bist durch ihn gekommen. Du bringst ihn heim.“

Mira kniete sich hin. Sie öffnete das Röhrchen. Der Stein war kalt und warm zugleich, wie Schnee in der Sonne. Einen Moment lang sah Mira Bilder in ihrem Kopf: den Schulkeller, Bens Federboa, den Markt, Ravels falsches Lächeln, Jakobs Apfel.

Dann legte sie den Stein in die Vertiefung.

Das blaue Glimmen wurde ruhiger, tiefer. Als würde jemand aufhören, nervös mit dem Fuß zu wippen. Die Luft hörte auf zu flimmern. Mira atmete aus, ohne zu merken, dass sie die ganze Zeit die Luft angehalten hatte.

„So“, sagte Kronenberg leise. „Jetzt ist das Uhrwerk wieder vollständig.“

Von oben drang Lärm. Schritte. Eine Tür wurde aufgerissen.

„Er ist da“, flüsterte Jakob.

Kronenberg blies die Laterne nicht aus. Er stellte sich aufrecht hin. „Dann wird er lernen, dass Regeln keine Ware sind.“

Sie stiegen hoch. In der Werkstatt stand Ravel, die Hände an den Hüften, das Gesicht gerötet.

„Gebt mir den Stein!“, rief er.

Kronenberg trat vor. „Er ist zurück an seinem Platz. Und du wirst ihn nicht mehr berühren.“

Ravel lachte, aber es klang dünn. „Du kannst mich nicht aufhalten, Alter.“

Mira machte einen Schritt nach vorn. „Doch“, sagte sie. „Nicht mit Gewalt. Sondern mit Wahrheit.“

Ravel schaute sie an. „Was weißt du schon?“

Mira hielt die Taschenuhr hoch. „Dass die Zeit empfindlich ist. Und dass Respekt kein Luxus ist.“

Ravel wollte etwas sagen, doch plötzlich blieb sein Blick am Zifferblatt hängen. Der Sekundenzeiger glitt—und für einen winzigen Moment lief er rückwärts. Ravels Gesicht wurde blass.

„Was… ist das?“, stammelte er.

Kronenberg sprach ruhig: „Ein Hinweis. Die Zeit mag dich nicht. Wenn du sie ausnutzt, nutzt sie dich zurück. Nicht heute, nicht morgen—aber irgendwann.“

Ravel schluckte. Er sah aus, als hätte er zum ersten Mal gemerkt, dass auch ein schlaues Lächeln ein Ende hat. Er senkte den Blick. „Ich… wollte nur…“

„Schneller gewinnen“, sagte Mira. „Aber gewinnen ohne Respekt ist nur nehmen.“

Ein langer Moment verging. Dann drehte Ravel sich um und ging, ohne noch einmal zu drohen. Seine Schritte waren hastig, als wollte er möglichst schnell wieder in eine Welt, in der er sich sicher fühlte.

Jakob atmete aus. „Wow. Der ist wirklich gegangen.“

Kronenberg nickte. „Manchmal reicht ein Blick in den falschen Spiegel.“

Mira sah auf die Taschenuhr. Das Summen war weg. Sie fühlte sich plötzlich leicht—und gleichzeitig traurig, weil sie wusste, was jetzt kommen musste.

„Ich muss zurück“, sagte sie.

„Ja“, sagte Kronenberg. „Und du wirst etwas mitnehmen: die Erinnerung daran, dass jedes Zeitalter Regeln braucht. Besonders das eigene.“

Kapitel 7: Zurück ins Jetzt

Am Abend stand Mira wieder im Hof vor der Werkstatt. Der Himmel war orange, und Rauch stieg aus Schornsteinen, als würden die Häuser leise seufzen.

Jakob schob die Hände in die Taschen. „Wirst du… uns vergessen?“

Mira schüttelte den Kopf. „Nicht, wenn ich's verhindern kann.“

„Du bist wirklich aus der Zukunft“, sagte Jakob noch einmal, als müsste er es sich einprägen. „Und du hast einen Stein zurückgelegt, der die Zeit beruhigt. Das ist… ziemlich heldenhaft.“

Mira grinste. „Heldinnen tragen Umhänge, oder? Ich trage nur einen geliehenen.“

Kronenberg reichte ihr die Taschenuhr. „Der Hebel“, sagte er. „Du stellst ihn auf ‘+' und dann auf ‘0'. Nicht zu weit. Sonst landest du vielleicht… im Jahr, in dem die Dinosaurier sich wundern, warum es schon wieder kalt wird.“

Jakob prustete los. „Dinosaurier mit Wintermütze!“

Mira lachte mit, obwohl ihr die Kehle eng wurde. „Ich werde vorsichtig sein.“

Kronenberg legte ihr kurz die Hand auf die Schulter. „Respekt, Mira. Nicht nur vor der Zeit. Vor den Menschen in ihr.“

Mira nickte ernst. „Ich habe verstanden.“

Sie trat einen Schritt zurück, öffnete die Uhr. Das Zifferblatt sah jetzt ganz normal aus. Nur der Sekundenzeiger wirkte, als würde er auf sie warten.

„Bereit?“, fragte Jakob.

Mira atmete tief ein. „Bereit.“

Sie schob den Hebel auf „+“.

Das Summen kehrte zurück, freundlich diesmal, wie ein Motor, der weiß, wohin er fährt. Die Farben um Mira wurden heller. Die Luft wurde wieder weich.

Sie sah noch, wie Jakob die Hand hob. „Tschüss, Mira!“

„Tschüss!“, rief Mira—und dann machte es wieder plopp.

Staub. Pappe. Kellergeruch.

Mira stand im Schulkeller, genau vor dem Holztisch. Ben stand neben ihr und hielt die Federboa. Er blinzelte, als hätte er gerade einen Satz vergessen.

„Mira?“, sagte er. „Du bist… kurz weg gewesen. So… zwei Sekunden. Hast du… die Uhr angemacht?“

Mira sah die Taschenuhr in ihrer Hand. Sie summte nicht mehr. Sie fühlte sich kühl an. Normal.

„Ein bisschen“, sagte Mira langsam. „Und ich habe gelernt: ‘Nur kurz' ist manchmal ziemlich lang.“

Ben zog die Federboa um seinen Hals. „Hä?“

Mira lächelte. Sie ging zum Tisch und legte die Taschenuhr genau dahin zurück, wo sie gelegen hatte. Ganz präzise, als wäre der Tisch eine Landebahn.

„Warum legst du sie zurück?“, fragte Ben. „Die ist doch cool.“

Mira strich einmal mit dem Finger über den Deckel. „Weil sie an ihren Platz gehört.“

Sie stand auf, klopfte den Staub von den Knien und nahm ihren Rucksack. Für einen Moment meinte sie, im stillen Ticken des Kellers ein anderes Ticken zu hören—wie eine Werkstatt voller Uhren. Vielleicht war es nur ihre Erinnerung. Vielleicht auch ein Gruß.

Ben wedelte mit der Federboa. „Also, Zeitreisende Diva, kommst du?“

Mira schmunzelte. „Ich komme.“

Als sie die Kellertreppe hochging, fühlte sich das Licht oben hell und vertraut an. Und Mira wusste, dass die Zeit nicht nur weiterlief—sie lief jetzt auch ein kleines bisschen respektvoller durch ihr Herz.

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Requisiten
Gegenstände, die in einem Theater oder bei einer Feier benutzt werden.
Taschenuhr
Eine kleine Uhr, die man in die Tasche steckt und mit einem Deckel schützt.
Messing
Ein Metall, das gelblich aussieht und aus Kupfer und Zink besteht.
Eingraviert
Etwas in ein Metall oder Holz mit einem Werkzeug hineingeritzt.
Empfindlich
Leicht zu stören oder zu beschädigen; braucht vorsichtigen Umgang.
Chronokristall
Ein besonderer, fiktiver Kristall in der Geschichte, der mit Zeit zu tun hat.
Zeitstein
Ein kleiner Stein in der Geschichte, der die Zeit beeinflussen kann.
Paradoxien
Situationen, die sich widersprüchlich oder schwer zu erklären anfühlen.
Präzision
Genauigkeit; Dinge sehr sorgfältig und ohne Fehler machen.
Rubinlager
Ein technischer Teil in Uhren, ein kleines Lager mit hartem Material.
Mulde
Eine kleine Vertiefung oder Aushöhlung in einer Oberfläche.
Ader
Eine feine Linie oder Schicht eines Materials in einem Stein oder Felsen.
Souvenir-Regel
Regel in der Geschichte: Nimm keine Erinnerungsstücke aus der Zeit mit.

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Themen im Zusammenhang mit dieser Geschichte:

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