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Geschichte vom versteckten Schatz 7/8 Jahre Lesen 14 min.

Die Schatzkarte aus der Bücherei und das Licht, das man teilt

Vier Kinder finden eine geheimnisvolle Schatzkarte und müssen mit Mut, Klugheit und Zusammenhalt Rätsel lösen, Licht verwenden und lernen, miteinander zu teilen.

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Vier Kinder entdecken an einem kleinen Teichrand mit hohen Gräsern und Seerosen eine in eine moosbewachsene Steinmauer eingelassene Holzklappe: Lina, ca. 9 Jahre, hellbraune Pferdeschwanz, rote Jacke, Jeans, hält eine silberne Taschenlampe und beleuchtet die Klappe; Ben, ca. 9, schwarze kurze Haare, runde Brille, grünes T‑Shirt, hockt links, inspiziert ein Werkzeugtäschchen und hält einen Holzring; Mira, ca. 8, geflochtene blonde Haare, gelber gepunkteter Pullover, rechts von Lina, lächelt beim Lesen eines kleinen Pergaments; Jonas, ca. 10, zerzaustes rotes Haar, blauer Kapuzenpullover, steht hinter Lina mit den Händen in den Hüften, schelmischer, beschützender Blick; die Lampe zeigt ein warmes Licht auf ein winziges Schloss und eine kleine Holzkiste im Inneren, konzentrierte Komposition auf Gesichter und Klappe im retro‑Cartoon‑Stil mit weichen Schatten und starken Konturen. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Die Karte im Bilderbuch

„Schaut mal!“ Lina hielt ein altes Bilderbuch hoch, das sie in der kleinen Stadtbücherei gefunden hatte. Zwischen zwei Seiten steckte etwas Gelbes. „Das war da eben noch nicht drin.“

Ben beugte sich vor. „Ist das… ein Zettel?“

Mira zog vorsichtig daran. „Nicht reißen! Vielleicht ist es eine Schatzkarte.“

Jonas grinste. „Wenn's nur eine Einkaufsliste ist, bin ich trotzdem dabei. Da steht dann: ‚Zwei Kekse, drei Gummibärchen‘.“

Lina lachte. „Das wäre der beste Schatz überhaupt.“

Der Zettel war wirklich eine Karte: ein krummes Rechteck wie eine Wiese, eine dicke Eiche, ein kleiner Teich und ein X. Daneben stand in krakeligen Buchstaben: „Die Truhe schläft in der Nische. Weck sie mit Licht.“

Mira runzelte die Stirn. „Nische? Wie eine kleine Ecke in einer Wand.“

Ben tippte auf die Eiche. „Das ist bestimmt die große Eiche am Waldrand! Da gehen wir doch immer Eis essen vorbei.“

Jonas zog eine Augenbraue hoch. „Und wer von uns ist der Licht-Zauberer?“

Lina klopfte auf ihren Rucksack. „Ich! Ich hab eine kleine Taschenlampe. Papa sagt, ich bin immer gut vorbereitet.“

Mira strahlte. „Perfekt. Und wir nehmen Kreide mit, damit wir den Weg markieren.“

Ben nickte. „Und Wasserflaschen. Und…“ Er wurde ein bisschen rot. „Und Pflaster, falls jemand stolpert.“

Jonas hielt die Karte ans Licht. „Da ist noch mehr. Seht ihr die winzigen Punkte?“

Lina beugte sich näher. „Das sind… Buchstaben! Aber ganz klein.“

Mira kicherte. „Dann brauchen wir Superaugen.“

Ben nahm seine Brille ab und putzte sie. „Meine Augen sind immerhin halb-super.“

Sie lasen zusammen, langsam, wie bei einem Geheimcode: „Teilt, was ihr findet. Dann klingt am Ende die Glocke.“

„Eine Glocke?“ Jonas flüsterte extra geheimnisvoll. „Ich höre schon das ‚Biiing‘.“

Lina steckte die Karte ein. „Los. Wir sind die Bande der vier mutigen Schatzfinder!“

„Ich bin mutig, wenn es Snacks gibt“, sagte Jonas.

„Dann bist du heute besonders mutig“, meinte Mira und schob ihm eine kleine Müsliriegel-Packung zu.

Ben lachte. „Auf zur Eiche!“

Kapitel 2: Spuren aus Rätseln

Der Weg zum Waldrand war sonnig und freundlich. Vögel zwitscherten, und die Bäume rauschten wie ein leises „Pssst, pssst“, als würden sie schon über den Schatz tuscheln.

„Wenn wir wirklich eine Truhe finden“, sagte Ben, „dann teilen wir, oder?“

„Steht doch auf der Karte“, antwortete Lina. „Und außerdem macht Teilen mehr Spaß.“

Jonas nickte ernst. „Ich teile. Aber ich teile klug. Erst schauen, was es ist.“

Mira blieb stehen und zeigte auf einen flachen Stein am Weg. Darauf waren drei Kreise gemalt, einer groß, einer mittel, einer klein.

„Das ist bestimmt ein Zeichen!“, rief sie.

Lina zog die Karte hervor. „Auf der Karte sind doch auch Kreise… beim Teich!“

Ben kniete sich hin. „Hier sind Kratzer. Vielleicht eine Richtung?“ Er fuhr mit dem Finger darüber. „Drei Linien… nach links.“

Jonas stellte sich hin wie ein Kompass. „Links ist da, wo meine linke Hand ist. Gut, dass die immer mitkommt.“

Sie bogen links ab und kamen zu einem schmalen Pfad. Dort hing an einem Ast ein Band, hellblau, und daran ein kleiner Holzring.

„Wie eine Einladung“, sagte Mira leise.

„Oder eine Falle“, flüsterte Jonas und machte ein übertrieben gruseliges Gesicht. Dann grinste er sofort. „Keine Sorge, ich rette euch mit meinem Heldenmut.“

Lina schob ihn zur Seite. „Wir retten uns zusammen.“

Ben hob den Holzring ab. Auf der Innenseite waren winzige Pfeile eingeritzt: zwei nach vorne, einer nach rechts.

„Also“, sagte Ben und zeigte, „zwei Schritte… nein, zwei Wegstücke geradeaus, dann rechts.“

Sie folgten den Pfeilen, bis sie die große Eiche erreichten. Ihr Stamm war so breit, dass alle vier Kinder ihn nicht umfassen konnten.

„Da ist sie“, sagte Lina ehrfürchtig. „Genau wie auf der Karte.“

Am Stamm war ein kleines Loch, wie eine winzige Tür. Daneben steckte ein Stück Papier.

Mira zog es heraus. „Ein neues Rätsel!“ Sie las laut: „Wer anderen hilft, findet den richtigen Weg.“

Jonas kratzte sich am Kopf. „Wie hilft man einem Baum?“

Ben zeigte auf den Boden. Dort lag ein kleiner Igel aus Tannenzapfen-Bastelzeug, aber sein Beinchen aus Holz war abgefallen.

„Oh!“, rief Mira. „Der arme Zapfen-Igel!“

Lina kniete sich hin. „Wir können das reparieren. Ich hab Klebeband.“

Jonas hielt den Zapfen-Igel fest. „Ich bin der Tierarzt für Zapfen.“

Ben befestigte das Beinchen mit Klebeband, vorsichtig und gerade.

Mira klatschte. „Jetzt kann er wieder laufen. Na ja… rollen.“

In dem Moment bemerkten sie etwas: Hinter dem Zapfen-Igel war eine flache Rinde angelehnt. Als Lina sie anhob, sah man darunter einen zweiten Holzring, diesmal mit einem eingezeichneten Teich.

„Siehst du!“, rief Lina. „Helfen bringt wirklich was.“

Jonas verbeugte sich vor dem Zapfen-Igel. „Danke für die Zusammenarbeit, Herr Igel.“

Ben drehte den Ring in der Hand. „Da ist ein Loch wie bei einem Schlüssel.“

Mira zog die Karte hervor. „Auf der Karte gibt es beim Teich so eine kleine Nische… vielleicht in der alten Mauer dort!“

Lina nickte. „Und wir müssen sie beleuchten. Das ist unser Hauptziel.“

„Dann los“, sagte Ben. „Bevor der Schatz wieder einschläft.“

Kapitel 3: Die Nische, die Licht braucht

Der Teich glitzerte zwischen Schilf und Seerosen. Daneben stand wirklich eine alte Steinmauer, nicht hoch, eher wie ein Stück von etwas sehr Altem. In der Mauer war eine dunkle Vertiefung.

„Die Nische“, flüsterte Mira. „Ganz schön schattig.“

Jonas rieb sich die Hände. „Okay, Bande. Geheimmission: Licht an!“

Lina zog ihre Taschenlampe hervor. „Batterien sind voll. Ich hab sie gestern getestet.“

Ben sah sich die Mauer an. „Da ist Moos. Und… oh, ein kleiner Schlitz.“

Mira hielt den Holzring hoch. „Vielleicht passt er da rein.“

„Warte“, sagte Lina. „Erst mal schauen, ob etwas drin ist.“

Sie beugten sich zur Nische. Drinnen war es dunkel, aber man sah etwas Metallisches.

„Das muss die Truhe sein!“, sagte Ben aufgeregt.

In diesem Moment zog eine Wolke vor die Sonne, und es wurde noch dunkler.

Jonas machte ein kleines Drama daraus. „Oh nein! Die Welt wird… etwas schattiger!“

Mira kicherte, aber ihre Stimme wurde auch leiser. „Ich sehe fast nichts.“

Lina atmete ruhig ein. „Wir bleiben zusammen. Ich mach Licht.“

Sie schaltete die Taschenlampe ein. Ein warmer Lichtkreis füllte die Nische, als wäre dort ein kleiner Sonnenfleck.

„Wow“, flüsterte Ben. „Da ist wirklich eine Truhe. Und ein Schloss.“

Mira hielt den Holzring hin. „Der Ring ist der Schlüssel!“

Ben nickte. „Probier's.“

Mira schob den Ring in den Schlitz. Er passte genau. Aber er drehte sich nicht.

„Vielleicht klemmt es“, murmelte Jonas. „Soll ich… mit meinen Supermuskeln?“

„Nicht ruckeln“, sagte Lina bestimmt. „Wir müssen schlau sein.“

Ben untersuchte das Schloss. „Da sind kleine Zahlen… eins bis vier.“

„Vier Kinder!“, rief Mira. „Wir sind vier.“

Jonas zeigte auf die Karte. „Und da sind vier Symbole: Eiche, Teich, Stern, Glocke.“

Lina hielt die Taschenlampe so, dass man alles gut sah. „Welche Reihenfolge?“

Ben dachte nach. „Erst waren wir bei der Eiche. Dann beim Teich. Auf der Karte ist auch ein Stern neben dem X. Und am Ende steht die Glocke.“

Mira nickte schnell. „Eiche, Teich, Stern, Glocke! Das ist es.“

Jonas drückte auf dem Schloss vier kleine Knöpfe mit Symbolen, genau in der Reihenfolge.

Klick.

Alle hielten kurz den Atem an.

Dann machte das Schloss ein sanftes „Klack“, als würde es freundlich nicken.

„Es geht auf!“, rief Ben.

Lina leuchtete hinein. Die Truhe war nicht riesig, eher wie eine Brotdose aus Holz, aber sie sah besonders aus, mit bunten Mustern.

„Öffnen?“, fragte Mira.

„Zusammen“, sagte Lina.

Sie legten die Hände an den Deckel. „Eins, zwei, drei…“

Der Deckel hob sich langsam. Drinnen lag kein Goldberg und auch kein Drachenzahn, sondern etwas viel Besseres: kleine Päckchen, jedes mit einem Namen darauf. „Für Lina“, „Für Ben“, „Für Mira“, „Für Jonas“.

„Und noch was“, flüsterte Ben und zeigte auf die Mitte.

Dort lag ein Brief und eine winzige, silberne Taschenlampe, noch kleiner als Linas, und daneben ein Spiegel, so groß wie eine Handfläche.

Mira las den Brief vor: „Ihr habt Mut gezeigt, klug gedacht und geholfen. Das Licht findet den Schatz, und der Schatz findet das Herz. Nutzt den Spiegel, um Licht zu teilen.“

Jonas hielt seinen Umschlag hoch. „Meiner fühlt sich nach… Schokolade an. Ich habe Talent.“

Lina lachte. „Warte, erst lesen wir weiter.“

Mira las: „Geht zum Spielplatz am Waldrand. Dort wartet ein letzter Hinweis. Und denkt daran: teilt, was ihr findet.“

Ben nickte. „Dann machen wir das. Und wir nehmen die Truhe mit?“

„Nein“, sagte Lina. „Die bleibt hier. Sie gehört wohl zum Rätsel. Wir nehmen nur unsere Päckchen und den Spiegel.“

Jonas salutierte. „Mission geht weiter. Lichtbrigade marschiert!“

Kapitel 4: Teilen, bis die Glocke klingt

Am Spielplatz stand eine alte Holzbank. Unter der Bank klebte ein kleiner Zettel.

Ben fand ihn als Erster. „Hier! Da ist er!“

Lina leuchtete mit der Taschenlampe, damit Mira lesen konnte. Mira las: „Öffnet eure Päckchen. Legt die Hälfte in die rote Kiste für Kinder, die nichts dabei haben. Dann hört ihr eine sanfte Glocke.“

Jonas schaute zur Seite. Neben dem Klettergerüst stand tatsächlich eine rote Kiste mit einem Schlitz und der Aufschrift: „Teilen macht stark.“

„Oh“, sagte Jonas und hielt seinen Umschlag fest. „Die Hälfte?“

Ben legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Wir können das. Und vielleicht freut sich jemand riesig.“

Lina öffnete ihren Umschlag. Darin war ein kleines leuchtendes Armband, das im Dunkeln schimmerte, und ein paar bunte Murmeln.

Mira öffnete ihren: ein Mini-Notizbuch mit Glitzerstern, Sticker und ein Radiergummi in Herzform.

Ben fand in seinem: ein kleines Rätselheft, ein Kompass-Anhänger und Bonbons.

Jonas öffnete seinen und strahlte. „Schokolade! Und… ein kleiner Witz-Zettel. Hört zu: ‚Was macht ein Keks im Wald? Krümelspur!‘“

Alle lachten.

„Okay“, sagte Lina, „wir teilen fair.“

Sie legten zusammen: ein paar Murmeln, Sticker, ein Bonbon-Päckchen, und Jonas brach seine Schokolade vorsichtig in zwei gleiche Teile.

„Das ist jetzt mein mutigster Moment“, sagte Jonas feierlich und legte die Hälfte in die rote Kiste.

Mira legte ihr Herz-Radiergummi dazu. „Damit jemand Fehler wegradieren kann und sich besser fühlt.“

Ben gab den Kompass-Anhänger hinein. „Dann findet jemand leichter den Weg.“

Lina legte ihr leuchtendes Armband dazu. „Damit es für jemanden heller wird.“

Sie schauten sich an. Es fühlte sich warm im Bauch an, wie Kakao an einem kühlen Tag.

„Und jetzt?“, fragte Jonas.

Lina nahm den kleinen Spiegel aus der Truhe. „Im Brief stand: Licht teilen.“

Sie hielt die Taschenlampe darauf. Der Lichtstrahl sprang vom Spiegel weg und tanzte auf die rote Kiste, als würde er „Danke“ sagen.

In genau diesem Moment ertönte ein weiches, freundliches Klingeln.

„Bimmel…“, machte es, ganz leise, wie ein Glöckchen im Wind.

Mira flüsterte: „Die Glocke.“

Ben sah sich um. Oben am Ast eines Baumes hing ein kleines Glöckchen, kaum größer als eine Nuss. Es schwang sanft, obwohl kaum Wind ging.

Jonas grinste. „Der Wald hat uns applaudiert.“

Lina nickte. „Oder er sagt: ‚Gut gemacht.‘“

Mira legte die Hand auf die rote Kiste. „Ich hoffe, jemand findet das und freut sich.“

Ben sagte: „Bestimmt. Und wir haben immer noch genug für uns.“

Jonas hielt seinen Witz-Zettel hoch. „Und ich teile noch einen: ‚Warum kann der Spiegel so gut teilen? Weil er alles zurückgibt!‘“

„Der war… na ja“, sagte Mira und prustete los. „Aber süß!“

Lina sah zum Glöckchen. Es klingelte noch einmal, ganz zart: „Bimmel.“

„Das ist das Ende der Schatzsuche“, sagte Ben zufrieden.

„Nein“, sagte Lina leise. „Das ist der Anfang. Wir können öfter Licht teilen.“

Sie gingen zusammen nach Hause, die Karte sicher im Rucksack, die Taschenlampe in der Hand, und das sanfte Glockenklingen blieb wie ein freundlicher Abschiedsgruß in ihren Ohren.

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Nische
Eine kleine, oft dunkle Ecke in einer Wand oder einem Baum.
Vertiefung
Ein tiefer oder eingedrückter Teil, wo etwas Platz hat.
Ehrfürchtig
Sehr überrascht und mit großem Respekt schauen oder fühlen.
Krakeligen Buchstaben
Buchstaben, die schief, wild oder unordentlich geschrieben sind.
Zapfen-Igel
Eine Bastelfigur, die wie ein Igel aus Tannenzapfen gemacht ist.
Glitzerstern
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