Laden läuft...
Geschichte vom versteckten Schatz 7/8 Jahre Lesen 22 min.

Der Murmelschatz in der alten Mühle

Mila entdeckt mit ihrer Großmutter in einer alten Mühle eine geheimnisvolle Karte und macht sich auf eine Schatzsuche, bei der Ehrlichkeit, Mut und Teilen wichtiger sind als funkelnder Reichtum.

Lade diese Geschichte als PDF herunter

Ideal zum Teilen oder Ausdrucken dieser Geschichte!

E-Book herunterladen (.epub)

Lesen Sie diese Geschichte auf Ihrem E-Reader.

Ein 8-jähriges Mädchen, rundes Gesicht, Sommersprossen, hellbraune Zöpfe, große neugierige Augen, erstauntes Lächeln und leicht schmutzige Hände, hockt vor einer alten Mühle und hält eine blaugrüne Murmel, die sie aus einem kleinen Leinensäckchen genommen hat; hinter ihr steht eine etwa 70-jährige Großmutter mit grau gebundenem Haar, faltiger aber freundlicher Haut, Blumenkleid und Schürze, die stolz die Hand auf ihre Schulter legt; eine kleine braune Maus sitzt auf einem Balken darüber und beobachtet sie. Innenraum der alten Holzmehlmühle mit breiten Dielen, freiliegenden Balken, goldfarbenem Staub in Sonnenstrahlen, einem großen Mahlrad im Hintergrund und einer leicht geöffneten Holzklappe. Die Szene zeigt die Entdeckung eines Geheimfachs unter dem Holzrad mit einem Säckchen bunter Murmeln und einer offenen kleinen Metalldose, das Licht streichelt die ausgewählte Murmel. Farbpalette: warme Holztöne, blaugrüne Akzente, Kupfer- und Goldstaubnuancen, sichtbare Holzmaserung und abgenutztes Metall; zentrierte Komposition, leichter Vogelperspektivwinkel, klare Mimik und einfache, kinderfreundliche Silhouetten. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Die Karte im Mehlstaub

Mila war sieben Jahre alt, und wenn sie etwas nicht leiden konnte, dann Unordnung – aber nur, wenn sie nicht selbst die Ursache war. Heute stand sie mit hochgekrempelten Ärmeln in der Küche ihrer Oma und half beim Backen.

„Mila, kannst du bitte das Mehl aus dem Schrank holen?“ fragte Oma.

„Klar!“ Mila sprang auf. „Aber ich sage gleich: Wenn da wieder die Nudeln auf den Keksen liegen, dann war das nicht ich.“

Oma lachte. „Unsere Nudeln sind eben abenteuerlustig.“

Mila öffnete die Schranktür. Ein kleiner Mehlstaub-Wirbel kitzelte ihre Nase. „Hatschi!“ Sie blinzelte – und entdeckte hinter der Mehltüte etwas, das dort nicht hingehörte: ein zusammengefaltetes Stück Papier, festgeklemmt zwischen einem alten Kochbuch und einer Dose Kakao.

„Oma? Was ist das?“ Mila hielt es hoch.

Oma wischte sich die Hände an der Schürze ab und kam näher. Ihre Augen wurden groß. „Oh. Das ist ja… das ist lange her.“

„Ist es ein Geheimzettel?“ Mila flüsterte, als ob das Papier sonst weglaufen könnte.

Oma nahm es vorsichtig. „Vielleicht. Es war in der alten Mühle, als ich so alt war wie du. Wir haben es damals gefunden und… na ja, wir haben es vergessen.“

„Vergessen?“ Mila riss die Augen auf. „Wie kann man ein Geheimnis vergessen?“

Oma grinste. „Man kann vieles vergessen, wenn man ständig Pfannkuchen machen muss.“

Mila zeigte auf das Papier. „Darf ich gucken?“

„Natürlich. Aber vorsichtig. Es ist alt wie ein sehr müder Keks.“

Mila faltete es langsam auseinander. Darauf waren krumme Linien, ein kleiner Kreis, ein Pfeil – und eine Zeichnung, die aussah wie ein Windrad.

„Das ist die Mühle!“ rief Mila. „Die alte Mühle am Bach!“

Oma nickte. „Genau die. Früher hat sie geklappert wie hundert Löffel in einer Schublade.“

Mila fuhr mit dem Finger über eine Stelle, wo in großen Buchstaben stand: „NUR FÜR EHRLICHE HERZEN“.

„Was heißt das?“ fragte Mila.

Oma wurde ernst, aber ihr Blick blieb warm. „Das heißt, dass man nur dann etwas findet, wenn man fair ist. Nicht schummelt, nicht heimlich nimmt. Und wenn man die Wahrheit sagt.“

Mila hob das Kinn. „Ich bin ehrlich.“

„Das glaube ich,“ sagte Oma. „Auch wenn du manchmal so ehrlich bist, dass du sagst: ‚Oma, dein Hut sieht aus wie ein Pfannkuchen.‘“

„Weil er so rund war!“ Mila kicherte.

Oma deutete auf die Karte. „Der Kreis hier… das ist wahrscheinlich der Mühlstein. Und dieser Pfeil… der zeigt auf etwas. Vielleicht auf einen Schatz.“

„Einen Schatz!“ Mila hüpfte einmal auf und ab. „Ich will da hin! Heute!“

Oma sah aus dem Fenster. Draußen war der Himmel blau, und die Sonne machte helle Punkte auf den Boden. „Gut. Aber wir gehen nicht allein. Nimm deinen Rucksack, Wasser und… eine Taschenlampe. In einer Mühle gibt es viele Ecken.“

„Und Kekse?“ fragte Mila hoffnungsvoll.

Oma tat so, als müsste sie lange überlegen. „Mmh… nur, wenn du mir versprichst, nicht alle auf dem Weg zu essen.“

Mila legte eine Hand aufs Herz. „Ich verspreche es. Na ja… fast alle.“

„Mila!“

„Okay, okay. Ich verspreche es ganz.“

Sie liefen los. Der Weg zur Mühle führte über eine Wiese, an der ein paar Schafe standen. Mila winkte ihnen. „Hallo, Schatz-Schutz-Schafe!“

Ein Schaf kaute langsam weiter, als hätte es schon viele Schatzsucher gesehen.

Als die alte Mühle endlich auftauchte, wirkte sie groß und ein bisschen schief, aber nicht gefährlich. Das Holz war grau, und das Dach sah aus, als hätte es ein paar schlechte Frisurtage gehabt.

Mila trat näher. „Sie riecht nach… altem Holz und Abenteuer.“

Oma schloss das kleine Tor auf. „Und nach Mehl, wenn man ganz tief einatmet.“

Mila atmete tief ein. „Mhm! Ein bisschen wie… Oma-Küche.“

Oma lächelte. „Dann ist es doch gleich viel weniger unheimlich, oder?“

Mila nickte. „Ja. Es ist eher… geheimnisvoll.“

Sie standen vor der Tür. Mila flüsterte: „Bist du bereit?“

Oma flüsterte zurück: „Bereit, Kapitänin Mila.“

Mila drückte die Tür auf, und sie knarrte, als wollte sie selbst mitreden: Krrrriiieeek.

„Die Tür sagt: ‚Hallo‘,“ meinte Mila.

„Dann sagen wir höflich ‚Hallo‘ zurück,“ sagte Oma.

„Hallo, Tür!“ sagte Mila.

Die Tür knarrte noch einmal, aber freundlicher, fand Mila. Und damit begann ihre Schatzsuche.

Kapitel 2: Der Mühlstein und die drei Hinweise

Drinnen war es kühl. Sonnenstrahlen fielen durch kleine Fenster und malten Streifen auf den Boden. Staub tanzte darin, als würde er einen sehr langsamen Tanz üben.

„Siehst du das?“ Mila zeigte. „Staub-Ballett!“

Oma nickte. „Sehr elegant.“

Mila holte die Taschenlampe aus dem Rucksack. „Licht an für die Entdeckerin!“

„Aber nicht in meine Augen,“ sagte Oma schnell.

„Ich bin vorsichtig.“ Mila leuchtete auf die Wände. Da hingen alte Seile, ein paar Holzzahnräder und ein riesiger Mühlstein, so groß wie ein Tisch.

„Der Kreis auf der Karte!“ Mila lief hin. „Das ist er!“

Auf dem Mühlstein war eine Rille – und in der Rille steckte etwas aus Metall. Mila kniete sich hin. „Ein… Ding.“

Oma beugte sich vor. „Sieht aus wie ein kleiner Schlüssel.“

Mila fasste ihn an, aber dann hielt sie inne. „Warte. Da stand: ‚Nur für ehrliche Herzen‘.“

Oma nickte. „Also?“

Mila atmete einmal tief durch. „Ich will nicht einfach alles anfassen. Vielleicht muss man erst etwas richtig machen.“

„Das ist klug,“ sagte Oma.

Mila leuchtete noch einmal. Neben dem Stein war ein Brett, und darauf waren mit Kreide drei Symbole gemalt: ein Ohr, ein Auge und ein Herz.

„Ohr, Auge, Herz,“ las Mila. „Was soll das heißen?“

Oma legte den Kopf schief. „Vielleicht: Hören, sehen, fühlen. Oder: Zuhören, hinschauen, ehrlich sein.“

Mila setzte sich auf die Fersen. „Also müssen wir erst zuhören?“

In diesem Moment hörten sie ein leises Plätschern vom Bach draußen und das sanfte Klopfen eines lockeren Holzbretts im Wind: tok… tok… tok.

Mila flüsterte: „Die Mühle spricht.“

Oma schmunzelte. „Oder der Wind.“

„Trotzdem,“ sagte Mila. „Wir hören zu.“

Sie waren ganz still. Mila hörte ihr eigenes Atmen. Sie hörte Omas leises Rascheln, als sie die Karte hielt. Und dann… ein kaum hörbares Kratzen, als ob etwas sehr Kleines über Holz lief.

„Hast du das gehört?“ flüsterte Mila.

Oma zeigte nach oben. Auf einem Balken saß eine Maus. Sie schaute zu ihnen herunter, als wäre sie die Hausmeisterin.

Mila grinste. „Hallo, Maus. Wir suchen einen Schatz.“

Die Maus putzte sich das Gesicht, als würde sie sagen: „Viel Glück.“

Mila kicherte leise. „Ohr erledigt. Jetzt Auge! Wir müssen etwas sehen.“

Sie betrachteten den Mühlstein genauer. Mila leuchtete in die Rille. Da waren winzige Zeichen eingeritzt, fast wie kleine Pfeile.

„Da!“ Mila zeigte. „Hier sind Pfeile. Sie zeigen… zu diesem Holzbrett.“

Das Holzbrett lag an der Wand, scheinbar ganz normal. Mila ging hin, drückte darauf, und es wackelte.

„Tok… tok…“ machte es, als hätte es darauf gewartet.

„Da ist etwas dahinter,“ sagte Mila.

Oma hob eine Augenbraue. „Und was machen ehrliche Abenteurerinnen, bevor sie etwas öffnen?“

Mila dachte kurz nach. „Sie sagen, was sie tun.“

Oma nickte.

Mila stellte sich gerade hin und sagte laut, damit es die Mühle und die Maus und sogar der Staub hören konnten: „Ich bin Mila. Ich will den Schatz finden, aber ich nehme nichts, was nicht mir gehört. Wenn wir etwas finden, fragen wir erst, wem es gehört.“

Oma sah stolz aus. „Sehr gut.“

Mila zog das Brett vorsichtig heraus. Dahinter war ein kleines Fach. Darin lag ein zusammengerolltes Band aus Stoff und eine Holzscheibe mit einem Loch in der Mitte.

„Eine Scheibe?“ Mila nahm sie hoch. „Wie ein Mini-Mühlstein.“

Auf der Scheibe stand: „DREH MICH NUR, WENN DU DIE WAHRHEIT SAGST.“

Mila lachte. „Okay! Ich sage immer die Wahrheit. Also… meistens.“

Oma räusperte sich. Mila wurde rot. „Okay. Immer.“

„Dann kommt das Herz,“ sagte Oma und tippte auf das dritte Symbol.

„Herz… heißt ehrlich sein,“ sagte Mila. „Aber was, wenn ich etwas falsch gemacht habe?“

Oma kniete sich zu ihr. „Dann kann man es sagen und es wieder gut machen. Das ist auch ehrlich.“

Mila nickte langsam. „Ich hab… letzte Woche einen Apfel vom Tisch genommen, obwohl du gesagt hast, wir essen erst nach dem Abendessen. Ich hab ihn hinter der Tür gegessen.“

Oma blinzelte. Dann lächelte sie. „Danke, dass du es sagst. Und?“

Mila hob die Schultern. „Er war lecker. Aber ich hatte danach keinen Hunger mehr und hab das Gemüse stehen lassen.“

„Siehst du,“ sagte Oma, „die Wahrheit hilft uns, zu lernen. Und ich bin nicht böse. Nächstes Mal fragst du, ja?“

„Ja,“ sagte Mila. „Also… Herz an.“

Sie steckte die Holzscheibe in das Loch an der Wand, das sie vorher nicht bemerkt hatte. Es passte genau. Mila drehte sie vorsichtig. Es klickte, und ein kleines Stück Wand schob sich zur Seite.

„Wow!“ Mila flüsterte. „Ein Geheimgang!“

„Eher eine Geheimtür,“ sagte Oma. „Ein sehr schmaler Gang.“

Mila leuchtete hinein. Drinnen war es nicht dunkel-düster, eher wie in einer Höhle, die jemand ordentlich aufgeräumt hatte. Es gab sogar eine kleine Kerbe, in der man eine Lampe abstellen konnte.

Mila schluckte. „Bisschen eng.“

Oma legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Wir gehen langsam. Du entscheidest das Tempo.“

Mila atmete tief durch. „Ich kann das. Mut ist… wenn man trotzdem geht, oder?“

„Genau,“ sagte Oma. „Und wenn man dabei noch einen Keks im Rucksack hat.“

Mila grinste. „Dann erst recht.“

Kapitel 3: Das Rätsel der alten Mühle

Der Gang führte zu einem Raum, der wie eine kleine Werkstatt aussah. Da standen ein alter Tisch, ein paar Gläser mit Schrauben und Knöpfen und ein Regal voller Dinge, die keiner wegwerfen wollte, weil sie vielleicht eines Tages wichtig sein könnten.

„Das ist wie Omas Schublade!“ flüsterte Mila.

„Welche?“ fragte Oma.

„Alle,“ sagte Mila, und beide mussten leise lachen.

Auf dem Tisch lag ein Buch mit dickem Einband. Daneben stand eine kleine Schachtel aus Blech. Mila leuchtete auf die Schachtel. Sie war mit einem einfachen Schloss zu.

„Da passt der Schlüssel!“ rief Mila und zeigte auf den kleinen Metallschlüssel aus der Mühlstein-Rille.

Sie hielt inne. „Aber… was, wenn es nicht für uns ist?“

Oma nahm die Karte und zeigte auf eine Ecke, die Mila noch nicht richtig gesehen hatte. Dort stand in kleiner Schrift: „WER FINDET, SOLL TEILEN.“

Mila nickte. „Teilen ist gut. Dann ist es okay.“

„Und wir nehmen nichts heimlich,“ sagte Oma.

„Nie,“ sagte Mila schnell. Dann räusperte sie sich. „Also… ab jetzt nie.“

Oma reichte ihr den Schlüssel. „Du darfst.“

Mila steckte den Schlüssel ins Schloss. Er drehte sich, als wäre er froh, gebraucht zu werden. Klick.

Mila öffnete die Schachtel. Drinnen lag kein Gold, keine Krone, kein Piratenhut. Stattdessen lagen darin: ein kleiner Kompass, eine zweite Karte und ein Zettel.

Mila blinzelte. „Das ist der Schatz?“

Oma nahm den Zettel und las laut: „‚Schatz ist nicht nur Glitzern. Schatz ist auch Können. Wer den Weg findet, findet auch Mut.‘“

Mila runzelte die Stirn. „Ich mag Glitzern.“

Oma lachte. „Ich auch. Aber schau: Der Kompass ist toll. Und eine zweite Karte! Vielleicht führt sie zu etwas Glitzerndem. Oder zu etwas Wunderbarem.“

Mila rollte die zweite Karte auf. Sie war neuer als die erste und zeigte die Mühle von innen. Ein Punkt war mit einem Stern markiert. Daneben stand: „IM RAD – ABER NICHT IM WASSER.“

Mila zeigte auf ein großes Holzrad, das an der Seite des Raums lag. Es war ein Ersatzrad, nicht das, das draußen am Bach war.

„Im Rad… aber nicht im Wasser,“ murmelte Mila. „Also nicht draußen. Dieses hier!“

Oma nickte. „Kluge Schlussfolgerung, Frau Detektivin.“

Mila ging zum Rad. Es hatte viele Speichen. Sie leuchtete hinein. Zwischen zwei Speichen war ein kleiner Stofffetzen eingeklemmt – der gleiche Stoff wie das Band aus dem Fach.

„Das ist ein Zeichen!“ sagte Mila.

Sie zog vorsichtig am Stofffetzen. Er war an einem Ende festgeknotet. Mila zog ein bisschen stärker. Ein kleiner Beutel rutschte aus einer Holzvertiefung und plumpste auf den Boden.

„Da!“ Mila hob ihn auf. „Ein Beutel! Jetzt aber Glitzer, bitte!“

Oma grinste. „Mach ihn auf.“

Mila öffnete den Beutel. Drinnen lagen… bunte Murmeln. Viele. Einige glitzerten wirklich im Licht der Taschenlampe.

„Glitzer!“ Mila jauchzte leise. „Und guck, die sind wie kleine Planeten!“

Oma nahm eine Murmel hoch. „Wunderschön. Früher haben Kinder damit gespielt.“

Mila schüttelte den Beutel. Es klackerte wie ein fröhliches Lied. „Aber ist das alles?“

Unter den Murmeln war noch etwas: ein kleines Holzherz und ein Umschlag.

Auf dem Umschlag stand: „FÜR DIE, DIE EHRLICH SIND.“

Mila schluckte. „Das sind wir.“

Oma nickte. „Öffne ihn.“

Mila zog den Zettel heraus und las langsam, weil die Schrift alt war:

„Wenn du das liest, warst du mutig und fair. Der echte Schatz ist, dass du niemanden austrickst. Nimm eine Murmel und gib den Rest weiter. Und wenn du willst, schreib deinen Namen ins Mühlenbuch.“

Mila sah zu Oma auf. „Nur eine Murmel?“

Oma hob die Augenbrauen. „Was steht da?“

Mila seufzte. „Nimm eine Murmel.“

„Und was macht eine ehrliche Mila?“

Mila streckte die Zunge raus, aber freundlich. „Sie nimmt… eine.“

Sie hielt den Beutel auf und schaute hinein, als würde sie sich von ihren glitzernden Freunden verabschieden. Dann suchte sie eine aus: blau-grün, mit einem Wirbel drin, wie ein kleiner Sturm im Glas.

„Die hier,“ sagte Mila. „Die sieht aus wie der Bach draußen.“

Oma nickte. „Gute Wahl.“

Mila legte die Murmel in ihre Tasche. Dann band sie den Beutel wieder zu. „Wir geben die Murmeln weiter. Aber an wen?“

Oma zeigte auf das Regal. Dort lag ein dickes Buch, verstaubt, aber nicht vergessen. Auf dem Einband stand: „MÜHLENBUCH“.

Mila schlug es auf. Viele Seiten waren beschrieben. Namen, kleine Zeichnungen, sogar ein eingeklebtes Blatt.

„Guck!“ Mila zeigte. „Hier ist dein Name, Oma!“

Oma beugte sich vor. „Tatsächlich. Da war ich wohl auch mal mutig.“

Mila las: „‚Ich, Leni, habe den Murmelbeutel gefunden und eine Murmel genommen. Ich habe den Rest in der Mühle gelassen für die Nächsten.‘ Das bist du!“

Oma lächelte. „Und ich habe damals gehofft, dass jemand nach mir auch Spaß daran hat.“

Mila nahm einen Stift aus ihrem Rucksack. „Dann schreibe ich auch.“

Oma legte sanft ihre Hand auf Milas Hand. „Schreib die Wahrheit.“

Mila nickte und schrieb langsam:

„Ich, Mila (7), habe den Schatz gefunden. Ich war mutig, auch im engen Gang. Ich habe eine Murmel genommen und den Rest dagelassen. Ehrlich sein fühlt sich gut an.“

Dann malte sie ein kleines Herz daneben und eine winzige Mühle, die eher wie ein Quadrat mit einem lustigen Hut aussah.

Oma lachte leise. „Deine Mühle trägt wirklich einen Hut.“

„Sie ist schick,“ sagte Mila ernst.

Sie legten den Beutel mit den Murmeln zurück in die Vertiefung im Rad, genau so, wie sie ihn gefunden hatten. Mila stopfte den Stofffetzen wieder zwischen die Speichen.

„So,“ sagte Mila. „Für die Nächsten.“

Als sie sich umdrehten, sah Mila etwas am Tisch: Der Kompass. Er lag noch da.

„Dürfen wir den behalten?“ fragte Mila.

Oma deutete auf den ersten Zettel aus der Schachtel. „Da stand ‚Teilen‘. Aber nichts davon, dass man alles dalassen muss.“

Mila dachte nach. „Vielleicht ist der Kompass dafür da, dass man den Weg zurück findet. Und dann darf man ihn… nutzen.“

Oma nickte. „Wir können ihn nutzen und später wiederbringen, wenn wir wollen.“

„Okay,“ sagte Mila. „Wir leihen ihn uns. Und wir sagen es.“

Sie stellte sich in die Mitte des Raums und sagte laut: „Liebe Mühle, wir leihen uns den Kompass aus und bringen ihn wieder. Versprochen!“

Die Maus auf dem Balken war ihnen gefolgt. Sie quietschte leise, als würde sie zustimmen.

Mila grinste. „Die Maus ist Zeugin.“

„Dann ist es offiziell,“ sagte Oma.

Kapitel 4: Der wahre Schatz und der Heimweg

Der Rückweg durch den schmalen Gang war leichter als der Hinweg. Mila ging vorne, aber sie fühlte sich nicht mehr klein. Sie fühlte sich wie eine echte Entdeckerin, die weiß, dass Mut wachsen kann, wenn man ihn übt.

Als sie wieder in der großen Mühlenhalle standen, klopfte der Wind noch immer am lockeren Brett: tok… tok… tok.

Mila klopfte zurück. „Tok tok! Danke.“

Oma schloss die Geheimtür wieder, drehte die Holzscheibe zurück und setzte das Brett so ein, dass man nichts sah.

„Niemand soll denken, wir hätten hier rumgewühlt,“ sagte Mila.

Oma nickte. „Respekt ist auch ein Teil von Ehrlichkeit.“

Draußen war die Luft warm. Der Bach glitzerte, und das große Mühlenrad am Wasser drehte sich langsam, als würde es ihnen zuwinken.

Mila holte die Murmel aus der Tasche und hielt sie gegen die Sonne. Das Blau-Grün leuchtete, und der Wirbel darin sah aus wie ein kleiner Tanz.

„Oma,“ sagte Mila leise, „ich dachte, Schatz ist Gold. Aber das war… anders.“

„Wie anders?“ fragte Oma.

Mila überlegte. „Ich hab was gefunden, aber ich hab auch was gemacht. Ich hab… nicht alles genommen. Und ich hab die Wahrheit gesagt. Und jetzt fühlt sich mein Bauch ganz leicht an.“

Oma strich ihr über die Haare. „Das ist ein sehr wertvoller Schatz.“

Mila grinste. „Und ich hab trotzdem Glitzer.“

„Ja,“ sagte Oma. „Ein bisschen Glitzer hilft immer.“

Auf dem Heimweg über die Wiese sahen sie wieder die Schafe. Mila blieb stehen und hielt die Murmel hoch.

„Hallo, Schatz-Schutz-Schafe! Mission geschafft!“

Ein Schaf machte „Mäh“ und schüttelte den Kopf, als würde es sagen: „Sehr gut, Mensch.“

Mila lachte. „Hast du das gehört, Oma? Das Schaf hat mich gelobt.“

„Ganz bestimmt,“ sagte Oma trocken. „Schafe sind bekannt für ihre Auszeichnungen.“

Zu Hause legte Mila den Kompass auf Omas Küchentisch. „Wir müssen dran denken, ihn zurückzubringen.“

„Machen wir,“ sagte Oma. „Und jetzt?“

Mila schaute auf die Mehltüte, die noch offen stand. „Jetzt backen wir.“

„Und diesmal essen wir erst nach dem Abendessen,“ sagte Oma mit strengem Blick.

Mila salutierte. „Jawohl, Kapitänin Oma.“

Während die Kekse im Ofen waren, nahm Mila ihr kleines Notizheft und schrieb: „Ehrlich sein ist wie eine Taschenlampe. Es macht alles heller.“

Oma las es und drückte Mila kurz an sich. „Das hast du schön gesagt.“

Als es später dämmerte, saßen sie am Fenster und aßen die Kekse. Mila legte die Murmel neben ihr Glas Wasser. Sie funkelte im letzten Licht.

„Oma,“ fragte Mila, „gibt es noch mehr Schätze?“

Oma zwinkerte. „In der Welt? Ja. Und manchmal auch in Schubladen.“

Mila stöhnte gespielt. „Oh nein. Schubladen-Abenteuer.“

„Die gefährlichsten von allen,“ sagte Oma und lachte.

Da wehte ein ganz leiser Wind durch das gekippte Fenster. Mila meinte, für einen Moment ein Flüstern zu hören – ganz nah, ganz weich, als ob die alte Mühle selbst es bis hierher geschickt hätte:

„Gut gemacht“

Ohne Werbung 3€ pro Monat

Möchten Sie eine unterbrechungsfreie Lektüre? Unterstützen Sie Oh My Tales, entfernen Sie alle Anzeigen und profitieren Sie ab 3€ pro Monat von weiteren enthaltenen Vorteilen.

Die Pläne und Preise ansehen
Teilen

Melden Sie ein Problem mit dieser Geschichte

Was haben Sie von dieser Geschichte gehalten?

Geben Sie Ihre Meinung ab, indem Sie dieser Geschichte je nachdem, was Sie und/oder Ihr Kind davon gehalten haben, eine Bewertung geben. Vielen Dank im Voraus!

Vielen Dank! Ihre Bewertung wurde berücksichtigt!

Das Quiz: Hast du die Geschichte gut verstanden?

Mehlstaub
Feine weiße Teilchen vom Mehl, die in der Luft schweben können.
Schranktür
Die Tür von einem Schrank, die man öffnen und schließen kann.
Zusammengefaltetes
Wenn etwas Papier oder Stoff so gefaltet ist, dass es weniger Platz braucht.
Mehltüte
Eine Papiertüte oder Packung, in der Mehl aufbewahrt wird.
Mühle
Ein Gebäude, das früher Korn zu Mehl mahlte, oft am Bach gebaut.
Mühlstein
Großer runder Stein, der das Korn zermahlen kann.
Rille
Eine schmale, lange Vertiefung oder Furche in einem Gegenstand.
Seile
Dicke Stricke aus Fasern, die man zum Ziehen oder Halten benutzt.
Zahnräder
Runde Teile mit Zähnen, die zusammendrehen und Bewegung weitergeben.
Kompass
Ein Gerät mit einer Nadel, das immer nach Norden zeigt.
Geheimgang
Ein verborgener schmaler Weg oder Raum, den nicht viele kennen.
Werkstatt
Ein Raum, in dem Sachen repariert oder gebaut werden.
Vertiefung
Ein kleiner, tiefer Bereich in einem Holz oder Stein.
Speichen
Die dünnen Stangen, die von der Mitte eines Rades nach außen gehen.
Schachtel
Ein Behälter, oft aus Blech oder Karton, um Dinge aufzubewahren.

Erstellen Sie eine magische und einzigartige Geschichte für Ihr Kind!

Erstellen Sie in nur wenigen Minuten ein personalisiertes Abenteuer, in dem Ihr Kind zum Helden wird. Mit unserem exklusiven Tool ist es einfach, kostenlos und unterhaltsam!

Eine Geschichte erstellen

Laden Sie diese Geschichte herunter:

Lade diese Geschichte als PDF herunter E-Book herunterladen (.epub)

Erhalten Sie jeden Sonntagabend neue Geschichten!

Erhalten Sie 7 spannende und fesselnde Geschichten, die auf das Alter und die Vorlieben Ihres Kindes abgestimmt sind, jeden Sonntag um 17 Uhr*. Es ist kostenlos und garantiert spamfrei!
*E-Mail wird um 17 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (MEZ) gesendet.
Wir mögen auch keinen Spam. Deshalb senden wir Ihnen nur Geschichten. Sie können sich jederzeit abmelden.