Erster Morgen am Kiosk
Lukas ist fünf. Lukas ist klug. Lukas hat eine kleine Schürze. Lukas arbeitet beim Kiosk. Nicht ganz allein. Denn der Kiosk gehört auch seinen Freunden.
Da ist Mia. Mia lacht laut. Sie mag bunte Aufkleber. Da ist Ben. Ben hat immer eine Mütze zu viel. Und da ist Frau Krümel. Frau Krümel ist die Besitzerin. Sie ist klein und warmherzig. Und sie hat Schokokekse.
"Bereit?" flüstert Lukas. Er steht auf einem Hocker. Er verkauft Zeitungen. Er faltet sie wie ein Schiff.
"Bereit!" rufen Mia und Ben. Sie stehen nebeneinander. Sie halten eine Tüte mit Lutscher. Sie haben einen Plan. Heute spielen sie Duos. Duos gemischt. Jeder mit jedem. Ein Duo für jeden Spaß.
Ein Mann kommt. Er schaut verschlafen. "Guten Morgen," sagt Lukas. Er bietet eine Zeitung an. Der Mann nimmt sie. "Danke, kleine Verkäufer!" lacht er. Lukas fühlt sich mutig. Ein warmes Gefühl im Bauch.
"Du bist tapfer," flüstert Mia. Sie drückt seine Hand mit buntem Fingernagellack. Ben nickt. Er verbeugt sich fast wie ein Clown.
Plötzlich ein Windstoß. Die Zeitungen tanzen. Sie fliegen wie Schmetterlinge. "Oh nein!" ruft Frau Krümel. "Die Wettermeldung entkommt!" Alle rennen. Das Duo Lukas-Mia jagt die Sportseite. Das Duo Ben-Frau Krümel fängt die Rätselseite. Es gibt Kichern. Es gibt wilde Flappelei. Am Ende liegen alle Zeitungen wieder ordentlich. Und alle lachen. Alle sind ein bisschen stolz.
Das Duo mit der Banane
Am Nachmittag ist es ruhig. Die Sonne scheint auf das rote Dach des Kiosks. Die Freunde probieren neue Duos.
"Ben und Lukas!" ruft Mia. "Du bist in der Obst-Ecke, Ben." Ben nickt. Er zieht eine Banane aus der Kiste. Sie ist gelb wie eine Sonne. "Ich bin ein Apfel," sagt Lukas und tut so, als wäre er rund. Sie probieren Rollen. Sie machen Stimmen. Die Banane wird ein Telefon. Die Banane gibt Nachrichten.
"Hallo, hier ist Bananiá," sagt Ben mit tiefer Stimme. Lukas legt das Ohr an die Schale. "Oho," sagt er mit ernster Stimme. "Die Banane sagt: Heute kommt ein Elefant." Mia lacht so laut, dass ein Vogel auf dem Dach aufspringen muss. "Ein Elefant?" fragt Frau Krümel. "Bei uns?" Sie kichert.
Dann kommt ein Geräusch aus der Gasse. "Pffft," macht es. Alle schauen. Es klingt wie ein Trompetenstottern. Ein Müllwagen rollt vorbei. "Ah!" atmet Lukas kurz. Sein Herz klopft schnell. Kleine Angst. Eine kleine Angst. Aber Ben lächelt und hält die Banane wie einen Zauberstab.
"Wir sind das Duo Mut-Banane," sagt Ben. "Mut-Banane vertreibt den Angst-Muff." Lukas pustet. Die Angst schrumpft. Die Kinder lachen. Sie springen hoch. "Mut-Banane, hurra!" singen sie.
Frau Krümel reicht Lukas einen Keks. "Für den Mut," sagt sie. Lukas beißt. Kekskrümel wie Sternenstaub. Er fühlt sich ruhiger. Die Freundschaft macht die Angst kleiner. Das Duo hat gewonnen.
Die verwirrten Briefe
Am nächsten Tag ist Postzeit. Ein Paket kommt für jemanden. Viele Briefe liegen auf dem Tresen. Lukas sortiert. Mia mischt die Briefe absichtlich. "Ein bisschen Durcheinander ist lustig," flüstert sie. Ben rollt mit den Augen. "Achtung," sagt er. "Wir spielen keine Zauberin mit Post."
Aber das Durcheinander bleibt. Briefe für Oma Müller landen beim Pizzabäcker. Ein Dankesbrief für Frau Krümel landet in einem Hundehalsband. "Oh-oh," sagt Lukas. "Wir müssen Duo-Wechsel machen." Schnell bilden sie neue Paare: Lukas mit Frau Krümel, Mia mit Ben. Jeder liest laut vor. Die Briefe klingen plötzlich wie Lieder. Ein Geburtstagsbrief klingt wie ein Trommelwirbel. Ein Liebesbrief schnurrt wie eine Katze.
Ein kleines Missverständnis passiert. Ein Brief voller Glitzer landet bei einem Hund. Der Hund schnuppert. Er denkt, es sind Kekse. Er wedelt. Er rennt mit dem Brief. "Weg, Robbi!" ruft Ben. Robbi, der Hund der Nachbarin, trägt den Brief durch die ganze Straße. Die Freunde rennen hinterher. Sie bilden eine Polonaise. Sie rufen: "Halt! Halt!" Der Hund bleibt schließlich vor dem Kiosk stehen. Er lässt den Brief fallen. Alle klatschen. Der Hund bekommt einen Keks.
Die Briefe sind wieder an ihrem Platz. Alle atmen auf. "Puh," sagt Lukas. Er lacht erleichtert. Er war kurz ängstlich. Aber zusammen ging alles gut. Mia hüpft. "Wir sind die Brieffinder-Duos!" lacht sie. Ben macht einen kleinen Tanz. Frau Krümel schüttelt den Kopf und lächelt.
Ein nächtlicher Schreck und ein kleines Mutfest
Eines Abends ist der Kiosk fast geschlossen. Die Laternen flackern. Lukas bleibt mit Frau Krümel auf. Die anderen sind schon zu Hause. Plötzlich klopft es leise. Klopf-klopf. Ein Schatten huscht vorbei. Lukas zuckt. Seine Knie sind wie weiche Gummibärchen. "Was war das?" fragt er leise.
Frau Krümel nimmt eine Taschenlampe. "Komm," sagt sie. "Wir schauen zusammen." Sie gehen raus. Der Schatten kommt näher. Es ist nur ein großer Karton mit Zeitungen. Der Wind hat ihn geschoben. Der Karton tanzt. "Buh!" rufen sie beide gleichzeitig. Sie lachen laut. Die Luft wird leichter.
Am selben Abend kommen Mia und Ben zurück. Sie haben Kuchen gebracht. "Für das Mutfest!" ruft Mia. "Wir feiern, dass ihr keine Angst mehr hattet." Alle setzen sich auf Kisten. Die Taschenlampe macht einen Kreis aus Licht. Ben holt eine Gitarre. Er klimpert drei Töne. Ein Lied entsteht. Ein kleines, fröhliches Lied über Duos und Mut.
"Ich hatte Angst," sagt Lukas ehrlich. "Aber mit euch war es kleiner." Mia nimmt seine Hand. "Angst ist ok," sagt sie. "Sie macht uns vorsichtig. Aber zusammen sind wir stark." Ben nickt wie ein kleiner Captain. Frau Krümel verteilt Kuchenstücke. "Und Kekse," sagt sie. "Ganz viele Kekse."
Der Abend wird stiller. Die Kinder kichern noch. Dann wird das Kichern weicher. Es wird zu einem leisen Lachen. Das Lachen zu einem Seufzer. Und der Seufzer wird zu Ruhe.
Der letzte Morgen und das große Gelächter
Am Morgen ist alles glänzend. Die Sonne kitzelt das Dach. Die Freunde treffen sich wieder. Heute machen sie das letzte Duo-Spiel: Jeder mit jedem, ein letztes Mal. Sie probieren neue Rollen. Lukas ist Kapitän, Mia ist Piratin, Ben ist ein flauschiger Drache.
Ein kleiner Kunde kommt. Er heißt Tim. Er ist vier. Tim schaut schüchtern. Sein Blick wandert zu einem riesigen, bunten Ballon im Kiosk. "Magst du Ballons?" fragt Lukas freundlich. Tim nickt. Sein Herz klopft. Er mag aber auch nicht, wenn Ballons plötzlich platzen. Das macht ihm Angst.
"Wir sind das Duo Ballon-Band," sagt Mia. "Ballon-Band singt leise Lieder, damit Ballons nicht schreien." Ben formt mit den Händen eine Trommel und macht "trom-trom". Lukas sagt: "Wir atmen tief. Eins, zwei, drei." Sie atmen alle zusammen. Tim atmet mit. Der Ballon wackelt. Er bleibt ganz.
Ein Windstoß. Ein Vogel fliegt vorbei. Ein lautes "Plopp!" - nein, diesmal nicht. Ein Hund bellt. Doch der Ballon hat Mut bekommen. Er bleibt. Tim strahlt. Er lacht. Ein kleines, klitzekleines Lachen. Es wächst. Es wird lauter. Das Lachen steckt alle an.
Die Freunde fallen von den Kisten vor Lachen. Das Lachen wird ein Kichern, dann ein Prusten, dann ein lautes Gelächter. Ein Kunde macht große Augen. Frau Krümel lacht leise mit. Der Kiosk klingt wie ein kleiner Zirkus. Es sind gute, warme Lacher. Niemand lacht über jemand anderen. Alle lachen zusammen.
Und plötzlich, ganz am Ende, passiert es: Ben niest so laut, dass seine Mütze vom Kopf fliegt und auf den Ballon klopft. Der Ballon hüpft. Alle halten den Atem. Dann - ein leiser Ton. Ein kurzes "Pfff". Der Ballon schrumpft. Aber statt Weinen gibt es ein weiteres Kichern. "Oh!" sagt Tim. "Er hat nur gekichert." Alle lachen noch einmal. Ein letztes, sanftes Gelächter.
Das Gelächter klingt langsam aus. Die Stimmen werden leiser. Die Kinder kuscheln sich aneinander. Frau Krümel reicht jedem ein kleines Keksherz. "Für Mut und Freundschaft," sagt sie. Lukas hält sein Herz. Sein Herz fühlt sich warm an. Es klopft ruhig.
"Das war ein guter Tag," sagt Lukas. Er schaut seine Freunde an. Ihre Augen glitzern. Es ist ein glitzern wie Sterne. "Wir haben zusammen gelacht. Wir haben geteilt. Wir haben uns geholfen. Und wir hatten ein bisschen Angst. Aber sie ist geschrumpft. Weil wir da waren." Mia legt ihr Köpfchen auf Lukas' Schulter. Ben steckt die Mütze zurück auf den Kopf.
Der Kiosk wird still. Nur leises Rascheln der Zeitungen bleibt. Die Freunde lächeln. Sie denken an die Duos. An die Bananen-Telefone. An die Briefe, die durch die Straße tanzten. An den Karton-Schreck. An das Mutfest. An den Ballon, der gekichert hat.
Und dann, ganz leise, ein letztes kleines Lachen. Es ist nicht laut. Es ist nicht wild. Es ist warm. Es ist wie eine Decke. Es sagt: Alles ist gut. Wir sind zusammen.
Die Sonne geht höher. Die Welt ist freundlich. Die Freundschaft bleibt. Die kleinen Ängste sind kleiner. Die Kekse sind aufgegessen. Die Zeitungen schlafen zusammengelegt.
Lukas schaut aus dem Fenster. Er sieht Ben und Mia Hand in Hand. Er sieht Frau Krümel, die winkt. Er fühlt Freude in der Brust. Und er flüstert: "Bis morgen, Duo-Freunde." Die Freunde winken zurück.
Ein letzter, ruhiger Kichern geht durch den Kiosk. Dann Ruhe. Dann Frieden. Dann Schlaf in kleinen, glücklichen Herzen.