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Weihnachtsgeschichte 7/8 Jahre Lesen 18 min.

Der Sternenweg zu Herrn Bernhard

Vier Mädchen bemerken ihren einsamen Nachbarn und bereiten heimlich ein musikalisches Weihnachtsgeschenk samt Sternenweg vor, um ihm Gesellschaft und Wärme zu bringen.

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Fünf Personen: Mira (ca. 8, braune Pferdeschwanz, roter Pullover mit weißen Punkten) öffnet die Haustür links und hält eine kleine Schachtel mit Papiersternen, Juna (ca. 8, blonde Zöpfe, hellblauer Mantel) steht hinter Mira links mit einem glänzenden Glöckchen, Selma (ca. 8, schwarzer Bob, grüner Pullover) steht rechts auf der Schwelle mit einem Teller Sternkekse, Tilda (ca. 8, rote Zöpfe, zu große gelbe Mütze) macht hinten rechts einen schelmischen Knicks, Herr Bernhard (männlich, ~60, kurze graue Haare, grauer Schal, dunkler Mantel) steht überrascht und gerührt auf der Türschwelle mit einer kleinen Papiertüte und Holzdekorationen. Ort: verschneites Holzhaus mit warmem gelben Lampenlicht, sauberer Fußmatte, Papiersternen-Girlande auf dem Boden als Weg und verschneite Nachbarhäuser im Hintergrund, gedeckte Farben (Mitternachtsblau, Rot, Grün, warmes Gelb). Situation: Die vier Mädchen laden ihren Nachbarn zu Weihnachten ein, singen leise, bieten Kekse an und zeigen ihre Papiersterne; er nimmt die Einladung lächelnd an — ein warmer, heimeliger Wintermoment. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1

Der Schnee fiel in kleinen, leisen Flocken, als würde der Himmel winzige Federn ausschütteln. Die Häuser in der Lindenstraße trugen weiße Mützen, und aus vielen Fenstern schimmerte warmes Licht. Überall roch es nach Zimt, Orangen und ein bisschen nach Tannennadeln.

In Nummer 7 wohnten vier Mädchen, die fast immer zusammen unterwegs waren: Mira, Juna, Selma und Tilda. Sie waren ungefähr acht, und sie hatten eine besondere Gabe: Sie konnten aus einem normalen Nachmittag ein kleines Fest machen. Heute waren sie bei Mira, denn Miras Mama hatte ihnen erlaubt, Papiersterne zu falten. Auf dem Tisch lagen goldene Streifen, Scheren, Kleber und ein Glas mit Glitzer, das wie ein gefangenes Sternenmeer aussah.

Sie arbeiteten fleißig, aber nicht still. Selma summte ein Weihnachtslied, Tilda schob sich mit klebrigen Fingern eine Rosine in den Mund, Juna zeichnete winzige Punkte auf einen Stern, damit er aussah wie ein Nachthimmel, und Mira schaute zwischendurch immer wieder zum Fenster.

Draußen, gegenüber, war das Fenster von Herrn Bernhard. Es blieb dunkel.

Herr Bernhard wohnte seit dem Sommer in der Lindenstraße. Er war freundlich, aber sehr leise. Manchmal sah man ihn morgens mit einer Tasse Tee am Fenster stehen. Manchmal trug er einen langen Schal, der so grau war wie Wolken vor einem Schneesturm. Er nickte oft, wenn man ihm begegnete, aber er blieb nie lange stehen. Und jetzt, kurz vor Weihnachten, wirkte sein Haus besonders still.

Mira legte ihren Stern beiseite. Der Glitzer klebte an ihren Fingern, als hätte sie gerade einen Stern berührt. Sie spürte ein kleines Ziehen im Bauch, so wie wenn man merkt, dass jemand etwas braucht, aber noch nicht weiß, was genau.

„Vielleicht hat er gar keinen Weihnachtsbaum“, sagte sie leise, mehr zu sich selbst.

„Wen meinst du?“ fragte Juna und hielt ihren Stern gegen das Licht. Der sah aus wie ein gefrorenes Rad, so hübsch.

Mira zeigte mit dem Kinn Richtung Fenster. „Herrn Bernhard. Sein Fenster ist immer dunkel. Vielleicht ist er allein.“

Tilda schnalzte mit der Zunge. „Allein an Weihnachten ist wie Kakao ohne Kakao.“

Selma legte den Kopf schief. „Oder wie ein Lied ohne Refrain.“

Sie schauten alle kurz zum dunklen Fenster. Draußen tanzten Flocken, als wollten sie jemanden zum Mitmachen überreden.

Mira atmete ein. „Ich möchte ihn einladen. Zu uns. Oder… zu etwas. Damit er nicht allein ist.“

Juna rutschte auf ihrem Stuhl nach vorn. „Wir könnten etwas machen, das man nicht ablehnen kann.“

„Ein Geschenk?“ fragte Selma.

„Ein Lied!“ rief Tilda sofort, und dabei klebte ihr ein Glitzerpunkt an der Wange.

Mira lächelte. „Eine Einladung, die singt.“

Das klang so schön, dass es sofort richtig wurde. Sie falteten die Sterne zu Ende, aber jetzt hatten ihre Finger eine neue Aufgabe im Kopf: eine kleine Weihnachtsabenteuer-Aufgabe. Eine Mission aus Wärme und Mut.

Als es draußen dämmerte, packten sie ihre Sterne vorsichtig in eine Schachtel. Mira nahm ein Blatt Papier und schrieb mit runder Schrift: „Lieber Herr Bernhard, wir feiern morgen Abend ein kleines Weihnachtsfest. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie kommen. Wir bringen auch Lieder und Lachen mit.“

Selma malte einen winzigen Tannenbaum dazu. Juna zeichnete vier kleine Mützenköpfe, die sangen. Tilda klebte einen einzelnen Stern in die Ecke, der so glitzerte, als würde er wirklich leuchten.

Dann standen sie im Hausflur. Der Flur roch nach nassen Stiefeln und Seife. Sie hörten draußen ein Auto, das langsam über den Schnee fuhr, und irgendwo klapperte ein Briefkasten.

„Gemeinsam“, sagte Mira.

Sie gingen hinüber zur Nummer 9. Vor Herrn Bernhards Tür war es sehr ordentlich. Sogar die Fußmatte sah aus, als würde sie sich gerade erst hinlegen. Mira schluckte, aber dann steckte sie die Einladung in den Briefschlitz. Sie klang wie ein leiser Flügelschlag.

„Und jetzt?“ flüsterte Juna.

„Jetzt üben wir“, sagte Selma und grinste.

Tilda machte eine winzige Verbeugung vor der Tür. „Für das Publikum von eins.“

Sie liefen zurück in Miras Haus. Im Treppenhaus kicherte ihr Lachen, als würde es die Stufen hochhüpfen.

Kapitel 2

Am nächsten Tag war die Lindenstraße ein Bild aus Zucker und Watte. Der Schnee knirschte, und die Luft war so klar, dass man das Gefühl hatte, man könnte sie wie Bonbonpapier knistern hören. In der Schule konnten sich die Mädchen kaum auf Mathe konzentrieren. Sogar die Zahlen sahen ein bisschen aus wie Schneemänner.

Nachmittags trafen sie sich wieder, diesmal bei Selma. Selmas Wohnzimmer war schon geschmückt: Am Fenster hing eine Lichterkette, die wie eine Reihe von kleinen, freundlichen Sternchen blinkte. Auf dem Teppich stand ein Korb mit Tannenzweigen, die Selmas Papa vom Markt mitgebracht hatte.

„Wir müssen etwas Besonderes vorbereiten“, sagte Juna und klatschte in die Hände. „Nicht nur ein Lied. Eine kleine Weihnachtsüberraschung.“

Mira nickte. „Etwas, das sagt: Du gehörst dazu.“

Tilda zog eine Mütze über die Ohren, obwohl sie drinnen war. „Wir könnten ein Mini-Konzert machen. Aber ohne Stress. Stress ist nicht weihnachtlich.“

Selma holte ein altes Glöckchen aus einer Schublade. Es war nicht groß, aber es hatte einen klaren Ton, der den Raum sofort heller machte. „Das ist von meiner Oma. Es klingt wie ein Lachen, das sich verlaufen hat und wiedergefunden wurde.“

Sie übten drei Lieder. Nicht zu viele, damit es leicht blieb. Selma schlug mit einem Stift den Takt auf ein Kissen, Juna hielt das Glöckchen, Mira sang die erste Stimme, und Tilda machte bei jedem Refrain eine kleine Bewegung, als würde sie ein unsichtbares Orchester dirigieren.

Zwischendurch erfanden sie auch einen „Lach-Refrain“: Bei einer Stelle mussten sie alle gleichzeitig kichern, aber so, dass es wie Musik klang. Das war schwierig. Man kann Kichern nicht so leicht planen. Es kichert, wann es will. Aber genau das machte es lustig.

Als sie fertig waren, setzten sie sich mit warmem Apfelsaft auf das Sofa. Draußen wurde es schon früher dunkel, und die Lichter in den Fenstern sahen aus wie kleine Lagerfeuer.

„Meint ihr, er kommt wirklich?“ fragte Mira und drehte das Glas zwischen den Händen.

Juna zuckte mit den Schultern. „Vielleicht hat er Angst, zu stören.“

„Dann müssen wir ihm zeigen, dass man mit Freude nicht stört“, sagte Selma.

Tilda nickte sehr ernst. „Freude ist wie ein Schal. Man kann ihn teilen, ohne dass einem kalt wird.“

Mira lächelte. „Das ist ein guter Satz.“

Sie beschlossen, noch eine kleine Sache zu machen: einen Weg aus Sternen. Nicht echte Sterne natürlich, aber Papiersterne. Damit Herr Bernhard, wenn er kommen wollte, einen freundlichen Pfad hätte. Sie bastelten schnell noch ein paar und schrieben auf die Rückseiten Wörter: „Willkommen“, „Kakao“, „Lachen“, „Warm“, „Hier“.

Am Abend trug Mira die Sterne nach Hause. In ihrem Rucksack raschelten sie wie schlafende Vögel. Zu Hause half sie ihrer Mama beim Tischdecken. Es gab Kartoffelsalat und Würstchen, wie jedes Jahr, und einen Teller mit Plätzchen in Sternform. Der Weihnachtsbaum im Wohnzimmer duftete, und in seinen Zweigen hingen Kugeln, die das Licht in winzige Regenbögen teilten.

Mira stellte sich kurz ans Fenster. Gegenüber war Herr Bernhards Fenster noch dunkel. Aber heute war da etwas anders: An der Gardine hing eine kleine, dünne Lichterkette. Sie war nicht sehr hell, eher wie ein vorsichtiger Versuch.

Mira fühlte ein Kribbeln, das wie Hoffnung schmeckte. Sie zog sich schnell die Jacke an und lief kurz hinaus, nur bis zum Zaun. Der Schnee knirschte unter ihren Stiefeln. Sie sah, wie die Lichterkette drüben ganz sanft flimmerte, als würde sie sich freuen, bemerkt zu werden.

„Morgen“, flüsterte Mira in die kalte Luft, und ihr Atem wurde zu einem kleinen Wolkenball. „Morgen wird es warm.“

Kapitel 3

Am Heiligabend war das Haus von Mira voller Geräusche, die sich gut anfühlten: das Klappern von Tellern, das Summen von Miras Mama, das Rascheln von Geschenkpapier aus dem Nachbarzimmer. Die Uhr tickte, aber nicht nervös. Sie tickte wie ein geduldiger Begleiter, der sagt: Es kommt alles zur richtigen Zeit.

Am späten Nachmittag trafen Mira, Juna, Selma und Tilda sich vor der Haustür. Jede hatte etwas dabei: Juna trug das Glöckchen in einer kleinen Schachtel, Selma brachte eine Tüte Plätzchen, Tilda hatte eine winzige Taschenlampe mit Sternaufklebern (für den „Sternenweg“, sagte sie), und Mira hielt die Schachtel mit den Papiersternen.

Sie bauten den Sternenweg im Treppenhaus und vor der Haustür auf, vorsichtig, damit niemand ausrutschte. Sie legten die Sterne nicht wie Stolperfallen, sondern wie freundliche Hinweise: hier entlang, hier entlang. Dann stellten sie sich ins Wohnzimmer, direkt neben den Weihnachtsbaum. Die Lichter spiegelten sich in ihren Augen.

„Leise anfangen“, flüsterte Selma.

„Und dann größer“, flüsterte Tilda.

„Und immer warm“, flüsterte Juna.

Mira nickte. Ihr Herz klopfte, aber nicht vor Angst. Eher wie ein kleiner Trommler, der üben möchte.

Es klingelte.

Alle vier wurden plötzlich still, als hätte jemand das Wohnzimmer in eine Schneekugel verwandelt. Mira lief zur Tür. Im Flur roch es nach Tannenzweig und ein bisschen nach Winter.

Sie öffnete.

Herr Bernhard stand da. Er trug seinen grauen Schal, aber heute hatte er auch eine rote Mütze auf, die ein wenig zu groß war. In der Hand hielt er eine kleine Papiertüte.

„Guten Abend“, sagte er, und seine Stimme klang, als wäre sie lange nicht benutzt worden, aber sie war freundlich. „Ich… ich habe Ihre Einladung bekommen.“

Mira spürte, wie sich etwas in ihr entspannte, wie ein Knoten, der sich löst. „Wir freuen uns so! Kommen Sie rein.“

Herr Bernhard trat ein, und er schaute sich kurz um, als würde er prüfen, ob er wirklich willkommen ist. Mira machte einen Schritt zur Seite, damit er Platz hatte, und dann kamen die anderen Mädchen schon angeflitzt, aber nicht wild, eher wie kleine, aufgeregte Schneeflocken.

„Willkommen!“ sagte Juna.

„Frohe Weihnachten!“ sagte Selma.

Tilda machte eine ernste Verbeugung. „Wir sind das… äh… Sternenchor-Orchester.“

Herr Bernhard blinzelte, und dann passierte etwas, das man nicht planen kann: Sein Mundwinkel zuckte, und plötzlich lachte er leise. Es war ein kleines Lachen, aber es klang wie ein Fenster, das geöffnet wird.

„Das ist ein sehr schöner Name“, sagte er.

Sie gingen ins Wohnzimmer. Miras Mama begrüßte Herrn Bernhard ebenfalls warm. „Wie schön, dass Sie da sind. Möchten Sie Kakao oder Tee?“

„Tee wäre… sehr nett“, sagte er.

Als er am Tisch saß, legte er die Papiertüte vorsichtig ab. „Ich habe… nichts Großes. Nur etwas Kleines. Für… für den Baum vielleicht.“ Aus der Tüte holte er vier kleine Holzanhänger, handgeschnitzt: ein Stern, ein Mond, eine kleine Glocke und ein winziger Vogel.

Mira staunte. „Die sind wunderschön! Haben Sie die gemacht?“

Herr Bernhard nickte. „Früher habe ich viel geschnitzt. Es hat mir geholfen, wenn es draußen kalt war.“

Tilda hielt den Vogel hoch. „Der sieht aus, als würde er gleich losfliegen und überall Hallo sagen.“

„Dann ist er genau richtig“, sagte Herr Bernhard.

Nun kam der Moment. Mira stellte sich neben den Baum. Juna nahm das Glöckchen, Selma stand bereit, und Tilda hob die Hände wie eine Dirigentin.

Sie sangen. Erst leise, dann immer sicherer. Die Lieder waren bekannt, aber sie klangen neu, weil sie von vier Kindern kamen, die wirklich etwas schenken wollten. Bei ihrem „Lach-Refrain“ kicherte es erst schief, dann ehrlich, und schließlich lachte sogar Miras Mama mit. Herr Bernhard hielt seine Tasse Tee fest, und seine Augen glänzten. Nicht traurig. Eher so, als würden darin kleine Lichter schwimmen.

Nach dem letzten Lied war es einen Moment still. Nicht unangenehm. So still wie Schnee, wenn er gerade landet.

„Danke“, sagte Herr Bernhard. „Das… das ist lange her, dass jemand für mich gesungen hat.“

Mira setzte sich auf den Teppich, und die anderen setzten sich dazu. Sie aßen Plätzchen, und Herr Bernhard erzählte eine kurze Geschichte von früher, wie er als Kind einmal ein Lied so laut gesungen hatte, dass sein Vater aus dem Nebenzimmer rief: „Du weckst ja die Sterne!“ Tilda prustete so sehr, dass sie fast einen Krümel husten musste.

Später, als die Erwachsenen sich unterhielten, schlichen die vier Mädchen noch einmal in den Flur, um nach dem Sternenweg zu schauen. Er lag noch da, und die Wörter auf den Rückseiten waren wie kleine Versprechen.

„Er hat gelacht“, flüsterte Juna.

„Und er ist geblieben“, flüsterte Selma.

„Und er hat sogar eine zu große Mütze getragen“, flüsterte Tilda bewundernd.

Mira drückte die Schachtel an sich. „Manchmal braucht Weihnachten nur einen Schritt über die Straße.“

Kapitel 4

Als der Abend langsam ausklang, wurde die Welt draußen ruhiger. Die Lindenstraße lag still da, als würde sie sich in eine Decke wickeln. Im Wohnzimmer brannten noch Kerzen, aber ihre Flammen waren kleiner geworden, wie müde Glühwürmchen.

Herr Bernhard stand auf und zog seinen Schal an. „Ich möchte mich verabschieden. Es war… sehr schön. Wärmer, als ich dachte.“

Miras Mama gab ihm eine kleine Dose Plätzchen mit. „Für morgen. Und übermorgen. Und wenn Sie mögen, auch für den Tag danach.“

Herr Bernhard lächelte, und diesmal war sein Lächeln nicht nur vorsichtig. „Dann habe ich ja einiges zu tun.“

Die vier Mädchen begleiteten ihn zur Tür. Im Flur war es kühl, aber das Kühlsein störte nicht. Es war einfach da, wie Winter eben ist.

„Kommen Sie mal wieder“, sagte Selma.

„Wir üben neue Lieder“, sagte Juna.

„Und neuen Lach-Refrain“, fügte Tilda hinzu. „Der kann immer besser werden.“

Mira öffnete die Tür. Draußen glitzerte der Schnee im Licht der Straßenlaterne. Herr Bernhard trat hinaus, drehte sich noch einmal um und hob die Hand. „Frohe Weihnachten. Und… danke, dass Sie mich gesehen haben.“

Mira spürte, wie sich ihr Herz ganz groß anfühlte. „Gern.“

Als die Tür wieder zu war, standen die Mädchen einen Moment still. Dann sagte Tilda: „Ich glaube, ich habe heute ein neues Geräusch gehört.“

„Welches?“ fragte Juna.

„Das Geräusch, wenn Einsamkeit kleiner wird“, sagte Tilda, und sie meinte es ernst.

Später, als Juna, Selma und Tilda nach Hause gegangen waren, zog Mira sich ihren dicken Pullover an und schlüpfte mit einer Decke auf den Balkon. Der Balkon war klein, aber er gehörte zu Miras liebsten Orten. Von hier konnte man die Lichter in den Fenstern sehen und den Himmel, der heute besonders dunkelblau war.

Der Schnee lag auf dem Geländer wie Zuckerguss. Mira setzte sich auf einen Stuhl, die Decke um die Schultern, und hielt eine Tasse warmen Kakao. Drinnen hörte sie gedämpft die Stimmen ihrer Eltern, ruhig und zufrieden.

Auf der anderen Straßenseite ging in Herrn Bernhards Fenster ein Licht an. Nicht grell. Nur freundlich. Dann sah Mira etwas, das ihr ein leises Lächeln ins Gesicht zauberte: In seinem Fenster hing jetzt ein Holzstern. Vielleicht der, den er selbst gemacht hatte. Er sah aus, als würde er dem Winter zuzwinkern.

Mira nippte am Kakao. Die Luft war kalt, aber sie fühlte sich trotzdem weich an. Ein paar Schneeflocken tanzten noch, langsam und ohne Eile.

Sie dachte an den Sternenweg, an das gemeinsame Singen, an das Lachen, das zuerst klein war und dann größer wurde. Und sie dachte daran, wie Optimismus sich manchmal anfühlt: nicht wie ein riesiger Sprung, sondern wie eine Kerze, die man anzündet, obwohl es draußen dunkel ist.

Mira lehnte sich zurück und schaute in den Himmel. Vielleicht waren dort wirklich Sterne, die wach geworden waren. Vielleicht hatten sie kurz gelauscht, als vier Mädchen und ein Nachbar zusammen sangen.

Auf dem Balkon war es still. Aber es war eine gute Stille, voller Glanz und guter Gedanken. Mira schloss die Augen einen Moment und hörte nur: ihren Atem, das ferne Knirschen eines Schrittes, und irgendwo in der Nacht ein ganz leises, zufriedenes Lachen, das noch in der Luft hing.

Und so saß sie da, warm eingepackt, mit Kakao in der Hand, in einer Weihnachtsnacht, die sich anfühlte wie ein Versprechen: Morgen kann genauso hell sein, wenn man es zusammen macht.

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Flocken
Kleine Stücke von Schnee, die vom Himmel fallen
Gardine
Ein dünner Vorhang am Fenster, der Licht etwas schützt
Glitzer
Winzige, glänzende Teilchen, die funkelnd aussehen
Tannenzweigen
Kleine Zweige von einem Tannenbaum mit Nadeln
Treppenhaus
Der Raum mit Treppen in einem Haus, wo man nach oben geht
Fußmatte
Eine Matte vor der Tür, auf der man die Schuhe abwischt
Einladung
Ein Zettel oder Wort, das jemand zum Kommen bittet
Glöckchen
Ein kleines Glockeninstrument, das einen hellen Ton macht
Schachtel
Ein Kästchen aus Papier oder Karton zum Aufbewahren
Sternenweg
Ein Weg, der mit Papiersternen markiert ist
Publikum
Die Leute, die bei einem Auftritt zuhören oder schauen
Lichterkette
Eine Reihe kleiner Lichter, die man aufhängt
Einsamkeit
Das Gefühl, wenn man sich allein und traurig fühlt
Versprechen
Ein Wort, das sagt, dass jemand etwas tun wird

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