Kapitel 1
Im Treppenhaus roch es nach Mandarinen und nassen Wollschals. Jona, elf Jahre alt und heute erstaunlich organisiert, balancierte einen Karton mit Teelichtern, Draht und buntem Transparentpapier. Draußen knisterte der Frost, und irgendwo im Hof klapperte jemand mit Flaschen—als würde das alte Jahr schon nervös mit den Zähnen klappern.
„Lanternenumzug um sechs, pünktlich!“, sagte Jona laut, obwohl nur die Topfpflanze im Flur zuhörte.
Seine Mama steckte den Kopf aus der Küche. „Du meinst wirklich heute? Am Silvesterabend?“
„Gerade deshalb“, grinste Jona. „Alle sind wach, alle wollen raus, und alle tun so, als hätten sie keine Angst vor Kälte. Perfekt.“
Er hatte einen Plan: ein kleiner Laternen-Umzug fürs Viertel, einmal um den Block, vorbei an Frau Krügers Balkon mit den Lichterketten, durchs Tor, über den Spielplatz und zurück—genau rechtzeitig für den Countdown. Nicht nur „Böller, Peng, fertig“, sondern ein richtiges Leuchten.
Jona ging in sein Zimmer, zog den Kalender vom Nagel und schrieb mit Filzstift: Lanternen: Lina, Emre, Tarek, Sofie. Treffpunkt: Hofbank.
Dann nahm er sein Handy, aber nicht um zu zocken—sondern um eine Gruppenchat-Nachricht zu tippen. Er war ehrlich: keine Übertreibung, keine „Das wird das krasseste Event ever!!!“, sondern klar und freundlich.
„Hey! Heute 18:00 Hofbank. Wir machen einen Silvester-Laternenumzug durchs Viertel. Bringt Laterne oder Bastelkram. Ich hab Teelichter. Wer ist dabei?“
Die Antworten ploppten schneller auf als Schneeflocken auf einer Jacke.
Lina: „Bin dabei. Aber nur wenn wir 'ne Hymne haben.“
Emre: „Ich bring Snacks. Und ne Trillerpfeife (nur einmal).“
Tarek: „Kann ich mein Fahrrad mit Lichtern nehmen?“
Sofie: „Ich hab Glitzerpapier. Und meine Oma sagt: Neujahr braucht Glanz.“
Jona lachte. „Okay“, murmelte er. „Dann bekommt das neue Jahr eben Glanz.“
Kapitel 2
Um fünf Uhr wurde Jonаs Zimmer zur Werkstatt. Auf dem Schreibtisch lagen Papierbögen wie bunte Eisschollen. Schere, Klebeband, Draht und eine Rolle Alufolie, die aussah wie eine silberne Schlange, die sich ständig entrollen wollte.
Er baute eine Laterne aus einem alten Einmachglas. Erst Transparentpapier drumherum, dann Sterne ausgeschnitten, dann die Sterne von innen mit goldener Folie hinterlegt. Wenn das Licht brannte, sollten die Sterne aussehen, als hätten sie eine eigene kleine Sonne verschluckt.
„Und das hier…“, sagte er zu seinem Glas, als wäre es sein Praktikant, „ist der Sicherheitsbügel. Keine brennenden Handschuhe dieses Jahr.“
Er dachte an letztes Jahr, als ein Funken Tareks Schal angekokelt hatte. Niemand war verletzt worden, aber Tarek hatte eine ganze Woche nach „Grill“ gerochen.
Als Jona gerade die letzte Kante festklebte, klopfte es an der Tür. Lina stand da, eine Laterne in der Hand, die eher aussah wie ein Raumschiff.
„Ich hab sie umgebaut“, sagte sie stolz. „Hier ist ein kleiner Propeller oben. Der dreht sich, wenn man läuft.“
Jona beugte sich neugierig vor. „Wie…?“
„Magnet und Büroklammer“, erklärte Lina. „Wissenschaft, Jona. Ganz normal.“
„Ganz normal“, wiederholte er, als würde er sich das merken müssen, um später nicht dumm dazustehen.
Dann kam Emre, der einen Rucksack trug, der so prall war, als hätte er ein kleines Wildschwein darin versteckt.
„Snacks“, sagte Emre feierlich. „Und zwei Thermosflaschen Kakao. Meine Mutter hat gesagt: ‚Wenn ihr schon rumlauft, dann wenigstens warm und nett.‘“
Tarek erschien mit einem Fahrrad, das aussah wie ein wandelnder Weihnachtsbaum. Überall LED-Strips, sogar um die Speichen. Als er das Licht anschaltete, wurde der Flur plötzlich zum Mini-Disco-Korridor.
Sofie kam zuletzt, mit einem Stoffbeutel voller Bastelkram und einem Gesichtsausdruck, als hätte sie einen geheimen Plan.
„Ich hab was Besonderes“, sagte sie leise.
„Ein Feuerwerk?“, fragte Tarek sofort.
Sofie schüttelte den Kopf. „Kein Knall. Nur… ein bisschen Wunder.“
Jona zog die Augenbrauen hoch. Neugier war bei ihm wie ein innerer Motor. „Zeig!“
Sofie hielt eine kleine Schachtel hoch. Darin lagen winzige Papierstreifen, sorgfältig gefaltet.
„Wunschstreifen“, sagte sie. „Meine Oma macht die jedes Jahr. Man schreibt einen Wunsch drauf, faltet ihn dreimal—und wenn die Laterne leuchtet, nimmt das Licht den Wunsch mit ins neue Jahr.“
Emre schnaufte. „Das klingt… süß. Und irgendwie gefährlich, wenn der Wunsch zu groß ist.“
„Wünsche sind nicht gefährlich“, sagte Jona. „Nur… manchmal peinlich, wenn man sie laut sagt.“
Lina grinste. „Dann schreibt man eben: ‚Ich wünsche mir, dass Emre einmal leise kaut.‘“
„Unmöglich“, sagte Emre und stopfte sich demonstrativ ein Keksstück in den Mund.
Jona sah auf die Uhr. Noch eine Stunde. Er spürte dieses Kribbeln, das er sonst nur vor einem Fußballspiel hatte. Aber heute war es anders: Es ging nicht darum zu gewinnen. Es ging darum, gemeinsam etwas zu machen, das leuchtet.
Kapitel 3
Der Hof war ein kalter, grauer Würfel—bis die Laternen aufblinkten. Dann wurde er zu einem bunten Aquarium aus Licht. Die Nachbarn schauten aus Fenstern, manche in Hausschuhen, manche mit Mützen, als hätten sie Angst, das neue Jahr könnte ihnen den Kopf wegpusten.
Jona stellte sich auf die Hofbank. „Okay, Regeln“, begann er.
„Oha“, sagte Tarek. „Chefmodus.“
„Nur kurz“, sagte Jona. „Wir gehen zusammen, keiner rennt vor, keiner bleibt zurück. Wir nehmen Rücksicht, wir lassen keinen Müll liegen. Und wenn jemand sagt, ihm ist zu kalt, gehen wir heim. Ehrlich, ja?“
„Ja“, murmelten alle, sogar Emre, der gerade versuchte, seinen Kakao so leise zu trinken wie möglich.
Frau Krüger öffnete unten die Haustür und steckte den Kopf raus. Sie trug einen roten Schal, der so lang war, dass er wahrscheinlich zwei Stockwerke hoch reichte.
„Ihr macht was Schönes“, sagte sie. „Endlich mal etwas, das nicht nur knallt.“
„Kommen Sie mit?“, fragte Jona spontan.
Frau Krüger lachte. „Ich? Ich knalle höchstens mit meinen Knien. Aber ich winke euch vom Balkon aus. Und wartet.“
Sie verschwand. Kurz danach rieselte etwas vom Balkon: kleine, glitzernde Papiersterne. Sie tanzten in der Luft und landeten auf den Mützen der Kinder.
„Sternenregen!“, rief Sofie begeistert.
Emre fing einen Stern und hielt ihn gegen seine Laterne. „Der ist sogar doppelseitig.“
Jona spürte Wärme im Bauch, obwohl seine Nasenspitze schon kalt war. „Okay“, sagte er. „Los geht's. Lina, du gehst vorne mit dem Raumschiff. Tarek, dein Fahrrad ist hinten, damit keiner gegen die Lichter läuft. Emre, Snacks nur in Pausen. Sofie, Wunschstreifen… später.“
„Wie ein echter Umzugsleiter“, meinte Lina.
Jona tat so, als wäre ihm das egal, aber innerlich machte er einen kleinen Salto vor Stolz.
Sie gingen durchs Tor. Der Gehweg glitzerte von gefrorenen Pfützen. Die Laternen spiegelten sich darin, als liefen unter ihnen noch einmal dieselben Kinder—nur aus Licht.
„Hymne!“, forderte Lina.
„Welche?“, fragte Tarek.
Emre räusperte sich. „Ich kann beatboxen.“
„Nein“, sagten alle gleichzeitig.
Jona dachte kurz nach und begann dann einfach: „Drei… zwei… eins…“
Und sie riefen im Rhythmus ihrer Schritte:
„Alt wird klein, neu wird groß,
Licht geht an und wir gehen los!“
Es war nicht perfekt. Es reimte ein bisschen schief. Aber es passte. Und das war irgendwie besser.
Kapitel 4
Am Spielplatz wehte ein Wind, der klang wie ein unsichtbarer Staubsauger. Die Schaukelketten klirrten leise. Jona blieb stehen.
„Pause“, sagte er. „Kakao-Zeit. Und jetzt… Wunschstreifen.“
Sofie verteilte Bleistifte. „Nicht spicken. Jeder schreibt seinen Wunsch alleine.“
Jona setzte sich auf die kalte Bank und hielt den Papierstreifen in der Hand. Was wünschte man sich, wenn das Jahr ohnehin jedes Mal macht, was es will?
Er spürte die Neugier in sich, diese Frage, die ihn oft nachts wach hielt: Was kommt als Nächstes? Nicht nur im Jahr, sondern in allem. In Freundschaften, in Familien, in sich selbst.
Er schrieb: Ich wünsche mir, dass ich dieses Jahr mutig genug bin, Neues auszuprobieren, auch wenn ich nicht sofort gut darin bin.
Er faltete den Streifen dreimal, so sorgfältig, als könnte ein schiefer Falz den Wunsch beleidigen.
Neben ihm schrieb Lina schnell und grinste dabei.
„Was hast du?“, flüsterte Jona.
„Wenn ich's sage, ist es kein Geheimnis mehr“, flüsterte Lina zurück. „Aber es hat mit einem Physikexperiment zu tun und einem sehr kleinen Knall. Keine Sorge.“
„Das beruhigt mich total“, murmelte Jona.
Emre schrieb lange. Seine Zunge hing ein Stück raus, wie immer, wenn er sich konzentrierte. Tarek kritzelte nur kurz, als hätte er Angst, sein Wunsch könnte beim Schreiben abhauen.
Als alle fertig waren, hielten sie ihre Wunschstreifen an die Laternen, jeweils so, dass das Papier das Licht berührte, ohne zu nahe an die Flamme zu kommen. Jonа prüfte das bei jedem, ehrlich wie ein Schiedsrichter.
Das Licht schimmerte durch das Papier. Für einen Moment sahen die Streifen aus wie kleine Geheimbriefe, die glühten.
Dann passierte etwas Seltsames: Ein leichter, warmer Hauch zog über den Spielplatz. Nicht wie Wind—eher wie ein Atemzug. Die Laternen flackerten, aber sie gingen nicht aus. Stattdessen leuchteten sie kurz ein bisschen heller.
„Habt ihr das…?“, begann Tarek.
„Ja“, sagte Sofie leise. Ihre Augen glänzten. „Oma sagt, das ist das Licht, das die Wünsche liest.“
Emre schaute sich um. „Wer auch immer das war—danke. Und falls du uns hörst: Ich wünsche mir, dass mein kleiner Bruder weniger meine Sachen klaut.“
„So ein Hauch kann nicht alles leisten“, sagte Lina trocken.
Jona musste lachen. In seinem Kopf machte sich ein Bild breit: Das neue Jahr als neugieriger Besucher, der durch die Straßen streift und überall kurz in Laternen schaut, um zu sehen, was Menschen sich wünschen.
„Weiter“, sagte Jona schließlich, und seine Stimme klang ein bisschen festlicher als vorher.
Kapitel 5
Auf dem Rückweg wurde das Viertel lauter. Von irgendwoher klirrten Gläser, Türen gingen auf und zu, Stimmen riefen durcheinander. Der Himmel war dunkel wie Samt, und die ersten Raketen stiegen auf, als hätten sie es eilig, noch schnell einen Platz zwischen den Sternen zu ergattern.
„Nicht erschrecken“, rief Jona, als es in der Ferne krachte. „Wir bleiben zusammen.“
„Ich erschrecke nie“, behauptete Tarek—genau in dem Moment, als ein Böller knallte und er einen kleinen Hüpfer machte. Lina hob eine Augenbraue, und Tarek tat so, als hätte er nur den Schnee getestet.
An der Ecke stand Herr Yilmaz mit seiner Tochter, die vielleicht sechs war und eine Laterne in Form eines Fuchses hielt. Sie sah die Gruppe und ihre Augen wurden groß.
„Dürfen wir…?“, fragte sie leise.
Jona sah zu den anderen. Emre nickte sofort. Sofie machte eine einladende Handbewegung. Tarek schob sein Fahrrad ein Stück zur Seite, damit Platz war.
„Klar“, sagte Jona. „Wir sind ein Umzug. Umzüge dürfen wachsen.“
Herr Yilmaz lachte. „Dann wachsen wir mit. Aber langsam, ja? Sie will alles sehen.“
Die kleine Tochter hüpfte neben Jonа her. „Eure Laternen sind wie… wie kleine Häuser für Licht.“
„Genau“, sagte Jona. „Licht ist ein ziemlich guter Mitbewohner.“
Als sie am Haus von Frau Krüger vorbeikamen, stand sie wirklich auf dem Balkon. Sie winkte mit beiden Händen, als wollte sie die Luft kneten. Neben ihr hing eine neue Lichterkette, die heute Morgen noch nicht da gewesen war.
„Für euch!“, rief sie. „Damit ihr den Weg findet!“
Lina rief zurück: „Wir finden den Weg auch ohne, aber es sieht besser aus!“
Ein paar Nachbarn klatschten sogar, als der Umzug vorbeizog. Jona wurde warm im Gesicht. Nicht, weil er Aufmerksamkeit liebte, sondern weil er merkte: Das ist echt. Ein kleiner Plan, ehrlich gesagt, und plötzlich läuft man nicht nur für sich, sondern für alle, die zuschauen und sich freuen.
Kurz vor dem Hof sagte Sofie: „Wir müssen noch was machen.“
„Was?“, fragte Jona.
Sofie zeigte auf den großen kahlen Baum am Spielplatzrand, den man vom Hof aus sehen konnte. „Da hängen wir ein paar Glitzersterne auf. Als Zeichen. Für Neugier.“
„Wie hängt man Neugier auf?“, fragte Emre.
„Mit Klebeband“, sagte Lina sofort.
Jona nickte. „Okay. Schnell, bevor's zu voll wird.“
Sie liefen zum Baum, klebten Sterne an die unteren Äste, vorsichtig, damit nichts kaputt ging. Im Laternenlicht sahen die Sterne aus wie kleine Wegweiser, die flüsterten: Schau genauer hin.
Die kleine Tochter von Herrn Yilmaz klebte ihren Stern besonders hoch, auf Zehenspitzen. „Damit das neue Jahr ihn zuerst sieht“, sagte sie.
Jona fand das eine ziemlich gute Idee.
Kapitel 6
Zurück im Hof war es kurz vor Mitternacht. Der Schnee knirschte unter Schuhen, und aus mehreren Fenstern drang Musik, als hätten alle Wohnungen ihre eigenen Herzschläge.
Jona stellte die Gruppe unter das Vordach, wo es etwas weniger windig war. „Okay“, sagte er. „Countdown hier, zusammen.“
Emre verteilte die letzten Kekse. Tarek stellte sein Fahrrad so ab, dass die Lichter den Hof in ruhige Farben tauchten. Lina drehte an ihrem Propeller, der surrte wie eine zufriedene Hummel. Sofie hielt ihre Laterne dicht an den Mantel, als würde sie ein Geheimnis wärmen.
„Jona“, sagte Lina plötzlich, „du warst heute echt… gut.“
„Ich war nur ehrlich und nervig“, meinte Jona.
„Ehrlich und nicht zu nervig“, korrigierte Emre. „Und du hast mich nur dreimal daran erinnert, nicht im Gehen zu essen. Das ist Fortschritt.“
„Danke“, sagte Jona und musste wieder lachen.
Dann ging irgendwo ein Fenster auf, und jemand rief: „Noch drei Minuten!“
Die Luft schien zu knistern, nicht nur von Kälte. Über den Dächern stiegen schon erste Raketen, die wie bunte Pinselstriche auseinanderplatzten.
„Wisst ihr“, sagte Sofie, „meine Oma sagt, Neujahr ist wie ein Buch. Man klappt es auf, und die erste Seite ist noch leer.“
„Dann sollten wir was Gutes draufschreiben“, sagte Jona.
„Oder erst mal lesen, was kommt“, meinte Lina.
„Beides“, sagte Jona. Und das fühlte sich richtig an: neugierig sein und trotzdem mutig planen.
„Eine Minute!“, rief wieder jemand.
Alle rückten näher zusammen. Sogar Frau Krüger kam runter in den Hof, langsam, aber entschlossen, mit einem Schal wie einer Fahne. Herr Yilmaz und seine Tochter standen daneben. Noch jemand aus dem Nachbarhaus kam dazu, dann noch jemand. Der Hof wurde zu einem kleinen Sternhaufen aus Menschen.
„Okay“, sagte Jona und hob die Hand. „Wir zählen gemeinsam.“
Die Stimmen wurden laut, durcheinander, aber fröhlich:
„Zehn! Neun! Acht!“
Jona sah die Laternen. Er sah die Gesichter. Er sah das Licht in den Augen, das nicht von Kerzen kam.
„Drei! Zwei! Eins!“
„Frohes neues Jahr!“
In dem Moment explodierte der Himmel in Farben. Es knallte, es zischte, es funkelte. Die Kinder hielten ihre Laternen hoch, als würden sie dem Himmel antworten: Wir können auch leuchten.
Jona spürte, wie etwas in ihm aufging—kein Feuerwerk, eher ein ruhiger, fester Gedanke: Ich kann Dinge anfangen. Und andere gehen mit.
Nach einer Weile wurden die Raketen weniger. Der Himmel atmete wieder dunkel. Die Leute verabschiedeten sich mit „Gutes Neues!“ und schnellen Umarmungen.
Jona half, die letzten Teelichter zu löschen. Dann ging er mit seiner Mama hoch in die Wohnung. Drinnen war es warm, und die Fenster beschlugen sofort, als hätte die Wärme Angst vor der Nacht.
Jona stellte seine Laterne auf die Fensterbank. Das Licht war aus, aber die Sterne im Papier glänzten noch vom Feuerwerk draußen.
Mama gähnte. „Du hast heute was Schönes gemacht.“
„Wir“, korrigierte Jona sofort. Ehrlich blieb ehrlich.
Er zog die Gardinen zu. Der Stoff glitt wie ein sanfter Vorhang über das Fenster, und draußen wurde das neue Jahr leiser, als würde es sich für den Anfang erst mal anschleichen.
Der Vorhang war zu, und trotzdem hatte Jona das Gefühl, dass das Licht noch da war—irgendwo zwischen den Wünschen, den Schritten und der Neugier, die schon wieder fragte: Und was machen wir morgen?