Der kleine Hase wachte im weichen Morgen auf. Das Gras roch süß. Der Wind strich wie eine freundliche Hand über seine Ohren. Er hatte ein kleines, leises Ziel. Er wollte lernen, “Ich weiß es nicht” zu sagen. Ganz ruhig. Ganz mutig.
Er steckte eine rote Möhre ein. Und einen runden, glatten Stein. Er nannte ihn den Vielleicht-Stein. Er glitzerte ein wenig, wenn die Sonne lachte.
“Wohin gehst du?”, fragte ein Marienkäfer.
“Ein bisschen hierhin”, sagte der Hase. “Ein bisschen dorthin. Ich suche eine Antwort. Oder vielleicht eine Frage.”
Er hoppelte zur Schnecke. Die Schnecke trug ihr Haus wie ein goldenes Ohr an ihrem Rücken.
“Warum bist du langsam?”, fragte der Hase.
“Damit ich alles sehen kann”, sagte die Schnecke. “Das Moos. Den Tau. Dein Lächeln.”
“Und warum sind wir da?”, fragte der Hase ganz leise.
Die Schnecke sah in die Luft und schnaufte warm. “Manchmal weiß ich es. Ich bin da, um zu sein. Manchmal weiß ich es nicht. Und dann höre ich zu.”
Der kleine Hase nickte. Sein Herz klang wie eine kleine Glocke. Er tastete seinen Vielleicht-Stein. “Ich weiß es nicht”, sagte er. Es tat nicht weh. Es war wie ein weicher Mantel.
Über ihm schwamm eine Wolke. Weiß wie Milch, rund wie Brot.
“Wohin gehst du?”, rief der Hase.
“Wohin der Wind will”, sagte die Wolke. “Heute hier. Morgen dort. Vielleicht regne ich Blumen. Vielleicht ruhe ich. Ich weiß es nicht. Es ist gut.”
Der Hase lächelte. “Ich weiß es nicht”, wiederholte er. Und die Worte wurden leicht wie Pusteblumen.
Am Bach plätscherte das Wasser. Es sprach in Silber. “Warum rennst du?”, fragte der Hase.
“Ich mag das Singen”, gluckste der Bach. “Vielleicht laufe ich zum Meer. Vielleicht spiele ich mit Steinen. Ich weiß es nicht. Aber ich bin in Bewegung. Und ich kühle deine Pfoten.”
Der Hase hielt die Pfoten ins Wasser. “Danke”, sagte er. “Ich weiß es nicht.” Der Vielleicht-Stein wurde warm.
Unter einer Eiche saß der Wind und kämmte die Blätter. Die Eiche roch nach Brot und Zeit.
“Was ist wichtig?”, fragte der Hase.
Die Eiche summte. “Ein guter Schatten. Ein tiefer Atem. Ein Ohr für die Welt. Wenn ich nicht weiß, warte ich. Dann kommt etwas. Ein Vogel. Ein Gedanke. Ein Freund.”
Der Tag ging in Honig über. Die Sonne wurde eine gelbe Scheibe, die in den Hügel sank. Der Hase sah sein Zuhause. Es war nie weit weg. Das machte ihn ruhig.
Er legte sich in sein Nest aus weichen Blättern. Der Mond hing wie eine Lampe aus Milch am Himmel. “Gute Nacht, Welt”, flüsterte er. “Ich weiß so vieles nicht. Das ist Platz für Staunen. Und für Liebe.”
Der Vielleicht-Stein glänzte ein bisschen. Der Hase schloss die Augen. Sein Atem war wie ein kleines Meer. Er war genau da, wo er sein wollte. Und das genügte.