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Cowboygeschichte 9/10 Jahre Lesen 18 min.

Der gestohlene Stern von Red Creek und Lenis Ritt durch die Knochenschlucht

Leni Hart, eine mutige Reiterin, verfolgt die Doyle-Bande, die die Lohnkasse und den Sheriffstern gestohlen hat, und setzt Mut und Verstand ein, um Red Creek zu helfen.

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Leni, junge mutige Frau mit entschlossenem Lächeln und lebhaften Augen, kurze braune Haare unter abgenutztem Cowboyhut, hält fest einen kleinen silbernen Sheriffstern in einer feuchten Decke und steht selbstbewusst neben ihrem Pferd Chili, einem muskulösen Fuchs mit dunkler Mähne, das leicht den Kopf geneigt dampft; neben ihr leicht im Hintergrund rechts Mason, etwa 40, Sheriff mit grauem dicken Schnurrbart, erleichtert und stolz, nimmt den Stern zurück; Szene: ruhiger Triumph auf der Hauptstraße von Red Creek bei Dämmerung mit verwitterten Holzhäusern, Saloon, warmen Öllampen, goldener Staubwolke und niedrigen Bergen im Hintergrund, zentrale Komposition auf Leni, Mason und Chili, diskrete Menschen-Silhouetten, warme Farbpalette (Ocker, Rot, Braun, sanftes Gelb), einfache geometrische Formen, klare flächige Konturen, minimale Schatten, glatte Texturen, kinderfreundlicher Stil. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Staub, Sonne und ein gestohlener Stern

Die Sonne hing wie eine glühende Münze über der Prärie, und der Wind roch nach trockenem Gras und Pferdeschweiß. Leni Hart saß fest im Sattel, ihr brauner Hut tief in die Stirn gezogen. Neben ihr schnaubte ihr Pferd Chili, als hätte es auch schon gehört, was in der Stadt los war.

Als sie in Red Creek ankam, war die Hauptstraße ein einziges Durcheinander aus Stimmen, Hufen und flatternden Röcken. Vor dem Saloon stand Sheriff Mason mit verschränkten Armen. Seine Schnurrbartspitzen wackelten vor Ärger.

„Leni!“ rief er. „Genau dich brauche ich.“

„Ich bin doch keine Pflastersteinschubserin, Sheriff“, sagte Leni und sprang ab. „Was brennt?“

„Die Doyle-Bande.“ Der Sheriff spuckte in den Staub, als wäre schon das Wort giftig. „Sie haben die Lohnkasse von der Silbermine geklaut. Und nicht nur das. Sie haben auch meinen Stern mitgenommen. Aus Trotz.“

Leni hob eine Augenbraue. „Deinen Stern? Den glänzenden?“

„Ja!“ Der Sheriff klopfte auf seine Brust—nur war da jetzt… nichts. „Und ohne den nehmen mich die Leute nicht ernst. Als wär ich ein Hahn ohne Kamm.“

Leni musste grinsen. „Du siehst eher aus wie ein Hahn, der vergessen hat zu krähen.“

„Sehr witzig.“ Mason seufzte. „Sie sind Richtung Knochenschlucht. Zu gefährlich für meine Männer. Du kennst die Gegend. Du reitest schnell. Und…“ Er senkte die Stimme. „Du hast Mut. Und einen klaren Kopf.“

Leni streichelte Chilis Hals. Verantwortung fühlte sich manchmal an wie ein schwerer Sattelsack. Aber sie wusste: Wenn die Lohnkasse weg war, bekamen die Arbeiter keinen Cent. Familien würden hungern. Und ohne Sheriffstern? Da würden die Gesetzlosen erst recht lachen.

„Ich bringe dir deinen Stern zurück“, sagte sie. „Und das Geld.“

„Lebendig, Leni“, knurrte Mason. „Bitte.“

„Ich hab vor, alt zu werden“, antwortete sie. „Aber zuerst reite ich ihnen hinterher.“

Kapitel 2: Spuren im Kies und ein listiger Kojote

Hinter der Stadt begann das Land weit zu werden, als hätte jemand den Himmel aufgezogen wie ein großes blaues Tuch. Leni ritt am Fluss entlang. Das Wasser gluckste, und Libellen blitzten wie winzige Pfeile.

Sie hielt an einer flachen Stelle, stieg ab und kniete sich in den Kies. Hufspuren. Viele. Und dazwischen: tiefe, schleifende Linien.

„Schwere Kiste“, murmelte sie. „Die Lohnkasse.“

Chili scharrte ungeduldig. Leni zog die Zügel locker. „Ruhig. Wir holen sie uns. Aber nicht mit dem Kopf durch die Wand.“

Die Spuren führten in ein Gebiet mit niedrigen Felsen und krummen Wacholderbüschen. Plötzlich hörte sie ein kratzendes Geräusch. Ein Kojote stand auf einem Stein, den Kopf schief, die Augen wach und schlau. Er bellte einmal, als wollte er sagen: Na, verirrt?

„Schön wär's, wenn du mir helfen könntest“, sagte Leni. „Aber du klaust bestimmt nur mein Abendessen.“

Der Kojote sprang herunter und verschwand—doch Leni bemerkte etwas: Wo er gelaufen war, lag feiner Staub anders. Als ob dort jemand vor kurzem etwas Schweres gezogen hatte. Sie folgte dieser Spur und fand zwischen den Büschen ein Stück groben Stoff.

Sie roch daran. Rauch. Lagerfeuer. Und ein Hauch von scharfem Tabak.

„Doyle-Bande“, flüsterte sie.

Da knackte es. Leni warf sich flach hinter einen Fels. Ein Reiter kam um die Ecke—ein junger Kerl mit rotem Halstuch. Er pfiff leise, als wäre das hier ein Spaziergang. Ein Späher.

Leni dachte schnell. Wenn sie ihn einfach verjagte, warnte er die Bande. Wenn sie ihn fesselte, brauchte sie Zeit—und Zeit war Staub im Wind.

Sie griff in ihre Tasche und zog einen kleinen Spiegel heraus, den sie sonst zum Rasieren ihres Messers nutzte. Sie wartete, bis die Sonne richtig stand, und lenkte den Lichtstrahl genau in die Augen des Spähers.

„Aua! Was zum—?“ Er riss die Zügel herum.

Chili war bereit. Leni sprang auf, ritt los, kreuzte knapp vor dem Späher und rief: „He! Da vorne ist ein Loch im Boden so groß wie dein Mund! Pass auf!“

Der Kerl erschrak, zog am Zügel—und sein Pferd scheute. In dem Moment schnappte Leni nach dem Ende seines Halstuchs und zog. Kein Sturz, aber genug, dass er den Halt verlor und vom Sattel rutschte, direkt in einen Busch.

„Bleib liegen“, sagte Leni und hielt ihn mit ihrem Lasso auf Abstand, ohne ihn zu würgen. „Ich will keine Dummheiten.“

„Du bist… Leni Hart“, keuchte er und spuckte Blätter aus. „Die mit dem schnellen Pferd.“

„Und du bist der mit dem langsamen Denken“, sagte sie. „Wo ist die Bande?“

Er kniff die Augen zusammen. Trotz. Angst. Dann sah er ihr Gesicht—nicht wütend, eher entschlossen.

„In der Knochenschlucht“, murmelte er. „Bei der alten Wasserstelle. Aber… die Schlucht frisst Pferde. Und Menschen.“

Leni nickte. „Dann reite ich eben vorsichtig.“

Sie band ihn an einen Baum, nicht zu fest, und stellte ihm ihre Feldflasche hin.

„Warum gibst du mir Wasser?“ fragte er überrascht.

„Weil Verantwortung nicht nur heißt, jemanden zu fangen“, sagte Leni. „Sondern auch, ihn nicht unnötig leiden zu lassen. Wenn du brav wartest, findet dich später der Sheriff.“

Sie stieg auf Chili. „Und denk dran: Ein kluger Kopf ist mehr wert als ein rotes Tuch.“

Dann ritt sie weiter, dem dunklen Einschnitt am Horizont entgegen.

Kapitel 3: Die Knochenschlucht und der Mut im Bauch

Die Knochenschlucht war kein Ort für fröhliche Lieder. Die Felsen standen wie Zähne, und der Wind heulte dazwischen, als erzähle er alte Schreckgeschichten. Leni ritt langsam, ließ Chili jeden Schritt prüfen. Ein falscher Tritt, und man rutschte in Geröll, das wie Murmeln wegrollte.

„Ganz ruhig“, flüsterte sie. „Wir sind ein Team, Chili.“

Unten in der Schlucht roch es nach kaltem Stein und trockenem Salbei. Dann—ein leises Klirren. Metall. Leni hielt an, lauschte. Stimmen. Gelächter. Das dumpfe Geräusch einer schweren Kiste, die abgesetzt wurde.

Sie schob sich hinter einen Felsvorsprung und spähte vorsichtig. Da war das Lager: drei Zelte, ein kleines Feuer, fünf Männer. Einer hatte einen glänzenden Sheriffstern am Hemd—viel zu groß für sein schiefes Grinsen. Das musste Hank Doyle sein.

Neben dem Feuer stand die Lohnkasse, dick wie ein kleines Fass, mit Eisenbändern. Zwei Männer versuchten, sie aufzuhebeln.

„Beeilt euch“, knurrte Doyle. „Bevor jemand auf dumme Gedanken kommt.“

Leni atmete tief ein. Sie war allein. Fünf gegen eine. Aber sie hatte den Vorteil: Überraschung. Und ihren Kopf.

Sie sah sich um. Über dem Lager verlief ein schmaler Pfad, und dort oben hing ein alter, halb lockerer Felsbrocken, festgehalten nur von Wurzeln und Geröll. Wenn der losging… würde er direkt auf die Wasserstelle rollen und den Weg versperren. Keine Flucht mit Pferden.

„Keine Dummheiten“, flüsterte Leni zu sich selbst. „Niemand soll verletzt werden.“

Sie nahm ein Stück Seil, band es um einen kräftigen Strauch neben dem Brocken und führte das andere Ende zu ihrer Position. Dann wartete sie.

Ein Mann entfernte sich vom Feuer, um „mal eben“ hinter einen Stein zu gehen. Leni grinste kurz. Manchmal half einem die eigene Ungeduld des Gegners.

Als er nah genug war, sprang Leni hinter dem Fels hervor, schwang das Lasso—zack!—und hatte ihn am Oberkörper eingefangen. Sie zog ihn hinter den Fels, legte ihm schnell einen Knoten an, der fest war, aber nicht einschneidend.

„Psst“, sagte sie. „Wenn du schreist, musst du länger hier liegen. Wenn nicht, bist du gleich wieder bei deinem Lagerfeuer.“

Er starrte sie an, die Augen groß wie Teller. Er nickte hastig.

Jetzt fehlte im Lager einer. Vielleicht merkten sie es nicht sofort.

Leni rutschte weiter, näher an die Lohnkasse. Ihr Herz klopfte so laut, dass sie dachte, die Felsen müssten es hören. Dann stolperte einer der Männer über einen Stein.

„Wo ist Pete?“ rief er.

Doyle drehte sich. „Pete!“

Leni wusste: Jetzt oder nie. Sie stellte sich auf, trat ins offene Licht und rief so laut, dass es zwischen den Felsen krachte:

„Hank Doyle! Gib den Stern zurück und die Lohnkasse! Sonst sitzt ihr fest wie Fliegen im Honig!“

Einen Moment war es still. Dann lachten zwei der Männer.

Doyle zog langsam seine Pistole. „Na sieh einer an. Die kleine Leni. Allein? Das ist mutig. Oder dumm.“

„Mut ohne Denken ist dumm“, rief Leni. „Aber Denken ohne Mut bringt auch nichts.“

Doyle ging einen Schritt vor. „Du willst uns aufhalten?“

Leni zog an dem Seil. Nicht ganz. Nur ein Ruck. Der Brocken oben knirschte, ein paar Steine rieselten.

Die Männer blickten hoch.

„Was war das?“ fragte einer.

„Nur ein Fels, der gern spazieren geht“, sagte Leni. „Wenn ihr losreitet, rollt er. Dann ist der Pfad dicht. Und glaubt mir: Diese Schlucht ist kein schöner Ort, um den Sheriff zu treffen.“

Doyle kniff die Augen zusammen. Er war gemein, aber nicht blöd. „Du bluffst.“

Leni spürte Angst wie eine kalte Hand im Nacken. Aber sie ließ ihre Stimme ruhig. „Probier's aus.“

Doyle zögerte. Dann schnappte er nach dem Stern an seiner Brust und riss ihn ab. „Du willst den? Hol ihn dir.“

Er warf den Stern Richtung Feuer—direkt neben die Flammen.

„Und das Geld?“ fragte Leni.

„Geld bleibt“, sagte Doyle. „Du kannst ja versuchen, es wegzuschleppen.“

Leni sah den Stern. Ein kleiner Glanzpunkt im Staub, gefährlich nah am Feuer. Wenn der heiß wurde, konnte ihn keiner anfassen. Und ohne Stern gab's kein richtiges Gesetz in Red Creek.

Sie musste schnell handeln. Verantwortlich. Klug.

Leni zog ihren Handschuh aus, nahm ihre Satteldecke, tauchte sie in die Wasserstelle und schleuderte sie wie einen nassen Teppich über das Feuer. Es zischte. Rauch stieg auf. Das Feuer wurde klein.

In dem Moment sprang sie vor, schnappte sich den Stern mit der nassen Decke, wickelte ihn ein—und rief: „Chili!“

Ihr Pferd, das sie geschickt hinter einem Fels geparkt hatte, kam auf ihr Pfeifen näher, die Ohren nach vorn.

Doyle fluchte. „Fangt sie!“

Zwei Männer stürmten los. Leni rannte zur Lohnkasse—und blieb abrupt stehen. Allein konnte sie das Ding nicht tragen. Aber sie musste es nicht tragen. Sie musste nur verhindern, dass sie damit entkamen.

Sie riss am Seil. Diesmal richtig.

Oben krachte es. Der Brocken löste sich, rollte, sprang, nahm Geröll mit. Ein Donnern füllte die Schlucht. Die Männer warfen sich zur Seite. Staubwolken stiegen auf.

Als sich der Staub legte, war der schmale Pfad nach draußen versperrt. Ein steinerner Wall lag quer.

Doyle starrte. „Du—!“

Leni sprang auf Chili. „Ich“, rief sie, „bin verantwortlich für Red Creek. Und du bist verantwortlich für deine eigenen Entscheidungen.“

Sie ritt los, nicht aus der Schlucht—das ging jetzt nicht—sondern den schmalen Nebenpfad hinauf, den nur Einheimische kannten. Ein Weg für Ziegen, nicht für ganze Banden. Chili kletterte wie eine Bergkatze.

Hinter ihr schallte Doyles wütendes Brüllen. Aber er konnte ihr nicht folgen. Nicht mit Pferden. Nicht mit der schweren Kiste.

Leni hatte den Stern. Und die Bande saß fest—mit der Lohnkasse.

Jetzt musste sie nur noch Hilfe holen, bevor sie einen neuen Ausweg fanden.

Kapitel 4: Ein Wettlauf mit der Zeit

Der Nebenpfad führte auf ein Hochplateau. Dort oben war die Luft kühler, und man sah weit: Hügel wie schlafende Büffel, ein Band aus Fluss, und in der Ferne die kleine Stadt.

Leni ritt, bis Chilis Flanken dampften. Sie redete leise auf ihn ein. „Noch ein Stück. Du machst das großartig. Nachher gibt's den besten Apfel, den ich finde.“

Kurz vor Red Creek sah sie Staubwolken—Reiter. Sheriff Mason und zwei Deputys kamen ihr entgegen. Mason hatte ein Fernglas in der Hand, als wäre er plötzlich ein Seemann.

„Leni!“ rief er, als er sie erkannte. „Du lebst!“

„Noch“, sagte Leni und hielt ihm das in die Decke gewickelte Bündel hin. „Dein Stern. Etwas warm, aber ganz.“

Mason packte ihn, als wäre es ein Schatz. Seine Augen wurden weich. Dann setzte er ihn sich wieder an, gerade und stolz.

„Und die Lohnkasse?“ fragte einer der Deputys.

„In der Knochenschlucht“, sagte Leni. „Doyle und seine Männer sind dort eingesperrt. Der Hauptpfad ist blockiert. Aber wir müssen schnell sein. Sie sind wie Ratten—die finden immer ein Loch.“

Mason nickte hart. „Du führst uns.“

„Ich?“ Leni zog die Brauen hoch. „Du bist der Sheriff.“

„Und du bist die, die den Kopf benutzt hat“, sagte Mason. „Heute trägst du Verantwortung mit mir.“

Sie ritten zu viert, der Wind zog ihnen an den Kleidern, und die Hufe trommelten wie ein Lied. In der Schlucht angekommen, hörten sie schon von weitem wütende Rufe und das Klirren von Metall.

Die Bande versuchte, die Lohnkasse auf Rollen aus Ästen zu legen. Ein Mann hackte am Geröllwall herum, als könnte er den Felsen beleidigen, bis er freiwillig weggeht.

Mason stellte sich auf einen Stein und rief: „Hank Doyle! Ihr seid umstellt! Legt die Waffen nieder!“

Doyle drehte sich, den Sternblick auf Lenis Brust—nein, auf Masons Stern—und dann auf Leni. „Du hast die Bullen geholt“, knurrte er.

„Das nennt man: richtig handeln“, sagte Leni. „Nicht nur für mich, sondern für alle.“

Für einen Moment spannte sich die Luft wie eine Saite. Dann hob Leni beide Hände, zeigte, dass sie keine Waffe zog, und trat einen Schritt vor.

„Hank“, sagte sie ruhig, „du kannst jetzt noch eine kluge Entscheidung treffen. Gib auf. Niemand muss heute verletzt werden.“

Doyle sah zu seinen Männern. Zwei wirkten müde. Einer hatte Staub im Gesicht und Angst in den Augen.

Schließlich ließ Doyle die Pistole fallen. „Verdammt“, murmelte er. „Na schön.“

Einer nach dem anderen legten die Männer ihre Waffen nieder. Die Deputys fesselten sie, fest, aber ohne unnötige Härte. Leni half, die Lohnkasse zu sichern. Als sie ihre Hand auf das kalte Eisen legte, fühlte sie Erleichterung wie warmes Licht.

„Gut gemacht“, sagte Mason leise. „Sehr gut.“

Leni wischte sich den Staub von der Stirn. „Ich hätte fast vergessen zu atmen.“

„Das ist normal“, brummte der Sheriff. „Ich vergesse es jeden Dienstag.“

Leni lachte, und sogar Chili schnaubte, als fände er den Witz nicht schlecht.

Kapitel 5: Das Gewicht eines Sterns

Zurück in Red Creek warteten die Leute schon. Kinder standen auf Fässern, Frauen hielten die Hände vor den Mund, Männer nickten ernst. Als die Lohnkasse auf den Wagen geladen wurde, ging ein erleichtertes Raunen durch die Menge, als würde die ganze Stadt gleichzeitig ausatmen.

Der Minenmeister kam angerannt, die Augen glänzend. „Unsere Löhne! Ihr habt sie gerettet!“

„Nicht ich allein“, sagte Leni und zeigte auf Mason und die Deputys. „Und Chili“, fügte sie hinzu und tätschelte ihr Pferd.

Chili bekam sofort einen Apfel. Er biss so laut hinein, dass zwei Kinder kicherten.

Am Abend stand Leni vor dem Saloon, wo die Laternen gelb leuchteten und die Grillen Musik machten. Sheriff Mason trat neben sie. Sein Stern funkelte wieder auf der Brust—diesmal wirkte er weniger wie Schmuck und mehr wie ein Versprechen.

„Leni“, sagte er, „ich war heute stolz. Nicht nur, weil du mutig warst. Sondern weil du Verantwortung übernommen hast. Du hast sogar dem Späher Wasser gegeben. Viele hätten das nicht getan.“

Leni zuckte mit den Schultern. „Wenn ich will, dass die Welt fairer wird, muss ich fair anfangen.“

Mason räusperte sich. Es sah aus, als würde er mit seinem eigenen Schnurrbart kämpfen. Dann streckte er die Hand aus.

„Ich… ich grüße dich“, sagte er ernst. „Von Herzen. Red Creek ist sicherer, weil du nicht wegschaust.“

Leni nahm seine Hand. Sein Griff war fest, aber warm.

„Und ich grüße dich zurück, Sheriff“, sagte sie. „Weil du Hilfe annimmst, wenn du sie brauchst.“

Sie ließen los. Aus dem Saloon klang leise Musik, und draußen roch es nach Holzrauch und Nachtluft.

Leni sah über die dunkle Prärie. Irgendwo da draußen warteten sicher neue Abenteuer. Aber für diesen Moment war alles ruhig.

Chili stupste sie an, als wollte er sagen: Und jetzt? Noch ein Apfel?

Leni lachte. „Na gut“, flüsterte sie. „Aber nur einen. Verantwortung gilt auch für Pferdebäuche.“

Und so gingen sie gemeinsam die Straße hinunter, in eine Nacht, die endlich freundlich wirkte.

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Prärie
Ein großes, offenes Grasland ohne viele Bäume, weit und flach.
Sattel
Der Sitz aus Leder auf dem Pferd, wo ein Reiter sitzt.
Schnaubte
Ein lautes Atmen eines Pferdes, oft kurz und rau.
Saloon
Ein altes Gasthaus im Westen, wo Leute essen und reden.
Verschränkten Armen
Die Arme vor der Brust gekreuzt halten, oft streng oder wartend.
Schnurrbartspitzen
Die Enden eines Schnurrbarts, oben an den Seiten des Mundes.
Lohnkasse
Eine schwere Kiste mit Geld, das an Arbeiter bezahlt wird.
Silbermine
Ein Ort, wo Menschen Silber aus der Erde holen.
Pflastersteinschubserin
Eine spöttische Bezeichnung für jemanden, der in der Stadt hilft, hart arbeitet.
Hufspuren
Die Abdrücke, die Pferde mit ihren Hufen im Boden hinterlassen.
Kojote
Ein schlankes Wildtier, das in Nordamerika lebt und heult.
Lagerfeuer
Ein Feuer draußen, das Wärme und Licht für eine Gruppe gibt.
Späher
Jemand, der heimlich schaut, wo Feinde oder Dinge sind.
Lasso
Ein Seil mit einer Schlaufe, das man zum Fangen wirft.
Wasserstelle
Ein Platz, wo Wasser steht und Tiere oder Menschen trinken.
Knochenschlucht
Eine enge, steile Schlucht mit schroffen Felsen.
Geröll
Viele kleine und größere Steine, die von Felsen gefallen sind.
Pfad
Ein schmaler Weg, oft nur für Fußgänger oder Tiere.
Felsbrocken
Ein großer, schwerer Steinblock, der im Gelände liegt.
Deputys
Hilfssheriffs, die dem Sheriff bei seiner Arbeit helfen.

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