Kapitel 1: Der Hilferuf in der Prärie
Die Sonne stand schon tief über der weiten Prärie, als Ben Cooper, der mutigste Cowboy weit und breit, am Rande des kleinen Städtchens Dusty Creek die Zügel seines Pferdes, Blitz, fest anzog. Der Wind spielte mit den goldenen Grashalmen, Sand wirbelte leise um seine Stiefel. Plötzlich rannte ein kleiner Junge mit zerzausten Haaren auf Ben zu.
„Mister Cooper! Bitte, Sie müssen uns helfen! Mein Vater und meine Schwester sind draußen in den Canyons – sie sitzen fest! Die Flut kam so schnell, sie konnten nicht zurück!“
Ben kniete sich zu dem Jungen herunter. „Wie heißt du, Kleiner?“
„Sam. Ich bin Sam Taylor.“
Ben legte ihm beruhigend die Hand auf die Schulter. „Keine Angst, Sam. Ich hole deinen Vater und deine Schwester zurück. Versprochen.“
Er setzte sich in den Sattel, prüfte die Vorräte in seinen Satteltaschen – Wasser, Seil, Taschenlampe und ein bisschen Trockenfleisch – und ritt los. Sams große, hoffnungsvolle Augen begleiteten ihn. Der Wind trug Bens Hut fast davon, doch er griff ihn mit blitzschneller Bewegung.
„Halt durch, Ben!“, murmelte er sich selbst zu, „du schaffst das.“
Kapitel 2: Die Spur im Staub
Ben folgte der alten Poststraße Richtung Canyon. Überall lagen abgebrochene Äste und Spuren von Hufen. Die Sonne brannte gnadenlos, aber Ben ließ sich nicht aufhalten.
Plötzlich hörte er ein leises Wiehern. Aus einem Dickicht lugte ein schwarzer Mustang hervor – das Pferd von Sams Vater! Ben sprang ab, untersuchte die Hufspuren und fand einen zerrissenen Stofffetzen.
„Sie sind hier entlang“, murmelte er. Blitz schnaubte aufgeregt.
Am Rand der Schlucht hörte Ben ein schwaches Rufen. „Hallo? Ist da jemand?“, rief er laut.
„Hier unten!“, antwortete eine dünne, aber deutliche Stimme.
Ben blickte über den Rand und sah tief unten zwei Gestalten zwischen Felsen: Einen Mann mit blutender Stirn und ein junges Mädchen, das tapfer ihre kleine Schwester im Arm hielt.
Ben winkte. „Keine Angst! Ich hole euch da raus!“
Doch der Weg nach unten war steil und gefährlich. Ben musste sich etwas einfallen lassen, um sicher hinabzusteigen.
Kapitel 3: Mutproben zwischen Felsen
Ben befestigte sein Seil an einem dicken Wurzelstock und ließ sich langsam in die Schlucht hinab. Die Sonne brannte auf seinen Rücken, Staub kitzelte seine Nase.
Plötzlich rutschte sein Fuß ab, und er schlitterte ein paar Meter den Hang hinunter. Blitz wieherte besorgt von oben. Ben rappelte sich auf, klopfte sich den Staub ab und grinste. „Na, das war knapp.“
Unten angekommen, sah er, dass der Vater einen verstauchten Knöchel hatte. „Ich hab keine Angst, Mister Cooper“, sagte das Mädchen tapfer, „aber meine Schwester Mia hat großen Durst.“
Ben reichte Mia seine Wasserflasche. Das Mädchen trank gierig und lächelte schwach. Ben untersuchte den Knöchel des Vaters.
„Wir müssen euch hier rausholen, und zwar schnell. Es wird bald dunkel, und die Kojoten werden hungrig.“ Ben versuchte, Mut zu machen. „Ich habe ein starkes Pferd und ein kluges Mädchen – das schaffen wir!“
Gemeinsam überlegten sie, wie sie den verletzten Vater am besten nach oben bekommen konnten.
Kapitel 4: Die List der Kojoten
Gerade als Ben den Vater mit Hilfe des Seils hochziehen wollte, hörten sie aus der Ferne das Heulen von Kojoten. Die Tiere waren auf der Suche nach Beute.
„Wir müssen schnell sein!“, rief Ben.
Das Mädchen, Emily, hatte eine Idee. „Vielleicht können wir sie ablenken! Ich habe noch ein Stück Trockenfleisch in meiner Tasche.“
Ben nickte. „Sehr schlau gedacht, Emily!“
Emily warf das Trockenfleisch so weit wie möglich von ihnen weg. Die Kojoten schnupperten, rannten zum Futter und ließen die Menschen in Ruhe.
Ben befestigte das Seil am Vater, und gemeinsam zogen sie ihn mit letzter Kraft nach oben. Emily kletterte flink hinterher und half ihrer kleinen Schwester. Ben schob von unten an.
Oben angekommen, atmeten sie alle erleichtert durch. Doch der Rückweg nach Dusty Creek war noch weit und der Vater konnte kaum laufen.
Kapitel 5: Heimkehr im Morgengrauen
Ben baute mit ein paar Ästen und seiner Jacke eine einfache Trage. Blitz, das treue Pferd, zog die Trage vorsichtig durch das hohe Präriegras.
Die Nacht war sternenklar, Grillen zirpten, und ab und zu heulten in der Ferne noch die Kojoten. Ben erzählte den Mädchen Geschichten von seinen Abenteuern, um sie aufzumuntern.
„Weißt du, Emily“, sagte er, „Mut heißt nicht, keine Angst zu haben, sondern trotz der Angst das Richtige zu tun.“
Emily nickte stolz. „Das mache ich dann schon ganz gut, oder?“
Ben lächelte. „Und wie!“
Als sie am Morgen in Sichtweite von Dusty Creek kamen, rannten Sam und seine Mutter ihnen entgegen. Tränen der Erleichterung liefen über ihre Gesichter.
„Ihr seid wieder da!“, rief Sam und umarmte seine Schwester. Die Mutter fiel dem Vater um den Hals.
Ben hob seinen Hut und blinzelte in die aufgehende Sonne. „Eine Familie gehört zusammen – und manchmal braucht es eben ein kleines Abenteuer, um das zu beweisen.“
Später deckte die Mutter eine große Decke auf dem Gras aus. Es gab warmen Apfelkuchen und Limonade für alle.
„Du bist unser Held, Ben!“, sagte Emily und reichte ihm ein Stück Kuchen.
Ben lachte herzlich. „Helden gibt es überall – manchmal sind sie einfach nur diejenigen, die helfen, wenn Hilfe gebraucht wird.“
Unter der weiten Prärie, im goldenen Licht des Morgens, fühlten sich alle geborgen und stark. Die Abenteuer des Wilden Westens würden weitergehen – doch heute war erst mal Zeit für Familie, Lachen und einen saftigen Apfelkuchen unter einer frisch gezogenen Decke.