Der Morgen im Sandkasten
Es ist ein sonniger Morgen. Vier Mädchen sitzen im Sandkasten. Sie sind fast drei Jahre alt. Leni, Mia, Noor und Tilda lachen. Sie bauen einen Kuchen. Sie haben einen kleinen blauen Schal, den sie wie eine Fahne benutzen. Der Schal gehört Leni. Leni kuschelt ihn gern. "Ich passe auf", sagt Leni. "Ich passe gut auf", sagt Mia. Sie legen den Schal auf die Bank. Dann spielen sie weiter.
Plötzlich ist der Schal weg. "Wo ist der Schal?" fragt Leni. Alle halten den Atem. Sie schauen links. Sie schauen rechts. Sie schauen unter die Bank. Sie schauen in die Förmchen und in die Eimer. Der Schal ist nicht da. Die Mädchen sind ein bisschen traurig. Aber sie sind auch neugierig. "Wir sind Detektivinnen", sagt Noor. "Wir finden den Schal", sagt Tilda.
Die Mädchen legen ihre Hände an die Hüften. Sie sind ganz konzentriert. "Schau mit deinen Augen", sagt Mia. "Hör mit deinen Ohren", sagt Noor. "Riech mit deiner Nase", lacht Tilda. Die Kinder fragen den Leser: "Kannst du uns helfen? Kannst du sehen, was wir sehen?"
Spuren und ein leises Pfeifen
Die Detektivinnen machen eine Liste. "Wir suchen Spuren", sagt Leni. Sie gehen im Kreis. Sie suchen kleine Dinge. Auf dem Boden sehen sie winzige Fußspuren. "Schau!", ruft Mia. Die Fußspuren gehen zu den Blumen. Die Blumen duften nach Erde. Es sieht so aus, als würde jemand oft dort stehen.
Dann hören sie ein leises Geräusch. "Pfff", macht ein kleiner Ton. Es klingt wie ein leises Pfeifen. "Hast du das gehört?" fragt Noor. Alle hören. Das Pfeifen ist leise und freundlich. Es erklingt wieder: "Pfff". Die Mädchen setzen sich ganz still hin. "Wer pfeift denn so leise?" flüstert Tilda.
Sie finden etwas im Gras. Es ist ein kleiner Holzpfeifchen. Es ist blau, genau wie der Schal. Das Pfeifchen ist warm und sauber. "Das ist ein Hinweis", sagt Mia mit ernster Stimme. "Jemand hat das Pfeifchen hier gelassen." Die Mädchen denken nach. Sie erinnern sich an jemanden.
Bei der Hecke lebt Frau Müller. Frau Müller gießt die Blumen jeden Morgen. Sie hat die Gewohnheit, leise zu pfeifen, wenn sie arbeitet. Die Mädchen wissen das, weil sie Frau Müller oft sehen. Sie pfeift fröhlich, wenn sie die Pflanzen gießt. Das Pfeifchen könnte von ihr sein. "Vielleicht hat Frau Müller etwas gesehen", sagt Leni. "Dann fragen wir sie", sagt Noor.
Die Mädchen gehen zusammen zur Hecke. Sie gehen langsam. Sie winken. Frau Müller ist im Garten. Sie gießt die Blumen und pfeift ganz leise. Genau so wie die Mädchen gedacht haben. "Guten Morgen, Frau Müller!" rufen sie. Frau Müller schaut auf und lächelt. "Guten Morgen, ihr kleinen Detektivinnen", sagt sie.
Das freundliche Geheimnis
"Habt ihr den blauen Schal gesehen?" fragt Leni. Frau Müller legt die Gießkanne ab. Sie hört gut zu. "Oh", sagt sie. "Ein blauer Schal? Ich habe gestern Abend einen Schal gefunden. Er lag ganz nah am kleinen Teich." Die Mädchen sehen sich an. Der Teich! Dort spielen oft Enten. Der Teich ist sauber. Die Mädchen laufen mit kleinen Schritten zum Teich. Unterwegs zeigt Frau Müller auf eine Bank. Auf der Bank liegt etwas Blaues. "Hier ist er", ruft Mia.
Leni rennt hin. Sie nimmt den Schal in die Hand. Der Schal ist ein bisschen feucht, aber sauber. Leni umarmt den Schal. Sie lächelt sehr groß. "Danke, danke!" sagt Leni. Die Mädchen umarmen sich. Sie freuen sich. Frau Müller setzt sich dazu. "Ich habe den Schal gestern aufgelesen. Ich habe ihn zum Trocknen auf die Bank gelegt", erklärt sie. "Ich pfeife, wenn ich giesse. Ich lege Sachen hin, damit sie trocken werden. Das ist meine kleine Gewohnheit."
Die Detektivinnen nicken. Sie haben gelernt, auf Gewohnheiten zu achten. Das Pfeifchen war ein Hinweis. Die Fußspuren waren ein Hinweis. Frau Müllers leises Pfeifen hat geholfen. "Danke, dass du so gut aufpasst", sagt Leni. "Danke, dass du den Schal gerettet hast", sagen Mia, Noor und Tilda.
Frau Müller lächelt und sagt: "Ihr habt sehr gut gesucht und sehr gut gefragt. Ihr wart verantwortungsvoll. Wenn etwas fehlt, fragt und schaut ganz genau. Kleines Forscherinnenherz!" Die Mädchen kichern.
Die Sonne scheint weiter. Die Mädchen setzen den Schal wieder auf die Bank. Sie spielen gemeinsam. Sie teilen die Förmchen. Sie teilen den Kuchen aus Sand. Sie helfen einander. Sie wissen jetzt: Wenn etwas fehlt, können sie zusammen suchen. Sie wissen auch: Fragen ist wichtig und freundlich.
Am Ende geben sie Frau Müller eine große Umarmung. Frau Müller umarmt alle vier. "Mmmh", sagt sie. "So warme Umarmungen sind schön." Die Kinder fühlen sich sicher und glücklich. Sie haben ein Abenteuer gehabt. Es war ein kleines Abenteuer. Es war ein kluges Abenteuer. Alle sind zufrieden.
Zum Schluss pfeift Frau Müller noch einmal ganz leise. "Pfff", macht das Pfeifen. Die Mädchen lachen. "Das ist dein Pfeifen", sagt Noor. "Ja", sagt Frau Müller. "Und euer Pfeifchen ist jetzt sauber." Die Kinder winken und rufen: "Auf Wiedersehen!" Sie gehen zurück zum Sandkasten, Hand in Hand, mit dem blauen Schal und mit dem Gefühl, dass Helfen und Aufpassen wichtig sind.