Der letzte Abend
Emil ist vier Jahre alt. Heute ist ein besonderer Abend. Es ist der letzte Abend im Jahr. Das Wohnzimmer glitzert leise. Eine Lichterkette macht warmes Licht. Bunte Girlanden hängen wie fröhliche Schlangen. Auf dem Tisch liegen Papiersterne. Es riecht nach Waffeln und Kakao.
„Heute kommt das neue Jahr“, sagt Mama und lächelt. „Wir feiern zusammen“, sagt Papa. Oma Lotte sitzt im Sessel. Sie strickt langsam. Der Kater Momo rollt sich auf dem Teppich ein. Sein Fell ist weich wie Winterwolle.
Emil hilft. Er streut bunte Konfetti in eine Schüssel. Die Konfetti sind wie kleine, fröhliche Blätter. Rot, blau, gelb, grün. Emil mag die roten Punkte. „Die roten lachen“, sagt er. Mama nickt. „Sie lachen zu dir.“
Auf dem Fensterbrett steht eine kleine Glocke. Daneben steht eine Überraschungsdose. Sie ist golden und rund. „Die Dose öffnen wir später“, flüstert Oma. „Eine kleine Überraschung für das neue Jahr.“
Emil hat einen Plan. Er holt seinen kleinen roten Eimer. „Ich will alle Konfettipapiere sammeln, wenn wir fertig sind“, sagt er ernst. „Ganz sauber.“ Papa zwinkert. „Das schaffen wir zusammen.“ Emil nickt. Zusammen ist gut. Zusammen ist warm.
Sie essen Waffeln mit Puderzucker. Der Puderzucker sieht aus wie Schnee. Emil pustet. Der Zucker tanzt. „Schau, Mama, Schnee im Zimmer!“ Mama lacht. „Unser Zimmer ist ein Wintermärchen.“
Die Uhr sagt tick-tack, tick-tack. Der Abend ist ruhig und fröhlich. Emil fühlt sich groß und leicht. Er wartet gern. Er weiß: Etwas Schönes kommt.
Die Mitternachts-Minute
Die Zeiger gehen weiter. Es ist fast Zeit. Draußen ist die Nacht still. Ein paar Lichter blinken weit weg, wie kleine Sterne. Drinnen ist es warm. Papa stellt vier Tassen Kakao auf den Tisch. „Für uns“, sagt er. „Für unser neues Jahr.“
Oma nimmt die kleine Glocke. „Wenn wir zählen, läutet sie leise“, sagt sie. „Ganz sanft.“ Emil tippt mit dem Finger an die Glocke. „Kling-kling“, macht sie. Es ist ein netter Ton. Nicht laut, sondern freundlich.
Mama holt die Schüssel mit Konfetti. „Ein Regen aus Farben“, sagt sie. Emil strahlt. „Ein bunter Regen!“
„Seid ihr bereit?“ fragt Papa. „Ja“, sagt Emil und hält Mamas Hand. „Bereit“, sagt Oma. Der Kater Momo blinzelt und schaut zu. Die Uhr macht tick-tack, tick-tack. Sie klingt wie ein kleines Herz.
„Drei, zwei, eins“, sagt Mama. Oma läutet die Glocke. Sie klingt sanft. Papa wirft Konfetti in die Luft. Bunte Punkte schwingen und tanzen und fallen. Emil lacht. Konfettipapiere kitzeln seine Nase. „Hallo, neues Jahr“, sagt er leise.
Papa öffnet die Überraschungsdose. Drinnen liegt ein kleiner Papierstern mit einem Lächeln. Dazu ein Zettel. „Für Emil: Ein Wunsch für jeden neuen Tag“, liest Mama vor. Emil drückt den Stern an sein Herz. „Mein Stern“, flüstert er. „Mein Wunschstern.“
„Jetzt kommt dein Plan“, sagt Papa. Emil stellt den roten Eimer hin. „Ja“, sagt Emil. „Wir sammeln zusammen.“ Mama nimmt einen kleinen Besen. Oma nimmt die Schaufel. Papa macht Musik leise an. Der Kater Momo stupst einen blauen Punkt mit der Pfote.
Sie sammeln und lachen. „Ich habe drei rote!“ sagt Emil. „Ich zwei gelbe“, sagt Mama. „Ich einen grünen, der wie ein Blatt aussieht“, sagt Oma. „Team Konfetti“, sagt Papa. Sie arbeiten Hand in Hand. Alles geht schnell. Es ist wie ein Spiel. Wenn ein Papier unter dem Sofa liegt, sagt Papa: „Ich hab dich!“ Und schon ist es im Eimer.
Bald ist der Teppich wieder weich und sauber. Emil schaut in den Eimer. So viele Farben! „Wir haben es geschafft“, sagt er stolz. „Zusammen“, sagt Mama und gibt ihm einen Kuss auf die Stirn. „Zusammen ist schön“, sagt Oma.
Der erste Morgen
Am Morgen ist die Welt hell und frisch. Ein leiser, weißer Himmel liegt vor dem Fenster. Emil streckt sich. „Guten Morgen, neues Jahr“, sagt er. Mama bringt warme Brötchen. Papa schneidet Apfelschnitze. Oma stellt Marmelade hin. Der Kater Momo schnurrt wie eine kleine Maschine.
Sie frühstücken langsam. Der Kakao dampft und malt kleine Wolken. Emil erzählt vom Stern. „Er passt in meine Tasche“, sagt er. „Dann ist mein Wunsch nah.“ Papa nickt. „Gute Wünsche sind wie kleine Lampen.“
Nach dem Frühstück holt Mama eine flache Schachtel. „Der neue Kalender“, sagt sie. „Er wartet.“ Emil öffnet die Schachtel. Ein schönes Bild liegt oben. Ein Schneemann mit rotem Schal. Ein kleiner Vogel sitzt auf seinem Hut.
„Darf ich das erste Blatt umdrehen?“ fragt Emil. „Ja, zusammen“, sagt Papa. Sie gehen zur Wand neben dem Fenster. Dort hängt ein Nagel, ganz bereit. Papa hält den Kalender. Emil führt ihn. Oma schaut und lächelt. Mama steht dicht dabei. Ihre Hand liegt warm auf Emils Schulter.
„Eins, zwei, drei“, sagt Emil. Sie hängen den Kalender auf. Das Januar-Blatt glitzert im Morgenlicht. Es sieht freundlich aus. Emil streicht darüber. „Hallo, Januar“, sagt er.
Die Uhr sagt tick-tack, aber es klingt jetzt wie ein leiser Tanz. Im Zimmer ist alles ruhig. Die Girlanden ruhen. Der rote Eimer steht leer und sauber. Der Papierstern liegt neben der Glocke und wacht.
Emil atmet tief. Er fühlt sich mutig und leicht. „Mein Jahr beginnt“, flüstert er. Er legt seine Hand in Mamas Hand. Papa nickt. Oma zwinkert. Momo gähnt und rollt sich ein.
Und ganz still steht der neue Kalender an der Wand. Das Blatt Januar schaut freundlich herab. Das neue Jahr ist da, und es lächelt zurück.