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Geschichte über den Frühling 7/8 Jahre Lesen 12 min.

Wind im Gesicht und Vogelmusik: Bens leiser Frühlingsanfang

Ben entdeckt mit seiner Freundin Mira und der Lehrerin erste Frühlingszeichen auf dem Schulhof, hört die Rückkehr der Vögel und schreibt ein Gedicht, während alle lernen, die Natur behutsam zu behandeln.

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8‑jähriger Junge mit ruhigem, neugierigem Gesicht und zerzausten braunen Haaren, offene petrolblaue Jacke, hockt und hebt ein in einer Pfütze nasses Bonbonpapier auf; 8‑jährige Mira mit schwarzer Pferdeschwanzfrisur und schelmischem Lächeln, hellgrüner Mantel, hockt daneben und zeigt auf kleine grüne Triebe im Blumenbeet; etwa 35-jährige Lehrerin mit zusammengebundenen blonden Haaren und beigem Pullover steht lächelnd hinter den Kindern am Tor und hält eine kleine Mülltüte; Schulhof im Frühling, nasser Boden mit Spiegelungen, grauer Schneerest in der Ecke, glänzender roter Rutschturm mit Tropfen, Holzbank, Baum mit rauer Rinde und kleinen runden Knospen, blassblauer Himmel mit einer Wolke; ein kleiner braun‑beiger Spatz sitzt auf dem Geländer, schüttelt die Federn und zwitschert, eine leichte Brise bewegt die Kinderhaare; klare, sanfte Stimmung in pastellgesättigten 90er‑Cartoon‑Farben, Kreide‑ und Aquarelltexturen, weiches Morgenlicht, Komposition zentriert auf das Zusammenspiel zwischen Kindern, Pflanze und Vogel. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Wind im Gesicht

Am Montagmorgen war die Luft anders als noch vor einer Woche. Nicht mehr so kalt, dass sie in der Nase zwickte. Eher frisch, wie Wasser, das man aus dem Hahn laufen lässt, bevor es warm wird.

Ben, acht Jahre alt, ging neben seiner Mama zur Schule. Er trug seine Jacke offen, obwohl Mama kurz die Augenbrauen hob.

„Dir ist nicht kalt?“ fragte sie.

Ben schüttelte den Kopf und hob das Kinn ein bisschen. Der Wind strich ihm über die Wangen, über die Lippen, sogar bis in die Ohren. Er fühlte sich dabei ruhig, als würde der Wind ihm leise sagen: Alles wird leichter.

„Wenn der Wind so weich ist, bin ich ganz gelassen“, sagte Ben und lächelte.

Mama lachte leise. „Dann nimm dir ein bisschen von dem Wind-Gefühl mit in die Schule.“

Vor dem Schultor roch es nach nasser Erde. Neben dem Zaun standen kleine Pfützen, in denen der Himmel wackelte. Ben blieb kurz stehen und sah hinein. Ein dünner Ast lag am Rand wie ein Stift, der im Wasser schreiben wollte.

Auf dem Weg zum Klassenraum hörte Ben plötzlich ein „Zwitsch!“. Er blieb stehen.

„Hast du das gehört?“ flüsterte er.

Seine Freundin Mira, die hinter ihm lief, spitzte die Ohren. „Ein Vogel! Wirklich!“

„Im Winter war es morgens so still“, sagte Ben. „Jetzt klingt es wieder wie… wie ein Lied, das aufwacht.“

Im Klassenraum war es warm. Frau Kramer schrieb das Datum an die Tafel. Kreide knirschte, Stühle scharrten. Ben setzte sich und zog sein Heft heraus. Auf die erste Seite hatte er vor Wochen „Frühlingsnotizen“ geschrieben, obwohl damals noch Schnee am Rand lag.

Frau Kramer klatschte einmal in die Hände. „Guten Morgen! Heute schauen wir nach der Pause in den Hof. Wir suchen Spuren vom Frühling. Und denkt dran: Wir sind Gäste in der Natur. Wir gucken, wir hören, wir riechen – aber wir reißen nichts ab.“

Ben nickte. Er mochte es, wenn jemand das so sagte. Gäste. Das klang freundlich und wichtig zugleich.

In der Pause öffnete Ben das Fenster einen Spalt. Der Wind kam herein, ganz vorsichtig, als würde er fragen, ob er darf. Ben ließ ihn. Er schloss kurz die Augen. In seinem Bauch wurde es ruhig und hell.

„Vielleicht schreibe ich ein Gedicht“, murmelte Ben.

Mira beugte sich zu ihm. „Worüber?“

Ben grinste. „Über die Vögel, die zurückkommen. Über ihr Zwitschern. Über… über das, was der Wind im Gesicht macht.“

„Dann schreib auch über meinen Kakao“, sagte Mira ernst.

Ben prustete. „Das wäre ein sehr leckeres Gedicht.“

Kapitel 2: Der Schulhof nach dem Winter

Nach der Pause gingen alle in den Schulhof. Der Schnee war weg, aber in der Ecke lag noch ein grauer Rest, klein wie ein alter Waschlappen. Daneben glitzerten Tropfen an der Rutsche.

Frau Kramer zeigte auf das Beet am Zaun. „Was seht ihr?“

„Matsch“, rief Tom.

„Und… kleine grüne Spitzen!“, sagte Mira und kniete sich hin, ohne das Beet zu betreten.

Ben beugte sich vor. Tatsächlich: Zwischen braunen Blättern steckten winzige grüne Stifte aus der Erde. Sie sahen aus, als würden sie sich strecken.

„Das sind bestimmt Krokusse oder Schneeglöckchen“, sagte Frau Kramer. „Sie haben unter der Erde gewartet. Jetzt wird es ihnen warm genug.“

Ben hob die Hand. „Dürfen wir die anfassen?“

Frau Kramer schüttelte den Kopf. „Lieber nicht. Pflanzen sind nicht wie Spielzeug. Sie wachsen besser, wenn wir sie in Ruhe lassen. Wir können sie anschauen wie ein Bild.“

Ben stellte sich vor, wie die Pflanze unter der Erde geschlafen hatte, eingepackt in Dunkelheit, und jetzt vorsichtig die Decke wegschob. Er spürte ein kleines Kribbeln im Bauch, als würde er selbst gleich wachsen.

Am Rand des Hofes stand ein Baum. Im Winter hatte er wie ein Besen ausgesehen, ganz kahl. Nun waren an den Zweigen winzige Knospen, rund und fest. Ben zog die Nase hoch. Der Baum roch nach feuchter Rinde, ein bisschen wie Bleistift.

Plötzlich landete ein Vogel auf dem Zaun. Er schüttelte die Federn, als würde er eine Decke ausklopfen, und zwitscherte laut.

„Da!“ flüsterte Ben.

Mira hob beide Hände an die Wangen. „Der ist so klein!“

Frau Kramer lächelte. „Das ist wahrscheinlich ein Spatz. Spatzen kennen unsere Schulhöfe gut. Aber bald kommen auch andere zurück. Manche waren im Winter weit weg.“

Ben schaute nach oben. Der Himmel war hellblau, und eine Wolke zog langsam wie ein Schiff vorbei.

„Wohin fliegen Vögel im Winter?“ fragte Tom.

„Manche bleiben, manche ziehen“, erklärte Frau Kramer. „Sie suchen Orte, wo sie genug Futter finden. Wenn sie wiederkommen, finden sie ihre alten Plätze oft wieder. Darum ist es wichtig, dass wir Tiere nicht stören. Und dass wir ihnen helfen, indem wir ihren Lebensraum sauber lassen.“

Genau da sah Ben etwas auf dem Boden: ein zerknülltes Bonbonpapier, das sich in einer Pfütze spiegelte.

Er ging hin, hob es auf und hielt es hoch. „Das gehört nicht hierher.“

Mira nickte eifrig. „Ich helfe!“ Sie sammelte zwei kleine Plastikteile, die wie bunte Käfer aussahen, aber leider keine waren.

Frau Kramer holte einen Beutel aus ihrer Tasche. „Sehr gut. Müll kann für Tiere gefährlich sein. Vögel können sich darin verheddern oder ihn für Futter halten. Danke, dass ihr darauf achtet.“

Ben war stolz, aber auf eine ruhige Art. Nicht wie beim Rennen, wenn das Herz laut klopft. Eher so, als würde in ihm eine kleine Kerze brennen.

Als alle wieder in die Klasse gingen, blieb Ben am Fenster stehen und sah noch einmal in den Hof. Der Spatz war weg. Doch das Zwitschern blieb in der Luft, als hätte es sich zwischen den Zweigen versteckt.

Kapitel 3: Ein Gedicht für die Rückkehrer

Am Nachmittag, als Ben zu Hause war, stellte er seinen Ranzen ab und zog die Schuhe aus. Seine Socken waren ein bisschen feucht vom Hof, aber das störte ihn nicht. In der Küche roch es nach Apfel und Zimt, weil Oma einen Kuchen gebacken hatte.

„Du riechst nach draußen“, sagte Oma und strich ihm über die Haare. „Das ist der beste Geruch.“

Ben setzte sich mit seinem Heft ans Fenster. Draußen wackelten die dünnen Zweige im Wind. Ein Sonnenstrahl rutschte über den Tisch und blieb auf Bens Papier stehen, als wollte er mitlesen.

Er nahm seinen Bleistift und schrieb langsam. Nicht zu schnell, damit die Wörter nicht stolperten.

Mira hatte recht: Ein Gedicht war wie ein Kakao. Man musste es warm rühren, bis es gut schmeckte.

Ben schrieb:

„Der Winter geht leise,

der Hof wird wieder weit.

Im Wind auf meiner Wange

wird mein Herz ganz leicht.

Die Vögel kommen wieder,

sie kennen unser Dach.

Ihr Lied ist wie ein Kitzeln,

und macht den Morgen wach.“

Er las es leise vor sich hin. Die Wörter fühlten sich weich an, wie ein Schal, der nicht kratzt.

Oma kam mit zwei Tellern. „Kuchenpause?“

„Ja, bitte“, sagte Ben. Er nahm einen Bissen. Der Kuchen schmeckte süß, und die Apfelstücke waren warm. Draußen rief ein Vogel kurz. Ben schaute auf.

„Oma, weißt du, warum Vögel so viel singen?“ fragte er mit vollem Mund, dann hielt er schnell die Hand davor. „Entschuldigung.“

Oma lachte. „Schon gut. Vögel singen, um sich zu finden. Um zu sagen: Hier bin ich! Und auch, um zu zeigen: Das ist mein Platz.“

Ben dachte an den Schulhof. „Dann müssen wir ihren Platz auch respektieren.“

„Genau“, sagte Oma. „Keine Nester anfassen, keine Tiere jagen, keine Zweige abbrechen, nur weil es knackt. Man kann sich freuen, ohne zu stören.“

Ben nickte. In seinem Kopf sah er die Knospen am Baum, klein und mutig. Er stellte sich vor, wie ein Vogel auf einem Ast sitzt und die Knospe neben sich betrachtet, als wären sie Nachbarn.

Später am Abend packte Ben sein Gedicht in seine Federmappe. Morgen wollte er es Mira zeigen. Vielleicht konnte er es auch Frau Kramer vorlesen.

Als er die Zähne putzte, spürte er immer noch den Wind vom Morgen, obwohl im Bad kein Wind war. Es war, als wäre das ruhige Gefühl in ihm geblieben.

Im Bett zog Ben die Decke bis zum Kinn. Durch das gekippte Fenster kam frische Luft hinein. Sie roch nach Erde und einem Hauch von Gras, das noch nicht ganz da war, aber schon übt.

Mama setzte sich auf die Bettkante. „War dein Tag schön?“

Ben nickte. „Im Hof waren grüne Spitzen. Und ein Spatz. Und ich hab ein Gedicht geschrieben.“

„Darf ich es hören?“ fragte Mama.

Ben flüsterte es. Mama hörte ganz still zu.

„Das ist wunderschön“, sagte sie. „Morgen wird es bestimmt noch mehr Zwitschern geben.“

„Und wir lassen alles heil“, sagte Ben.

„Ja“, sagte Mama. „Wir sind Gäste.“

Kapitel 4: Eine leise Frühlings-Comptine

Am nächsten Tag zeigte Ben Mira das Gedicht. Mira klatschte in die Hände, aber nur ganz leise, damit es nicht wie Lärm klang.

„Das mit dem Wind auf der Wange mag ich“, sagte sie. „Das fühlt sich wirklich so an.“

In der Pause gingen sie zum Beet, ohne hineinzugehen. Sie hockten am Rand und schauten. Die grünen Spitzen waren ein bisschen größer, als hätten sie in der Nacht heimlich geübt.

„Hallo, kleine Pflanzen“, flüsterte Mira.

Ben flüsterte auch: „Wir passen auf euch auf.“

Über ihnen zwitscherte es. Nicht nur einmal. Mehrere Stimmen. Als würde der Himmel sich räuspern und dann anfangen zu singen.

Ben und Mira sahen sich an und grinsten.

„Frühling ist wie ein leises Aufwachen“, sagte Ben.

„Mit Kuchen“, ergänzte Mira.

Ben lachte. „Ja. Und mit Vogelmusik.“

Am Abend lag Ben wieder im Bett. Draußen bewegte sich ein Zweig. Ein Schatten tanzte an der Wand, ganz langsam. Ben hatte keine Angst. Es war eher wie ein Gute-Nacht-Winken von draußen.

Mama kam noch einmal herein, deckte ihn zu und strich die Decke glatt. „Möchtest du eine Einschlafreim?“

Ben dachte kurz nach. „Ich will eine Frühlingsreim. Ganz leise.“

Mama nickte. Ben flüsterte zuerst, und Mama flüsterte mit, als würden sie beide dem Zimmer zeigen: Jetzt wird es ruhig.

„Wind, du streichelst sacht mein Gesicht,

Vogel, sing dein Abendlied.

Blume, wachse Stück für Stück,

Nacht, bring stilles Schlafenglück.“

Ben wiederholte die Zeilen noch einmal, kaum hörbar. Die Wörter waren wie kleine Federn, die auf sein Kissen fielen. Draußen antwortete ein letzter, leiser Zwitscherton, als hätte jemand „Gute Nacht“ gesagt.

Ben schloss die Augen. In seinem Kopf sah er den Schulhof, das Beet, den Baum mit den Knospen und die Vögel, die zurückgekommen waren. Alles war da, ohne dass man es festhalten musste.

Der Wind war nicht mehr auf seiner Wange, aber das ruhige Gefühl blieb. Und damit schlief Ben ein.

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Gelassen
Ruhig bleiben, nicht aufgeregt sein, entspannt fühlen.
Knospen
Kleine runde Teile an Zweigen, aus denen später Blätter oder Blumen wachsen.
Beet
Ein abgegrenzeter Bereich im Garten, in dem Pflanzen wachsen.
Lebensraum
Ort, an dem Tiere und Pflanzen gut leben und genug Platz haben.
Verheddern
Sich verfangen, zum Beispiel wenn etwas in Fäden oder Plastik hängen bleibt.
Federmappe
Ein Mäppchen, in dem Stifte, Radiergummi und Lineal liegen.
Einschlafreim
Ein kurzes, ruhiges Reimgedicht, das beim Einschlafen hilft.
Comptine
Ein kleines Lied oder Reim, oft für Kinder zum Singen oder Hören.
Knirschte
Ein hartes, quietschendes Geräusch, wie wenn Zähne oder Kreide reiben.
Pfützen
Kleine Wasserstellen auf dem Boden nach Regen.

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