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Geschichte eines Außerirdischen 7/8 Jahre Lesen 13 min.

Versprechen am Spiegelsee

Tom und Lina treffen das außerirdische Wesen Pip am See und fädeln gemeinsam mit ihm und anderen Besuchern Freundschaftsarmbänder, während sie dabei lernen, Verantwortung für ihren See zu übernehmen und einander zu helfen.

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Drei Figuren an einem ruhigen See bei Dämmerung: Tom, 8 Jahre, kurze braune Haare, blaue Jacke, Jeans, sitzt auf einem Uferfelsen rechts und knüpft ein blau-grünes Perlenarmband, seine konzentrierten Finger im Vordergrund; Lina, 8 Jahre, blonde Zöpfe, roter Pullover, gemusterter Rock, hockt links lächelnd mit einer kleinen Zange und einer Schachtel bunter Perlen und schaut zu Tom; Pip, ein kindsgroßes, rundes, schimmerndes Außerirdischenwesen mit perlmuttdurchscheinender Haut, feinen pinselartigen Fingern und sanften großen schwarzen Augen, schwebt leicht über dem Wasser zwischen Tom und Lina und reicht eine leuchtende Hand zum Armband, das beim Berühren zu glühen beginnt; im Hintergrund ein muschelförmiges Schiff auf dem spiegelglatten See, goldene Sonnenuntergangsfarben kontrastieren mit den kühlen Lichtern des Wesens, Kiesufer, hohes Gras und vereinzelte phosphoreszierende Muscheln und Steine, warme, freundliche Atmosphäre des Teilens und der Freundschaft. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1

Tom war schmal und ruhig. Er sprach leise, aber seine Hände flitzten schnell, wenn er Perlen fädelte. Lina war laut und lachend. Beide waren acht Jahre alt und beste Freunde. Jeden Nachmittag saßen sie am glatten Seeufer, dort wo das Wasser so flach und ruhig war, dass es wie ein Spiegel aussah.

"Du kannst mir eine neue Idee zeigen?" fragte Lina und strich über eine Kiste voller bunter Fäden.

Tom nickte. "Ich mache Freundschaftsarmbänder. Nicht nur für Menschen. Einmal habe ich einen kleinen Steinarmbandfaden ausprobiert, der im Dunkeln leuchtet. Vielleicht mögen die anderen Welten das."

Lina kicherte. "Anderen Welten? Bist du sicher, dass sie Freundschaftsarmbänder wollen?"

Tom zog eine feine Nadel hervor und begann zu fädeln. "Für mich sind Armbänder kleine Versprechen, sagt Opa. Ein Versprechen, freundlich zu sein. Vielleicht verstehen das außerirdische Freunde auch."

Am Himmel begann ein leises Summen, fast wie entferntes Glockenspiel. Das Summen wuchs, ohne laut zu sein. Beide Kinder schauten auf. Etwas schwebte über den See, es sah aus wie eine leuchtende Muschel, mit kleinen Lichtern, die wie Tropfen funkelten.

Lina sagte sofort: "Kommt nieder! Vielleicht bringen sie Süßigkeiten."

Tom schüttelte den Kopf und lächelte. "Oder sie mögen Perlen."

Das Schiff landete sanft auf der spiegelglatten Wasserfläche, ohne Wellen. Ausstieg nicht durch eine Tür, sondern durch einen lichtdurchlässigen Vorhang. Eine Gestalt trat hervor, rundlich, mit großen Augen und langen Fingern, die wie Pinsel aussahen.

"Hallo," sagte Lina zu laut, weil sie aufgeregt war. Die Gestalt neigte den Kopf und gab ein melodisches Geräusch von sich.

Tom legte ein Armband auf den Schoß. "Wir heißen Tom und Lina. Willst du ein Freundschaftsarmband?"

Die Gestalt streckte eine Hand aus. Eine kleine Leuchte auf ihrer Haut blinkte wie ein Herz. Tom verstand, dass die Geste freundlich war. "Ja", flüsterte er, obwohl das Wesen ihn nicht hören konnte. Er begann, ein Armband mit blauen und grünen Perlen zu flechten, Farben des Sees.

"Ich heiße..." Lina suchte nach einem Namen, aber das Wesen lachte und die Lichter schimmerten. Tom nannte es einfach "Pip". Pip berührte die Perlen mit den spitzen Fingern und ein kleines Funkeln sprang auf das Armband.

"Das ist kein gewöhnliches Funkeln", sagte Lina. "Es fühlt sich an wie ein Versprechen."

Pip zeigte auf den Himmel und dann auf Tom. Tom verstand: Pip war gekommen, um Freunde zu finden.

Kapitel 2

Die Kinder lernten schnell, dass Pip anders kommunizierte. Es sang kleine Melodien, und seine Lichter woggten, wenn es lachte. Tom stellte sein kleines Holzkästchen mit Fäden neben sich und zeigte, wie er Knoten machte.

"Kannst du das auch?" fragte er und hielt einen Faden hin.

Pip legte einen Finger auf den Faden. Sofort formte der Faden selbstständig eine winzige Schleife, als ob er lebendig wäre. Lina rief: "Wow! Dein Faden hat Magie!"

Pip machte eine kleine Geste, die wie Verbeugung aussah. Dann zeigte es auf einen langen, schimmernden Stoff in seinem Schiff. "Zuhause," sang Pip, "haben wir wenig Hände, viele Lichter. Wir sammeln Geschichten, keine Dinge."

Tom dachte an Opas Worte: "Verantwortung ist, was du tust, nachdem du etwas Schönes gemacht hast." Er nickte zu Pip. "Wir können Geschichten teilen und Armbänder als Versprechen benutzen."

Die nächsten Tage brachten mehr Besucher. Kleine, sachliche Roboter mit runden Augen kamen, ein dünnes Wesen, das wie ein Papierfisch auf dem Wasser schwebte, sogar ein Paar, das aussah wie schimmernde Wolken. Alle standen auf dem flachen See, weil der See so eben war, dass Schiffe darauf laufen konnten wie auf einem Tisch.

Gemeinsam mit den Kindern bauten sie eine Werkstatt. Tom erklärte geduldig: "Zuerst nimmst du einen Faden. Dann machst du einen Knoten, zwei Knoten, und du hörst nicht auf, bis es fertig ist." Er war still, aber seine Finger zeigten viel. Lina rannte herum und sammelte Perlen, Muscheln und leuchtende Kiesel, die aus Pip's Schiff gefallen waren.

"Was ist euer Plan?" fragte ein wolkenartiges Wesen mit einer Stimme wie Wind.

"Wir machen Freundschaftsarmbänder," sagte Lina. "Für euch, für uns, für alle."

"Pip braucht ein Versprechen, dass wir auf unseren See achten," fügte Tom hinzu. "Wir sind verantwortlich für diesen Platz."

Die Besucher sahen einander an. Verantwortung war ein fremdes Wort für sie, aber als Tom erklärte, wie Müll den See trübte, wie laute Maschinen Vögel verscheuchten, verstanden sie schnell. Pip berührte das Wasser und kleine Lichter schwammen wie Fische an die Oberfläche. Die Lichter zeigten, wo der See Schmerz fühlte—die Stelle, wo ein Stück Plastik lag, funkelte dunkel.

Lina kniete sich hin. "Wir räumen auf." Sie begann, mit einer kleinen Zange Plastikteile aufzusammeln. Tom band ein Armband an einen dünnen Stab: "Dieses Armband ist ein Versprechen, den See sauber zu halten."

Die Außerirdischen halfen. Der Papierfisch sog sanft kleine Splitter wie einen Staubsauger ein. Die Wolke stülpte sich über Ölreste und formte sie zu kleinen Kugeln, die sie sanft ferntrug. Pip sang, und Lichter zeigten, wo noch Hilfe nötig war. Es war wie ein großes, gemeinsames Aufräumen, aber mit Liedern.

"Verantwortung ist, zusammenzuhelfen," sagte Tom leise. "Auch wenn man klein ist."

"Auch wenn man anders ist," ergänzte Lina.

Kapitel 3

Mit jedem Armband, das sie fädelten, entstand ein neues Bündnis. Sie banden Armbänder an den Mast von Pips Schiff, an den Fuß einer kleinen Roboterin und an den Arm eines Wolkenpaars. Jedes Armband hatte eine Bedeutung: Schutz des Sees, Freundschaft, gemeinsame Geschichten.

Eines Abends, als die Sonne wie eine goldene Münze unterging, passierte etwas Unerwartetes. Ein leises Zittern lief über das Wasser. Pips Schiff schwankte, obwohl es sonst still lag. Die Lichter auf Pip flackerten aufgeregt.

"Was ist los?" fragte Lina.

Pip sang schnellere Töne. Tom spürte, dass etwas mit dem Schiff nicht stimmte. Er kletterte vorsichtig auf einen flachen Felsen und blickte in den Bauch des Schiffes, das nun wie eine Muschel halb geöffnet war. Ein Teil des Innenraums, ein großer, runder Kissenpolster, begann langsam die Luft zu verlieren. Es sah aus wie ein weicher Hügel, der müde wurde.

"Das Kissen ist wichtig," sagte Pip mit zittriger Stimme. "Es hält uns warm. Es hält das Gleichgewicht."

Tom erinnerte sich an das Armband am Mast. "Wir haben Versprechen gemacht. Wir müssen helfen."

Sie banden sich Seile um die Hüfte, nahmen Werkzeuge, die Pip ihnen gab, und arbeiteten zusammen. Die Aufgaben waren klein, aber viele. Lina hielt die Nähmaschine, Pip reichte leuchtende Fäden, die roboterhaften Helfer stabilisierten das Schiff. Tom nähte vorsichtig ein Loch, das wie ein Flüstern in dem Kissen aussah.

"Nicht zu fest," sagte Pip. "Sei sanft."

Tom atmete tief. Die Nadel ging durch den Stoff, die Naht wurde stärker. Lina plauderte die ganze Zeit, um alle ruhig zu halten. "Wir haben schon viel geschafft. Erinnerst du dich an den Steinarmbandfaden, Tom?" Sie kicherte, und Pip machte ein Lichtmuster, das wie Gelächter aussah.

Stück für Stück hielten ihre Versprechen. Das Kissen füllte sich langsam wieder mit warmem, sanftem Licht. Die Lichter auf Pips Haut begannen wieder zu singen. Das Schiff stabilisierte sich auf dem spiegelglatten Wasser.

"Wir haben es geschafft," flüsterte Tom.

Pip berührte das neue Armband, das Tom gerade aus Restfäden gemacht hatte. Ein kleines Funkeln sprang vom Armband in das Schiff, als ob die Versprechen im Stoff weiterlebten.

Kapitel 4

Am nächsten Morgen war alles ruhig. Die Außerirdischen bereiteten sich auf die Abreise vor. Pip neigte den Kopf und sang etwas, das wie Dank klang. Lina gab jedem Besucher ein Armband. Tom gab Pip das blaue-grüne Armband vom ersten Tag.

"Dieses Versprechen bleibt," sagte Tom.

Pip leuchtete hell. Dann geschah etwas Überraschendes: Das große Kissenpolster in Pip's Schiff atmete noch einmal tief ein und... es begann, langsam, ganz langsam, sich zusammenzuziehen. Tom und Lina erschraken.

"Was ist das?" fragte Lina.

Pip's Lichter schimmerten beruhigend. Es machte eine Geste, die aussah, als würde es sagen: "Es ist in Ordnung." Langsam, als läge es in einem tiefen Schlaf, schloss sich das Kissen wie ein Buch. Dabei verlor es die letzte Luft, bis es flach und weich wurde — wie ein zusammengedrückter Hügel. Es fiel nicht mit einem Knall, sondern sank sanft in sich zusammen, wie ein Kissen, das den Tag über müde geworden ist.

Die Außerirdischen lachten leise. "Bei uns," sang Pip, "verwandelt sich das Kissen in Ruhe. Es bedeutet, dass wir weitermachen müssen, mit wenig, und achten, dass nichts zerbricht."

Lina streichelte das jetzt flache Kissen, das warm und weich war. "Es sieht aus wie ein kleines Bett," sagte sie.

Tom dachte an das Wort Verantwortung. Sie hatten geholfen, hatten Versprechen gehalten, und nun war das Kissen nicht mehr voll, aber noch wichtig. "Manchmal," sagte er, "ist das, was bleibt, nicht das Große, sondern das, was man gelernt hat."

Pip legte das flache Kissen an den Rand seines Schiffes. Die Außerirdischen winkten, ihre Lichter blinkten wie kleine Glühwürmchen. Dann schwebten sie langsam empor, leise wie ein Windhauch, und verschwanden in die ersten Sterne.

Kapitel 5

Der See war wieder nur der See, glasklar und still. Tom und Lina saßen auf dem Ufer, hielten die Freundschaftsarmbänder in den Händen. "Denkst du, sie werden uns vergessen?" fragte Lina.

Tom schüttelte den Kopf. "Pip hat uns Lieder und Versprechen geschickt. Wir sind verantwortlich. Wir müssen den See beschützen."

Lina zog ihr Armband fest um das Handgelenk. "Und wir werden es tun."

An diesem Abend erzählten sie den Eltern von den Außerirdischen, von Pip und dem Kissen. Die Eltern lächelten, manche Augen wurden groß, aber alle waren stolz. "Verantwortung bedeutet oft, etwas zu tun, auch wenn niemand zusieht", sagte Toms Vater und klopfte ihm auf die Schulter.

Die Kinder schliefen mit ihren Armbändern um die Handgelenke ein. In ihren Träumen sahen sie Pip, wie es über den See flog, Lichter wie kleine Fische hinter sich herziehend. Der See blieb sauberer, weil Lina und Tom nun jeden Nachmittag aufräumten und andere Kinder einluden mitzumachen. Die außerirdischen Freunde schenkten ihnen ab und zu leise Melodien im Wind, als Erinnerung.

Ein paar Wochen später kam ein Brief in einer Hülle, die wie ein Blatt aussah. Darin war ein winziger Stein, der im Dunkeln leuchtete, und eine Nachricht in Bildern: ein Stern, ein Herz, ein Kissen, das ruht. Tom und Lina lächelten. Sie verstanden: Freundschaft war Arbeit, und Verantwortung war Liebe in Aktion.

Als sie eines Abends wieder am Ufer saßen, legte Tom seine Hand auf das flache Kissen, das Pip zurückgelassen hatte. Es fühlte sich warm und müde an. Lina stupste das Kissen mit dem Fuß an, und es gab ein leises Quietschen, als hätte es ein kleines Geheimnis.

"Erinnere dich," sagte Tom, "an das Versprechen."

Lina nickte. "Wir halten es."

Das Kissen blieb flach und leise, als hätte es seine Aufgabe erfüllt. Es war nicht traurig, sondern zufrieden. Es war ein Zeichen dafür, dass Dinge manchmal anders werden — und dass man trotzdem weiter aufpasst. Tom legte sich neben das Kissen, Lina kuschelte sich an ihn. Sie waren acht Jahre alt, schmal und laut, leise und mutig. Die Sterne funkelten, und das letzte Licht des Tages schmolz in ein warmes Dunkel.

Als sie einschliefen, glitt das Kissen noch ein kleines Stück zusammen, wie ein Atemzug, der langsam endete. Es war ein sanftes Ende eines Abenteuers. Morgen würden sie wieder Armbänder flechten, Lieder lernen und Versprechen halten. Das Kissen aber blieb, flach und warm, ein leises Andenken daran, wie Verantwortung und Freundschaft zusammengehen — weich wie Stoff und stark wie ein Schwur.

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Das Quiz: Hast du die Geschichte gut verstanden?

Perlen fädelte
Perlen auf einen Faden schieben, damit daraus eine Kette oder ein Armband wird.
Glatten Seeufer
Das Ufer des Sees ist sehr eben und glatt wie ein Spiegel.
Lichtdurchlässigen Vorhang
Ein Vorhang, durch den Licht hindurchscheint, so dass man Silhouetten sieht.
Melodisches Geräusch
Ein angenehmer Ton oder Laut, der wie eine kleine Melodie klingt.
Gestalt
Eine Figur oder ein Körper, den man sehen kann, aber nicht genau kennt.
Verantwortung
Auf etwas achten und dafür sorgen, dass es gut bleibt oder nicht kaputtgeht.
Außerirdischen
Wesen, die nicht von der Erde kommen, sondern von anderen Welten.
Kissenpolster
Ein großes, weiches Kissen, das innen Luft oder Füllung hat.
Stabilisierten
Etwas sicher und fest machen, damit es nicht wackelt oder umkippt.
Zusammenzuziehen
Sich kleiner oder enger machen, zum Beispiel wenn etwas Luft verliert.

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