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Geschichte ĂŒber eine Kinderangst 9/10 Jahre Lesen 17 min. VerfĂŒgbar als Hörgeschichte (2)

Mut im Dunkeln

Jonas hat Angst vor der Dunkelheit und dem Rascheln im Zimmer, doch mit Hilfe seiner Mutter und seinem Freund Emil lernt er, wie er mit seiner Angst umgehen kann und entwickelt Mut, um an einer Nachtwanderung teilzunehmen. Durch verschiedene AtemĂŒbungen und kleine Tricks findet er Wege, sich in der Dunkelheit sicherer zu fĂŒhlen.

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Ein 10-jĂ€hriger Junge mit zerzausten braunen Haaren schaut mit runden, besorgten Augen um sich, ein leichter Schmollmund auf seinem Gesicht. Er trĂ€gt einen blauen Kapuzenpullover und Jeans und hĂ€lt eine kleine Taschenlampe, die schĂŒchtern den Boden vor ihm beleuchtet. Neben ihm steht ein 10-jĂ€hriges MĂ€dchen mit langen, geflochtenen braunen Haaren, das ermutigend lĂ€chelt und ihre eigene Taschenlampe hĂ€lt, bereit zu helfen. Ihre Umgebung ist ein dunkler Waldweg, gesĂ€umt von dicken BaumstĂ€mmen, deren BlĂ€tter sanft im Wind rascheln und eine geheimnisvolle AtmosphĂ€re schaffen. Das Mondlicht filtert durch die Äste und wirft tanzende Schatten auf den Boden. Die Hauptsituation zeigt den Jungen, der zögert, weiterzugehen, sein Herz klopft heftig, wĂ€hrend das MĂ€dchen ihn ermutigt, einen Schritt nach vorne zu machen, was das Thema von Angst und Mut im Angesicht des Unbekannten verdeutlicht. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

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Dauer der Hörgeschichte: 18:39

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Ein Rascheln im Dunkeln

Jonas lag im Bett und starrte an die Decke. Er war zehn Jahre alt, und normalerweise mochte er Abende: Vorlesen, ZĂ€hneputzen, das leise Gluckern der Heizung. Doch heute hörte er ein Rascheln. Es kam von irgendwo zwischen Schrank und Fenster. Vielleicht auch von draußen. Jonas zog die Decke bis zur Nase. Seine Nachttischlampe leuchtete warm, aber die Ecken im Zimmer blieben dunkel.

„Mama?“, rief er leise. „Hörst du das auch?“

Seine Mutter steckte den Kopf zur TĂŒr herein. „Ich höre die BlĂ€tter draußen am Baum“, sagte sie und lĂ€chelte. „Der Wind spielt damit. Willst du, dass ich die Gardine noch ein StĂŒck zuziehe?“

„Vielleicht“, murmelte Jonas. „Und die TĂŒr ein bisschen offen lassen?“

„Klar.“ Sie schob die Gardine zurecht. „Übrigens: Frau Kramer hat heute einen Zettel ausgeteilt. NĂ€chste Woche ist die Nachtwanderung mit der Klasse. Du wolltest doch unbedingt mit.“

Jonas fĂŒhlte, wie sein Bauch kurz flau wurde. Nachtwanderung. Draußen. Im Dunkeln. Er hatte sich lange darauf gefreut. Aber plötzlich dachte er an das Rascheln, an Schatten, an GerĂ€usche, die man nicht gleich erkennt.

„Ich will schon“, sagte er. „Aber was, wenn ich Angst bekomme? Am liebsten hĂ€tte ich eine Taschenlampe, die nie leer wird. Und Ohren, die nur nette GerĂ€usche hören.“

Seine Mutter setzte sich zu ihm aufs Bett. „Angst ist nicht doof, Jonas. Sie will dich schĂŒtzen. Aber du kannst lernen, sie zu verstehen. Du brauchst nur ein paar Tricks. Wie bei den Hausaufgaben: Schritt fĂŒr Schritt.“

Jonas nickte. Das Rascheln war wieder da, leiser diesmal. Er hielt kurz den Atem an und lauschte. Vielleicht war es nur der Baum. Oder die Gardine, die ganz leicht an die Heizung strich. Es half ein kleines bisschen, das so zu denken.

„‚Nachtwanderung‘ klingt trotzdem groß“, sagte er.

„Dann machen wir sie in kleinen StĂŒcken“, sagte seine Mutter. „Morgen reden wir mit Papa und ĂŒberlegen uns einen Plan. Und jetzt: drei ruhige AtemzĂŒge. Dann zĂ€hle die Dinge, die du im Zimmer siehst. Das beruhigt.“

Jonas atmete ein, vier Takte, und aus, vier Takte. „Lampe. Teddy. Poster. Stuhl.“ Es fiel ihm leichter, bei den Dingen zu bleiben, als bei dem Rascheln. Seine Schultern wurden warm und schwer. Als er die Augen schloss, hörte er wieder das Gluckern der Heizung.

„Gute Nacht, Jonas“, flĂŒsterte seine Mutter.

„Gute Nacht“, flĂŒsterte er zurĂŒck und fragte sich, ob Mut vielleicht so anfĂ€ngt: mit kleinen Listen und AtemzĂŒgen.

Als das Licht ausging

Der nĂ€chste Abend brachte das, was Jonas sich nicht gewĂŒnscht hatte: einen Stromausfall. Es passierte mitten im Abendbrot. Das Licht knipste aus, der KĂŒhlschrank summte nicht mehr, und draußen wurde der Himmel plötzlich ganz schwarz, als hĂ€tte jemand ein Tuch darĂŒber gelegt.

„Oh!“, rief Jonas, und sein Herz hĂŒpfte einmal hoch. „Es ist dunkel!“

„Bleib sitzen“, sagte Papa ruhig. „Ich hole die Taschenlampe.“ Sein Vater tastete unter der SpĂŒle und fand das kleine, blaue Licht. Es sprang an, als wĂ€re es froh, gebraucht zu werden.

„Was fĂŒr ein Zufall“, sagte Mama, „gestern haben wir doch von Dunkelheit gesprochen.“

Jonas lachte unsicher. „Sehr witzig.“

Papa setzte die Taschenlampe so, dass sie die KĂŒche weich beleuchtete. Auf einmal war alles anders. Die Tassen warfen große Schatten, und die Obstschale sah aus wie ein HĂŒgel auf dem Mars.

„Mein Bauch fĂŒhlt sich an, als ob ich eine Achterbahn hinunterfalle“, gab Jonas zu.

„Das ist normal“, sagte Papa. „Wollen wir die Vierer-Atmung machen? Einatmen auf vier, kurz halten auf zwei, ausatmen auf vier. Ich zĂ€hle mit, du atmest.“

„Okay“, sagte Jonas, legte sich eine Hand auf den Bauch und fĂŒhlte, wie sie sich hob und senkte. Papa zĂ€hlte leise. Nach drei Runden fĂŒhlte sich sein Bauch weniger wie Achterbahn an und mehr wie ein Boot auf ruhigem Wasser.

„Was ist dieses Rascheln?“ Jonas zeigte zum Fenster.

„Komm“, sagte Papa. „Wir machen eine GerĂ€uschdetektiv-Runde.“ Sie gingen zur Fensterbank. Draußen wehte der Wind durch die BlĂ€tter des großen Ahorns. Die Gardine tanzte ein bisschen. „Das ist das Rascheln“, sagte Papa. „Und das da?“ Er tippte an die Heizung. Ein leises Knacken antwortete. „Die Heizung dehnt sich aus, wenn sie warm ist. Nichts GefĂ€hrliches. Nur Physik. Und hörst du das Summen?“

„Nee.“

„Das ist weg, weil der Strom gerade aus ist. Sonst summt der KĂŒhlschrank. Manchmal sind es die gewohnten GerĂ€usche, die uns fehlen, und dadurch klingt die Welt fremder.“

Jonas nickte. Sie leuchteten unter sein Bett. Nur Staubflusen und ein verirrtes Auto. „Keine Monster“, grinste Papa. „Die mögen den Staub nicht.“

„Papa!“, sagte Jonas, musste aber lachen.

„Wir planen unsere Nacht-Box“, sagte Papa. „Eine kleine Kiste mit Sachen, die dir helfen. Taschenlampe, Notizblock, Stift, eine Karte mit einem Mut-Satz. Vielleicht dein Lieblingsstein aus dem Urlaub.“

„Und Kaugummis?“, fragte Jonas.

„Wenn's hilft, warum nicht? Aber nicht vor dem Schlafen, sagt Mama“, rief Mama lachend aus der KĂŒche.

Sie packten die Kiste zusammen. Jonas schrieb auf eine Karte: „Ich kenne meine GerĂ€usche. Ich bin sicher.“ Daneben malte er einen Baum und eine Heizung. Er suchte den glatten, grĂŒnen Stein aus dem letzten Sommer am See und legte ihn dazu.

Als spĂ€ter der Strom wieder anging, zuckte Jonas kurz zusammen. Die gewohnten GerĂ€usche kehrten zurĂŒck. „Komisch“, sagte er. „Jetzt höre ich den KĂŒhlschrank und finde es gut.“

„So ist das“, sagte Papa. „Manchmal hilft es, Dinge zu benennen. Dann werden sie kleiner.“

Jonas stellte die Nacht-Box neben sein Bett. Er fĂŒhlte sich, als hĂ€tte er Werkzeug bekommen. Kein Zauber, aber etwas, das man anfassen konnte.

Der Mut-Plan

Am Nachmittag saß Jonas am KĂŒchentisch mit seinem Freund Emil. Sie tranken Kakao, und der Löffel klirrte gegen die Tasse. „NĂ€chste Woche Nachtwanderung“, sagte Emil. „Ich freu mich. Aber auch
 du weißt schon.“

„Angst?“, fragte Jonas.

„Ja“, sagte Emil und starrte auf seine Finger. „Vor allem vor dem Moment, wenn die Taschenlampen aus sind und alle kurz still sind.“

„Ich habe einen Plan“, sagte Jonas stolz und zog den Notizblock aus seiner Nacht-Box. „Vierer-Atmung. Und eine Liste: fĂŒnf Dinge, die ich sehe, vier, die ich spĂŒre, drei, die ich höre, zwei, die ich rieche, eins, das ich schmecke. Das hilft meinem Kopf. Den Trick hat Mama mir gezeigt.“

Emil grinste. „Ich mag Kakao. Dann nehme ich als eins ‚Kakao‘.“

„Perfekt“, sagte Jonas. „Außerdem ĂŒbe ich. Jeden Abend mache ich das Licht im Flur fĂŒr eine Minute aus. Dann zwei. Dann drei. Ich nenne das meine Dunkel-Mut-Übung.“

„Alleine?“, fragte Emil.

„Mit Mama am Anfang. Gestern habe ich es 90 Sekunden allein geschafft“, antwortete Jonas. „Und wenn es kribbelt, stelle ich die FĂŒĂŸe fest auf den Boden und spĂŒre, wie warm der Teppich ist.“

Am Abend stellte Jonas einen Wecker auf seinem Schreibtisch. „Eine Minute“, sagte er zu sich. „Nur eine Minute.“ Mama saß im Wohnzimmer und las, die TĂŒr blieb offen.

Jonas ging in den Flur. Er drĂŒckte den Lichtschalter. Dunkel. Sein Herz schlug schneller. Er stellte die FĂŒĂŸe fest auf die Fliesen. Kalt. Er legte eine Hand auf seinen Bauch. Einatmen, vier. Halten, zwei. Ausatmen, vier. „Ich kenne meine GerĂ€usche“, flĂŒsterte er. „Ich bin sicher.“

Es knackte in der Heizung. Wie gestern. Er roch Seife vom Badezimmer. Im Wohnzimmer blĂ€tterte Mama eine Seite um. „Noch zwanzig Sekunden“, rief sie. Jonas lĂ€chelte. Er konnte die Sekunden fĂŒhlen, nicht zĂ€hlen. Als der Wecker leise vibrierte, machte er das Licht an. Seine Schultern sanken. „Geschafft!“, rief er.

„Geschafft!“, rief Mama zurĂŒck. Sie hielt zwei kleine Steine aus dem Garten in der Hand. „Wenn du willst, kannst du jeden Abend einen Mut-Stein in ein Glas legen. Dann siehst du, wie viel du geschafft hast.“

Jonas stellte ein altes Marmeladenglas auf sein Regal. Der erste Stein klackerte hinein. Er schrieb mit Filzstift „Mut“ darauf. Am nĂ€chsten Tag wurden es zwei Steine, dann drei. Nicht jeder Abend war leicht. Einmal hat der Wind so laut am Fenster geblasen, dass Jonas nach zwanzig Sekunden wieder das Licht anmachte. Er legte an dem Tag trotzdem einen Stein ins Glas. „Mut ist auch, es zu versuchen“, sagte Mama.

„Und Hilfe zu holen“, ergĂ€nzte Jonas. Er schrieb eine neue Karte fĂŒr seine Nacht-Box: „Hilfe holen ist schlau.“

Die Nachtwanderung

Am Freitagabend traf sich die Klasse auf dem Schulhof. Alle trugen Jacken, MĂŒtzen und kleine Taschenlampen. Frau Kramer lĂ€chelte in die Runde. „Heute gehen wir zum See und wieder zurĂŒck. Wir bleiben zusammen, wir reden leise, und wir achten aufeinander.“

Jonas spĂŒrte das Kribbeln im Bauch. Er drĂŒckte seinen grĂŒnen Stein in der Jackentasche. Emil stupste ihn an. „Dein Plan?“

„Mein Plan“, nickte Jonas. „Atmen, sehen, spĂŒren, hören, riechen, schmecken. Und fragen, wenn ich was wissen will.“

Sie gingen los. Die Straße wurde zu einem Feldweg, der Feldweg zum Waldweg. Über ihnen rauschten die BĂ€ume, und der Himmel zeigte nur noch ein paar Sterne. Jemand lachte leise, jemand anderes rĂ€usperte sich. Ihre Taschenlampen zeichneten kleine Kreise auf den Boden.

„Wir machen die Lampen einmal aus, nur fĂŒr zehn Sekunden“, sagte Frau Kramer nach einer Weile. „Achtet auf eure FĂŒĂŸe. Und denkt daran: Dunkelheit ist nur Licht, das gerade woanders ist.“

Jonas atmete tief ein. „Vier
 zwei
 vier“, murmelte er. Er spĂŒrte den feuchten Boden durch die Schuhe. Er hörte seine eigenen Schritte und die der anderen. Ein Vogel rief einmal, als wĂ€re er mĂŒde. Es war dunkel, aber nicht leer. Es war voll von Dingen, die er langsam verstand.

„Eins
 zwei
 drei
 zehn“, zĂ€hlte Frau Kramer. „Lampen wieder an.“

„Ich habe den Wald gerochen“, flĂŒsterte Emil. „Nach Erde und BlĂ€ttern.“

„Ich auch“, sagte Jonas. Sein Mut-Glas war nicht hier, aber irgendwas in seinem Bauch fĂŒhlte sich an wie ein neuer Stein.

Am See blieben sie stehen. Das Wasser war schwarz, und kleine Wellen machten silberne Linien, wenn das Mondlicht sie traf. „Schön“, sagte jemand hinter Jonas. Ein anderes Kind, Mia, hielt die Taschenlampe ganz fest. „Mir ist mulmig“, gab sie zu.

„Mir auch, manchmal“, sagte Jonas. „Ich mache dann so.“ Er zeigte ihr die Atmung. Sie machten es zusammen. Mia lĂ€chelte. „Danke“, sagte sie. „Das hilft.“

Auf dem RĂŒckweg passierte das, was Jonas gefĂŒrchtet hatte: Seine Taschenlampe flackerte und ging aus. Ein kurzer Stich in seinem Bauch. Er spĂŒrte, wie die Angst ihm zurief: „Achtung!“ Er legte eine Hand in die Tasche auf seinen Stein. „Ich kenne meine GerĂ€usche“, flĂŒsterte er. „Ich bin sicher.“ Neben ihm ging Emil. „Meine Lampe ist stark“, sagte Emil. „Wir teilen das Licht.“

„Danke“, sagte Jonas. Er hob den Kopf. Der Himmel war weit, und die Sterne waren da, auch ohne Taschenlampe. Und er war nicht allein.

Als sie wieder am Schulhof ankamen, war es spĂ€ter, als die Uhr ĂŒblich war. Jonas fĂŒhlte sich mĂŒde und wach zugleich. Frau Kramer klatschte in die HĂ€nde. „Gut gemacht, ihr Nacht-Forscher. Was habt ihr gelernt?“

„Dass Dunkelheit nicht böse ist, nur anders“, sagte Mia.

„Dass man teilen kann: Licht und Mut“, sagte Emil.

„Dass ich atmen kann, auch wenn es schwer ist“, sagte Jonas. Seine Stimme war ruhig. Er glaubte seinen eigenen Worten.

Ein Licht in mir

Zu Hause stellte Jonas seine Schuhe ordentlich neben die TĂŒr. Mama und Papa hörten ihm zu, als er von der Nacht erzĂ€hlte. „Und als meine Lampe kaputtging, war ich nicht kaputt“, sagte er und grinste. „Ich war einfach da. Mit Emil. Und meinem Stein.“

„Du klingst stolz“, sagte Mama.

„Bin ich auch“, sagte Jonas. „Aber ein bisschen Angst habe ich immer noch.“

„Das bleibt manchmal ein bisschen“, sagte Papa. „So wie ein kleiner Hund, der neben dir lĂ€uft. Du kannst ihm sagen, wohin er gehen soll.“

„Ich nenne ihn ‚Nervi‘“, sagte Jonas und lachte. „Nervi darf mitkommen, aber nicht bestimmen.“

Am Abend machte Jonas seine Dunkel-Mut-Übung. „Heute drei Minuten“, sagte er. Er stellte den Wecker. Das Licht ging aus. Der Flur war dunkel, aber er war nicht fremd. Jonas spĂŒrte den Teppich, hörte das leise Rauschen draußen. Er stellte sich vor, wie die Straße vor dem Haus aussah, die BĂ€ume, die Laterne an der Ecke. Er war da, im Dunkeln, und der Dunkel war da, aber sie taten einander nichts.

Die drei Minuten vergingen. Er machte das Licht wieder an. Sein Mut-Glas bekam einen neuen Stein. Er hielt das Glas an das Fenster. Im Glas glitzerte es, als wÀren es kleine Sterne.

SpĂ€ter, im Bett, kam das leise Rascheln wieder. Jonas hörte hin. „Ah“, sagte er zu sich. „Der Baum. Hallo, Baum.“ Er musste lĂ€cheln. Er legte die Hand auf den Bauch. Einatmen auf vier, halten auf zwei, ausatmen auf vier. Er zĂ€hlte die Dinge, die er sehen konnte: „Lampe. Teddy. Poster. Stuhl.“ Er fĂŒhlte die Decke auf seiner Haut und den weichen Bezug. Er hörte das Gluckern der Heizung. Er roch die Seife von seinem Kopfkissen. Er schmeckte noch ein klein bisschen Pfefferminze von der Zahnpasta.

„Ich kenne meine GerĂ€usche“, flĂŒsterte er. „Ich bin sicher. Und wenn ich Hilfe brauche, hole ich sie.“

Aus dem Flur kam ein leises „Gute Nacht“ von Mama. Jonas hob die Hand, als wĂŒrde er zurĂŒckwinken. Er dachte an Emil und Mia, an Frau Kramer, an den See. An die Sterne. Er dachte daran, dass Mut nicht nur groß und laut ist. Manchmal ist er klein und leise und sitzt in einer Nacht-Box neben dem Bett oder in einer Jackentasche in Form eines grĂŒnen Steins.

Am nĂ€chsten Morgen schrieb er eine kleine Karte und klebte sie an sein Regal: „Mut wĂ€chst. Jeden Tag ein bisschen.“ Er malte einen Baum darunter, dessen Wurzeln tief gingen.

Als er spĂ€ter mit Emil zur Schule ging, fragte Emil: „Hast du gut geschlafen?“

„Ja“, sagte Jonas. „Mit Nervi neben dem Bett. Er hat geschnarcht.“

Emil lachte laut. „Meiner auch.“

„Wollen wir heute nach der Schule noch mal ĂŒben?“, schlug Jonas vor. „Nur bis zur ersten Laterne und dann kurz ohne Taschenlampe? Wir bleiben zusammen.“

„Klar“, sagte Emil. Jonas merkte, wie leicht das „Klar“ klang. Nicht, weil die Angst verschwunden war, sondern weil er wusste, was er tun konnte, wenn sie kam.

Als sie die Schule erreichten, lag der Hof im hellen Morgenlicht. Trotzdem steckte Jonas die Hand in die Jackentasche und fĂŒhlte den glatten Stein. Er brauchte ihn jetzt nicht, aber es war schön, ihn da zu wissen. Ein Licht musste nicht immer von außen kommen. Manchmal lag es in einem selbst, ruhig und warm, wie ein kleiner Stern im Bauch. Und wenn es abends wieder raschelte, wusste Jonas: Er konnte es finden. Immer wieder. In drei AtemzĂŒgen. In vier Dingen, die er sah. Und in dem Mut, der jeden Tag ein kleines bisschen wuchs.

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Rascheln
Das GerĂ€usch, das entsteht, wenn etwas leicht ĂŒber etwas anderes bewegt wird, wie BlĂ€tter oder Papier.
Achterbahn
Eine große, schnelle FahrgeschĂ€fte, die sich in viele Richtungen bewegt und oft sehr aufregend ist.
KĂŒhlschrank
Ein GerĂ€t in der KĂŒche, das Lebensmittel kalt hĂ€lt, damit sie nicht verderben.
Heizung
Ein System, das RĂ€ume warm macht, besonders im Winter.
Mut
Die FĂ€higkeit, trotz Angst oder Schwierigkeiten etwas zu tun.
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