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Humorvolle Fantasy 9/10 Jahre Lesen 11 min.

Milo und die singende Zauberpotion aus Omas Kessel

Milo entdeckt, dass Omas alter Kessel kichert, und mischt aus Honig, Pfefferminze und einer geheimnisvollen Murmel eine Melodie-Potion, die die ganze Küche zum Musizieren bringt. Er versucht, die wilde, fröhliche Musik zu zähmen, bevor sie außer Kontrolle gerät.

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Ein 10-jähriger Junge, begeistert und konzentriert, mit zerzaustem braunem Haar, Mehlflecken auf der Nase und leuchtenden Augen, hält einen langen Kochlöffel wie einen Taktstock und dirigiert die Küche, eine kleine glänzende Murmele in der Hand; eine lächelnde, schelmische Großmutter (ca. 65) mit grauem Dutt und geblümter Schürze steht im Türrahmen und beobachtet amüsiert; die Murmele rollt und schimmert mit irisierendem Glanz auf dem Tisch, als würde sie vibrieren; ein großer, schwarzer, leicht eingedellter Kessel steht auf dem Herd, der Deckel zittert und Dampfwirbel formen kleine Noten; der breite Kühlschrank summt tief wie ein Kontrabass, ein Foto-Magnet rutscht, der Toaster gibt ein kleines „Ding“, beide leicht anthropomorph im Hintergrund; die Küche ist warm und etwas unordentlich mit patiniertem Holz, Gewürzgläsern, gemusterten Tassen und weichem gelbem Lampenlicht; die Szene zeigt den Jungen beim „Dirigieren“ eines musikalischen Tranks mit weiten Gesten, freudigem, entschlossenem Ausdruck, während Dampf und Küchenutensilien bunte Noten tanzen lassen. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Der Kessel, der kicherte

Milo war neun und hatte die besondere Gabe, in ganz normalen Dingen Geheimnisse zu hören. In der Brotdose klapperte manchmal ein „Pling“, als ob das Pausenbrot ein Glockenspiel wäre. Und wenn der Wasserhahn tropfte, klang es wie ein winziges Schlagzeug, das üben wollte.

An diesem Nachmittag saß Milo in der Küche, wo es nach Apfeltee und ein bisschen nach Abenteuer roch. Auf dem Herd stand Omas alter Kessel. Er war rund, schwarz und so verbeult, als hätte er schon mal gegen einen Drachen verloren – oder gegen eine sehr entschlossene Kartoffel.

Milo legte sein Ohr nah an den Kessel. Da war es wieder: ein leises Kichern. Nicht laut. Mehr so, als würde jemand hinter einer Wolke einen Witz erzählen.

„Du bist doch ein Kessel“, murmelte Milo. „Kessel kichern nicht.“

Der Kessel antwortete natürlich nicht. Kessel sind höflich und schweigen. Aber der Deckel wippte ein kleines bisschen, als würde er „Vielleicht doch“ sagen.

Milo hatte einen Plan. Einen großen, glitzernden Plan: Er wollte eine Melodie aus einer Potion machen. Nicht nur einen Zaubertrank, der nach Kräutern roch und „Bäh“ schmeckte, sondern eine Potion, die singt. Eine richtige Melodie, die man pfeifen konnte. Eine Melodie, die sogar dem Kühlschrank das Brummen beibringt, wie man im Takt bleibt.

Oma hatte mal gesagt: Magie ist wie Marmelade. Man merkt erst, dass sie da ist, wenn sie überall klebt.

Milo zog Omas Rezeptbuch aus der Schublade. Es war dick, schwer und hatte Eselsohren wie ein müder Hund. Auf der ersten Seite stand: „Wichtig: Nicht gleichzeitig rühren und niesen.“

Milo grinste. Das klang nach genau der Art von Magie, die er brauchte.

Kapitel 2: Zutaten mit eigenem Kopf

Im Rezeptbuch fand Milo eine Seite mit dem Titel „Alltagszauber für Fortgeschrittene (und Mutige)“. Darunter stand: „Potion für gute Laune, leicht sprudelnd.“ Milo ergänzte im Kopf: „…und mit Melodie.“

Er sammelte Zutaten, die nicht zu ernst aussahen: einen Löffel Honig, drei Pfefferminzblätter, eine Prise Zimt, ein bisschen Zitronenschale und – weil es in Omas Buch immer vorkam – „eine überraschende Kleinigkeit“.

Die überraschende Kleinigkeit fand ihn zuerst. Unter dem Tisch lag eine verlorene Murmel. Sie rollte Milo direkt vor die Zehen, als hätte sie einen Termin.

„Du willst auch mitmachen?“, fragte Milo.

Die Murmel glitzerte unschuldig. Milo beschloss, dass das ein Ja war. Er war schließlich kreativ und nicht der Chef von allem, höchstens der Chef von Ideen.

Als er den Honig in den Kessel tropfen ließ, machte es „Plopp“, als würde der Honig applaudieren. Die Pfefferminze raschelte wie Notenpapier. Der Zimt staubte in die Luft und kitzelte Milos Nase.

„Nicht niesen“, erinnerte er sich streng.

Er rührte. Ganz vorsichtig. Im Uhrzeigersinn, dann gegen den Uhrzeigersinn, weil das in Geschichten immer wichtig ist. Der Kessel brummte. Erst wie ein kleiner Bär. Dann wie ein Staubsauger, der versucht, leise zu sein.

Milo beugte sich vor. „Bitte sing“, flüsterte er.

Da begann der Kessel zu glucksen. Und das Glucksen klang verdächtig nach einer Tonleiter: gluck-gluck-GLUCK… als würde jemand auf Flaschen Musik machen, nur eben mit Suppe.

Milo lachte. „Okay, das ist schon mal ein Anfang.“

Dann rollte die Murmel, plitsch, in den Kessel.

Der Deckel klappte zu, als hätte er Angst vor der eigenen Überraschung.

Kapitel 3: Das Küchenorchester spielt verrückt

Der Kessel schüttelte sich. Nicht gefährlich, eher beleidigt, wie wenn man jemandem aus Versehen Salz in den Kakao tut.

„Alles gut“, sagte Milo schnell. „War keine Absicht. Also… ein bisschen schon.“

Der Deckel sprang auf. Ein winziger Dampfkringel stieg auf und formte kurz ein Fragezeichen. Dann ein Ausrufezeichen. Dann – Milo war sich sicher – eine kleine Trompete.

Plötzlich begann die Küche mitzuspielen. Der Kühlschrank brummte tiefer, als wäre er ein Kontrabass. Der Toaster machte „Ding“ in einer schiefen, aber mutigen Tonlage. Die Teelöffel klirrten im Glas wie begeisterte Triangeln.

Und aus dem Kessel kam eine Melodie. Erst krumm. Dann frech. Eine Melodie, die klang, als würde ein Kobold auf Rollschuhen versuchen, geradeaus zu fahren.

Milo klatschte einmal. Die Melodie klatschte zurück – nicht mit Händen, sondern mit Blubbern.

„Haha! Du kannst ja wirklich“, sagte Milo. „Du bist eine Potion-Melodie!“

In diesem Moment sprang die Murmel aus dem Kessel, völlig trocken, und hüpfte über den Tisch. Überall, wo sie aufkam, klang ein neuer Ton. Pling! Plong! Plung!

„Du bist die Note!“, rief Milo. „Du bist… der Murmel-Musikmeister!“

Die Murmel rollte besonders stolz. Und genau da passierte das Missverständnis: Der Kessel dachte offenbar, Milo wolle ein ganzes Konzert. Er legte los wie ein Orchester, das zu früh einsetzt.

Die Melodie wurde schneller. Die Löffel klirrten lauter. Der Kühlschrank brummte so kräftig, dass ein Magnet mit einem Urlaubsfoto langsam nach unten rutschte, als hätte er genug von dem Lärm und wolle in die Flucht.

Milo hob beide Hände. „Stopp! Pause! Wir brauchen eine Dirigentenregel!“

Der Kessel gluckste beleidigt weiter. Er war jetzt eindeutig in Stimmung.

Milo suchte verzweifelt nach etwas, das wie ein Dirigentenstab aussah. Er fand einen langen Holzlöffel. Perfekt. Er schwang ihn wie ein echter Maestro.

„Leise!“, zischte Milo.

Die Potion spielte leiser. Also ein bisschen. Der Toaster machte immer noch „Ding“, aber jetzt so, als wäre es ihm peinlich.

„Gut“, sagte Milo. „Wir machen das richtig. Ein Lied braucht einen Anfang, einen Mitte-Teil und ein Ende. Sonst klingt es wie Mathehausaufgaben.“

Die Murmel rollte zustimmend gegen den Salzstreuer. Der Salzstreuer wackelte und sah beleidigt aus. Salz ist empfindlich.

Kapitel 4: Milo komponiert den Zauber im Takt

Milo atmete tief durch. Er stellte sich vor, er säße auf einer Wolke mit einem Notenheft. Die Wolke hätte wahrscheinlich Regenflecken, aber das war egal. Wichtig war: Er musste die Potion-Melodie zähmen, ohne ihr den Spaß zu nehmen.

Er klopfte mit dem Holzlöffel dreimal auf den Tisch. „Eins, zwei, drei.“

Der Kühlschrank brummte passend. Der Kessel gluckste auf „eins“. Die Murmel hüpfte auf „zwei“. Der Toaster machte auf „drei“ ein sehr leises „ding“, wie eine höfliche Glocke.

„Okay“, flüsterte Milo. „Jetzt: Thema.“

Er rührte genau fünfmal. Bei jedem Rühren änderte sich der Klang, als würde die Potion Farben wechseln: von Pfefferminzgrün zu Honiggold zu Zimtorange. Milo konnte das fast sehen, und sicher hören.

Dann sagte Milo: „Refrain.“ Weil das Wort lustig klang und sehr wichtig wirkte.

Der Kessel nahm die Melodie und machte sie rund. Pling-plong-pling, pling-plong-pling. Die Löffel klirrten dazu, aber diesmal im Takt. Sogar der Magnet am Kühlschrank blieb hängen, als hätte er beschlossen, doch noch zuzuhören.

„Ja!“, sagte Milo. „Das ist es.“

Die Murmel machte einen kleinen Sprung und landete in Milos Hand. Sie vibrierte warm, als hätte sie gerade einen Witz gehört. Milo hielt sie nah ans Ohr. Ganz leise hörte er in ihr ein Echo der Melodie, wie ein Geheimnis, das man pfeifen konnte.

„Du bist das Instrument“, flüsterte er. „Und der Kessel ist die Bühne.“

Jetzt brauchte es ein Ende, sonst würde die Potion ewig weiterspielen und irgendwann auch noch die Gabeln zum Stepptanz überreden. Milo blätterte im Rezeptbuch. Ganz unten stand in krakeliger Omaschrift: „Zum Abschluss: etwas Ruhiges. Sonst wird der Zauber hibbelig.“

Milo nickte ernst. Dann nahm er einen Tropfen Apfeltee, nur einen, und ließ ihn in den Kessel fallen.

Der Klang änderte sich sofort. Die Melodie wurde weich. Wie eine Decke. Wie ein Lied, das man hört, wenn man zu müde ist, um noch Quatsch zu machen – aber nicht zu müde, um zu kichern.

Der Kessel seufzte zufrieden. Die Küche wurde still. Sogar der Toaster schwieg und tat so, als hätte er nie etwas gesagt.

Kapitel 5: Ein warmer Schlussakkord

Milo goss die Potion in eine Tasse. Sie sah ganz normal aus, nur ein bisschen schimmernd, als hätte jemand Sternenstaub mit Apfelsaft verwechselt. Als Milo daran roch, roch sie nach Pfefferminze, Honig und einem winzigen Abenteuer.

Er nahm einen Schluck. Die Melodie spielte nicht laut, sondern innen. In seinem Bauch, in seinen Ohren, sogar in seinen Zehen, die kurz so taten, als wollten sie tanzen. Es war ein fröhliches Lied, aber nicht wild. Eher wie ein guter Witz, den man unter Freunden erzählt.

„Ich hab's komponiert“, sagte Milo leise, damit die Magie nicht erschrickt. „Eine Melodie-Potion.“

Die Murmel lag auf dem Tisch und glitzerte zufrieden, als wäre sie jetzt offiziell Teil einer Band. Milo legte sie in seine Jackentasche. Man wusste ja nie, wann man eine Note braucht.

Oma kam später in die Küche, schaute den Kessel an und dann Milo. Milo versuchte, unschuldig zu gucken. Das klappte ungefähr so gut wie ein Fisch, der versucht, trocken zu wirken.

Oma schnupperte. „Hm“, sagte sie. „Hier riecht es nach Kreativität.“

Milo zuckte mit den Schultern. „Vielleicht ein bisschen.“

Oma zwinkerte. „Dann ist ja gut. Aber nächstes Mal: die Murmeln vorher zählen. Ich habe eine Vermutung, warum der Deckel so getan hat, als wäre er ein Hut im Sturm.“

Milo kicherte. „Abgemacht.“

Später lag Milo im Bett. Die Decke war warm, die Luft roch nach sauberem Kissen und einem Rest Apfeltee. In seinem Kopf summte die Potion-Melodie ganz leise weiter, wie ein freundlicher Nachtwächter.

„Gute Nacht“, murmelte Milo zu seiner Jackentasche, wo die Murmel schlief.

Dann machte Milo die Augen zu, und der letzte Ton der Melodie wurde zu einem weichen, gemütlichen Traum. Und weil Helden auch Pausen brauchen, schlief er warm und zufrieden ein.

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Verbeult
Wenn etwas Dellen oder Beulen hat, weil es irgendwo gegenprallte.
Kichern
Leise, fröhliche Lacher, oft wenn etwas ein kleines Geheimnis ist.
Potion
Ein besonderer Zaubertrank, den man kocht und der magisch wirkt.
Pfefferminzblätter
Grüne Blätter mit frischem Geruch, die oft nach Minze schmecken.
Zitronenschale
Das dünne äußere Stück einer Zitrone, es riecht stark und frisch.
Eselsohren
Umgangssprachlich für umgeknickte Seiten in einem Buch oder Heft.
Dirigentenstab
Ein Stab, den ein Leiter im Orchester benutzt, um den Takt zu zeigen.
Kontrabass
Ein sehr großes Streichinstrument, das tief und brummig klingt.
Krakeliger
Beschreibt eine unordentliche, wuselige Schrift oder Zeichnung.
Refrain
Der Teil eines Liedes, der mehrmals wiederholt und leicht zu singen ist.

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