Teil 1
Mila ist eine junge Frau. Sie ist Profi-Fußballerin. Heute fährt sie früh zum Stadion. Der Himmel ist hellblau. Mila summt leise.
In der Kabine riecht es nach frischer Seife. Mila hängt ihr Trikot auf. Dann setzt sie sich auf die Bank. Vor ihr liegen die Sachen: Schuhe, Socken, Schienbeinschoner.
„Guten Morgen, Team!“, sagt Mila. Ihre Freundin Noura winkt. „Guten Morgen, Mila.“
Der Trainer kommt dazu. Er lächelt. „Heute spielen wir ruhig und fair. Wir passen gut aufeinander auf.“
Mila nickt. „Ja. Und wir hören auf den Schiedsrichter.“
„Genau“, sagt Noura. „Der Schiedsrichter hilft, dass es für alle gut ist.“
Mila zieht erst die Socken an. Dann nimmt sie die Schienbeinschoner. Sie sind hart, aber leicht. Sie schützen das Schienbein. Mila streicht darüber. „Die sind wichtig“, sagt sie leise. „Damit es nicht weh tut.“
Sie steckt beide hinein. Links und rechts. Dann steht sie auf. Sie macht kleine Schritte. Eins, zwei. Alles sitzt gut.
Draußen auf dem Platz läuft Mila sich warm. Sie macht langsame Kreise mit den Armen. Sie hüpft. Sie atmet tief ein und aus. „Warm werden“, erklärt sie einer kleinen Balljungen-Gruppe am Rand. „Dann sind die Muskeln bereit.“
Ein Kind ruft: „Bist du wirklich Profi?“
Mila lächelt. „Ja. Das ist mein Beruf. Ich trainiere oft. Ich esse gut. Ich schlafe genug. Und ich übe Pässe und Schüsse.“
Der Ball rollt zu ihr. Mila stoppt ihn sanft mit dem Fuß. „Ganz weich“, sagt sie. „Der Ball mag weiche Füße.“
Die Kinder kichern. Mila passt den Ball zurück. „Danke!“, ruft sie.
Der Schiedsrichter kommt auf den Platz. Er trägt ein helles Trikot und hat eine Pfeife. Mila hebt die Hand. „Hallo!“, sagt sie freundlich.
Der Schiedsrichter nickt. „Hallo, Mila. Schön, dass ihr da seid.“
Mila flüstert zu Noura: „Wir sind immer freundlich zum Schiedsrichter.“
Noura nickt. „Auch wenn wir mal traurig sind.“
Der Trainer klatscht in die Hände. „Noch drei Minuten, dann geht's los.“ Mila spürt ein kleines Kribbeln im Bauch. Es ist wie ein winziger Schmetterling. Nicht schlimm. Nur spannend.
Teil 2
Das Spiel beginnt. Mila läuft. Mila passt. Mila hört ihre Schritte auf dem Gras: tap-tap, tap-tap. Das klingt wie Musik.
Die Gegnerinnen sind schnell. Aber Mila bleibt ruhig. Sie schaut. Sie denkt: „Ich spiele zusammen. Nicht allein.“
„Hier!“, ruft Noura. Mila spielt den Ball zu ihr. Noura schießt. Der Ball geht knapp vorbei.
„Guter Versuch!“, sagt Mila. „Weiter so.“
Plötzlich spürt Mila etwas Komisches am Bein. Es zwickt. Nicht doll, aber seltsam. Sie läuft noch zwei Schritte. Dann hält sie an.
„Noura“, sagt sie leise. „Mein Schienbeinschoner… der rutscht.“
Noura schaut schnell. „Oh, ja. Er sitzt schief.“
Mila schaut zum Schiedsrichter. Sie hebt die Hand. „Entschuldigung!“, ruft sie. „Darf ich kurz raus? Mein Schienbeinschoner ist verrutscht.“
Der Schiedsrichter pfeift kurz. Alles stoppt. Er kommt näher. „Natürlich. Sicherheit ist wichtig. Geh kurz an die Seite.“
„Danke“, sagt Mila. Ihre Stimme ist ruhig. Sie läuft zum Rand. Der Trainer steht da.
„Alles gut?“, fragt der Trainer.
„Ja“, sagt Mila. „Nur der Schienbeinschoner.“
Mila setzt sich auf eine niedrige Bank. Sie zieht die Socke ein Stück hoch. Da ist er: der Schienbeinschoner, schräg wie ein schiefer Hut.
„Aha“, sagt Mila. „Du willst dich verstecken.“
Noura hockt sich neben sie. „Ich helfe dir.“ Sie hält die Socke, damit Mila beide Hände frei hat.
Mila nimmt den Schienbeinschoner heraus. Sie schaut ihn an. „Du musst gerade sitzen“, sagt sie freundlich, als wäre er ein kleiner Freund.
Sie legt ihn wieder an die richtige Stelle. Ganz vorne am Schienbein. Dann zieht sie die Socke glatt darüber. Sie klopft vorsichtig. „Sitzt du fest?“
Noura nickt. „Jetzt sitzt er gut. Schön mittig.“
Mila atmet aus. „Danke.“
Der Trainer sagt: „Gute Entscheidung, sofort zu stoppen. Ein Profi passt auf den Körper auf.“
Mila lächelt. „Und ein Profi sagt dem Schiedsrichter Bescheid.“
Der Schiedsrichter steht schon bereit. Mila läuft zu ihm. „Es ist wieder gut“, sagt sie.
Er nickt. „Prima. Danke, dass du es gesagt hast. Dann spielen wir weiter.“
Mila läuft zurück aufs Feld. Ihre Beine fühlen sich wieder sicher an. Tap-tap, tap-tap. Musik im Gras.
Kurz danach gibt es einen Zweikampf. Mila und eine Gegnerin laufen zum Ball. Beide kommen gleichzeitig. Der Ball springt weg. Die Gegnerin stolpert ein bisschen.
Mila bleibt stehen. „Alles okay?“, fragt sie.
Die Gegnerin richtet sich auf. „Ja. Danke“, sagt sie.
Der Schiedsrichter pfeift. Er zeigt: Einwurf für die andere Mannschaft.
Mila nickt. „Okay“, sagt sie. Sie ist kurz enttäuscht. Aber sie atmet. „Der Schiedsrichter hat entschieden“, sagt sie zu sich. „Das ist fair.“
Noura flüstert: „Gute Haltung, Mila.“
Mila flüstert zurück: „Respekt ist wie ein Pass. Er geht hin und her.“
Noura lächelt. „Schöner Satz.“
Das Spiel läuft weiter. Mila passt wieder. Sie ruft: „Ich bin frei!“ Sie bekommt den Ball. Sie schaut. Sie sieht Noura. Mila spielt einen schönen Pass.
Noura schießt. Tor!
Alle jubeln. Mila klatscht in die Hände. „Super!“, ruft sie.
Die Gegnerinnen klatschen auch. „Gut gespielt“, sagt eine von ihnen.
Mila nickt. „Ihr auch.“
Teil 3
Bald pfeift der Schiedsrichter dreimal. Das Spiel ist zu Ende. Mila atmet tief. Sie ist müde, aber glücklich. Ihre Beine sind warm. Ihr Herz klopft ruhig.
Die Teams stellen sich in einer Reihe auf. Mila gibt jeder Gegnerin die Hand. „Danke“, sagt sie immer wieder. „Danke. Danke.“
Der Schiedsrichter kommt dazu. Mila geht zu ihm. „Danke fürs Leiten“, sagt sie.
Er lächelt. „Danke, dass ihr fair wart.“
In der Kabine sitzt Mila wieder auf der Bank. Sie zieht die Schuhe aus. Sie streckt die Zehen. „Ahhh“, macht sie leise.
Noura setzt sich neben sie. „Dein Schienbeinschoner hat heute viel erlebt.“
Mila kichert. „Ja. Aber wir haben ihn wieder richtig hingelegt.“
Der Trainer kommt vorbei. „Ihr habt zusammen gespielt. Ihr habt euch geholfen. Das ist Profi-Fußball.“
Mila nickt. „Und wir haben den Schiedsrichter respektiert.“
„Genau“, sagt der Trainer. „Respekt macht das Spiel schön. Für alle.“
Später zu Hause ist es ruhig. Mila duscht warm. Dann zieht sie einen weichen Schlafanzug an. Sie legt ihre Sachen ordentlich hin. Auch die Schienbeinschoner. Diesmal liegen sie gerade. Wie zwei kleine Wächter.
Mila kuschelt sich ins Bett. Sie denkt an das Gras. An den Ball. An das Tor. Und an den Moment am Rand, als Noura geholfen hat.
Mila flüstert: „Heute war gut. Ich war mutig. Ich war fair.“
Draußen ist es still. In Mila ist es still. Ihr Atem geht langsam. Ein, aus. Ein, aus.
Und bevor ihre Augen ganz zufallen, denkt sie noch: Morgen wieder. Mit Team. Mit Hilfe. Mit Respekt. Dann schläft Mila friedlich ein.