Mara war eine erwachsene Frau, und sie war Profi-Fußballerin. Heute Abend war es draußen schon dunkel. Drinnen war das Licht warm und weich. Mara setzte sich an den Tisch. Neben ihr lagen bunte Stifte. Und ein Stapel kleiner Dinger aus Stoff: Dossards.
„Das sind Trainings-Leibchen“, sagte Mara freundlich. „Man zieht sie über das Trikot. Dann sieht man schnell, wer zu welchem Team gehört.“
Sie nahm einen roten Stift und malte einen großen Kreis auf ein Dossard. Dann malte sie eine kleine Sonne dazu. „Rot wie Feuer, gelb wie Licht“, summte sie leise.
Auf dem Boden saß der kleine Kater Krümel. Er schnupperte. „Miau?“
„Nein, Krümel, das ist nicht zum Kauen“, lachte Mara. „Das ist zum Spielen.“
Mara dachte an ihren Beruf. „Weißt du, Krümel“, sagte sie, „als Profi spiele ich nicht nur Fußball. Ich trainiere jeden Tag. Ich wärme mich auf. Ich übe Pässe. Ich lerne, gut zu laufen. Und ich achte auf meinen Körper. Ich trinke Wasser und esse gutes Essen.“
Krümel blinzelte. „Mrr.“
„Und ganz wichtig“, sagte Mara und malte Streifen auf ein blaues Dossard, „wir spielen fair. Fair heißt: Wir sind freundlich. Wir schubsen nicht. Wir helfen auf. Wir sagen ‚Entschuldigung‘, wenn wir aus Versehen jemanden stoßen.“
Da klingelte Maras Handy. Eine Nachricht vom Team. Morgen war Training.
„Oh, morgen wird lustig“, sagte Mara. „Wir machen ein kleines Spiel. Team Rot gegen Team Blau.“ Sie hielt die Dossards hoch. „Siehst du? Rot und Blau. Rot und Blau. So einfach.“
Am nächsten Tag auf dem Platz war die Luft frisch. Der Rasen sah aus wie ein grüner Teppich. Mara gab die Dossards aus.
„Hier, bitte“, sagte sie zu Nina. „Team Rot.“
„Danke“, sagte Nina.
„Und du, Leo: Team Blau“, sagte Mara.
Leo zog das Leibchen an und grinste. „Ich bin ein Blau-Blitz!“
Mara lachte. „Dann bin ich ein Rot-Rakete.“
Das Spiel begann. Mara passte den Ball. „Zu dir!“ rief sie. Der Ball rollte, rollte, rollte. Alle liefen. Alle lachten.
Plötzlich stolperte Leo. Er fiel auf den Po. Sofort stoppte Mara. „Alles okay?“
„Ja“, sagte Leo, und Mara reichte ihm die Hand. Nina kam auch. „Komm, ich helfe dir.“
„Danke“, sagte Leo. „Das war fair.“
„Genau“, sagte Mara. „Fair-play. Wir spielen zusammen, auch wenn wir gegeneinander spielen.“
Als das Training zu Ende war, klatschten alle ab. „Gutes Spiel“, sagte Mara. „Ihr wart stark. Und nett.“
Am Abend war Mara müde. Angenehm müde. Sie legte die Dossards ordentlich hin. Krümel kuschelte sich neben sie.
„Morgen wieder“, flüsterte Mara. „Rot und Blau. Laufen und lachen.“
Sie schloss die Augen. In ihrem Traum war der Himmel weich wie Watte. Der Ball glitzerte ein bisschen. Mara nahm einen ruhigen Schritt, dann noch einen. Sie schoss. Der Ball flog sanft, wie ein Vogel. Und plopp, er rollte ins Tor.
Mara lächelte im Schlaf. Ein Traum-Tor. Ganz fair. Ganz warm. Ganz gut.