Kapitel 1: Lottas unglaublicher Fund
Lotta war zehn Jahre alt und hatte mehr Sommersprossen im Gesicht als ihre Katze Herr Zirbel Haare am Schwanz. Sie war schlau, neugierig und ein bisschen verrĂŒckt â aber das gefiel ihr. In ihrer kleinen Stadt langweilte sie sich selten, denn sie konnte aus fast allem ein Abenteuer machen.
Eines Samstagsmorgens, als die Sonne so hell schien, dass sogar die FrĂŒhstĂŒcksmarmelade glitzerte, saĂ Lotta in ihrem Zimmer und starrte sehnsĂŒchtig aus dem Fenster. Ihr bester Freund, Miro, war mit seinen Eltern im Urlaub. Ihr kleiner Bruder, Paul, wollte nur mit Bauklötzen spielen. Plötzlich rollte eine geheimnisvolle Flaschenpost gegen ihren FuĂ â mitten in ihrem eigenen Zimmer! Lotta stolperte, griff nach der Flasche und rĂŒttelte am Korken.
âWas ist das denn? Hat die Katze das hier reingeschleppt?â, kicherte sie und zuckte mit den Schultern. Vorsichtig zog sie den Korken heraus, und ein alter, zerknitterter Zettel fiel heraus. Darauf stand nur ein einziger Satz:
âWer das goldene Gummihuhn im Geheimzimmer des Lachens findet, bekommt einen Wunsch frei!â
Lotta riss die Augen auf. âEin goldenes Gummihuhn? Ein Wunsch? Und was, bitte schön, ist das Geheimzimmer des Lachens?â, murmelte sie und hĂŒpfte vor Aufregung durch ihr Zimmer.
Schon war klar: Sie, Lotta, wĂŒrde dieses Gummihuhn finden â koste es, was es wolle! Wer weiĂ, was fĂŒr einen Wunsch sie sich erfĂŒllen könnte? Vielleicht einen riesigen Eisbecher, den nie jemand aufessen kann? Oder dass sie nie wieder Brokkoli essen muss? Oder... die Möglichkeiten waren endlos.
Mit pochendem Herzen holte sie ihren Expedition-Rucksack, packte Taschenlampe, Notizbuch, eine Banane und ein bisschen Taschengeld ein. Dann schlich sie Richtung HaustĂŒr, aber Herr Zirbel, die Katze, saĂ ihr im Weg und maunzte: âMiau-wohin?â
âDu kommst mitâ, lachte Lotta. âWer weiĂ, ob man ohne dich das Geheimzimmer ĂŒberhaupt findet?â
Kapitel 2: Die erste Spur und ganz viel Kichern
DrauĂen blinzelte Lotta in die Sonne und ĂŒberlegte. âGeheimzimmer des Lachens... Wer lacht denn hier am lautesten?â Sie dachte an Frau Schnack, die immer im Park klares Lachen von sich gab, wenn sie ihre HĂŒndchen ausfĂŒhrte. Oder an den alten Herrn Pieper, der im Museum Kitzel-Geschichten erzĂ€hlte. Aber am meisten GelĂ€chter gab es doch immer im StadtcafĂ©, wenn die Torte zu Boden fiel!
Also marschierte Lotta samt Herr Zirbel zum StadtcafĂ©. Dort angekommen, setzte sie sich auf einen roten Hocker und bestellte Kakao. Neben ihr saĂ Opa Franz, der alte KapitĂ€n. Er grinste, als er Lotta sah. âNa, Lotta, schon wieder auf Schatzsuche?â, brummte er.
âDiesmal suche ich ein goldenes Gummihuhn im Geheimzimmer des Lachens!â, platzte Lotta heraus.
Opa Franz lachte so laut, dass sogar die Kaffeetassen klirrten. âGolden? Geheimzimmer? Da brauchst du bestimmt eine Quatschkarte! Die bekommst du nur, wenn du den Milchbart-Wettbewerb gewinnst.â
âEinen Milchbart-Wettbewerb? Wie geht das?â, fragte Lotta neugierig.
âNa, wer den lustigsten Milchbart malt, gewinnt!â, zwinkerte der Opa und schob ihr eine Tasse warme Milch rĂŒber.
Lotta ĂŒberlegte nicht lange. Sie tauchte ihren Finger in die Milch und malte sich einen riesigen Schnurrbart ins Gesicht. Herr Zirbel miaute zustimmend und sprang auf die Theke. Opa Franz prustete vor Lachen. âNa, das ist rekordverdĂ€chtig! Du hast gewonnen!â
Er ĂŒberreichte Lotta eine bunte Karte mit einem lachenden Huhn darauf.
âMit dieser Quatschkarte darfst du in die BĂŒcherei gehen â dort findest du den nĂ€chsten Hinweisâ, flĂŒsterte Opa Franz geheimnisvoll.
Mit einer Mischung aus Stolz â und einem klebrigen Milchbart â verlieĂ Lotta das CafĂ© und rannte zur BĂŒcherei.
Kapitel 3: RĂ€tsel und Rollerskates
In der BĂŒcherei war es so still, dass man eine Ameise husten hören konnte. Lotta grinste. So viele BĂŒcher, so viele Geheimnisse! Sie zeigte der Bibliothekarin ihre Quatschkarte. Die nickte und winkte sie zu einem Regal, das voller BĂŒcher ĂŒber HĂŒhner war. Mitten im Regal klemmte ein rĂ€tselhaftes, buntes Buch: âDas Handbuch fĂŒr professionelle Gummihuhn-Finderâ.
Lotta blÀtterte aufgeregt darin. Da fiel eine Karte heraus, auf der stand:
âWenn du rollend durchs Leben gehst,
und lachst, bis alles schief steht,
findest du am Bahnhof das nĂ€chste StĂŒck,
nur mit Rollerskates und einem verrĂŒckten Blick!â
Rollerskates! Lotta hatte ihre alten Skates zu Hause. Sie raste wie der Wind hin, schlĂŒpfte in ihre quietschenden Skates und rollte Richtung Bahnhof. Herr Zirbel hechtete hinterher und sprang zwischendurch auf Lottas Rucksack. Die Leute schauten ihnen verwundert hinterher.
Am Bahnhof angekommen, blickte Lotta sich um. Ăberall Menschen mit Koffern â aber kein Gummihuhn. Da entdeckte sie einen alten Mann mit einem riesigen, bunten Luftballon, auf dem ein lachendes Huhn war.
âDu suchst das goldene Gummihuhn?â, fragte der Mann geheimnisvoll und pustete Luft in den Ballon.
âJa!â, japste Lotta, die von den Skates schon ein bisschen aus der Puste war.
âDann musst du den Ballon so kitzeln, dass er lacht â aber ohne, dass er platzt!â
Lotta starrte den Ballon an. Herr Zirbel schnupperte skeptisch. Lotta schob vorsichtig ihre Finger ĂŒber den Ballon und machte dabei alberne GerĂ€usche: âKitzel-kitzel-kitzel! Huiiii!â
Der Ballon wackelte, der Mann lachte, der Ballon schien tatsĂ€chlich zu kichern und vibrierte kurz â dann ploppte er leise und etwas Glitzerndes schwebte heraus: eine weitere Karte!
âHah! Ich hab's!â, jubelte Lotta. Auf der Karte stand: âGehe zur alten Turnhalle und bringe etwas, das wirklich gackert!â
Kapitel 4: Das Gackerkonzert und das rÀtselhafte Geheimzimmer
Lotta steckte die Karte ein, schnappte sich Herr Zirbel, der noch immer verwundert auf den kaputten Ballon starrte, und dĂŒste zur alten Turnhalle. Dort angekommen, hörte sie schon von drauĂen seltsame GerĂ€usche: âGack-gack-gack!â
Drinnen traf sie auf eine Gruppe Kinder, die verkleidet wie HĂŒhner herumhĂŒpften. Am Eingang stand ein Schild: âGackerkonzert: Wer Huhn sein will, muss gackern!â
Lotta zögerte nicht lange. Sie bastelte aus einem gelben Malerkreppband schnell einen HĂŒhnerkamm, setzte ihn sich aufs Haar und begann, so laut sie konnte, zu gackern: âGack-gack-gack-gack-gaaaack!â
Herr Zirbel miaute laut mit, als wolle er ein Huhn imitieren. Die anderen Kinder lachten so sehr, dass einige auf dem Boden kullerten. Plötzlich kam ein verkleideter âChef-Hahnâ mit einer prĂ€chtigen Federboa auf sie zu und ĂŒberreichte Lotta eine kleine, klapprige Tröte.
âDas ist der SchlĂŒssel zum Geheimzimmer!â, rief der Chef-Hahn und zwinkerte verschwörerisch.
Lotta betrachtete die Tröte. âUnd wo ist das Geheimzimmer?â
âWenn du lachst und gleichzeitig trötest, zeigt es sich!â
Also schloss Lotta die Augen, dachte an Herrn Zirbel im HĂŒhnerkostĂŒm und lachte so laut, dass sogar die Tröte zu kichern begann. Da â plötzlich öffnete sich eine geheime TĂŒr in der Wand! Dahinter fĂŒhrte eine bunte Wendeltreppe nach unten.
Kapitel 5: Das Finale â Das RĂ€tsel um das goldene Gummihuhn
Lotta zögerte keinen Moment. Gemeinsam mit Herr Zirbel lief sie die quietschenden Stufen hinunter. Unten angekommen, stand sie in einem Raum voller Spiegel, Luftballons und â lauter GummihĂŒhner! Aber keins davon war golden.
An der Wand hing ein groĂes Plakat: âFinde das echte Lachen â nur dann zeigt sich das goldene Gummihuhn!â
Lotta ĂŒberlegte. Sie stand vor den Spiegeln, versuchte ernste Grimassen, alberne Verrenkungen und warf Herrn Zirbel in die Luft, der in einem riesigen Luftballon landete und prompt herausploppte. Alles war lustig â aber das Gummihuhn blieb verschwunden.
Da erinnerte sich Lotta an den witzigsten Moment ihres Lebens: Den Tag, an dem sie im Regen eine Rutschpartie hingelegt hatte und völlig verdreckt, aber glĂŒcklich, nach Hause gekommen war. Sie musste so herzlich lachen, dass sie fast Bauchweh bekam.
Genau in diesem Moment begann ein Spiegel zu glitzern, und in seinem Inneren blitzte etwas Goldenes â das goldene Gummihuhn! Es saĂ auf einem Thron aus Schaumstoff und grinste frech.
âJuhuuu, ich habâs gefunden!â, rief Lotta aus. Sie sprang vor Freude in die Luft.
Das Huhn wackelte freudig und quiekte: âGack-gack-danke-danke! Du hast das Geheimzimmer des Lachens gefunden, weil du das echte Lachen in dir trĂ€gst! Jetzt darfst du dir was wĂŒnschen!â
Lotta ĂŒberlegte. Sie hĂ€tte sich jede Menge wĂŒnschen können â ein Super-Roller, einen riesigen Lutscher, ein Einhorn... Aber sie grinste und sagte: âIch wĂŒnsche mir, dass alle Kinder in der Stadt heute besonders viel lachen!â
Das goldene Gummihuhn nickte zufrieden, tanzte einen kleinen HĂŒhner-Tango und verschwand mit einem Glitzern. Plötzlich hörte man in der ganzen Stadt ausgelassenes Lachen. Ăberall kicherten Leute, sogar die Erwachsenen kitzelten sich gegenseitig.
Lotta lachte mit, Herr Zirbel miaute fröhlich, und noch Jahre spĂ€ter erzĂ€hlten die Menschen von jenem Tag, an dem ein goldenes Gummihuhn das Lachen ĂŒber die ganze Stadt brachte.
Und wenn Lotta mal wieder einen trĂŒben Tag hatte, wusste sie genau: Mit einer Portion Fantasie und echtem Lachen ist kein Schatz der Welt zu fern â und kein Abenteuer zu verrĂŒckt.