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Geschichte der unmöglichen Herausforderung 9/10 Jahre Lesen 13 min.

Lina und die hüpfenden Knöpfe

Lina muss eine zeremonielle Plüschente durch ein lebendiges Kaufhaus voller rätselhafter, hüpfender Aufzüge und schlafender Treppenwächter bringen und löst die Aufgaben mit Einfallsreichtum und viel Humor.

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Ein zehnjähriges Mädchen mit rundem Gesicht, Sommersprossen und zerzausten, buntsträhnigen Haaren blickt entschlossen und fröhlich, hält vorsichtig ein kleines Entenplüschtier in einem mit zerknittertem Papier ausgelegten Karton, in dem eine Banane als Polster dient, und steht stolz und aufmerksam auf einer gepflasterten Dachterrasse mit grünem Eisen-Geländer und Topfpflanzen; das Plüschtier mit glänzenden schwarzen Knopfaugen und rosa Samtschleife schaut wie lächelnd zur Mädchen, Frau Schnurre, etwa 60, graue Haare zum Dutt, feine Brille und altrosaner Mantel, lächelt sanft und nimmt die Dose entgegen, ein alter anthropomorpher Aufzug mit metallischer Tür wie ein Mund, blinkenden Leuchtplatten und kleinen Lampenaugen steht schelmisch geöffnet im Hintergrund, die Stadt liegt in der Ferne, die Szene ist vom goldenen Licht des Sonnenuntergangs warm und leicht magisch. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Das Hallenhaus der hüpfenden Knöpfe

Lina war zehn, trug immer bunte Socken und hatte Haare, die aussahen, als hätten sie jeden Morgen einen Luftballon mit Sternen gefrühstückt. An diesem Mittwoch stand sie im großen Hallenhaus des alten Kaufhauses, das alle in der Stadt nur das Hallenhaus der hüpfenden Knöpfe nannten. Über ihm hing eine Glaskuppel, durch die die Sonne wie ein goldener Pfannkuchen schien. Vor ihr lagen sieben Aufzüge. Aber das waren keine gewöhnlichen Aufzüge: die Knöpfe lachten, die Anzeigen machten Grimassen, und ab und zu kam ein leiser Pups aus den Lüftungsschlitzen. „Spielst du mit?“, flüsterte Lina und klopfte dem nächsten Knopf auf die Nase. Der Knopf blinkte, als hätte er ein Geheimnis.

Lina hatte eine Mission. Frau Schnurre, die Leiterin des Museums im sechsten Stock, hatte ihr einen kniffligen Auftrag gegeben: eine kleine, antike Plüschente sollte von der Dachterrasse zum Museum gebracht werden. „Sie ist zeremoniell“, hatte Frau Schnurre gesagt, „wir dürfen sie nicht fallen lassen oder zu laut mit ihr spielen.“ Lina fand das wichtig genug, um ihre Montagssocken zu opfern. Aber dann erfuhr sie das eigentliche Problem: Der Dachaufzug war seit Wochen verrückt. Er hob nur geradewegs, fuhr schief, hielt an zufälligen Zeiten und mochte offenbar keine Enten.

„Ein unmöglicher Auftrag“, murmelte Frau Schnurre und faltete die Hände. Lina mochte Herausforderungen. Für sie war „unmöglich“ oft nur ein anderes Wort für „interessant“.

Sie stellte die Ente vorsichtig in ihre Umhängetasche. Die Ente sah sehr ernst aus, hatte Knopfaugen und ein winziges Samtschleifchen. Lina atmete tief ein, machte ein Gesicht wie ein angespannter Waschbär und trat vor den ersten Aufzug. Die Tür schloss sich mit einem höflichen Pfff. Der Aufzug nannte sich „Schnatterix“ und hielt ein Schild, auf dem stand: „Heut' nur Höhen, keine Streifen.“ Lina drückte den Knopf. Der Knopf hüpfte vor Überraschung und sagte: „Hoch? Oder doch tiefer? Versuch's!“ Lina stellte sich auf einen Fuß, dann auf den anderen, und dann auf den Kopf — sie war bereit für alles.

„Los geht's“, flüsterte die Ente. Lina war sich sicher, dass sie das gehört hatte.

Kapitel 2: Das erste Spiel – Schach mit dem Knopf

Der Aufzug schoss nicht einfach los. Er öffnete die Augen (im Prinzip waren das die Lichter) und blinzelte. „Bevor ich fahre, müssen wir spielen“, sagte er. „Ein kleines Spiel. Ich nenne es Knopf-Schach.“ Lina hatte noch nie Schach mit einem Knopf gespielt, aber das war auch das Schöne an diesem Tag: Regeln waren dehnbar wie Gummibänder.

„Was sind die Regeln?“, fragte Lina neugierig. Der Aufzug seufzte wie ein alter Keks. „Du drückst mich, wenn du denkst, ich soll fahren. Ich drücke einen Knopf, wenn ich dich testen will.“ Der Knopf auf dem Bedienfeld hüpfte jetzt in einer Reihe von kleinen Tänzen: links, rechts, oben, unten. Lina tat, was niemand erwartet hatte: Sie imitiere jeden Tanz mit ihren eigenen Fingern. Sie zeigte kleine Posen, verbeugte sich einmal theatralisch und machte dabei ein Gesicht, das aussah, als würde sie einen Wackelpudding hypnotisieren.

Der Aufzug lachte so sehr, dass die Türen ein bisschen schlackerten. Dann rief er: „Genau! Du bist mutig. Weiter so!“ und fuhr einen Stock hoch. Lina grinste. Die Ente applaudierte mit einem winzigen Flügel. „Ein Punkt für Lina!“, piepste sie stolz. So lernte Lina die erste Regel der hüpfenden Knöpfe: Manchmal reicht eine überraschende Geste mehr als ein Plan.

Doch kaum hatte der Aufzug gehalten, war da schon das nächste Problem: Ein Schild über der nächsten Tür warnte in geschwungener Schrift: „Achtung: Rätselaufzug. Wer nicht rät, bleibt stecken.“ Lina entschied, dass Rätsel ihr Beruf wäre, zumindest für heute.

Kapitel 3: Das Rätsel der rumpelnden Etagen

Der Rätselaufzug nannte sich „Murmelmampf“ und hatte eine Vorliebe für Reime. Als Lina eintrat, begann er sofort: „Viermal drei, dann minus zwei, sag mir, wie viele Sterne gerade fliegen, pfeif mir kein Lied, sonst fang ich an zu singen!“ Lina brummte nach, aber sie mochte lieber praktische Dinge. Also zog sie ihre Tasche auf, nahm die Ente heraus und hielt sie dem Aufzug vor die Nase. „Würde die Ente fliegen, wenn sie Puste hat?“, fragte sie mit ernster Miene.

Der Aufzug schnüffelte (so klang es), und plötzlich spielte er mit seinen Lichtern wie ein Dirigent mit einer Polka. „Herz, Trommel, Zwetschke – wie kommst du denn bloß darauf?“, fragte er, halb beleidigt, halb beeindruckt. Lina lächelte und schnappte sich einen kleinen Radiergummi aus ihrer Tasche — sie nannte ihn „Turbo-Radierer“ und hatte ihn immer dabei für den Fall der Fälle. „Manchmal sind Reime nur Zauberschlüssel“, erklärte Lina. „Man muss sie nicht lösen wie Mathe; man muss sie kitzeln, bis sie lachen.“ Lina rollte den Radiergummi auf das Bedienfeld. Der Radiergummi machte „paff“ und hinterließ genau dort ein dampfendes, winziges Schmollgesicht auf dem Knopf. „Kitzel“, sagte Lina, „Kitzel ist die Antwort.“

Der Aufzug prustete. Die Anzeigen machten kleine Freudentänze. Die Türen schlossen sich und fuhren — sehr zufrieden — zwei Etagen herunter. Lina hatte das Rätsel nicht wirklich gelöst, aber sie hatte es verzaubert. Die Ente schien zustimmend zu nicken.

Draußen auf dem Flur wartete ein Schild: „Fahrstuhl 5: Spezialaufgabe – Bringe drei Dinge in Ruhe über die Treppe.“ Lina runzelte die Stirn. Treppen übertreten? Das war ungewöhnlich für ein Haus, in dem Aufzüge lebten. Sie atmete tief und erdachte einen Plan.

Kapitel 4: Die Treppen-Türme und die Balancier-Bananen

Die Treppen waren wie kleine Berge, mit Stufen, die Wackelpudding-mäßig aussahen. Auf jeder Stufe saß ein winziger Kuscheltierwächter, der schnarchte, nieste oder meditierte. „Du darfst nicht rennen“, sagte ein Wächter, der aussah wie eine verschlafene Giraffe mit Wollschuhen. „Und kein Kichern!“ Ein anderer Wächter hatte eine Mandoline und schwebte halb im Schlaf. Lina sah an ihrer Tasche nach: Neben der Ente hatte sie zwei wichtige Dinge dabei — ein Stück Band und eine Banane, die sie als „Notfall-Schlurf“ bezeichnete.

„Warum eine Banane?“, flüsterte die Ente. Lina zwinkerte. „Für Balance!“ Sie band das Stück Band an die Ente, machte eine kleine Schleife, als sei die Ente ein Geschenk, und griff die Banane. Dann fing sie an, die Treppen zu überqueren, aber nicht normal. Sie hüpfte wie ein Frosch, balancierte die Banane auf dem Kopf und sang dabei ein Lied, das sie gerade erfand: „Bananenbalancierer, mutig und fein, eine Ente im Körbchen, wir wollen nicht weinen!“ Die Wächter öffneten träumend die Augen. Sie hatten noch nie jemanden gesehen, der versuchte, eine Ente mit einer Banane zu balancieren, und das war so ungewöhnlich, dass sie nicht anders konnten, als lächeln. Ein Wächter begann leise auf der Mandoline zu klimpern; ein anderer schnarchte nun im Rhythmus.

Als Lina die letzte Stufe erreichte, applaudierten die Wächter im Schlafrhythmus — leise, aber so herzlich, dass es wie ein kleines Trommelkonzert klang. Der Türmechanismus des nächsten Aufzugs, „Schubladi“, mochte diese Art von Mut offenbar sehr. Die Tür öffnete sich wie eine freundliche Hand, und Schubladi sagte: „Wenn du so farbenfroh kommst, darfst du gratis mitfahren.“ Lina setzte die Ente ab, löste das Band vorsichtig und verbeugte sich. Die Ente hüstelte, als hätte sie etwas geschafft.

Doch der eigentliche Gipfel der Abenteuer lag noch vor ihr: der Dachaufzug, der letzte, der angeblich „unmöglich“ war.

Kapitel 5: Der Gipfel – Linas Erfindung und das zufriedene Schweigen

Der Dachaufzug sah aus wie ein Turm aus Teekannen. Über der Tür hing ein Schild: „Nur wer nichts für unmöglich hält, darf einsteigen.“ Lina lächelte breit. „Ich halte viel für möglich“, sagte sie laut, „solange es lustig wird.“ Die Ente schnaufte zustimmend. Der Aufzug, dessen Name niemand wusste, machte ein Geräusch wie ein Glockenspiel, dann begann er zu reden: „Viele kommen mit Plänen, mit Listen, mit großen Aussagen. Ich mag dagegen Lieder, Limonade und ein gutes Kissen unter dem Hintern.“

Lina hatte inzwischen einen Plan, aber keinen komplizierten. Sie stellte die Ente in einen kleinen Karton, füllte den Boden mit ausgeknusperten Papierschnipseln (das waren Polster), steckte die Banane so, dass sie wie ein Stoßdämpfer wirkte, und band alles mit dem bunten Band zusammen. Dann holte sie ihre geheimste Erfindung heraus: einen kleinen Luftballon mit einer Nadel, die sie „Stups“ nannte. „Für den Fall“, erklärte Lina, „dass der Aufzug denkt, er müsse hüpfen.“ Sie pustete „Stups“ mit aller Kraft auf, befestigte ihn vorsichtig an der Kartonecke und setzte sich selbst in die letzte Ecke der Kabine — nicht, um zu fahren, sondern um zu beobachten.

Der Aufzug begann zu schnurren und kicherte. „Warum so viel Theater?“, murmelte er. Lina zeigte ihm den Karton. „Wir reisen leicht. Weniger ist mehr. Und wir sind nicht laut.“ Der Aufzug dachte nach — sehr ungewöhnlich für einen Apparat. Dann, ohne Vorwarnung, hüpfte er. Er hüpfte hoch, machte ein kleines Rad, drehte sich wie ein Wirbelwind, und für einen Augenblick sah es so aus, als würde der Karton mitsamt der Ente durch das Schachbrett des Himmels fliegen.

„Stups!“, flüsterte Lina und stach die Nadel in den Ballon. Luft entwich in einem feinen Zisch, der wie ein Lachen klang. Der Aufzug entschleunigte, weil er kichern musste, und landete schließlich sanft neben der Dachterrassentür. Die Tür öffnete sich mit einem großen, freundlichen Gähnen.

Draußen auf der Dachterrasse wehte Wind, der nach Sommer und Pfefferminze roch. Lina nahm den Karton vorsichtig und trug die Ente zum Museumseingang, wo Frau Schnurre bereits mit einer Tasse Tee in der Hand wartete. „Wie hast du das gemacht?“, fragte sie, halb erstaunt, halb amüsiert. Lina zuckte mit den Schultern. „Ich habe das Unmögliche nicht widerlegt. Ich habe ihm einen Stuhl angeboten und gesagt: ‚Setz dich, erzähl‘. Dann haben wir zusammen gelacht.“

Frau Schnurre nahm die Ente mit zitternden Händen und lächelte so, dass ihre Augen kleine Falten bekamen wie alte Landkarten. „Du hast Initiative gezeigt“, sagte sie leise. „Und Humor. Beides selten in Kombination.“ Lina strahlte. Sie stellte sich vor, wie die Ente jetzt einen Ehrenplatz im Museum bekommen würde, neben alten Löffeln und einer Uhr, die nur dann tickte, wenn jemand ein Gedicht vorlas.

Die Aufzüge, die Lina verlassen hatte, winkten zum Abschied: Lichter blinkten wie Konfetti, und irgendwo in der Tiefe des Hallenhauses machte jemand ein leises Pfff, das wie ein Abschlussapplaus klang. Lina setzte sich auf eine niedrige Bank, atmete den Duft von Tee und Papier durch und fühlte, wie sich ihre Brust wie ein aufgeblasener Luftballon vor Zufriedenheit anfühlte. Die Ente hüstelte einmal, aber sonst war alles ruhig.

Kein Jubel, kein großes Getöse — nur ein kleines, rundes Glück, das wie eine Münze in ihrer Hand lag. Die Stadt war noch da, die Leute gingen ihren Wegen nach, und die Aufzüge murmelten wahrscheinlich schon neue Scherze für die nächste mutige Seele. Lina hielt die Ente, sah zu Frau Schnurre hinüber und sagte: „Weißt du was? Ich glaube, Unmögliches ist einfach etwas, das noch ein bisschen Kichern braucht.“

Frau Schnurre nickte. Dann breitete sich etwas aus, das Lina liebte am meisten: ein zufriedenes Schweigen. Es war nicht leer; es war voll von allen kleinen Geräuschen vorher — den hüpfenden Knöpfen, den singenden Mandolinen, dem Schnaufen des Dachaufzugs — die nun wie winzige Muscheln an einander gelehnt dalagen. Lina schloss die Augen, hörte das Schweigen an, und in diesem Schweigen war sie König, Abenteurerin, Erfinderin und Freundin zugleich. Das Schweigen war nicht stumm; es war glücklich.

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Das Quiz: Hast du die Geschichte gut verstanden?

Glaskuppel
Ein Deckel aus Glas über einem Raum, durch den man nach oben sieht.
Hüpfenden Knöpfe
Knöpfe, die sich bewegen oder lustig reagieren, als würden sie hüpfen.
Zeremoniell
Etwas, das nach besonderer Regel oder mit viel Respekt behandelt wird.
Grimassen
Komische oder übertriebene Gesichter, die man macht, um zu lachen.
Rätselaufzug
Ein Aufzug, der mit Rätseln oder Aufgaben verbunden ist.
Stoßdämpfer
Etwas, das Schläge oder Stöße weich und weniger hart macht.
Mandoline
Ein Musikinstrument mit Saiten, das man zupft und das hell klingt.
Kabine
Der kleine Raum in einem Aufzug, in dem man steht.
Entschleunigte
Langsamer werden, nicht mehr so schnell bewegen oder handeln.
Initiative
Den ersten Schritt machen und eine Aufgabe mutig beginnen.
Abschlussapplaus
Der letzte Beifall am Ende einer Aufführung oder eines Ereignisses.
Konfetti
Viele kleine bunte Papierschnipsel, die man bei Feiern wirft.

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