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Geschichte über eine Emotion 11/12 Jahre Lesen 11 min.

Lina und der kleine Mut

Lina hat Angst vor ihrer Präsentation in der Schule, findet aber durch das Vertrauen in sich selbst, die Unterstützung ihrer Freunde und kleine Atemübungen Wege, ihre Nervosität zu besiegen und ihre Stimme zu finden. Auf ihrer Reise lernt sie, dass Angst ein Teil des Lebens ist, den man verstehen und begleiten kann.

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Ein 12-jähriges Mädchen, Lina, steht auf einer Klassenszene, ihre Augen leuchten vor Aufregung und Nervosität. Sie hat leicht gewelltes braunes Haar und trägt ein blaues T-Shirt mit Wolkenmuster. Ihre Hände zittern leicht, aber sie hält fest bunte Präsentationskarten. Neben ihr steht ihr Freund Jonas, ein 12-jähriger Junge mit blonden Haaren und runden Brillen, der sie ermutigend anlächelt, die Hände in den Taschen seiner Jeans. Der Raum ist ein heller Klassenraum mit pastellgelben Wänden, Bildungsplakaten und Fenstern, die Sonnenlicht hereinlassen. Holztische sind im Halbkreis angeordnet, gefüllt mit aufmerksamen Klassenkameraden, deren Gesichter neugierig und freundlich sind. Lina bereitet sich darauf vor, ihr Referat zu halten, und spürt ein Gemisch aus Angst und Entschlossenheit. Sie atmet tief ein, bereit, ihre Geschichte zu teilen, während das Publikum freundlich zuhört. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Der kühle Morgen

Lina sitzt auf der Bettkante und hört, wie die Welt draußen langsam wach wird. Durch das Fenster fällt ein schmaler Streifen Morgenlicht auf ihren Schreibtisch, wo die Notizen für die Präsentation liegen. Ihr Herz schlägt schneller, als wäre jemand im Flur mit einem kleinen Hammer. Ein Schmetterling kitzelt in ihrem Bauch, und ihre Hände fühlen sich kühl und leicht zittrig an.

"Du schaffst das", flüstert sie sich selbst, als wäre das Zauberwort ein bisschen stärker, wenn sie es spricht. Aber die Stimme klingt dünn, und plötzlich fällt ihr ein tausend Mal eingefallenes Alptraumbild wieder ein: vor der Klasse stehen, die Stimme versagen, alle Blicke wie kleine Lupen.

In der Küche riecht es nach frisch gebrühtem Kaffee und Toast. Ihre Mutter legt zwei belegte Brote in eine Dose. — "Lina, möchtest du noch einen Apfel?" fragt sie und lächelt so, als wäre alles ganz normal.

Lina nimmt den Apfel, aber es ist, als ob ihre Fingerspitzen den Druck verstärken würden. Sie drückt ihn ein wenig, so dass eine kleine Delle entsteht. Das Geräusch des Bisses fühlt sich seltsam beruhigend an — knacken, ein kurzer Schmerz, dann Süße. Der Apfel wird kurzerhand ein kleiner Anker.

Vorbereitung mit kleinen Schritten

In der Schule ist die Luft warm vom kalten Vormittag und den vielen Menschen. Lina hat ihre Karteikarten in der Hand. Auf jeder Karte steht ein Satz, den sie üben will. Nicht die ganze Rede auf einmal, nur ein Satz. Atmen. Ein Satz. Weiter.

Sie setzt sich auf eine Bank im Pausenhof. Die Eiche über ihr lässt ein paar trockene Blätter fallen. Lina nimmt einen tiefen Atemzug. "Atmen wie eine Kerze", hat ihre Großmutter gesagt: tief ein, als ob man die Luft aufhält, dann langsam aus, als würde man eine Kerze auspusten. Sie probiert es — vier Sekunden ein, sechs Sekunden aus. Die Zeit zwischen Ein- und Ausatmen fühlt sich sicher an.

Ihr bester Freund Jonas kommt dazu. Er wirft ihr einen Ball zu, fängt ihn wieder, wirft ihn zurück. — "Bist du aufgeregt?" fragt er unverblümt. Seine Augen sind ernst, aber freundlich.

"Ja", sagt Lina. So kurz wie möglich. Sie will nicht gleich alles erklären, aber Jonas setzt sich neben sie und tut so, als wären seine Knie auch Kartenstapel zum Abdrücken.

"Ich habe auch Lampenfieber", sagt er plötzlich. — "Letzte Woche beim Fußballturnier hatte ich totale Panik. Ich hab mir dann vorgestellt, die Zuschauer wären nur Püppchen. Hat geholfen."

Lina lächelt. Es ist tröstlich, dass jemand anderes das kennt. Jonas zeigt ihr eine Handübung: Daumen und Zeigefinger aneinanderlegen, ein kleiner Kreis. "Der Punkt beruhigt", meint er. Sie probiert es und merkt, wie ein winziger Funken Ruhe durch ihre Hand wandert.

In der letzten Unterrichtsstunde geht Lina noch einmal ihren ersten Satz durch. Sie stellt sich vor, wie ihre Stimme klingt, nicht perfekt, aber klar. Sie plant auch eine kleine Pause in ihrer Präsentation, um zu trinken. "Klingt dumm, hilft aber", flüstert sie ihrem Spiegelbild zu, während sie die Wasserflasche mit einem festen Griff in die Tasche steckt.

Der Auftritt

Der Raum klappt leise zusammen, als alle aufstehen und in die Klasse gehen. Lina sitzt hinten, obwohl sie weiß, dass sie bald dran ist. Die Lehrerin, Frau Koch, lächelt beruhigend. — "Denkt daran: Kein Druck, wir hören einfach zu", sagt sie mit ruhiger Stimme.

Als Linas Name aufgerufen wird, fühlt sich die Welt kurz wie eine Welle an, die über sie hinwegrollt. Ihre Beine tragen sie nach vorne, und jemand streift ihre Hand — ein Kollege, der scheinbar unabsichtlich ihren Ellbogen berührt. Ein kleiner Kontakt, aber er wirkt wie ein Anker. Ihre Stimme beginnt leise. Das erste Wort kommt schwer, das zweite leichter.

In der Mitte der Präsentation spürt sie, wie ihre Kehle trocken wird. Sie nimmt einen Schluck Wasser, hält die Tasse mit beiden Händen — warm — und atmet dabei langsam. Ihre Hände zittern, aber das Publikum bleibt still und wartet. Lina denkt an den Apfel vom Morgen, an den Herzschlag, der jetzt kein Hindernis, sondern ein Zeichen dafür ist, dass sie lebendig ist.

Plötzlich fängt sie an, eine kleine Anekdote zu erzählen, über ein Missgeschick mit ihrem Experiment zu Hause. Die Klasse lacht leise, aber das Lachen ist freundlich. Das erleichtert etwas. Mit jedem Satz wird ihre Stimme sicherer. Gegen Ende merkt sie, dass die Angst nicht verschwunden ist, aber sie hat gelernt, sie zu begleiten.

Nach der Präsentation kommen zwei Mitschülerinnen zu ihr. — "Das war echt toll", sagt eine. — "Deine Geschichte mit dem Apfel war so menschlich." Ein anderes Mädchen fügt hinzu: — "Ich hatte nicht gedacht, dass du so ruhig erklären kannst." Lina fühlt sich warm. Es ist nicht das große Lob, das alles ändert, sondern die kleinen Worte, die zeigen, dass jemand zugehört hat.

Ein Gespräch, das mehr hilft als Ratschläge

Nach der Schule bleibt Lina noch ein wenig im Klassenzimmer. Frau Koch nimmt sich Zeit und setzt sich zu ihr. — "Möchtest du darüber sprechen, wie es sich angefühlt hat?" fragt sie.

Lina zögert, aber dann öffnet sie sich. Sie erzählt von dem Kloß im Hals, vom schnellen Atmen, von den Gedanken, dass jeder Blick eine Prüfung sei. Frau Koch hört zu, ohne zu unterbrechen. Manchmal ist das Zuhören das Wichtigste, denn es sortiert die eigenen Gedanken einfach, wenn jemand anders sie aufnimmt.

"Weißt du", sagt Frau Koch, "Angst ist ein hilfreiches Gefühl. Sie schützt uns. Aber sie wird zum Problem, wenn sie uns davon abhält, Dinge zu probieren. Kleine Strategien helfen, die Angst zu begleiten, nicht wegzuschieben."

Sie zeigt Lina ein kleines Heft mit Übungen. Nicht viele, nur drei: Atementwicklung, Bodenkontakt-Übung (fühle jeden Fuß auf dem Boden), und die Fünf-Dinge-Liste (nenne fünf Dinge, die du sehen kannst, vier Dinge, die du fühlen kannst, drei Dinge, die du hören kannst, zwei Dinge, die du riechen kannst, eine Sache, die du schmeckst). Diese Übungen sind wie Werkzeuge in einer Tasche. Man benutzt sie nicht alle auf einmal. Man nimmt das heraus, was jetzt passt.

"Und wenn du willst", fügt Frau Koch hinzu, "kannst du auch einen Plan machen: Was tust du, wenn du merkst, die Angst wird groß? Ein paar Schritte können helfen." Lina schreibt den Plan in ihr Notizheft: Atmen, Hand auf das Herz, ein Glas Wasser, ein kurzer Blick in die Notizen, ein Lächeln.

Der Abend und eine kleine Gewohnheit

Zu Hause sitzt Lina auf dem Sofa. Draußen wird der Himmel weich wie Aquarell. Auf dem Tisch liegt ihr Heft mit der Liste. Sie streicht mit dem Finger über ihre Handschrift, als wäre die Linie beruhigend.

Ihre Mutter setzt eine Tasse Kamillentee neben sie. — "Möchtest du darüber sprechen?" fragt sie, nicht aufdringlich. Lina erzählt noch einmal, dieses Mal ohne den Druck, perfekt zu klingen. Ihre Mutter hört zu, legt eine Hand auf ihre Schulter und drückt leicht. Ein einfaches Zeichen: Bin da.

Später, bevor Lina ins Bett geht, nimmt sie sich fünf Minuten für ihre Abende-Routine. Sie stellt sich hin, stellt beide Füße fest auf den Boden, schließt die Augen und zählt langsam bis vier beim Einatmen und bis sechs beim Ausatmen. Dann macht sie die Fünf-Dinge-Übung nur für sich. Sie zählt: "Ich sehe die Lampe, das Poster mit dem Segelboot, das Glas auf dem Tisch, das Buch, das unter dem Stuhl liegt." Sie spürt die Decke auf ihrer Schulter, das Kissen hinter dem Rücken, die warme Luft in ihrer Nase. Sie hört die Heizung, ein Auto, entfernte Stimmen. Sie riecht den Tee, den Abend, ein Hauch von Seife. Sie schmeckt noch ein bisschen vom Abendbrot.

Auf ihrem Nachttisch liegt ein kleiner glatter Stein, den Jonas ihr letzte Woche gegeben hat. "Für Ruhe", hatte er gesagt. Lina schließt die Hand um ihn, fühlt die kühle Oberfläche und denkt an den Morgenapfel, an Jonas‘ Ball, an die Hände der Erwachsenen, die sie gehalten haben. Sie erlaubt sich, die Angst nicht als Feind zu sehen, sondern als Begleiter, der manchmal laut ist und manchmal leise.

Bevor sie die Augen schließt, schreibt sie noch eine kleine Notiz in ihr Heft: "Heute habe ich es geschafft. Nicht perfekt, aber echt." Dann atmet sie tief ein, langsam aus, und lässt den Atem mit einem Gefühl von Erleichterung gehen.

In der Stille des Zimmers fühlt sich Lina klein und gleichzeitig stark. Es ist ein leises Wissen, das sie jetzt hat: Angst ist ein Teil von ihr, aber nicht das ganze Bild. Es gibt Wege, sie zu verstehen, zu beruhigen und mit ihr weiterzugehen.

Am nächsten Morgen, beim Frühstück, fragt sie Jonas, ob er wieder mit ihr üben will — nicht weil sie es muss, sondern weil es ihr Spaß macht. Er grinst und wirft ihr den Ball zu, und wieder erinnert sie sich daran, dass es nicht darum geht, niemals Angst zu haben. Es geht darum, Schritte zu machen, mit Atem, mit Freundschaft und mit kleinen, verlässlichen Gewohnheiten.

Als Lina zur Schule geht, ist das Herz immer noch da, aber es fühlt sich an wie ein Kompass. Sie weiß jetzt, wie sie ihn lesen kann. Und das ist der Anfang von vielen Abenden, an denen sie lernt, sich selbst zu beruhigen, sich selbst zu trösten und sich selbst zuzuhören. Die Angst wird nicht verschwinden wie Nebel in der Sonne, aber sie wird etwas, das sie erkennt, nennt und begleitet. Und das macht den Weg leichter.

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Das Quiz: Hast du die Geschichte gut verstanden?

Schreibtisch
Ein Tisch, an dem man arbeitet oder lernt.
Anker
Ein schweres Objekt, das ein Boot oder Schiff an einem Ort festhält.
Lampenfieber
Die Angst oder Nervosität, die man hat, bevor man vor anderen Menschen spricht oder auftritt.
Anekdote
Eine kurze, oft lustige Geschichte über eine bestimmte Person oder Situation.
Belegtes Brot
Ein Stück Brot, das mit verschiedenen Zutaten wie Käse oder Wurst belegt ist.
Kompass
Ein Gerät, das zeigt, in welche Richtung Norden ist, oft benutzt, um sich zu orientieren.

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