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Zeitreisegeschichte 7/8 Jahre Lesen 10 min.

Lina und der Baum der Erinnerungen

Lina entdeckt mithilfe eines Spielkompasses die Erinnerungen eines Parkbaums und reist in die Vergangenheit, wo sie mit dem Mädchen Amalia und den Dorfbewohnern ein Geheimnis über den Park und die Regeln der Zeit erforscht.

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Ein 8-jähriges Mädchen, Lina, schaut mit großen glänzenden Augen und zartem Lächeln auf ein rotes, abgenutztes Spiel-Kompass, das sie an die Brust drückt; nahe stehen die gleichaltrige Amalia mit schelmischem Lächeln und senffarbener Kleid, die Lina die Hand reicht, und der etwa 7-jährige Tomas mit wirrem Haar, erst weinend dann lachend, der eine wiedergefundene Lumpenpuppe hält; links ein alter, großer Eichenstamm mit rauer Rinde, sichtbar hohlem Kern und einer kleinen Mulde mit Holzspielzeug und einer abgelegten Samen, im Hintergrund ein nächtlicher Park mit Laternen, Lichterketten, Bänken und Dorfbewohnern, während gelblich-blaue Lichter wie Glühwürmchen um Lina wirbeln und eine warme, festliche Stimmung gegen einen violetten Abendhimmel schaffen. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kurz vor dem Sprung

Lina zog ihre rote Mütze tief in die Stirn. "Bist du bereit, Kleiner Kompass?" flüsterte sie zu ihrem Stofftier, das sie immer bei sich trug. Der Kompass war eigentlich ein Spielzeug, aber Lina stellte sich vor, er könne die Zeit finden.

Heute war ein besonderer Tag. Im Park hinter dem Haus standen alte Bäume, von denen die Leute sagten, sie hätten Erinnerungen. "Die Bäume merken sich, was passiert", hatte Frau Blum im Laden erklärt. "Wenn du ganz leise zuhörst, erzählen sie dir Geschichten."

Lina setzte sich auf die Bank und öffnete ihr kleines Notizbuch. Sie schrieb mit großen Buchstaben: "Tag 1. Zeitreise? Probe." Daneben zeichnete sie einen Stern. Ihre Hände zitterten ein wenig. Sie war neugierig, aber auch ein bisschen aufgeregt.

Plötzlich fiel ein Blatt mit goldener Spitze von einem Zweig. Es landete auf ihrem Knie. "Hörst du?" sagte das Blatt, als wäre es lebendig. Lina zuckte zusammen und lachte. "Na gut. Dann horchen wir."

Ein leises Kichern kam aus dem Baum. "Wer ist da?" fragte Lina. Ein Ast bewegte sich, und eine Stimme wie Blätterrauschen sagte: "Ich bin die Erinnerung des Parkbaums. Ich kann dir zeigen, was hier war." Lina atmete tief ein. "Ich möchte gerne ein bisschen sehen", antwortete sie. "Nur ein bisschen."

"Regeln", sagte der Baum. "Erste Regel: Wir springen vorsichtig. Zweite Regel: Du darfst nichts Wichtiges verändern. Dritte Regel: Du musst zurückkehren, bevor die Abendglocke schlägt." Lina nickte eifrig. "Ich verspreche es."

Der Baum schüttelte sich, und kleine Lichtpunkte stiegen aus der Rinde. Sie wirbelten um Lina herum wie winzige Glühwürmchen. Es kitzelte. "Halte den Kompass", flüsterte der Baum. Lina presste das Spielzeug an ihr Herz. Dann fühlte sie, wie der Boden kurz schwankte, und alles wurde still.

Lina schrieb schnell in ihr Heft: "Notiz: Es kitzelt am Fuß. Alles gut."

Der Park vor hundert Jahren

Als Lina die Augen öffnete, roch es anders. Nach frischer Erde und Kuchen vom Markt. Die Wege im Park waren nicht gepflastert, sondern staubig. Kinder spielten mit Holzpferden. Ein Mann in einem Hut fütterte Enten mit Brot. Die Bäume sahen jünger aus, ihre Rinden glatter.

"Wow", sagte Lina laut. Ein Mädchen mit Zöpfen kam herüber. "Hallo! Wer bist du?" fragte es neugierig.

"Ich bin Lina", antwortete sie. "Und du?"

"Ich heiße Amalia", sagte das Mädchen. "Magst du Verstecken spielen?" Amalia sprang schon davon. Lina rannte hinterher. Das Laufen fühlte sich leicht an, als wäre es auf Wolken.

Sie spielten, lachten und lernten sich schnell. Amalia zeigte Lina eine kleine Hütte, in der Kinder Bücher sammelten. "Wir lesen Geschichten", sagte Amalia stolz. "Manche Geschichten erzählen von Erfindern, die Heißluftballons bauen."

Lina dachte an die Regeln des Baums. "Wir dürfen nichts Wichtiges ändern", flüsterte sie zu Amalia. "Nur schauen."

"Nur schauen", wiederholte Amalia. "Aber darf ich dir meinen geheimen Pfad zeigen?" Sie zwinkerte. Lina war neugierig und folgte. Der Pfad führte zu einer alten Eiche mit einer Höhlung. Drinnen lagen kleine Holzspielzeuge. Lina setzte sich und schrieb: "Notiz: Amalia freundlich. Versteck mit Spielzeug."

Plötzlich hörten sie Stimmen. Zwei Männer diskutierten darüber, ob der Park eine Straße werden sollte. "Hier könnte eine neue Straße sein", sagte einer. "Platz für Wagen und Häuser." Amalia wurde still. "Wenn sie eine Straße bauen, gibt es keinen Spielplatz mehr", flüsterte sie.

Lina spürte, wie ihr Herz schneller schlug. Das war ein wichtiges Ereignis. Sie dachte an die Baumregel: nichts Wichtiges verändern. Aber sie konnte nicht zusehen, wie der Park verschwand. Sie kniff die Augen zusammen und überlegte. Was konnte sie tun, ohne die Zeit zu stören?

Sie hatte eine Idee. "Lasst uns ein Fest machen", schlug sie vor, als die Männer näher kamen. "Ein großes Fest mit vielen Menschen. Dann sehen sie, wie wichtig der Park ist." Amalia nickte eifrig. "Wir singen, wir tanzen!" rief sie.

Die Männer blieben stehen. "Ein Fest?" fragte einer neugierig. "Für wen?" "Für alle", sagte Lina. "Kommt morgen und bringt Kuchen." Die Männer lächelten und gingen. In Lina wuchs Hoffnung: Vielleicht könnten die Leute so den Wert des Parks sehen, ohne die Zeit zu ändern.

Amalia und Lina liefen durch das Dorf und erzählten von der Idee. Kinder holten Laternen, Mütter backten Kuchen, und sogar der Hutmann von vorher brachte Brot. Der Park füllte sich mit Lichtern. Die alte Eiche flüsterte leise: "Gut gemacht, kleine Zeitreisende."

Lina schrieb: "Notiz: Fest geplant. Gefühl: warm."

Ein kleiner Paradoxon-Knoten

Am Festabend passierte etwas Kleines und Lustiges. Eine alte Frau zog Lina zur Seite. "Du erinnerst mich an ein Mädchen, das hier einst spielte", sagte sie. Lina lächelte. "Das könnte möglich sein", antwortete sie. Aber die Frau erzählte Dinge, die Lina so noch nie gehört hatte—Dinge, die Lina selbst noch tun würde. Lina hörte und merkte, wie seltsam die Kreise der Zeit sein konnten.

"Wenn man etwas über die Zeit sagt, kann es wie ein Knoten wirken", flüsterte der Baum in Linas Ohr. "Knoten sind nicht schlecht. Sie zeigen, dass Dinge verbunden sind. Du hast kein großes Ding verändert. Du hast den Park gezeigt, wie er ist."

Amalia nahm Lina bei der Hand. "Siehst du?" flüsterte sie. "Die Leute bleiben. Die Straße wird nicht gebaut." Lina atmete auf. Ein kleines Paradoxon war entstanden: Die Frau hatte Geschichten gehört, weil das Fest stattgefunden hatte — und das Fest hatte stattgefunden, weil Lina die Frau daran erinnerte. Die Zeit lachte leise, aber sie blinzelte freundlich.

Es gab noch eine kleine Aufgabe. Ein Junge namens Tomas hatte seine Puppe verloren, die er sehr liebte. Er war traurig. "Ich kann sie nicht finden", sagte er. Lina und Amalia suchten unter Büschen und in der Höhlung der Eiche. Schließlich fanden sie die Puppe auf einem Ast, wo der Wind sie hingeweht hatte. "Danke!" rief Tomas. Seine Freude war wie ein kleines Sonnenlicht.

Der Baum summte zufrieden. Lina schrieb: "Notiz: Paradoxon geknüpft. Herz: froh."

Rückkehr und Heimkehr

Die Abendglocke begann leise zu läuten, ein klares, freundliches Werben. "Zeit, nach Hause zu kommen", sagte der Baum. Lina merkte, wie ihre Augen müde wurden. Sie umarmte Amalia fest. "Werde ich dich wiedersehen?" fragte sie.

"Vielleicht", sagte Amalia geheimnisvoll. "In Geschichten oder in den Ringen der Bäume." Dann löste sie sich aus der Umarmung und winkte. "Bis bald, Zeitfreundin!"

Bevor Lina gehen konnte, legte sie eine kleine Blumensaat in die Höhlung der Eiche. "Für später", sagte sie leise. "Damit Kinder auch in Zukunft Blumen hier pflanzen." Der Baum nickte zustimmend. Diese kleine Tat war kein großes Eingreifen in die Zeit, nur ein Samen der Freundlichkeit.

Die Lichtpunkte kamen zurück und wirbelten um Lina. Sie hielt den Kompass, ihr Herz klopfte ruhig. "Denk an Zuhause", flüsterte sie. Lina dachte an ihr Zimmer, an ihre Mutter, an das heiße Kakao, das auf sie wartete. Die Welt schwang sanft, und dann war sie wieder auf der Bank im heutigen Park.

Die Wege waren jetzt gepflastert, aber die Bäume standen noch. Direkt vor ihr lag ein neues Schild: "Im Gedenken an das Fest von damals." Lina lächelte. Sie zog ihr Notizbuch heraus und schrieb die letzte Notiz: "Notiz: Zurück. Park gerettet. Freunde gefunden."

Sie sah sich um. Amalia stand weit entfernt bei der Eiche. Oder war es nur Einbildung? Die Eiche schien zu nicken. Lina strich über ihr Notizbuch. Ihr Herz war warm.

Als Lina nach Hause ging, flüsterte sie: "Danke, Baum. Danke, Amalia. Danke, Zeit." Ein leiser Wind spielte mit ihrem Haar, als wolle er sie ebenfalls umarmen. Zu Hause wartete die Mutter mit Kakao und einem Lächeln. "Na, Abenteuerin?" fragte sie.

"Ja", sagte Lina und setzte sich. "Und ich habe etwas Wichtiges gelernt." "Was denn?" fragte die Mutter neugierig. Lina dachte an die Regeln, an das Fest, an die kleine Saat. "Dass wir zusammen stark sind", sagte sie. "Und dass kleine Taten groß sein können."

Später, bevor sie einschlief, legte Lina den Kompass neben ihr Kopfkissen. Sie öffnete das Notizbuch noch einmal und las ihre Notizen. Sie lächelte über die kleinen Kästchen am Rand, wo sie Herzen gemalt hatte.

Die Erinnerung des Baums blieb in ihrem Herzen wie ein warmes Licht. Sie wusste jetzt, dass Zeit kein einziges großes Geheimnis ist, sondern viele kleine Geschichten, die zusammenhalten. Und sie wusste, dass sie jederzeit wiederhorchen konnte — aber nur, wenn die Regeln beachtet wurden. Die Regeln waren da, um zu schützen. Lina schlief mit einem Lächeln ein, sicher und zufrieden, mit dem Wissen, dass die Welt nicht zu groß war, um sie zu verstehen und zu lieben.

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Erinnerung
Etwas, das man nicht vergisst; eine gespeicherte Erinnerung im Kopf oder bei Dingen.
Rinde
Die äußere Haut eines Baumes, die den Baum schützt.
Glühwürmchen
Kleine Käfer, die in der Nacht wie winzige Lichter leuchten.
Staubig
Mit feinem Staub bedeckt; fühlt sich trocken und körnig an.
Höhlung
Eine kleine, hohle Stelle in einem Baum oder in einem Gegenstand.
Paradoxon
Etwas, das seltsam erscheint, weil zwei Dinge gleichzeitig wahr sind.
Abendglocke
Eine Glocke, die am Abend läutet und Zeit oder Ende anzeigt.
Ringen
Hier: das Bild von Jahresringen im Baum, die seine Jahre zeigen.
Blumensaat
Kleine Samen, aus denen später Blumen wachsen.
Kompass
Ein Gerät oder Spielzeug, das die Richtung zeigt.
Notizbuch
Ein kleines Heft, in das man Gedanken oder Notizen schreibt.

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