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Komische Superheldengeschichte 11/12 Jahre Lesen 25 min.

Leni Loop und die tanzende Zufallswelle

Leni Loop, eine junge Superheldin, muss in der chaotischen Stadt Neonfurt eine unerwartete Zufallswelle zähmen, die das alltägliche Leben in ein buntes Spektakel verwandelt. Mit Hilfe ihrer Freunde und ihrer besonderen Fähigkeiten versucht sie, die Situation zu beruhigen und das Unvorhersehbare zu meistern.

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Leni Loop, ein Mädchen mit lila Haaren und einer glänzenden Jacke, steht lächelnd und voller Energie im Mittelpunkt der Bühne, mit einem leuchtenden Jo-Jo in ihrer rechten Hand. Ihre Augen funkeln vor Schalk und Aufregung, während sie eine Loop-Bewegung ausführt, als würde sie mit der Magie der Stadt tanzen. Links von ihr steht Max, ein etwa 10-jähriger Junge mit runden Brillen und einem gestreiften T-Shirt, der Leni bewundernd ansieht und eine dampfende Tasse heiße Schokolade hält. Er steht auf dem Bürgersteig, umgeben von buntem Konfetti, das in der Luft schwebt. Im Hintergrund strahlt der Neonfurt-Park in Farben: Bäume mit glitzernden Blättern, ein großer Brunnen, der fröhlich spritzt, und Kinder, die lachen und spielen. Bunte Ballons schweben am blauen Himmel und verleihen der Atmosphäre eine festliche Note. Die Hauptszene zeigt Leni, die mit ihrem Jo-Jo magische Schleifen kreiert, während eine Welle der Freude und des Lachens sich um sie herum ausbreitet und den Park in einen Ort der Feier und Überraschungen verwandelt. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

1. Ein hübsch chaotischer Morgen

Leni Loop wacht auf, weil ihr Wecker gähnt. Nicht klingelt. Gähnt. Es ist dieses lange, müde „Huuuaaa“, das alle Lust aus dem Bett zu springen glatt wegsaugt. Leni blinzelt und lacht. „Schon gut, Wecki. Ich bin ja wach.“ Sie ist Superheldin, ja, aber sie ist auch eine Frau, die Kaffee braucht. Und zwar dringend.

Sie schlüpft in ihre violette Jacke mit den silbernen Nähten, steckt ihr Yo-Yo mit dem glänzenden L in die Tasche und stapft in die Küche. Ihr Kater Sir Miezalot sitzt auf dem Kühlschrank wie ein wachsamer Kapitän. „Morgen, Sir“, sagt Leni. „Mission Kaffee. Keine Störung, klar?“

Der Toaster antwortet mit einem selbstbewussten „Ping!“, feuert die Brotscheiben in die Luft und katapultiert die Marmelade gleich hinterher. Zum Glück hat Leni eine Spezialfähigkeit: Sie kann sieben Sekunden zurückspulen. Ein kleiner Loop. Ein Mini-Zeitkringel. „Lass uns nicht kleben, okay?“ murmelt sie und tippt zweimal auf ihr Yo-Yo.

Die Brotscheiben fliegen, die Marmelade segelt – und zack! Alles geht sieben Sekunden zurück. Diesmal dreht Leni den Teller richtig herum und fängt das Toastmeisterwerk wie eine Jongleurin. „Ha!“, ruft sie. Sir Miezalot miaut beeindruckt. Oder hungrig. Vermutlich beides.

Draußen tost die Stadt: Neonfurt. Sehr modern, sehr eilig, sehr gern mal durcheinander. Auf ihrem Handy ploppt eine Nachricht auf: „Achtung, Bürgerinnen und Bürger! Heute Testlauf einer neuen Erfindung: Zufallswelle 3000! Es kann zu… äh… Überraschungen kommen. Bitte gelassen bleiben.“ Absender: Stadtverwaltung. Mit einem GIF, das einen lächelnden Pinguin zeigt.

„Überraschungen?“, sagt Leni. „Das klingt nach mir.“ Sie zieht die Schnürsenkel fest, setzt die Brille mit den lila Gläsern auf und rennt los. Immer wenn Neonfurt eine wilde Idee hat, braucht jemand eine, die den Überblick behält. Und wenn Leni etwas kann, dann Loops – und den Überblick behalten, während alles Purzelbäume schlägt.

2. Neonfurt tanzt aus der Reihe

Schon auf der Straße ist die Zufallswelle spürbar. Eine Ampel singt ein Schlaflied, ein Lieferroboter übt Rollschuhfahren, und ein Werbeplakat für Zahnpasta erzählt Witze über Krokodile. „Das ist… neu“, sagt Leni, während sie einem Busfahrer winkt, der gerade versucht, seinen Bus mit Erdnüssen zu bezahlen.

„Leni!“, ruft jemand. Max, der Barista aus dem Café an der Ecke, balanciert zwei Milchkännchen und eine Katze, die er offenbar gerade gerettet hat. „Alles okay bei dir? Mein Milchschaum macht Berge. Richtige Alpen!“

„Ich liebe Alpen“, sagt Leni, „aber nicht im Becher. Woher kommt das?“ Max deutet zum Stadtpark. „Von da. Laut Radio: Heute Testlauf vom Professor Panne. Keine Sorge, steht da. Na, das beruhigt ja total.“

Leni spürt ein Kribbeln in den Fingern. Professor Panne ist ein Erfinder, der niemals Böses will, aber doch erstaunlich oft Chaos produziert. „Ich schau mal nach“, sagt sie. „Und bleib bei Plan A.“

„Welcher Plan A?“, fragt Max. „Gelassen bleiben“, ruft Leni und sprintet los.

Sie ist kaum um die Ecke, da hört sie ein Rattern. Eine Straßenbahn hat beschlossen, heute Achterbahn zu sein. Sie saust in sanften Wellen, die Schienen biegen sich wie Spaghetti. Die Fahrgäste jubeln, dann merken sie, dass die nächste Kurve doch ein echtes Problem sein könnte.

„Hallo zusammen!“, ruft Leni und springt auf die Plattform. „Keine Panik. Ich mach kurz einen Loop, ja?“ Sie tippt ihr Yo-Yo an: sieben Sekunden zurück. Die Bahn schiebt sich zurück zum Anfang der Welle. Diesmal streckt Leni die Arme aus wie eine Dirigentin. „Links halten! Rechts atmen! Jawohl!“ Eine Mutter drückt ihr Kind fester, ein Teenager filmt weiter, und Leni biegt mit einem zweiten Loop die weichen Schienen zurück in Form. „So“, sagt sie, „Achterbahn später, bitte. Erst wieder Straßenbahn.“

Die Fahrgäste klatschen. „Cooler Trick!“, ruft der Teenager. „Ist das ein Filter?“ Leni grinst. „Der Loop-Filter. Gibt's nur hier, nur heute, nur sieben Sekunden lang.“

Sie springt ab, landet sauber und zischt weiter. Über ihr fliegt eine Drohne, die Sammelbilder statt Paketen verteilt. „Sammelbild: berühmte Papageien“, liest Leni, als ein Glitzersticker auf ihrer Schulter landet. „Nicht schlecht.“

Neonfurt ist jetzt eine wippende, kichernde Stadt. Sprühbrunnen tanzen Takt, Passanten singen ohne es zu merken, und ein Hotdog-Stand entschuldigt sich bei jedem Würstchen. Leni staunt und beeilt sich. Im Park muss die Welle ihren Ursprung haben.

3. Professor Pannes peinlich geniale Maschine

Im Stadtpark steht eine Kugel aus spiegelndem Metall, groß wie ein Kleinwagen, mit Kabeln, die in den Boden verschwinden. Auf der Kugel klebt ein Aufkleber: „Zufallswelle 3000. Vorsicht: kann Freude verursachen!“ Daneben, mit aufgerissener Frisur und einer Sicherheitsweste, die knallrot blinkt, steht Professor Panne. Neben ihm sitzt eine flaumige, graue Katze: Fräulein Turbine.

„Professor!“, ruft Leni. „Schöne Kugel. Schöne Katze. Schöne… Welle.“

Er dreht sich um, schon halb entschuldigend. „Leni! Wie wunderbar! Also noch wunderbar-wunderbarer wäre es, wenn… nun ja…“ Er zeigt auf ein Display, das aussieht wie ein Lolli mit Knöpfen. „Die Welle sollte eigentlich Langeweile vertreiben. Kleine Scherze. Unvorhersehbare… Mini-Überraschungen. Ich hab alles berechnet. Fast alles. Also… nichts.“

„Nichts?“, sagt Leni, ein Augenbraue hoch. „Bitte ehrlich.“

„Na gut“, seufzt der Professor. „Ich habe das Verhalten von Gummibällen unterschätzt. Und Fräulein Turbine hat sich auf die Starttaste gesetzt.“

Die Katze miaut unschuldig. Auf dem Display flackert eine Skala. Das Wort „Überraschung“ blinkt wie eine Diskokugel. „Wir können sie runterfahren“, sagt Leni, „sanft. Doch wenn sie so stark ist, könnte es überall weiterwackeln.“

„Ganz genau.“ Der Professor wackelt nervös. „Die Welle springt. Wenn ich hier drücke, passiert dort drüben etwas. Eben hat ein Straßenschild eine Rede gehalten.“

„Eine gute?“, fragt Leni. „Sehr inspirierend“, sagt er. „Über Rechtsabbiegen.“

Leni schiebt die Ärmel hoch. „Okay. Plan: Ich loop mich an die richtigen Knöpfe und nehme der Welle ihr Tempo. Du sagst mir die Reihenfolge.“

„Es gibt… keine Reihenfolge“, flüstert der Professor. „Das ist ja der Witz. Sie erfindet sich selbst.“ Er klingt dabei, als hätte er gerade in eine Zitrone gebissen.

„Na dann erfinden wir uns mit.“ Leni stellt sich hin, schließt kurz die Augen und hört. Ein tiefes Bumm. Ein leises Ping. Ein kicherndes Flirren. Neonfurt klingt wie ein Orchester, das seine Instrumente nicht kennt. „Gib mir sieben Sekunden, immer wieder“, sagt sie.

Sie setzt den ersten Loop. Zeit kringelt sich wie ein glitzerndes Band. Leni tippt Knopf eins, zwei, drei – die Kugel summt anders. Leni lässt den Loop zurückspringen. Wieder eins, zwei, drei, diesmal noch schneller. „Ha!“, ruft sie. „Ich hab deinen Rhythmus!“

Die Kugel wackelt. Ein paar Seifenblasen steigen auf. Eine Biene setzt sich auf den Professor und flüstert, „He, ruhig bleiben“, bevor sie weiterfliegt. Alles scheint gut – bis ein lauter „POING!“ die Luft zerteilt.

Das Wasser des Brunnens nebenan schießt plötzlich in die Höhe, formt eine Riesenhand und winkt. Kinder kreischen vor Lachen. „Äh“, sagt Leni. „Das war nicht ganz der Plan.“

Fräulein Turbine klatscht tatsächlich. Mit Pfoten. „Miau!“

4. Loops im Lachlabor

Leni versucht es erneut: Loop, Knopf, Knopf, Hebel. Die Kugel brummt tief wie ein schnurrender Wal. Im selben Moment beginnen plötzlich alle Pfützen im Park, zu spiegeln, was sie wollen, nicht was sie sollen: In einer Pfütze reitet ein Pinguin auf einem Einkaufswagen. In einer anderen trägt ein Hund einen Hut aus Spaghetti.

„Ich verliere sie!“, ruft der Professor, während er mit einem Klemmbrett wedelt. „Die Welle springt in… äh… in den Humor! In die Bilder im Kopf!“

„Dann schauen wir, was die Stadt gerade denkt“, sagt Leni knapp. Doch dann muss sie selbst lachen: Ihr eigenes Spiegelbild in einer Pfütze hat plötzlich einen Fisch auf dem Kopf. Sehr elegant.

„Leni!“, ruft eine Kinderstimme. Eine Gruppe Kids von der Skatefläche flitzt heran. Vorne fährt Jada, mit grünem Helm und ernstem Blick, aber lachenden Augen. „Kann ich helfen?“

„Vielleicht später“, sagt Leni. „Jetzt muss ich die Welle beruhigen, bevor aus jeder Mülltonne ein Elefant wird.“

„Ich hätte nichts gegen Elefanten“, sagt ein Junge. „Solange sie Skateboard fahren.“

„Eben das wäre das Problem“, murmelt der Professor.

Leni atmet tief durch. „Okay, Leni. Du hast Loops. Du hast ein Yo-Yo. Du hast Mut. Und du hast ein Publikum.“ Sie lächelt. „Dann machen wir daraus eine Show.“

Sie wickelt ihr Yo-Yo ab. Es leuchtet, wenn es sich dreht. Sie beginnt zu spielen, unauffällig. Das Yo-Yo flitzt, zieht strahlende Bahnen in die Luft. Links, rechts, über Kreuz. „Ihr da“, ruft Leni, „stellt euch in einer Linie auf. Wenn ich sage ‚Jetzt!‘, klatscht ihr dreimal. Einfach. Dann wieder. Wir geben der Welle einen Takt.“

„Rhythmus gegen Zufall?“, fragt Jada. „Gute Idee.“

„Außerdem super cool“, sagt ein anderer. „Drei, zwei, eins – jetzt?“

„Noch nicht.“ Leni spürt, wie die Kugel im Takt wippt. Das Yo-Yo summt. Sie setzt einen Loop. Die Zeit springt kurz zurück, gerade genug, um die rechte Hand eine Nuance schneller zu bewegen. „Jetzt!“ ruft sie.

Klatsch, klatsch, klatsch. Der Klang pflanzt sich fort, wie ein springender Stein auf einem See. Die Zufallswelle stolpert. Sie wird nicht schwächer, aber sie hört zu. Leni lächelt. „Noch mal!“

Klatsch, klatsch, klatsch. Der Brunnen winkt wieder, diesmal im Takt. Ein Werbeplakat verbeugt sich. Und irgendwo summt eine Straßenlaterne eine Melodie, die nach Spaghetti klingt.

„Es funktioniert!“, ruft der Professor. „Sie reagiert!“

„Reichen wir ihr die Hand“, sagt Leni. Sie dreht das Yo-Yo, so dass es ein leuchtendes O in die Luft malt. „Professor, wenn ich beim nächsten Loop ‚Banane‘ sage, drücken Sie diesen grünen Knopf. Niemand weiß, warum. Aber es fühlt sich richtig an.“

„Banane?“, fragt er.

„Vertrauen, ja?“

„Banane!“, ruft Leni und zack! Der Loop setzt ein. Der Professor drückt. Die Kugel zischt. Und plötzlich sind da… Konfetti. Nicht irgendwas. Weltklasse-Konfetti. Es schwebt langsam, schimmert in Regenbogenfarben, kitzelt die Nasen, ohne zu kitzeln, und landet sauber in einer riesigen, am Boden entstandenen Wanne.

„Das hat die Welle gemacht?“, fragt Jada. „Oder wir?“

„Zusammen“, sagt Leni. „Das Beste an Zufall ist, wenn man ihn mit Händen fängt.“

Dann jedoch: Das Konfetti versucht zu flüstern. „Psst“, macht es. „Pssst.“ Alle kichern. Leni merkt, dass sie kurz die Kontrolle verliert, als das Yo-Yo ihr entgleitet. Loop! Sie springt sieben Sekunden zurück, fängt das Yo-Yo elegant, verbeugt sich, als hätte sie das Absicht gehabt. Applaus. „Gern geschehen“, ruft sie und spürt, wie eine Idee wächst.

5. Wenn Chaos Programm hat

„Wir müssen das Chaos an Stellen locken, wo es keine Probleme macht“, sagt Leni. „Wie bei einem Straßenfest. Nur eben jetzt. Professor, können Sie die Zufallswelle auf ‚Spaßzonen‘ lenken?“

„Ich kann Markierungen setzen“, sagt er prompt. „Mit diesen Magnetbällen. Wenn ich sie werfe, zieht es die Welle ein Stück in die Richtung.“

„Perfekt.“ Leni wendet sich an Jada und die anderen. „Ihr seid jetzt die Konfetti-Kommando-Gruppe. Ihr lotst Leute aus den Chaoszonen und verteilt Lachen hin, wo es sicher ist. Max!“, ruft sie, denn natürlich ist Max irgendwie plötzlich da, mit einer Thermoskanne. „Kaffee in die sichere Zone, bitte!“

„Sichere Zone“, wiederholt Max, „gleich neben der gefährlichen Zuckerwatte!“

„Genau“, sagt Leni. „Ich tu so, als wäre ich die Dirigentin eines lustigen Orchesters. Drei, zwei, eins – klatsch!“

Und Neonfurt macht mit. Das ist das Magische an dieser Stadt: Niemand braucht lang, um zu verstehen, dass heute eine Geschichte erzählt wird. Leni schickt die Sprühbrunnen als Tanztruppe auf die Spielwiese, die Zufallswelle zappelt begeistert hinterher. Der Hotdog-Stand, immer noch höflich, entschuldigt sich bei jedem Ketchupspritzer und rollt freiwillig zum Rand. „Kein Stress, mein Freund“, sagt Leni. „Du machst das gut.“

Sie setzt Loops, um heikle Momente zu reparieren: ein Skateboard, das fast einen Kinderwagen streift, wird zurückgespult und rollt dann sanft vorbei; ein Fahrradfahrer, der plötzlich rückwärts fährt, bekommt sieben Sekunden geschenkt, um wieder vorwärts zu finden. „Alles okay?“, fragt Leni ständig, und die Antworten sind fast immer ein fröhliches „Ja!“

Nur einmal stockt ihr das Herz: Ein Baukran, weit weg, beugt sich wie ein freundlicher Giraffenhals. Leni hält den Atem an. Aber der Kran zwinkert – wirklich! – und richtet sich wieder auf. „Okay, Giraffe“, murmelt Leni, halb lachen, halb seufzen.

„Zweite Welle!“, ruft der Professor plötzlich. „Sie wird neugierig. Wenn wir sie jetzt nicht befriedigen, sucht sie sich neue Streiche.“

„Befriedigen?“, fragt Leni und sieht, wie am Horizont ein Luftballonstand nicht nur Ballons verkauft, sondern gleich die ganze Bude in die Luft hebt. Wie ein Zeppelin. „Ich hab's: Wir machen eine Parade.“

Ihr Plan nimmt Form an, schneller als Seifenblasen platzen. Jada organisiert mit dem Skate-Team die vorderste Reihe. Max verteilt Becher mit heißen Kakao, falls jemand Nerven braucht. Die Konfetti-Wanne wird zum Beginn der Strecke. Der Professor wirft seine Magnetbälle wie ein Jongleur und lenkt die Wellen wie ein Schäfer Hund.

Leni läuft vor der Parade her, die Arme weit. „Neonfurt!“, ruft sie. „Heute ist Unvorhersehbar-Tag! Wir feiern das Ungeplante – sicher, sanft, sauber! Folgt der Musik!“

Welche Musik? Neonfurt antwortet selbst. Ampeln summen, Schaufenster klirren im Takt, und irgendwo trommelt ein Bauarbeiter mit zwei Schraubenschlüsseln. Der Klang wächst. Die Zufallswelle schmiegt sich hinein. Sie tanzt. Sie spielt.

Eine Tüte Popcorn macht Pop-Salven im Rhythmus. Eine Taube setzt eine Sonnenbrille auf und nickt. Ein Staubsaugerroboter soppt im Takt. Ein Polizist, der sonst nie lacht, lächelt verwirrt – und tanzt ein bisschen mit. Leni spürt ein warmes Strahlen in der Brust. Das ist es. So und nicht anders.

Dann, gerade als die Parade am Parkteich vorbeizieht, hört Leni ein „Mraww!“ Sir Miezalot? Nein, anders. Fräulein Turbine steht auf der Zufallskugel. „Nicht gut“, sagt der Professor. „Sie steckt die Pfoten in… oh nein, in den Verstärker!“

Fräulein Turbine tippt mit elegantem Desinteresse auf zwei, drei bunte Punkte. Die Kugel leuchtet. „Das ist jetzt die Show nach der Show“, sagt Leni lächelnd. „Auf meine Verantwortung.“

Sie legt das Yo-Yo in ihre linke Hand, hebt die rechte, setzt drei schnelle Loops hintereinander, wie schnelle Nähte in die Zeit. „Professor!“, ruft sie. „Nenne mir drei Zahlen! Keine Zeit zum Denken!“

„Äh… sieben! Zwei! Elf!“, stammelt er.

„Gut“, sagt Leni und tippt in eben dieser Folge auf drei Sensorfelder. Die Kugel brummt tief. Die Zufallswelle macht ein Geräusch wie eine überraschte Gans. Und dann… wird es für einen Augenblick ganz still.

6. Sieben Sekunden Mut

Still bedeutet in Neonfurt, dass man plötzlich die kleinen Dinge hört: eine Perle, die irgendwo rollt; ein Windhauch, der an einer Fahne zieht; Kinder, die das Atmen vergessen. Leni spürt, wie ihr Herz im Brustkorb trommelt. Die Kugel brummt, und irgendetwas wartet. Etwas Großes, aber nicht Gefährliches. Wie eine Pointe, die gleich kommt.

„Jetzt“, flüstert Leni, „gibt's den größten Loop meines Lebens.“

Sie tippt ihr Yo-Yo an. Die sieben Sekunden beginnen, schimmern, knistern. Leni springt vor, packt die Kanten der Kugel, spürt die Energie in ihren Fingerkuppen. „Jada!“, ruft sie. „Wenn ich ‚Lachen‘ sage, klatscht ihr, so laut ihr könnt! Max! Du zählst rückwärts von sieben! Professor! Halte Fräulein Turbine so, dass sie nicht wieder auf die Knöpfe segelt.“

„Sie segelt nicht“, sagt er, „sie gleitet königlich!“ Fräulein Turbine schnurrt zustimmend.

„Sechs!“, ruft Max. „Fünf!“

Loop. Einmal. Der Sound. Der Hauch. Leni spürt, wie die Welle in ihrem Körper tanzt. Das ist nicht gefährlich. Das ist nur… wild.

„Vier! Drei!“

Leni drückt einen blauen Schalter. Die Kugel schickt einen Lichtkreis über die Köpfe der Menschen. Er ist warm wie Sonnenschein.

„Zwei!“

Sie zieht einen Hebel. Das Licht wird weicher. Wie Watte. Wie Wolken.

„Eins!“

„Lachen!“, ruft Leni.

Neonfurt lacht. Es ist kein Auslachen, kein albernes Kichern, sondern dieses tiefe, echte Lachen, das man nicht aufhalten kann. Die Zufallswelle zuckt – und legt sich wie eine rollende Katze auf den Rücken. Sie strampelt noch ein bisschen, als wolle sie sagen: „Gut gespielt.“ Und dann ist sie still.

Die Ampeln hören auf zu singen, der Brunnen winkt zum Abschied, die Schienen sind wieder Schienen. Konfetti fällt den letzten Zentimeter und landet mit einem sanften „Pfuff“.

Stille, dann Jubel. „Leni!“, rufen Kinder. „Loop!“, rufen andere. Der Professor wischt sich die Stirn. „Ich schwitze Konfetti“, sagt er und schaut auf seine Hände. „Tatsächlich.“

Fräulein Turbine springt Leni auf die Schulter und schnurrt, als hätte sie die halbe Arbeit gemacht. „Wir waren ein Team“, sagt Leni, streichelt sie und schaut sich um. Max kommt mit drei Bechern Kakao. „Für die Heldin, den Erfinder und die Königin der Knöpfe.“

„Ich nehme die Königin“, sagt Fräulein Turbine mit Blicken.

7. Nachglitzern

Die Stadtverwaltung ist begeistert. Bürgermeisterin Solara kommt mit einem umwerfenden Schal, der so aussieht, als sei er aus Sonnenuntergängen gewebt. „Neonfurt dankt!“, sagt sie feierlich und steckt Leni eine Anstecknadel an: ein kleines, lila L in einem Kreis. „Und Professor Panne, wir ernennen Sie zum Chef der Überraschungen. Allerdings mit Sicherheitsnetz.“

„Sicherheitsnetz?“, fragt er.

„Jada“, sagt die Bürgermeisterin, „möchtest du die Jugendbeauftragte für Spaßzonen sein? Du hast Talent.“

Jada reißt die Augen auf. „Ich? Echt jetzt?“ Leni nickt. „Du bist gut im Takt. Und du sagst Bescheid, wenn's zu viel ist. Das ist eine Superkraft.“

Max deutet auf den Park. „Seht mal.“ Da, wo die Konfetti-Wanne stand, ist eine Gasse aus Luftpolsterfolie entstanden. Perfekt für diesen Moment: Alle laufen drüber, Pop-pop-pop, wie kleines Feuerwerk. Leni blickt in den Himmel. Die Wolken sehen aus wie Zuckerwatte, aber beißen kann man trotzdem nicht rein. „Schade“, murmelt sie. „Vielleicht nächstes Mal.“

„Nächstes Mal?“, ruft jemand.

„Mit Sicherheitsnetz“, sagt Leni grinsend. „Und mit Plan. Und mit Platz für das, was wir noch nicht wissen.“

Die Menschen ziehen lachend ab. Einige erinnern sich später, dass in diesen Minuten alles leichter war. Nicht, weil es keinen Ärger gab, sondern weil sie alle gemeinsam eine Lösung fanden – mit Takt, mit Loops, mit Mut.

„Wie geht's weiter?“, fragt Max, als sie nebeneinander zum Café gehen. „Die Welt ohne Zufallswelle wirkt plötzlich… gewöhnlich.“

„Gewöhnlich ist auch schön“, sagt Leni und schnippt das Yo-Yo, das jetzt wieder einfach nur ein Yo-Yo ist. „Und glaub mir: Neonfurt langweilt sich nicht lange.“

Sir Miezalot wartet bereits auf dem Tresen. „Du warst zu Hause?“, fragt Leni. Er miaut, als hätte er die ganze Stadt im Blick gehabt, vom Kühlschrank aus. „Klar“, sagt Leni. „Dein Posten ist wichtig.“

Sie trinkt einen Schluck Kakao. Er schmeckt nach Ruhe und Schokolade. „Professor“, sagt sie dann, als er zu ihnen stößt, die Sicherheitsweste jetzt nur noch sanft blinkend, „versprichst du, nie wieder eine Maschine zu bauen, die du nicht vollständig verstehst?“

Er legt die Hand aufs Herz. „Ich verspreche, nie wieder zu behaupten, dass ich eine Maschine vollständig verstehe. Aber ich werde noch besser erklären, was passieren könnte. Und Knopf-Schutzhauben für Katzen montieren.“

„Vernünftige Hauben“, miaut Fräulein Turbine und schnurrt, als hätte sie gesprochen.

Jada kommt herein, den Helm unterm Arm, die Augen leuchtend. „Ich hab schon einen Plan für Spaßzonen. Mit Kreidewegen, Musikinseln und einer Schildkröten-Lounge.

„Schildkröten-Lounge?“, fragt Max.

„Langsame Ecke, um runterzukommen“, erklärt sie. „Mit Sitzsäcken.“

„Großartig“, sagt Leni. „Du wirst das toll machen.“

Draußen färbt sich der Himmel rosa. Die Stadt atmet aus. Leni steht auf, dreht das Yo-Yo, fängt es und steigt auf die Straße. Es wird nicht lange dauern, bis Neonfurt das nächste Unfuggeräusch macht. Das ist keine Drohung. Das ist ein Versprechen.

„Bis später“, sagt sie zu ihren Freunden, zu den Bäumen im Park, zu den Ampeln. Sie streicht über die Anstecknadel an ihrer Jacke. „Loop an, Stadt an.“

Und weil das Leben keine Fernbedienung hat – nur Menschen, die gut zuhören und mutig entscheiden – geht Leni Loop lächelnd nach Hause. Sie weiß jetzt noch besser: Das Unvorhersehbare ist weniger wild, wenn man es tanzen lässt. Und falls es doch mal hakt? Sie hat sieben Sekunden. Genau genug, um kurz zurückzuspringen, tief durchzuatmen und mit einem neuen Plan wieder vorwärtszugehen.

8. Epilog mit Popcorn

Später, in ihrer Küche, stellt Leni fest, dass ihr Toaster wieder normal ist. Fast. Er pfeift, wenn das Toast fertig ist. Sehr hübsch. „Ich lass dich so“, sagt Leni. „Pfeifen ist okay.“

Sir Miezalot sitzt auf dem Kühlschrank und betrachtet sie mit diesem Blick, der sagt: „Du bist spät dran. Aber ich bin geduldig, weil ich dich sehr mag.“ Leni legt ihm ein Mäusekissen hin. „Heldentat“, murmelt sie. „Auch du, Sir.“

Sie macht Popcorn, weil Popcorn nach Abenteuer klingt, wenn es poppt. Sie lässt es poppen, ohne zu loopen. Pop. Pop. Pop. Jeder Knall ist ein kleiner Applaus für den Tag. Sie lehnt sich ans Fenster. Neonfurt glitzert, aber ruhiger. Ein Fahrrad klingelt. Eine Katze in der Ferne miaut zur Melodie eines Schlaflieds – Echo der Ampel, vielleicht.

„Morgen“, sagt Leni leise, „morgen wird normal. Oder nicht. Ich bin bereit für beides.“

Sie wirft ein Popcorn hoch, fängt es mit dem Mund, verfehlt es, lacht, looped – nein. Heute nicht. Sie lässt es auf dem Boden landen, hebt es auf, wirft es in den Müll und zwinkert ihrem Spiegelbild im Fensterglas zu.

„Manchmal“, sagt sie zu sich selbst, „ist es gut, die sieben Sekunden einfach sein zu lassen.“

Und Neonfurt schläft ein. Nicht tief, nicht langweilig, sondern so, als ob es schon von der nächsten Pointe träumt. In diesem Traum ist Leni Loop mittendrin, mit einem Yo-Yo in der Hand, einem Plan im Kopf und genug Platz im Herzen für alles, was keiner geplant hat.

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Wegstrecken, die mit Kreide gezeichnet sind, oft für Spiele oder Kunst.
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Ampel
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Popcorn
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