Ein Morgen voller „Oh-oh“
Als der kleine Fuchs Fips die Augen aufmachte, kitzelte ihn ein Sonnenstrahl auf der Nase. Draußen zwitscherten die Vögel, und im Bau roch es nach warmem Moos.
Fips streckte sich, gähnte und murmelte: „Heute wird bestimmt…“
Da fiel sein Blick auf ein Blatt am Tunnelrand. Mama Fuchs hatte es gestern hingelegt. Darauf stand mit runden Buchstaben: „Vatertag!“
Fips setzte sich so schnell auf, dass seine Ohren wackelten. „Vatertag? Heute?“ Seine Augen wurden groß wie Haselnüsse. „Oh-oh. Ich habe gar nichts vorbereitet! Gar nichts! Nicht mal ein… ein… na, irgendwas!“
Er sprang auf, rannte zum Schlafplatz seines Papas und sah ihn schnarchen. Papa Fuchs lag wie ein gemütlicher, roter Berg da, die Pfoten unter dem Kinn. Neben ihm lag sein alter Lieblingsbecher aus Ton, ein bisschen schief, aber sehr geliebt.
Fips flüsterte: „Ich will dir was schenken, Papa. Aber ich hab nichts. Nur Zeit. Und… Ideen.“
„Ideen sind manchmal besser als Dinge“, knisterte eine Stimme von draußen.
Fips lugte aus dem Bau. Auf einem Stein saß Rabe Rudi und putzte seine Federn. „Du siehst aus, als hättest du ein Problem, kleiner Fuchs.“
„Ich hab Vatertag vergessen!“, flüsterte Fips verzweifelt. „Was soll ich denn jetzt machen? Es ist gleich Morgenfrühstück.“
Rudi neigte den Kopf. „Dann mach etwas Kleines. Etwas Echtes. Etwas… Fipsiges.“
Fips nickte, auch wenn er noch nicht wusste, was „fipsig“ sein sollte. Er rannte los, den Waldweg entlang. Die Luft war frisch und roch nach Tannennadeln. Überall glitzerte Tau wie winzige Perlen.
„Ich brauche eine Idee!“, sagte Fips zu einem Pilz. Der Pilz sagte nichts.
„Ich brauche eine Idee!“, sagte Fips zu einem Stein. Der Stein sagte auch nichts.
Dann raschelte es im Gebüsch. Hase Hedi sprang heraus, mit einem Grasbüschel im Maul. „Guten Morgen, Fips! Du rennst ja wie ein Windstoß.“
„Vatertag!“, keuchte Fips. „Ich hab nichts!“
Hedi spitzte die Ohren. „Dann bastel doch! Aus Papier!“
„Papier?“, fragte Fips. „Wo bekomme ich denn Papier im Wald?“
Hedi grinste und zog mit der Pfote ein Stück helles Papier aus ihrer kleinen Tasche. „Ich hab gestern eine Karte bekommen. Die war eingewickelt. Das Papier war zu schön zum Wegwerfen. Nimm es!“
Fips nahm das Papier, als wäre es ein Schatz. „Danke! Aber was bastle ich daraus?“
Hedi dachte kurz nach. „Dein Papa ist stark, oder? Dann mach ihm eine Krone! Oder… einen Pokal!“
„Einen Pokal?“, wiederholte Fips. Sein Herz machte einen kleinen Hüpfer. „Ja! Einen Pokal! Für den besten Papa!“
„Genau!“, sagte Hedi. „Und wenn du willst, komme ich später vorbei und tue so, als würde ich staunen.“
Fips lachte. „Abgemacht!“
Der Pokal aus Papier
Fips schlich zurück zum Bau. Papa Fuchs schnarchte immer noch, als würde er ein Lied brummen. Fips setzte sich in eine Ecke, wo das Licht weich auf den Boden fiel.
„Okay, Fips“, flüsterte er. „Du kannst das.“
Er legte das Papier vor sich hin. Es war glatt und roch ein bisschen nach Blumen, als hätte es mal etwas Besonderes eingepackt. Fips suchte nach einem Kohlestückchen vom Feuerplatz. Endlich fand er eines, schwarz und ein wenig staubig.
Mit der Zungenspitze zwischen den Zähnen begann er zu zeichnen. Erst einen großen Becher: rund unten, oben weit, damit man darin ganz viel „Danke“ sammeln konnte. Dann malte er links und rechts zwei Henkel, wie kleine Ohren.
„Pokal-Ohren“, flüsterte Fips und kicherte leise.
Dann schrieb er darunter, so gut er konnte: „Für Papa. Du bist der Beste!“ Das „Beste“ sah ein bisschen aus wie „Bestei“, aber Fips fand: Das zählt. Er malte noch drei kleine Herzen dazu, die eher wie Kartoffeln aussahen. Aber liebe Kartoffeln, dachte er.
Nun kam der schwierige Teil. „Wie wird das ein echter Pokal?“, murmelte Fips. Er faltete das Papier. Es knisterte wie Herbstlaub. Er rollte es vorsichtig zu einer Becherform und drückte die Kante fest.
„Oh nein“, flüsterte Fips, als die Rolle wieder aufspringen wollte. Das Papier machte „flapp!“ und plumpste auseinander.
Fips atmete tief ein. „Nicht traurig werden. Kreativität heißt: nochmal.“
Er versuchte es erneut. Diesmal drückte er die Kante mit einem Klecks Beerenmus fest, das noch in einer kleinen Schale stand. „Klebt bestimmt“, sagte er hoffnungsvoll.
Es klebte. Nur ein bisschen zu gut.
Fips' Pfote blieb am Papier hängen. „Uff!“ Er zog, und ein kleines Stück riss ab. „Oh-oh.“
In dem Moment raschelte es am Eingang. Eichhörnchen Ella steckte den Kopf herein. „Was machst du da? Sieht aus wie… ein schiefer Hut.“
Fips seufzte. „Es soll ein Pokal werden. Aber mein Pokal benimmt sich wie ein Fisch. Flutschig und zappelig.“
Ella kicherte. „Ich kann helfen! Ich hab trockene Rinde. Die ist wie ein Brettchen. Damit kannst du das Papier glatt drücken.“
Sie brachte ein Stück dünne Rinde. Fips legte das Papier darauf, rollte es wieder und drückte es vorsichtig mit der Rinde fest. Dann schnitt er mit einem kleinen, glatten Stein zwei Streifen aus einem Restpapier und klebte sie als Henkel an.
„Tadaaa“, flüsterte Fips.
Der Pokal war nicht perfekt. Er war ein wenig schief, und ein Henkel schaute frecher nach oben als der andere. Aber er sah aus wie ein Pokal. Ein echter Fips-Pokal.
„Und jetzt?“, fragte Ella.
Fips schaute nachdenklich zu Papa Fuchs, der sich gerade im Schlaf drehte und leise „mhm“ machte. „Jetzt brauche ich etwas, das man nicht kaufen kann.“
„Was denn?“, flüsterte Ella.
Fips grinste. „Einen Pokal-Moment.“
Vatertag mit Überraschung
Als Papa Fuchs später aufwachte, streckte er sich und sagte: „Mmm, der Morgen riecht nach… Abenteuer. Und ein bisschen nach Beeren.“
Fips sprang vor ihn, so geschniegelt wie ein kleiner Fuchs nur sein konnte. „Papa! Schließ die Augen!“
Papa Fuchs blinzelte. „Warum? Hast du etwa… den Wald umgestellt?“
„Vielleicht“, sagte Fips geheimnisvoll. „Augen zu!“
Papa Fuchs schloss die Augen. Fips stellte den Papierpokal vorsichtig vor seine Pfoten. Dann räusperte er sich, so wichtig, dass es fast lustig war.
„Ahem! Hiermit bekommt der beste Papa im ganzen Wald den Super-Papa-Pokal!“, verkündete Fips.
„Darf ich gucken?“, fragte Papa Fuchs.
„Jetzt!“, rief Fips.
Papa Fuchs öffnete die Augen. Erst schaute er auf den Pokal. Dann schaute er auf Fips. Seine Augen wurden weich wie warmes Licht.
„Oh“, sagte Papa Fuchs leise. „Der ist wunderschön.“
„Wirklich?“, fragte Fips unsicher. „Er ist ein bisschen schief. Und das da ist Beerenkleber. Und… das Wort ‚Beste‘ ist vielleicht… na ja.“
Papa Fuchs nahm den Pokal ganz vorsichtig, als wäre er aus Mondschein. „Schief heißt: selbst gemacht“, sagte er. „Beerenkleber heißt: mutig improvisiert. Und ‚Bestei‘ heißt…“ Er tat so, als würde er überlegen. „…heißt: bester Papa mit extra Ei!“
Fips prustete los. „Extra Ei? Aber wir haben doch gar keine Eier!“
„Eben“, sagte Papa Fuchs und lachte. „Das macht es besonders.“
Da hörte man draußen ein „Huuu!“ Hase Hedi sprang hervor. „Ooooh! Ein Pokal! Wie glänzend… na ja, fast glänzend!“
Eichhörnchen Ella klatschte mit den Pfoten. Rabe Rudi saß auf einem Ast und rief: „Krah! Applaus für Kreativität!“
Fips wurde ganz warm im Bauch. „Ich dachte, ich hab zu spät dran gedacht“, sagte er. „Aber dann habe ich einfach angefangen.“
Papa Fuchs zog Fips an sich. Sein Fell roch nach Wald und Ruhe. „Weißt du, Fips“, sagte er, „Vatertag ist nicht für große Geschenke. Er ist für kleine Zeichen. Für ein ‚Ich hab dich lieb‘, das man sehen kann.“
Fips nickte. „Und für Pokal-Ohren!“
„Unbedingt“, sagte Papa Fuchs feierlich.
Dann machten sie ein kleines Vatertags-Frühstück: Beeren, Nüsse und ein bisschen Honig, den Papa Fuchs irgendwo „ganz zufällig“ gefunden hatte. Sie saßen vor dem Bau, und das Licht tanzte auf den Blättern.
Fips schaute auf seinen Papa und auf den schiefen Pokal zwischen ihnen. Er fühlte sich groß, obwohl er klein war.
Ganz leise, damit es nur der Wind hören konnte, flüsterte Fips am Ende: „Ich wünsche mir, dass wir noch ganz viele solche Tage haben.“