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Geschichte ĂŒber das Neujahrsfest 9/10 Jahre Lesen 15 min. VerfĂŒgbar als Hörgeschichte (1)

Die SilberwĂŒnsche im Silvesterdampf

Milo und seine Freundin Leni lernen bei Oma Inge die Tradition der Silbersuppe kennen, bei der man WĂŒnsche auf Silberstreifen schreibt und sie ĂŒber Dampf ins neue Jahr schickt. Gemeinsam bringen sie den Brauch nach Hause und erleben dabei ein heimliches, kleines Wunder.

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Sechs Personen in einer warmen, leicht ĂŒberladenen FamilienkĂŒche: Milo, 9 Jahre, kurz kastanienbraunes Haar, roter Ringelpulli, steht links-mittig und hĂ€lt ein kleines silbernes BĂ€ndchen ĂŒber den Dampf; Leni, 9 Jahre, blonde Zöpfe, blaue Jacke, rechts von Milo, lĂ€chelnd, ebenfalls mit einem SilberbĂ€ndchen ĂŒber dem Dampf; Tom, 6 Jahre, zerzaustes braunes Haar, grĂŒner Schlafanzug, steht auf Zehenspitzen zwischen Milo und dem Tisch und flĂŒstert seinen Wunsch; Mama, Ende 30, gebundene Haare, geblĂŒmte SchĂŒrze, am Arbeitsbereich, bereitet GlĂ€ser vor und schaut liebevoll; Papa, Ende 30, leichter Bart, grauer Pullover, am Herd, hat den Wasserkocher leicht geöffnet, um Dampf entweichen zu lassen und achtet auf die Sicherheit; Oma Inge, graues gewelltes Haar, Strickcardigan, links bei der TĂŒr, lĂ€chelnd und hĂ€lt eine kleine leere Blechdose mit silbernen Streifen. Ort: helle Fliesen, Holztisch mit Tellern und einer silbernen Blechdose, dampfender Wasserkocher auf dem Herd, bunte Lichterketten an den Fenstern, Schneeflocken draußen, goldenes, weiches Licht, das auf den Silberstreifen reflektiert. Hauptsituation: die Familie versammelt um einen großen weißen Dampfwolke, jeder hĂ€lt ein silbernes BĂ€ndchen ĂŒber den Dampf, um still WĂŒnsche zu senden — intime, leuchtende, staunende Szene. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

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Dauer der Hörgeschichte: 16:24

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Kapitel 1: Der Krach in der KĂŒche

Am letzten Tag des Jahres roch es bei Milo zu Hause nach Zimt, warmen Waffeln und ein bisschen nach
 Klebeband. Das kam vom großen Karton, den Papa mitten in die KĂŒche gestellt hatte.

„Warum klebt der Karton wie ein Mumienfuß?“ fragte Milo und tippte vorsichtig dagegen.

Papa grinste. „Weil er sonst wieder aufspringt. Da drin sind die Wunderkerzen und die Tischdeko. Und ja: Dieses Jahr machen wir alles ganz ordentlich.“

„Ordentlich an Silvester?“ Milo zog die Augenbrauen hoch. Er war neun und fand, Silvester dĂŒrfe ruhig ein bisschen wild sein.

In diesem Moment klingelte es. Draußen stand Leni, auch neun, mit roten Wangen und einer MĂŒtze, die aussah wie ein kleines Zelt.

„Bist du bereit?“ flĂŒsterte sie, als wĂ€re das ein Geheimauftrag.

„WofĂŒr?“

Leni zog einen Zettel aus ihrer Jackentasche. „Meine Oma hat mich losgeschickt. Ich soll ihr helfen, die Silbersuppe zu kochen. Und sie hat gesagt, ich darf dich mitnehmen, wenn du
 loyal bist.“

„Loyal?“ Milo lachte. „Ich bin der loyalste Mensch der Welt. Ich habe sogar mal meinem Kaktus jeden Tag ‚Guten Morgen‘ gesagt.“

„Das zĂ€hlt,“ sagte Leni ernst. „Komm.“

Milos Mama stellte ihm schnell eine MĂŒtze auf den Kopf. „Aber seid respektvoll bei Oma Inge, ja? Und passt auf die GlĂ€tte auf.“

„Wir sind respektvoll wie BibliotheksmĂ€use,“ versprach Milo.

Draußen knirschte der Schnee. Überall hingen Lichterketten wie kleine, eingefrorene Regenbögen. Irgendwo knallte schon ein ganz frĂŒher Böller, als wollte jemand die Zeit erschrecken.

„Ich liebe dieses Kribbeln,“ sagte Leni und hopste ĂŒber eine Eisstelle, als wĂ€re sie eine BĂŒhne. „Gleich ist alles neu.“

Milo nickte. „Und vielleicht findet man heute ein Silvester-Geheimnis.“

Als sie bei Oma Inge ankamen, war die TĂŒr schon einen Spalt offen, als hĂ€tte das Haus sie erwartet.

Kapitel 2: Oma Inges geheimnisvolle Silbersuppe

Oma Inges Wohnung war warm wie eine Decke. Über dem Herd dampfte ein großer Topf, und auf dem Tisch standen SchĂŒsseln mit Linsen, Karotten, KrĂ€utern und etwas, das aussah wie kleine Sterne aus Nudelteig.

„Ah, meine Silvesterhelfer!“ Oma Inge klatschte in die HĂ€nde. „Kommt rein, Schuhe aus, und HĂ€nde waschen. Respekt beginnt mit sauberen Fingern.“

Milo schmunzelte, wusch sich aber so grĂŒndlich, dass seine HĂ€nde quietschten.

„Silbersuppe?“ fragte er, als er wieder in der KĂŒche stand. „Ist da echtes Silber drin?“

Oma Inge zwinkerte. „Nicht zum Essen, keine Sorge. Silber ist ein Versprechen. Setzt euch.“

Sie holte eine kleine Blechdose hervor. Darin lagen dĂŒnne, glĂ€nzende Streifen – wie winzige MondstĂŒcke.

„Das sind SilberwĂŒnsche,“ erklĂ€rte sie. „Alte Tradition. Man schreibt einen Wunsch oder einen Dank auf einen Streifen, faltet ihn klein und legt ihn neben den Topf. Um Mitternacht wird der Streifen kurz ĂŒber den Dampf gehalten. Dann trĂ€gt der Dampf den Wunsch in die neue Zeit.“

Leni riss die Augen auf. „Das ist ja
“

„Ein bisschen wunderbar,“ sagte Oma Inge. „Und ein bisschen Alltag. Denn die Suppe schmeckt auch einfach gut.“

Milo beugte sich nĂ€her. Die Streifen glĂ€nzten so hell, dass er sich darin fast spiegeln konnte. „Und wenn man etwas Fieses draufschreibt?“

Oma Inge schĂŒttelte den Kopf. „Dann bleibt es schwer und sinkt. WĂŒnsche brauchen Respekt, sonst finden sie keinen Weg.“

Das gefiel Milo. Es klang wie eine Regel, die nicht nervte, sondern leuchtete.

„Ihr dĂŒrft beide einen Streifen beschriften,“ sagte Oma Inge und stellte ihnen Stifte hin. „Aber vorher: Helfen. LoyalitĂ€t heißt auch, nicht nur zu gucken.“

Also schnitt Milo Karotten in kleine MĂŒnzen. Leni rĂŒhrte Linsen, als wĂŒrde sie eine Zauberformel mischen. Oma Inge streute KrĂ€uter hinein, und der Duft machte Milo plötzlich sehr fröhlich.

„Wir feiern heute Abend bei Milo,“ sagte Leni. „Aber könnten wir diese Tradition mitnehmen?“

Oma Inge sah Milo an. „Was meinst du?“

Milo stellte sich vor, wie seine Familie um Mitternacht ĂŒber einem Topf stand und WĂŒnsche in den Dampf schickte. Es war anders als laute Knaller, aber genau deshalb spannend.

„Ja,“ sagte er. „Wenn ich's richtig machen darf.“

Oma Inge nickte zufrieden. „Dann bekommt ihr ein kleines Set. Aber Achtung: Der wichtigste Teil ist nicht das Silber. Es ist das, was man draufschreibt.“

Sie gab Milo eine zweite Dose. „FĂŒr eure Feier. Und jetzt: Probiert die Sternnudeln. Sie bringen GlĂŒck, weil sie so tun, als wĂ€ren sie mutig.“

Milo nahm eine Sternnudel, hielt sie hoch und sagte: „Ich bin mutig.“

Leni prustete los. „Du bist eine Nudel!“

„Eine loyale Nudel,“ verbesserte Milo.

Und Oma Inge lachte so, dass die Fenster ein bisschen mitlachten.

Kapitel 3: Die Jagd nach dem richtigen Dampf

Als Milo und Leni spĂ€ter wieder bei Milo zu Hause ankamen, war es draußen schon dunkel. Die Straßenlaternen machten goldene Flecken auf den Schnee. Durch viele Fenster sah man Menschen, die hin und her liefen, als hĂ€tten sie alle einen kleinen, unsichtbaren Timer im Bauch.

In Milos Wohnzimmer stand ein Tisch mit Chips, Trauben, kleinen Sandwiches und einer Schale mit GlĂŒckskeksen, die Mama „eigentlich völlig un-silvesterlich“ fand, aber trotzdem mochte.

„Ihr seid ja wieder da!“ rief Milo's kleiner Bruder Tom, der erst sechs war, und rannte fast in Leni hinein. „Knallt es gleich?“

„SpĂ€ter,“ sagte Milo und hob warnend den Finger. „Wir haben etwas Besonderes.“

Papa kam aus der KĂŒche, die Ärmel hochgekrempelt. „Ich habe einen Plan fĂŒr Mitternacht: erst anstoßen, dann raus, dann Raketen.“

Milo rĂ€usperte sich. „Wir haben auch einen Plan. Einen
 Dampf-Plan.“

Alle starrten ihn an, als hÀtte er gesagt, er wolle mit einem Toaster sprechen.

Leni stellte die Blechdose auf den Tisch. „Das sind SilberwĂŒnsche von Oma Inge. Man schreibt WĂŒnsche oder Dank drauf und hĂ€lt sie um Mitternacht ĂŒber Supf— Ă€h, Suppe— Dampf.“

Tom machte große Augen. „Darf ich auch?“

Milo war kurz unsicher. Er wollte alles richtig machen. Aber loyal sein hieß auch: alle mitnehmen, nicht nur die Großen.

„Ja,“ sagte er. „Aber nur, wenn du respektvoll schreibst.“

Tom nickte so energisch, dass seine Haare wackelten.

Mama nahm einen Streifen in die Hand. „Das ist eine hĂŒbsche Idee. Aber wir haben keinen Topf auf dem Herd.“

Papa kratzte sich am Kinn. „Ich koche doch keine Suppe um Mitternacht.“

„Muss nicht die Silbersuppe sein,“ sagte Leni schnell. „Oma Inge meinte, wichtig ist der Dampf.“

Milo dachte nach. Dampf
 Dampf gab es beim Wasserkocher! Oder beim Nudeltopf! Oder – er schnupperte – beim Waffeleisen? Nein, das war eher
 Duft.

„Wir machen einen Teekessel,“ schlug Milo vor. „Heißes Wasser, sicher, und es dampft.“

Papa hob eine Augenbraue. „Und ihr haltet Papier ĂŒber kochendes Wasser?“

„Nicht Papier,“ sagte Milo wichtig und klopfte auf die glĂ€nzenden Streifen. „SilberwĂŒnsche.“

Mama lachte leise. „Wir halten sie kurz ĂŒber den Dampf, okay? Aber vorsichtig. Respekt vor heißem Wasser.“

„Respekt ist mein zweiter Vorname,“ sagte Milo.

„Heißt du Milo Respekt?“ fragte Tom.

„Fast,“ sagte Leni. „Er heißt Milo Loyal.“

Die Stunde bis Mitternacht verging mit Spielen, Musik und dem GerĂ€usch von gelegentlichen Knallern draußen, die wie ungeduldige Trommeln klangen. Immer wieder schaute Milo auf die Uhr. Er merkte, wie wichtig ihm dieser neue Brauch wurde. Es fĂŒhlte sich an, als hĂ€tte er etwas gefunden, das die Nacht nicht nur laut, sondern auch bedeutungsvoll machte.

Kurz vor zwölf legten sie Stifte und Streifen bereit. Jeder bekam einen.

„Nur ein Satz,“ sagte Milo, wie Oma Inge. „Sonst wird es ein Roman.“

„Aber ich kann doch
“ begann Tom.

„Ein Satz,“ wiederholte Milo und grinste. „Romane morgen.“

Sie schrieben. Leni kaute dabei auf der Zunge, als wĂŒrde sie jeden Buchstaben abwiegen. Papa schrieb langsam, Mama sehr schnell. Tom schrieb krakelig und ernst.

Milo hielt seinen Streifen ĂŒber dem Tisch und las leise, was er geschrieben hatte. Dann faltete er ihn klein, so klein wie ein KĂ€fer, der sich versteckt.

Draußen wurde es lauter. Stimmen, GelĂ€chter, TĂŒren, Schritte im Schnee. Die ganze Welt hielt den Atem an – und tat gleichzeitig so, als wĂŒrde sie ganz viel Luft zum Feiern brauchen.

Kapitel 4: Mitternacht, Silber und ein kleiner Zauber

„Noch zehn!“ rief Papa und stellte den Teekessel auf die Herdplatte. Das Wasser darin zitterte schon vor Hitze.

Alle standen in der KĂŒche. Sogar Tom war plötzlich still. Milo spĂŒrte sein Herz, als hĂ€tte es eine kleine Trommel bekommen.

„Neun! Acht!“

Mama stellte die GlĂ€ser bereit, aber niemand trank. Alle hielten die gefalteten SilberwĂŒnsche in der Hand.

„Sieben! Sechs!“

Der Kessel begann zu pfeifen. Ein klarer Ton, als wĂŒrde er sagen: Jetzt. Jetzt. Jetzt.

„FĂŒnf! Vier! Drei!“

Milo sah Leni an. Ihre Augen glÀnzten wie die Streifen.

„Zwei! Eins!“

„Frohes neues Jahr!“ riefen sie alle durcheinander, und im gleichen Moment drĂŒckte Papa den Herd aus. Der Pfeifton wurde leiser, aber der Dampf stieg noch hoch, weich und weiß.

Draußen knallte es jetzt richtig. Farben sprangen gegen den Himmel, als wĂŒrde jemand mit Kreide auf Dunkelheit malen.

„Okay,“ sagte Milo. „SilberwĂŒnsche.“

Papa hielt den Deckel des Kessels vorsichtig einen Spalt offen, damit der Dampf herausströmen konnte, ohne dass jemand zu nah ranmusste. Milo erinnerte sich an Oma Inges Stimme: Respekt.

Einer nach dem anderen trat vor.

Leni war zuerst. Sie hielt ihren Streifen kurz ĂŒber den Dampf. Der Streifen zitterte, als wĂŒrde er atmen.

„Gute Reise,“ flĂŒsterte Leni.

Mama war dran, dann Papa. Tom trat vor, auf Zehenspitzen.

„Darf ich vorlesen?“ fragte Tom.

Milo ĂŒberlegte kurz. Oma Inge hatte gesagt, es geht um das, was man schreibt. Und vielleicht wurde es stĂ€rker, wenn man es teilt.

„Wenn du willst,“ sagte Milo.

Tom rĂ€usperte sich und las langsam: „Ich wĂŒnsche mir, dass wir uns nicht so oft streiten und dass mein Hamster nicht mehr in meine Hausaufgaben beißt.“

Alle lachten, aber freundlich. Papa strich Tom ĂŒber den Kopf. „Das ist ein guter Wunsch.“

Dann war Milo dran. Er spĂŒrte plötzlich, dass sein Satz schwerer war als ein normaler Satz. Nicht traurig. Nur wichtig.

Er hielt den Streifen ĂŒber den Dampf. Der Dampf kitzelte seine Finger ein bisschen, und in dem Moment schien das KĂŒchenlicht kurz zu flackern – nicht wie ein Fehler, eher wie ein Zwinkern.

Milo flĂŒsterte seinen Satz, damit der Dampf ihn wirklich hören konnte: „Ich will im neuen Jahr besser zuhören, auch wenn ich schon eine Antwort im Kopf habe.“

Als er den Streifen zurĂŒcknahm, fĂŒhlte er sich leichter, als hĂ€tte er eine Jacke ausgezogen, die zu eng war.

„Das war
 schön,“ sagte Mama leise.

Und dann, ganz plötzlich, passierte etwas MerkwĂŒrdiges: Aus dem Dampf löste sich ein winziger Wirbel, wie ein Mini-Tornado aus Nebel. Er drehte sich einmal, zweimal und formte fĂŒr einen Augenblick etwas, das wie ein kleines, lĂ€chelndes Gesicht aussah.

Tom schnappte nach Luft. „Habt ihr das gesehen?!“

Leni rieb sich die Augen. „War das
 ein Dampfgeist?“

Papa blinzelte. „Vielleicht war es
 eine besonders kreative Wolke.“

Der Wirbel zerplatzte, und der Dampf zog wieder ganz normal in die Luft. Doch in der KĂŒche blieb dieses GefĂŒhl, als hĂ€tte das neue Jahr kurz Hallo gesagt.

Draußen riefen Nachbarn „Frohes Neues!“, und der Himmel leuchtete weiter. Milo und Leni sahen sich an. Sie sagten nichts, aber sie wussten beide: Das war ihr kleines StĂŒck Wunder.

Kapitel 5: Ein Dank, der bleibt

Am nĂ€chsten Morgen lag ĂŒber der Stadt eine ruhige, glitzernde Stille. Keine Knaller mehr, nur Schnee und ein paar mĂŒde, aber glĂŒckliche Spuren.

Milo zog sich schnell an. Leni stand schon vor der TĂŒr, als hĂ€tte sie in der Nacht gar nicht geschlafen.

„Oma Inge muss es erfahren,“ sagte sie. „Und wir mĂŒssen uns bedanken.“

Sie liefen durch den knirschenden Schnee, vorbei an mĂŒden Girlanden und vereinzelten RaketenstĂ€ben, die aussahen wie kleine, schwarze Grashalme.

Oma Inge öffnete, noch im gemĂŒtlichen Pullover. „Na? Habt ihr die SilberwĂŒnsche fliegen lassen?“

„Ja!“ rief Leni. „Und
 es war toll.“

Milo trat vor und hielt die leere Blechdose hoch. „Wir haben alles benutzt. Und wir waren vorsichtig. Und respektvoll.“

Oma Inge nickte. „So soll es sein.“

Milo holte tief Luft. Er dachte an seinen Wunsch. An das Flackern. An das winzige Dampfgesicht. Vielleicht war es Einbildung gewesen, vielleicht auch nicht. Aber es hatte sich echt angefĂŒhlt.

„Oma Inge,“ sagte Milo, „danke. Wirklich. Danke, dass du uns deine Tradition gegeben hast. Es hat unsere Silvesternacht
 wĂ€rmer gemacht. Nicht nur laut.“

Oma Inge lĂ€chelte, und ihre Augen wurden ganz weich. „Bitte, Milo. Traditionen sind wie Lichterketten: Man kann sie weitergeben, und dann leuchten mehr Fenster.“

Leni nahm Milos Ärmel und flĂŒsterte: „Und nĂ€chstes Jahr machen wir wieder Dampf.“

Milo grinste. „Mit Respekt.“

Tom, der ihnen gefolgt war, rief von hinten: „Und ohne Hamster in den Hausaufgaben!“

Oma Inge lachte. „Das ist ein Wunsch, den sogar der Dampf versteht.“

Sie setzten sich an den Tisch, tranken Kakao und hörten draußen den leisen Winter. Das neue Jahr fĂŒhlte sich an wie eine frisch aufgeschĂŒttelte Decke: sauber, weich, bereit fĂŒr Spuren.

Und in Milo war ein kleines, helles Versprechen – wie ein StĂŒck Mond in einer Blechdose.

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Wunderkerzen
Kleine Feuerzeuge, die beim AnzĂŒnden viele Funken sprĂŒhen
Knirschte
Ein GerÀusch, wenn Schnee unter den Schuhen bricht
Respekt
Freundlicher und vorsichtiger Umgang mit anderen oder Dingen
Silbersuppe
Eine besondere Suppe in der Geschichte mit einem alten Brauch
Dampf
Unsichtbares, heißes Wasser, das in die Luft steigt
Tradition
Etwas, das Familien oder Gruppen immer wieder tun
Streifen
DĂŒnne, lange StĂŒcke aus Papier oder Metall
GlÀnzten
Etwas leuchtet oder reflektiert Licht sehr hell
Zitterte
Leichtes, schnelles SchĂŒtteln oder Beben
Klebeband.
Ein Band, das Dinge zusammenhÀlt (hier mit Punkt wie im Text)

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