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Geschichte einer fantastischen Kreatur 5/6 Jahre Lesen 12 min.

Die Quelle des Verzeihens

Lila entdeckt auf dem Markt eine verstaubte Quelle und den einsamen Troll Brom; mit kleinen Gesten versucht sie, die Quelle und die Gemeinschaft wiederzubeleben.

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Ein kleiner Troll namens Brom, lächelnd und gerührt, mit weicher moosgrüner Haut, rundem Nasenrücken und geflochtener Bart aus bunten Wollfäden, steht neben einem steinernen Brunnen, eine Hand am Rand, die andere hält eine kleine Flöte; ein etwa siebenjähriges Mädchen, Lila, mit kastanienbraunen Locken und rot flatternder Kapuze, hockt am Brunnenrand, sanft und mutig, reicht dem Troll eine violette Blume; ein erwachsener Händler (ca. 40), markantes, überrascht-weiches Gesicht, hält eine kleine Federdose und steht leicht links hinter Lila; Schauplatz: Markt auf gepflastertem Platz mit bunten Ständen, hängenden Papierlaternen in Rot, Gelb und Blau und Lichterketten; zentrale Steinbrunnen sprüht klares Wasser in einen feinen Bogen, in dem ein zarter Regenbogen glitzert; Stimmung: freudige Versöhnung, das Wasser funkelt in rosa und goldenen Lichtreflexen, applaudierende Kinder im Hintergrund; Farb- und Stilrichtung: warme Pastelltöne, sanfte Kontraste, einfache Texturen, abgerundete Konturen, gemütliche, wohlwollende Atmosphäre; Bildkomposition: Nahaufnahme des Brunnens und der beiden Figuren in der Mitte, unscharfe Stände im Hintergrund, goldenes Abendlicht. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Teil 1 — Der Markt der bunten Lichter

In einer Stadt, die auf einer Wolke zu ruhen schien, lag ein Markt, den alle den Markt der Wunder nannten. Stände reihten sich wie Regenbogen. Lampions hingen an Fäden und wiegten sich leise im Wind. Es roch nach Zimt und frischem Brot, nach Lavendel und süßem Zucker. Hinter den Tüchern sangen Glöckchen, und kleine Laternen sprangen wie lachende Käfer.

Mitten in diesem Markt ging Lila spazieren. Lila war ein kleines Mädchen mit Haaren wie Kastanien und Augen so neugierig wie zwei kleine Monde. Sie trug einen roten Umhang, der beim Rennen fröhlich flatterte. Lila liebte den Markt. Sie kannte jeden Duft, jeden Klang und jeden Stand. Es gab einen Stand mit singenden Teetassen, einen mit fliegenden Katzen, die auf Kissen schlummerten, und einen mit bunten Stiefeln, die beim Gehen kleine Blumen pflanzten.

Doch an einem Morgen war etwas anders. Unter einem alten Zelt, das aus grünem Samt genäht war, stand eine kleine, verstaubte Fontäne. Niemand beachtete sie mehr. Das Wasser schlief still, ein winziger Kreis ohne Glanz. Die Steinränder waren mit Moos bedeckt, das Geschichten murmelte, aber niemand hörte hin. Lila blieb stehen. Ihr Herz klopfte sacht wie eine kleine Trommel. Sie spürte, dass dieses Wasser ein Geheimnis hatte.

An der Fontäne saß ein Troll. Er war nicht groß wie die Trolle in den Fabeln. Dieser Troll war kleiner als ein Korb und weich wie ein Kissen. Sein Bart war bunt geflochtener Wollfaden. Er trug eine Weste mit vielen Taschen, gefüllt mit Kieseln, Knöpfen und Flöten. Die Menschen im Markt würden ihm aus dem Weg gehen, weil sie dachten, Trolle seien grimmig. Doch dieser Troll lächelte nie richtig. Seine Augen waren müde. Er hieß Brom.

Lila setzte sich neben ihn. Brom erzählte in Gedanken Geschichten ohne Worte. Lila legte ihre Hand an den kalten Rand der Fontäne. Das Wasser war still, aber mild. Sie dachte an alle Lieder, die nicht gesungen wurden, an alle Dinge, die man vergaß zu pflegen. Etwas in ihr flüsterte: Wache, Quelle.

Sie nahm eine kleine Muschel, die sie immer bei sich trug. Das war ihr Mutstück. Lila atmete tief ein. Dann sang sie ein leises Lied, das ihre Großmutter ihr einst gesungen hatte. Es war ein Lied über Mondlicht und Brotkrumen, über Hände, die helfen, und über Augen, die wieder sehen. Die Töne waren klein. Das Wasser schlief noch. Aber ein Tropfen zuckte, ein Funken wie ein winziges Licht. Lila lächelte. Der Troll sah sie an, und seine Augen wurden einen Hauch klarer.

Teil 2 — Das Erwachen der Quelle

Lila kehrte jeden Tag zur Fontäne zurück. Manchmal brachte sie einen Zettel mit einem Wunsch, den sie vorsichtig neben den Stein legte. Manchmal gab sie dem Troll einen Keks oder ein Netz voll glänzender Murmeln. Brom wurde ruhiger. Er erzählte nun in kleinen Gesten. Er zeigte auf einen Fleck auf seiner Weste, der vom Schlaf moosgrün war. Er legte eine Hand auf sein Herz. Lila verstand: Brom war einsam. Früher hatte er die Quelle gehütet. Früher hatte er Wasser gesungen und Bäume getränkt. Doch die Menschen hatten ihn fürchten lassen. Ein Missverständnis, ein verloren gegangener Gruß, ein Tag mit Zorn—so hatten sie Brom fortgestoßen.

Lila dachte an Verzeihen. Verzeihen war wie ein warmes Tuch, das man um ein frierendes Herz legen konnte. Doch sie wusste noch nicht, wie man einem Troll und einer Quelle verzeiht. Sie wusste nur, dass sie es tun wollte. Jeden Morgen pflückte sie eine Blume und legte sie an den Rand der Fontäne. Jeden Abend flüsterte sie: „Es ist gut.“ Ihre Stimme war weich wie Honig.

Das Wasser regte sich stärker. Kleine Fische, die niemand zuvor bemerkt hatte, schauten hervor. Sie hatten Schuppen wie Pailletten und Augen so klar wie Perlen. Die Fontäne begann, leise zu summen, als ob ein alter Sänger wieder seine Stimme fand. Die Menschen im Markt bemerkten das Summen und blieben stehen. Einige lachten, andere staunten. Ein Junge mit Sommersprossen rief: „Schau! Die Quelle glitzert!“ Und plötzlich sammelten sich Menschen um den Brunnen. Sie brachten Löffel, Krüge und Geschichten.

Doch nicht alle freuten sich auf die gleiche Weise. Ein Händler, dessen Stand mit Zauberfedern bedeckt war, schüttelte den Kopf. Er erinnerte sich an das Mal, als Brom versehentlich eine Lieferung Federn durcheinandergebracht hatte. Aus Ärger hatte der Händler Brom vertrieben. Sein Gesicht war hart wie Hagebutten. Er trat näher, die Hände an der Schürze. Sein Blick war kalt. Das alte Knistern von Ärger schlich über den Markt wie Herbstnebel.

Die Fontäne aber sprudelte nun lebhaft. Kleine Wasserfunken stoben wie Glitzer. Die Lichter der Lampions spiegelten sich im Wasser und malten Muster wie tanzende Fische. Brom stand auf. Sein Bart wehte. Er schüttelte sich den Schlaf aus den Schultern. Seine Taschen klapperten. Die Menschen hielten den Atem an.

Lila trat vor. Sie fühlte das Zittern in ihrem Bauch, das gleiche Zittern wie vor einem Wagonsprung. Sie dachte an Verzeihen. Sie dachte an die Wärme, die entsteht, wenn man die Hand reicht. Leise trat sie näher an den Händler. Sie legte eine kleine Blume in seine Hand, eine Blume, die sie am Morgen gepflückt hatte. Die Blume war lila wie der Abendhimmel. Die Geste war so einfach wie ein Apfel. Der Händler spürte etwas wie Schmelzwasser in sich. Seine Finger entspannen sich. Sein Blick wurde weich wie Teig. Er dachte an den Tag, an dem er selbst Fehler gemacht hatte. Sein Herz öffnete sich, klein wie ein Fenster.

Er nickte. Kein großes Wort. Kein großes Trara. Nur ein Nicken. Brom lächelte zum ersten Mal richtig. Es war ein Lächeln wie Frühlingsknospen. Die Quelle lachte ebenfalls. Ein Wasserstrahl schoss hoch und bildete einen Regenbogen, dünn wie ein Band aus Bonbonpapier. Der Markt roch nach Freude. Kinder sprangen vor Vergnügen. Ein alter Mann klopfte sich glücklich auf den Bauch. Lila hörte, wie ihr Herz froh gluckste, ganz ähnlich dem Wasser.

Doch die Lektion war noch nicht fertig. Verzeihen war wie das Gießen eines Gartens. Man musste immer wieder gießen, langsam und fragend. Ein anderer Standbesitzer, eine Frau mit Hauben, erinnerte sich, dass Brom einmal ihr Lieblingstuch zerrissen hatte. Die Erinnerung war wie ein Dornenstrauch. Sie schüttelte den Kopf und ging. Brom sah ihr nach, und ein Schatten legte sich kurz auf sein Antlitz. Lila spürte die Traurigkeit. Sie setzte sich an den Rand der Fontäne und summte das Lied von Neuem. Das Wasser ließ einen trüben Tropfen fallen, fast wie eine Perle.

Lila verstand: Verzeihen bedeutet nicht, dass alle Schmerzen sofort verschwinden. Es bedeutet, dass man ein Fenster öffnet, auch wenn draußen noch Regen ist. Sie nahm Broms Hand. Die Trollhaut war warm und rau. Gemeinsam schütteten sie ein wenig Wasser in eine Schale und gossen ein kleines Kätzchen, das an einem Laternenpfahl schlief und träumte. Die Geste war klein, aber sie war echt. Die Quelle leuchtete sanft. Menschen sahen zu und lernten, geduldig zu werden.

Teil 3 — Das Fest der Freude

Mit jedem Tag wurde die Quelle stärker. Blumen wuchsen am Brunnenrand, jede in einer anderen Farbe. Schmetterlinge wohnten dort, und manchmal hörte man leises Lachen, als würde die Quelle kichern. Der Markt veränderte sich. Stände wurden bunt gestrichen. Menschen lächelten, selbst jene, die früher finster geschaut hatten. Die Lampions hingen heller. Sogar der windigste Nachmittag fühlte sich nun wie ein Freund an.

Brom lernte zu verzeihen — nicht nur von anderen, sondern auch sich selbst. Er erinnerte sich an die Tage, an denen er stolz gewesen war, an die Tage, an denen er traurig war. Er stellte fest, dass Fehler wie Kiesel sind: Man tritt auf sie, man merkt sie, und manchmal benutzt man sie später, um ein schönes Mosaik zu legen. Er begann wieder, die Quelle zu singen. Seine Stimme klang nun voller, warm wie Frühlingsbrot. Lila hörte ihm zu und tanzte ein bisschen. Ihre Füße machten kleine Muster auf dem Markt, wie Wellen im Sand.

Eines Abends, als der Himmel rosa wurde, beschlossen die Menschen, ein Fest zu feiern. Sie nannten es das Fest der Freude. Alle brachten etwas mit. Ein Junge brachte selbstgebackene Kuchen, die wie kleine Sterne aussahen. Eine Frau brachte bunte Bänder. Ein alter Mann brachte Geschichten, die sahen aus wie Papierboote. Brom stellte seine Flöte auf und legte einen Korb mit Murmeln daneben, und Lila band eine Schleife um seine Weste. Die Quelle sprudelte und spiegelte die Musik.

Das Fest war voller Lachen. Es gab ein Spiel, bei dem alle eine Blume an die Person reichten, die sie glücklich machte. Lila gab ihre Blume dem Troll. Der Troll gab seine Murmel dem Händler, der ihn einst verjagt hatte. Die Geste war so leicht wie eine Feder, doch sie war schwer wie Glück. Menschen vergaßen für einen Moment ihre Sorgen. Die Laternen zeichneten Sterne auf die Gesichter der Kinder. Brom spielte eine kleine Melodie, und die Quelle sprühte Funken, die wie Zuckerregen fielen.

Am Ende des Festes, als die Sterne am Himmel leuchteten wie Nadelpunkte, nahm Lila noch einmal die Muschel aus ihrer Tasche. Sie stellte sie auf den Rand der Fontäne. Darin lag ein Zettel, auf dem sie schrieb: „Danke.“ Kein großes Wort, nur ein kleines Geschenk. Brom legte seine Hand warm auf die Muschel. Er sah Lila an. In seinem Blick war nun Mut, Freude und Frieden. Er hatte gelernt, zu verzeihen. Er hatte gelernt, was es heißt, wieder geliebt zu werden.

Die Quelle, die einst schlief, floss nun lebendig durch den Markt. Kinder spielten am Rande und planschten mit kleinen Händen. Alte und Junge teilten Geschichten und Brot. Die Stadt auf der Wolke atmete glücklich. Lila ging an diesem Abend nach Hause. Ihr Umhang war leicht feucht vom Tanz und vom Lachen. Sie wusste, dass Verzeihen wie ein Samen ist. Man pflanzt ihn, man gießt ihn, und eines Tages wächst ein Baum, der Früchte trägt.

Als Lila das Licht im Fenster ihres Hauses sah, fühlte sie eine Wärme wie eine Umarmung. Sie faltete ihre Hände in ihrem Schoß und dachte an Brom, an die Quelle und an den Markt. Ein leises Lied summte in ihrem Herzen. Das Lied sagte: „Freude wächst, wenn man teilt.“ Und während Lila einschlief, träumte sie von bunten Lampions, von einer Quelle, die glitzert, und von einem kleinen Troll, der nun lachte, sein Bart glänzte wie feuchtes Moos.

Draußen, auf dem Markt, flackerte die letzte Laterne. Die Quelle schlief nicht mehr. Sie wachte und träumte von Morgen. Und irgendwo, zwischen den Lampions und dem Duft von Zimt, wusste Lila: Verzeihen ist ein Licht, das alle warm macht.

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Das Quiz: Hast du die Geschichte gut verstanden?

Lampions
Bunte Papier- oder Stofflaternen, die Licht geben und am Markt hängen.
Samt
Weicher, dicker Stoff, der sich sehr glatt und warm anfühlt.
Fontäne
Ein Brunnen, aus dem Wasser hoch in die Luft spritzt.
Verstaubte
Mit Staub bedeckt, also alt und nicht sauber.
Moos
Weiche, grüne Pflanzen, die auf Steinen oder Bäumen wachsen.
Kieseln
Kleine, runde Steine, die man am Boden findet.
Pailletten
Glänzende kleine Scheibchen, die Kleidung oder Dinge schmücken.
Antlitz
Ein anderes Wort für Gesicht, wie jemand aussieht.
Sprudelte
Wenn Wasser schnell und fröhlich aus dem Brunnen fließt.
Schmelzwasser
Wasser, das vom Eis oder Schnee durch Sonne entsteht.
Verzeihen
Jemandem sagen, dass ein Fehler nicht mehr wichtig ist.

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