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Geschichte über den Sport 11/12 Jahre Lesen 19 min.

Die Park-Rallye: Mats und die optionale Rampe

Mats und seine Freunde erkunden im Park einen Fahrrad-Parcours, meistern Slalom, Kies und eine Rampe und stellen sich dabei ihren Ängsten.

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Vier 11-jährige Jungen: Mats, braune kurze Haare, konzentriertes aber lächelndes Gesicht, hellblauer Helm, rote leichte Jacke, sitzt zentriert auf seinem Fahrrad und fährt gerade behutsam über eine kleine helle Holzrampe mit festem Blick nach vorn; Emir, schwarze zerzauste Haare, grüner leicht schiefer Helm, gelbes T‑Shirt, fährt links neben der Rampe und applaudiert ermunternd; Jonne, blonde Haare, grinsspendende Zöpfe, orange T‑Shirt, steht rechts neben seinem Rad und hält eine Banane wie einen Pokal; Timo, kastanienbraunes Haar, ruhiger Ausdruck, dunkelblauer Pullover, geht im Hintergrund neben der Rampe, Hand erhoben, bereit zu helfen. Ort: heller, bunter Stadtpark am Morgen mit breiten weichen Asphaltwegen, kurz gemähtem Gras, runden Bäumen, spielerischen Verkehrsschildern, ein Holzbank, wenige Bodenmarkierungen. Szene: dynamisch und warm, Mats überquert die Rampe, sichtbare Texturen (holzmaserung, Reifen auf Asphalt, feiner Staub), unterstützende, stolze Mienen, weiches Morgenlicht mit langen Schatten, kräftige kontrastreiche Farben; Stil: 90er‑Cartoon, klare Linien, schwarze Konturen, einfache Schattierung, positive Atmosphäre. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Ein Plan mit Lineal

Mats liebte Listen. Nicht, weil er langweilig war, sondern weil ihn Ordnung beruhigte. Wenn er etwas anfing, wollte er es richtig machen: Hausaufgaben mit Rand, Trinkflasche immer voll, Socken nie vertauscht.

An diesem Samstag saß er auf der Küchenbank und malte mit einem Bleistift kleine Kästchen in ein Heft. Oben schrieb er: „Parkrunde – Trainingsplan“.

Seine drei Freunde standen schon an der Tür: Emir mit seinem Helm, der immer ein bisschen schief saß, Jonne mit einer Banane in der Hand, und Timo, der sein Fahrrad wie einen treuen Hund neben sich hielt.

„Mats, kommst du?“ rief Jonne. „Der neue Park-Parcours ist offen!“

„Ich komme“, sagte Mats und klappte sein Heft zu. „Aber erst brauche ich genaue Informationen. Wie lang ist die Runde? Gibt es Steigungen? Wie viele…“

Timo lachte. „Wie viele Pfützen?“

„Wenn möglich: keine“, murmelte Mats, schob den Stuhl zurück und holte sein Rad. Es war sauber, die Reifen hatten genau den richtigen Druck. Er hatte gestern extra die Ventilkappen geputzt.

Draußen war die Luft mild. Über den Dächern hing noch ein Rest Morgenkühle, und irgendwo klapperte eine Amsel, als würde sie sich über die Welt beschweren.

Der Park lag nur zehn Minuten entfernt. Ein sicherer Park, mit breiten Wegen, klaren Markierungen und sogar kleinen Schildern: „Langsam“, „Kurve“, „Vorfahrt beachten“. Mats atmete auf, als er sie sah. Schilder waren wie freundliche Erwachsene, die leise sagten: Du schaffst das.

Am Eingang wartete schon ein grünes Tor, daneben eine Tafel: „Fahrradbereich – Helm empfohlen, Rücksicht verpflichtend“. Emir tippte sich an den Helm. „Empfohlen? Ich bin vorbildlich.“

„Du bist vor allem schief“, sagte Jonne und zog Emir den Helm gerade.

Mats stieg auf. Sein Herz klopfte schneller als sonst, obwohl es nur ein Park war. Er war nicht schlecht im Radfahren. Nur… wenn andere zusahen, wurde er plötzlich sehr genau. Zu genau. Dann fühlte sich jede kleine Bewegung an wie eine Matheaufgabe.

„Also“, sagte Mats, „wir starten im Uhrzeigersinn. Abstand: zwei Radlängen. Signale bei Überholen. Und—“

„Und Spaß“, unterbrach Timo. „Vergiss den nicht.“

Mats zog die Mundwinkel hoch. „Steht auf Seite zwei.“

Sie stießen sich ab, rollten hinein, und der Park empfing sie mit dem Geruch von frischem Gras und warmem Asphalt. Das Abenteuer fühlte sich überraschend echt an, obwohl es ganz alltäglich begann.

Kapitel 2: Der Parcours und die erste Kurve

Der Fahrradbereich war wie ein kleines Trainingsdorf. Es gab eine breite Hauptstrecke, dazu Abzweigungen: Slalomstangen, eine Holzrampe, eine Zone mit feinem Kies und ein Kreisverkehr mit gemalten Pfeilen.

Jonne fuhr vorneweg und tat so, als wäre er ein Rennfahrer. „Achtung, ich überhole die Luft!“

Emir rief: „Die Luft hat keine Chance!“ und trat kräftiger in die Pedale.

Mats blieb zunächst hinter Timo. Timo fuhr ruhig, nicht schnell, aber gleichmäßig. Das gefiel Mats. Gleichmäßig war vertrauenswürdig.

Dann kam die erste scharfe Kurve. Ein Schild zeigte einen gebogenen Pfeil. Mats kannte die Theorie: Blick in die Kurve, Gewicht leicht nach innen, nicht bremsen wie ein panisches Kaninchen.

Trotzdem bremste er. Ein bisschen zu spät.

Das Hinterrad rutschte minimal. Es war kein Sturz, nur ein kurzer Schlenker, wie ein Satz, der beim Vorlesen holpert. Mats stellte den Fuß auf den Boden, das Rad stand schief, und sein Gesicht wurde heiß.

„Alles okay?“ Timo war sofort neben ihm.

Mats nickte schnell. „Natürlich. Ich habe… die Bodenbeschaffenheit geprüft.“

Jonne drehte eine Runde um ihn, langsam wie ein Satellit. „Bericht?“

„Asphalt. Sehr asphaltig“, sagte Mats trocken.

Emir grinste. „Gut, dass du das erforscht hast. Sonst hätten wir gedacht, es wäre Pudding.“

Mats musste lachen, obwohl er sich ärgerte. Lachen fühlte sich an wie ein kleiner Knoten, der sich löst.

„Du bist nicht hingefallen“, sagte Timo. „Du hast reagiert. Das ist eigentlich gut.“

„Aber nicht elegant“, murmelte Mats.

„Eleganz ist überbewertet“, meinte Jonne. „Frag mal meine Frisur nach dem Sportunterricht.“

Sie fuhren weiter. Mats versuchte, die Kurven früher einzuschätzen. Beim zweiten Mal ging es besser. Beim dritten Mal noch besser. Sein Kopf zählte unwillkürlich mit, doch sein Körper begann langsam, mitzuspielen.

Und plötzlich merkte er etwas: Der Park war sicher. Die Wege waren breit. Die anderen waren nicht da, um ihn auszulachen, sondern um mit ihm zu fahren.

Dieses Gefühl war neu. Und ziemlich angenehm.

Kapitel 3: Slalom, Kies und eine Idee

„Slalom-Challenge!“ rief Emir und zeigte auf die orangefarbenen Stangen, die in gleichmäßigen Abständen standen. Sie sahen aus wie aufgereihte Wachposten, die nur darauf warteten, dass jemand sie umfuhr.

„Regeln?“ fragte Mats sofort.

„Einfach durch“, sagte Jonne. „Ohne Stange küssen.“

„Ich habe nicht vor, Stangen zu küssen“, sagte Mats.

Timo hob die Hand. „Wir machen es fair: Jeder fährt einmal langsam zum Üben, dann einmal schneller. Und wer eine Stange berührt, sagt einen netten Satz über den Nächsten.“

Emir stöhnte. „Das ist fies. Dann muss ich nett sein.“

„Genau“, sagte Timo. „Das ist das Training.“

Mats war dran. Beim ersten Versuch fuhr er langsam. Er lenkte zu vorsichtig, machte winzige Zickzacks. Es sah wahrscheinlich aus, als würde er einem unsichtbaren Faden folgen.

„Sehr… präzise“, meinte Jonne.

„Das war ein Kompliment oder ein Scherz?“ fragte Mats.

„Beides“, sagte Jonne ehrlich.

Beim zweiten Versuch wollte Mats mutiger sein. Er trat schneller, lenkte stärker. Beim dritten Stab kam er zu nah, und tock – sein Lenker streifte die Stange.

Mats hielt an. „Okay. Netter Satz. Ähm… Emir, du hast… sehr gute Ausdauer.“

Emir legte eine Hand aufs Herz. „Danke. Ich werde es meiner Lunge erzählen.“

Dann war Emir dran, berührte sofort zwei Stangen und musste dreimal nett sein. „Timo, du bist… stabil. Jonne, du bist… witzig. Mats, du bist… äh… sehr… ordentlich. Das ist bestimmt irgendwann nützlich.“

„Zum Beispiel, wenn wir eine Bibliothek retten müssen“, sagte Jonne.

Sie lachten, und die Stimmung wurde leichter. Danach probierten sie den Kiesbereich. Die Reifen knirschten, als würden sie Kekse zerbröseln. Mats mochte das Geräusch nicht. Es klang nach Unsicherheit.

„Locker lassen“, rief Timo. „Nicht verkrampfen!“

„Ich bin nicht verkrampft“, sagte Mats, während seine Schultern aussahen wie zwei hochgezogene Berge.

Er wackelte, fing sich, atmete aus. Als er seinen Blick nach vorne richtete, wurde es besser. Das Rad fand seine Spur, obwohl der Untergrund unruhig war.

Am Rand standen zwei ältere Jugendliche und übten kleine Tricks an der Holzrampe. Sie fuhren hoch, hoben das Vorderrad minimal, landeten sauber. Es sah leicht aus, aber Mats wusste, dass „leicht“ meistens „viel geübt“ bedeutete.

Jonne sah Mats an. „Wir könnten auch eine kleine Aufgabe machen. So… als Team.“

Mats spitzte die Ohren. „Welche Aufgabe?“

„Eine Park-Rallye“, sagte Jonne. „Nicht gegen andere. Nur gegen unser eigenes Chaos.“

Emir nickte eifrig. „Mit Stationen! Slalom, Kurve, Rampe—“

Mats schluckte. „Rampe?“

Timo hob beschwichtigend die Hände. „Nur so, wie sich jeder wohlfühlt. Wir können Varianten machen.“

Mats merkte, wie in ihm zwei Stimmen stritten: Die eine wollte Sicherheit. Die andere war neugierig.

„Gut“, sagte Mats schließlich. „Aber wir planen das ordentlich.“

„Natürlich“, grinste Jonne. „Unser Plan-Minister.“

Kapitel 4: Die Rallye beginnt

Sie setzten sich auf eine Bank, und Mats riss eine Seite aus seinem Heft. Mit einem Stift zeichnete er den Park in einfachen Formen: ein Oval für die Hauptstrecke, kleine Kästchen für Stationen.

„Station eins: Startlinie beim Tor“, sagte Mats. „Station zwei: Slalom. Station drei: Kreisverkehr. Station vier: Kies. Station fünf: Rampe— optional.“

Emir beugte sich über das Papier. „Optional heißt: Pflicht für Jonne.“

„Hey“, protestierte Jonne, „ich bin ein verantwortungsbewusster Mensch.“

Timo zeigte auf die Rampe. „Wir machen zwei Wege: Wer will, fährt die Rampe. Wer nicht will, fährt außen herum über die breite Strecke. Beide zählen als geschafft.“

Mats nickte dankbar. Das war fair, ohne Druck.

„Und wie gewinnen wir?“ fragte Emir.

Mats dachte kurz nach. In ihm wollte etwas „Zeit“ sagen, weil Zeit messbar war. Aber dann sah er Timos Gesicht: ruhig, freundlich, ohne Wettkampf-Hitze.

„Wir gewinnen“, sagte Mats langsam, „wenn jeder die Rallye zu Ende fährt. Und wenn wir uns gegenseitig helfen. Das ist… das Ziel.“

Jonne hob die Banane wie einen Pokal. „Ich schwöre im Namen der Banane: Wir helfen!“

Sie stellten sich an die Startlinie. Mats' Herz klopfte wieder schneller. Diesmal fühlte es sich aber nicht wie Angst an, eher wie Energie.

„Bereit?“ fragte Timo.

„Bereit“, sagte Emir.

„Bereit“, sagte Jonne.

Mats atmete ein. „Bereit.“

Sie fuhren los.

Am Slalom konzentrierte sich Mats auf seinen Blick: nicht auf die Stangen, sondern auf den Weg dazwischen. Seine Hände lenkten flüssiger, als hätten sie plötzlich verstanden, dass sie nicht jedes Mal eine Erlaubnis brauchen.

„Yes!“ rief Emir hinter ihm. „Mats, du hast keine Stange geküsst!“

„Ich war auch nicht romantisch gestimmt“, gab Mats zurück, und Jonne prustete vor Lachen.

Im Kreisverkehr mussten sie Handzeichen geben und sich absprechen. Jonne wollte sofort links raus, Emir rechts, Mats geradeaus. Es wurde kurz eng.

„Stop!“ rief Timo, bremste rechtzeitig und stellte einen Fuß ab. „Wir reden. Kreisverkehr ist kein Rätselraum.“

Mats zeigte auf die Pfeile am Boden. „Wir fahren nacheinander raus. Einer ruft vorher: ‘Ich nehme die zweite Ausfahrt' oder so.“

Emir nickte. „Okay, ich rufe. Zweite Ausfahrt!“

Jonne rief: „Dritte Ausfahrt! Und ich winke wie die Queen.“

„Bitte nicht“, sagte Mats, „nur Handzeichen.“

Jonne setzte ein ernstes Gesicht auf. „Jawohl, Herr Verkehrsamt.“

Sie schafften es ohne Chaos. Mats spürte ein warmes Stolzgefühl. Es war klein, aber echt, wie ein Steinchen, das man in die Tasche steckt, weil es schön ist.

Dann kam der Kies. Emir wackelte so stark, dass er fast in eine Stange fuhr.

„Nicht auf den Kies starren!“ rief Timo. „Schau dahin, wo du hinwillst!“

Emir biss die Zähne zusammen, atmete aus und fuhr weiter. Mats war beeindruckt. Emir war oft laut, aber wenn es schwierig wurde, gab er nicht einfach auf.

Als Mats selbst in den Kies fuhr, merkte er: Es war immer noch unangenehm, aber nicht mehr bedrohlich. Das Rad schwamm ein bisschen, doch er blieb ruhig. Er lockerte die Schultern, wie Timo gesagt hatte. Es half.

Am Ende der Kieszone stand die Rampe.

Die optional berüchtigte Rampe.

Kapitel 5: Die Rampe und das Zittern im Bauch

Die Holzrampe war nicht hoch. Vielleicht nur so hoch wie ein großer Schulranzen. Aber sie hatte eine klare Kante, und Mats' Kopf machte daraus sofort eine riesige Sache.

Jonne fuhr ohne zu zögern hinauf, als wäre die Rampe eine ganz normale Bordsteinkante. Oben hob sein Vorderrad ein kleines bisschen ab. Er landete mit einem klack und rief: „Ich lebe!“

Emir folgte, langsamer, aber mutig. Sein Helm wackelte wieder schief. Er fuhr hoch, ruckelte leicht, landete und blieb stehen, als hätte er gerade eine Prüfung bestanden. „Okay. Das war… okay!“

Timo schaute zu Mats. „Du musst nicht.“

Mats nickte. Er könnte außen herum fahren. Das wäre erlaubt. Das wäre sicher. Und niemand würde ihn zwingen.

Aber in ihm piekste etwas. Nicht Scham. Eher der Wunsch, es wenigstens zu versuchen. Er dachte an die Kurve am Anfang: erst holprig, dann besser. An den Kies: zuerst wacklig, dann kontrollierter. Und an etwas, das sein Vater einmal gesagt hatte, als Mats beim Schwimmen Angst vor dem tiefen Becken gehabt hatte: „Mut heißt nicht, keine Angst zu haben. Mut heißt, mit der Angst zu reden und trotzdem einen Schritt zu machen.“

Mats stieg vom Rad ab und schob es zur Rampe. „Ich mache erst eine Trockenrunde.“

„Trockenrunde?“ fragte Jonne.

„Ich gehe neben dem Rad hoch“, erklärte Mats. „Einfach, um zu sehen, wie es sich anfühlt.“

„Gute Idee“, sagte Timo. „Checken ist schlau.“

Mats schob das Rad hoch. Das Holz fühlte sich rau unter den Schuhsohlen an. Oben sah er, dass der Abhang sanfter war, als er gedacht hatte.

Er ging wieder runter. Dann stellte er sich unten hin, setzte sich auf den Sattel, hielt die Bremsen fest.

„Ich fahre langsam“, sagte Mats. „Und wenn ich abbreche, ist das auch okay.“

„Absolut“, sagte Timo.

Emir streckte die Hand aus. „Ich kann neben dir fahren. Links von dir.“

Jonne stellte sich an die Seite. „Ich bin der offizielle Jubelbeauftragte.

Mats musste grinsen. „Danke. Aber bitte nicht schreien, wenn ich wackle.“

„Ich schreie nur innerlich“, versprach Jonne.

Mats trat an. Das Rad rollte auf das Holz, erst ruhig, dann leicht nach oben. Er hielt den Blick nach vorn, nicht auf seine Hände. Oben spürte er einen winzigen Moment, in dem das Vorderrad leichter wurde. Sein Bauch machte einen kleinen Hüpfer.

Dann rollte er herunter. Kein Sprung, kein Trick. Nur ein sauberes Hinunterfahren.

Unten bremste er kontrolliert und blieb stehen.

Für eine Sekunde war es ganz still in ihm. Dann kam das Gefühl: Ich habe es gemacht.

„Jawohl!“ rief Jonne, diesmal doch laut.

Emir klatschte in die Hände. „Mats!“

Timo nickte zufrieden. „Siehst du? Du hast das Rad geführt, nicht das Rad dich.“

Mats spürte, wie sein Gesicht warm wurde, aber diesmal war es angenehm. „Es war… weniger schlimm als in meinem Kopf.“

„Der Kopf ist manchmal ein Drama-Club“, sagte Jonne. „Er spielt ständig Tragödien.“

Mats lachte. „Ja. Meiner hat heute eine Rampe als Endgegner besetzt.“

Sie setzten die Rallye fort. Mats fuhr die Rampe ein zweites Mal, etwas flüssiger. Nicht, weil er musste, sondern weil er wollte.

Kapitel 6: Ein kleiner Fehler und ein großes Ende

Die letzte Strecke führte wieder zur Startlinie. Die Sonne stand jetzt höher, und der Park war voller Geräusche: Kinderlachen von einem Spielplatz, ein Hund, der bellte, ein leises Summen von Fahrradreifen auf Asphalt.

„Fast geschafft!“ rief Emir.

Jonne trat kräftig und überholte Timo. „Letzter ist Keks!“

„Was ist so schlimm an Keksen?“ rief Timo hinterher.

Mats wollte nicht rasen. Er wollte sauber fahren. Trotzdem spürte er, wie die Gruppe schneller wurde, und sein Ehrgeiz kroch aus der Ecke: Wenn ich schon angefangen habe, dann richtig.

Er trat stärker. Der Wind strich an seinen Ohren vorbei. Für einen Moment fühlte er sich wirklich schnell.

Dann kam wieder die scharfe Kurve. Diesmal dachte Mats: Ich kann das. Und genau in diesem Gedanken lag der Fehler. Er ging zu spät vom Tempo runter.

Das Rad schwenkte. Mats bremste. Ein Fuß rutschte kurz vom Pedal, und er musste absteigen. Nicht dramatisch, aber deutlich.

Er stand da, atmete hart, hörte sein eigenes Herz.

Die anderen waren sofort bei ihm.

„Alles gut?“ fragte Emir, ernst.

Mats nickte, etwas enttäuscht. „Ich habe mich… überschätzt.“

Timo legte eine Hand an den Lenker, damit Mats' Rad nicht umkippte. „Das passiert. Du hast aber wieder rechtzeitig reagiert.“

Jonne beugte sich vor. „Und hey: Du bist nicht in einen Busch geflogen. Das ist ein Pluspunkt.“

Mats schnaubte. „Danke für die niedrige Messlatte.“

„Bitte“, sagte Jonne. „Ich betreibe Messlatten-Service.“

Mats setzte sich wieder auf, diesmal bewusster. Er fuhr die Kurve langsamer, schaute in die Richtung, in die er wollte, und rollte sauber hinaus.

An der Startlinie hielten sie an, alle vier nebeneinander, atemlos und zufrieden.

Emir hob die Arme. „Rallye geschafft!“

Timo nickte. „Und niemand hat aufgegeben.“

Jonne zog seine inzwischen etwas matschige Banane aus der Tasche. „Siegbanane! Sie hat überlebt. Fast.“

Mats lehnte sein Rad an die Bank und setzte sich. Seine Beine fühlten sich angenehm müde an, wie nach einem guten Tag. Er schaute auf den Parcours, auf die Kurven, den Kies, die Rampe. Alles wirkte plötzlich kleiner, machbarer.

„Weißt du“, sagte Mats nach einer Weile, „ich wollte heute perfekt fahren. Ohne Wackler. Ohne Fuß absetzen. Ohne Fehler.“

„Und?“ fragte Timo.

Mats atmete aus. „Und ich habe Fehler gemacht. Mehr als einen.“

Emir grinste. „Willkommen im Klub der Menschen.“

Mats lächelte. „Trotzdem war es… gut. Ich habe die Rampe gemacht. Ich habe mich getraut. Und als ich fast zu schnell war, habe ich nicht aufgegeben. Ich bin nochmal gefahren.“

Timo sah ihn an. „Das ist der Punkt. Wichtig ist nicht, dass es immer klappt. Wichtig ist, dass man es versucht und dranbleibt.“

Jonne nickte feierlich. „Und dass man dabei nicht die Stangen küsst.“

„Oder wenn doch, dann sagt man nette Sätze“, ergänzte Emir.

Mats lachte leise. Der Park war sicher, die Freunde waren da, und sein Kopf war heute ein bisschen leiser geworden.

Als sie später nach Hause radelten, fuhr Mats nicht vorne und nicht hinten. Er fuhr mitten drin, genau richtig. Und in seinem Heft, das in der Jackentasche steckte, war noch Platz für neue Kästchen — aber jetzt wusste er: Nicht jeder Tag muss perfekt sein, um erfolgreich zu sein. Manchmal reicht es, es versucht zu haben.

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Beruhigte
Machte jemanden ruhiger, gab ein Gefühl von Sicherheit und Ruhe.
Ventilkappen
Kleine Deckel auf Fahrradventilen, die das Ventil schützen.
Morgenkühle
Kühle Luft am Morgen, bevor die Sonne wärmer wird.
Bodenbeschaffenheit
Wie der Boden oder Weg ist, zum Beispiel glatt oder rau.
Schlenker
Kurzer, unerwarteter seitlicher Bewegungs­aussetzer beim Fahren.
Asphaltig
Wie Asphalt; der Weg fühlt sich nach Straßenbelag an.
Slalomstangen
Dünne Pfosten, die in Reihen stehen, um zwischen ihnen zu fahren.
Kieszone
Teil des Weges mit vielen kleinen Steinen, der holprig ist.
Rallye
Mehrere Aufgaben oder Stationen hintereinander, oft als Spiel.
Offizielle Jubelbeauftragte
Eine Person, die offiziell jubelt oder andere anfeuert.
Drama-Club
Bildhafte Bezeichnung für jemanden, der oft übertreibt oder klagt.
Matschige
Weich und feucht, wie eine Banane, die fast zerdrückt ist.

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