Erster Schritt in ein komisches Wohnzimmer
Lena war sechs Jahre alt. Sie war praktisch. Sie mochte, dass alles einen Platz hatte. Socken passten in den Schrank. Stifte passten in das Glas. Und Lenas Kuscheltier, eine leicht schielende Ente namens Quak, passte auf das Kopfkissen.
An einem Dienstag, als die Sonne so freundlich wie ein gelbes Frühstücksei durchs Fenster schaute, entdeckte Lena etwas Neues. Es war kein Ei. Es war ein Knopf. Ein kleiner, blauer Knopf, der unter dem Sofa lugte und so aussah, als hätte er ein Geheimnis.
„Quak,“ flüsterte Lena. „Das ist bestimmt wichtig.“
Quak schnatterte nur, so wie er immer schnatterte: ein leises, sehr kluges Quak. Lena zog den Knopf mit der ganzen Kraft ihrer kleinen Finger. Der Knopf war klebrig, ein bisschen schmutzig und ganz schön hartnäckig. Plötzlich gab das Sofa ein kleines, freundliches „Aaaah“ und eine Reihe von Kissen rollte zusammen wie Wellen am Strand.
Auf einmal war da ein Tunnel. Ein Tunnel aus Kissen. Rot, blau, gepunktet, gestreift, mit Sternen und mit kleinen Aufnähern, die wie lachende Augen aussahen. Der Tunnel roch nach Vanille und Schlaf. Lena setzte Quak auf den Kopf und bog sich vor.
„Soll ich?“, fragte sie. Sie war praktisch. Sie prüfte den Tunnel erst: Er war weich, nicht nass. Er war warm, nicht heiß. Und da, in der Mitte des Tunnelrades, blinkte etwas Metallisches. Eine kleine manivelle! Ein kurzes, glänzendes Ding mit einem hübschen Holzknauf. Lena legte die Hand daran. Es fühlte sich an wie das Anfassen eines Geheimnisses.
„Nur kurz,“ sagte Lena. Sie drehte die Manivelle.
Die ganze Wohnung machte ein lustiges Geräusch. Ein leises „plopp-plopp“, als ob die Schubladen gähnten. Das Sofa war sehr, sehr höflich und neigte sich wie ein alter Herr. Der Tunnel aus Kissen zog Lena hinein. Nicht grob. Nicht ängstlich. Eher wie in eine Umarmung von einer Wolke.
„Quak, festhalten!“, rief Lena. Quak hielt mit seinen Stoffflügeln fest. Der Tunnel schaukelte. Lena stellte sich vor, die Manivelle zu drehen wie eine Kapitänin an einem Schiff. Sie drehte im Kopf. Sie drehte in Gedanken. Sie drehte mit den Fingern.
Und so fing die Reise an.
Die Welt hinter den Kissen
Hinter dem letzten Kissen war ein Ort, der aussah wie Lenas Wohnzimmer, aber ein bisschen schief. Die Lampe hing an zwei Seidenfäden. Der Teppich rollte sich wie eine Landkarte. Auf dem Tisch stand eine Tasse, die lächelte. Aus der Tasse stieg Dampf, der wie Kaugummi roch: Erdbeere mit einem Hauch von Abenteuer.
„Wer hat die Manivelle gedreht?“ fragte die Tasse mit hoher Stimme.
„Ich“, sagte Lena und stellte Quak vor sich. „Ich habe gedrückt.“
„Sehr gut“, sagte die Tasse. „Dann bist du die Gast-Kapitänin der Kissenbahn. Setz dich, bitte, auf das Sofa. Es fährt langsam, und es singt leise Lieder.“
Das Sofa begann zu summen. Es sang eine Melodie wie ein Wiegenlied mit kleinen Trompeten dazwischen. Lena setzte sich. Quak kuschelte sich an sie. Das Sofa fuhr los. Es rollte nicht. Es schwebte, aber sehr gemütlich, wie ein Bett unter einer warmen Decke.
Unterwegs trafen sie viele Dinge: ein Regal, das Witze erzählte, eine Uhr, die rückwärts lief, aber nur, weil sie so neugierig war, wie Dinge früher waren; ein kleiner Stuhl, der Purzelbäume machte; und ein Fenster, das kicherte, wenn ein Vogel in ihm spiegelte.
„Warum ist alles ein bisschen anders?“ fragte Lena.
„Weil die Manivelle neue Ideen weckt“, sagte die Uhr, die rückwärts ticken durfte. „Wenn jemand dreht, denken die Dinge neu. Sie wollen spielen.“
Das machte Sinn. Lena mochte Sinn. Sie mochte, wenn Dinge eine gute Erklärung hatten. Also kramte sie in ihrem Kopf nach einer weiteren Idee. Sie drehte die Manivelle ein kleines Stück mehr mit dem Finger. Das Sofa machte ein kleines „hüpft und klopft“ und schwub, eine Brücke aus Kissen klappte auf wie ein Lächeln.
„Achtung!“, sagte das Regal. „Jetzt kommt die loopige Lochbrücke. Sie singt nur in Reimen.“
Die Brücke sang: „Hüpf nicht zu hoch, halt deine Mütze, sonst fliegt sie davon wie eine kleine Ölklappe.“ Alle lachten, sogar die Uhr rückwärts.
Lena hüpfte vorsichtig. Quak hüpfte stabil. Die Kissenbrücke war weich, und unter ihnen gluckste der Boden wie ein Fluss aus Pudding. Am Ende der Brücke war eine Tür, die ganz normal aussah, aber sie hatte ein Schlüsselloch, das wie ein lächelnder Mond geformt war.
„Wer hat den Schlüssel?“, fragte Lena.
„Schlüssel?“, sagte die Tür. „Wir haben einen. Aber er ist zerstreut. Er mag Verstecken spielen.“
Verstecken spielen war Lisbeths Lieblingsspiel, dachte Lena. Sie war gut darin. Sie griff nach der Manivelle. Die Manivelle summte leise und schickte kleine Funken von Polka-Musik in die Luft. Aus den Kissen sprangen winzige Schlüssel. Einer war wie ein Löffel, einer wie ein Streichholz, einer wie eine Bohne. Lena sammelte sie in ihre Tasche. Quak half, indem er mit seinem Schnabel die kleinsten herausfischte.
„Noch eins!“, rief das Sofa. „Noch eins!“
Sie fand den Schlüssel, der wie eine winzige Säge aussah. Er passte perfekt ins Mondloch. Die Tür öffnete sich auf einen Garten. Aber es war kein normaler Garten. Die Blumen sagten „Guten Tag“ im Kanon. Die Grashalme tanzten wie Fähnchen. Und in der Mitte stand ein kleiner Baum, der Limonaden von seinen Ästen tropfen ließ. Limonadenbäume, dachte Lena, praktisch und erfrischend.
„Komm, komm“, rief der Baum. „Dreh die Manivelle. Lass uns sehen, was noch geht.“
Lena drehte. Nicht zu schnell. Nicht zu langsam. Genau so, wie man einen Löffel im Joghurt dreht. Und dann passierte etwas sehr Nettes: Aus dem Baum wuchsen winzige Sprossen, und auf jeder Sprosse saß ein winziges, fröhliches Gesicht. Sie sangen Lieder, die so weich waren wie Pfannkuchen: „Dreh, dreh, Schatz, dreh, dreh, mehr Pläne, mehr Klee!“
Lena klatschte in die Hände. Das war ein bisschen absurd. Aber alles war freundlich. Sie mochte es.
Die Manivelle und das Heimkehren
Nach einer Weile wurde das Sofa müde. Es seufzte wie ein alter Hund, der gern gestreichelt wird. „Zeit nach Hause“, murmelte es. „Die Polster brauchen Ruh. Die Kissen wollen schlafen. Und die Manivelle hat Hunger auf eine Pause.“
Lena verstand. Sie fühlte ihren eigenen Körper wie ein kleines Schiff, das gern anlegt. Sie drehte die Manivelle nur einmal, langsam, wie wenn man eine Melodie sanft beendet. Der Tunnel begann, die Welt wieder zusammenzufalten. Die Blumen gähnten, die Grashalme legten sich hin, und die Limonade tropfte leise, als wenn sie gute Träume hatte.
„Danke“, sagte Lena zum Baum. „Danke, Sofa. Danke, Tasse. Danke, Uhr.“
„Danke, Kapitänin“, sagte Quak und schnatterte ganz besonders weise.
Als das Sofa Lena wieder ans Wohnzimmer spuckte — nicht unhöflich, eher wie ein Keks, der dich freundlich zurückgibt — stand sie auf dem Teppich. Die Manivelle lag jetzt in ihrer Hand. Sie war nicht mehr nur ein Fremdling. Sie war ein Freund. Lena stellte sie auf den kleinen Beistelltisch, genau in der Mitte, so wie sie alles ordnete.
Doch dann hörte sie ein leises „Huch!“ Es kam aus der Schublade. Lena öffnete sie. Darin saßen die winzigen Schlüssel, die sie mitgebracht hatte. Sie winkten fröhlich.
„Dürfen wir bleiben?“, piepste der Schlüsselkönig, der aussah wie eine Bohne mit Zylinder.
Lena dachte an Sinn. Sie dachte an Ordnung. Sie dachte an das Wohnzimmer, das nach Vanille duftete, und an Quak, der gerne Gesellschaft hatte. Die Manivelle war praktisch, wenn sie Abenteuer wollte, und da waren die Schlüssel sehr nützlich: Schlüssel öffnen Dinge. Dinge mögen Schlüssel. Schlüssel mochten Dinge.
„Ja“, sagte Lena. „Ihr könnt bleiben. Aber nur, wenn ihr leise seid. Und ihr helft beim Aufräumen.“
Alle stimmten zu. Die Schlüssel machten einen kleinen Pirouetten-Polka und fuhren in die Schublade. Lena schloss sie. Sie war froh. Sie war müde. Sie war auch ein bisschen stolz. Sie hatte eine Manivelle gedreht, eine Brücke über Kissen überquert, einen Limonadenbaum gesehen und Freunde mit nach Hause gebracht.
Bevor sie ins Bett ging, setzte sie Quak auf das Kopfkissen. Quak schnurrte — Quaks schnurren ein wenig, das wussten alle, die Quak kannten. Lena deckte ihn zu und sah zur Manivelle auf dem Tisch. Sie leuchtete schwach wie ein kleines Abendlicht. Die Wohnung war ruhig. Die Lampe schwebte sanft. Die Uhr tickte jetzt ganz normal, freundlich und nicht zu laut.
„Gute Nacht, Manivelle“, flüsterte Lena. „Gute Nacht, Sofa. Gute Nacht, Schlüssel. Gute Nacht, Welt.“
Die Manivelle summte vielleicht ein kleines Versprechen zurück. Vielleicht träumte sie schon von morgen. Vielleicht träumte sie von neuen Abenteuern, die nicht zu wild waren. Lena schloss die Augen. Ihr Herz klopfte wie ein kleines Trommelschiff, langsam und sicher. Die Musik der Kissen verkleinerte sich. Die Melodie wurde weicher. Die Töne brachten Federn. Die Federn brachten Schlaf.
Und so schlief Lena ein, mit Quak an ihrer Seite. Sie hatte entdeckt, dass ein kleiner Knopf und eine kleine Drehung die Welt ein bisschen lustiger machen konnten. Sie hatte gelernt, dass man praktisch sein und trotzdem Abenteuer haben kann. Sie hatte Freunde gefunden, die irgendwann vielleicht wieder winken würden.
Im Traum drehte sie noch einmal die Manivelle. Diesmal nicht mit den Händen, sondern mit einem Lächeln. Die Kissen öffneten eine winzige Blume, die „Gute Nacht“ sang, und die Wohnung blieb still, warm und voll leiser, komischer Wunder, die morgen vielleicht wieder anfangen würden.