Kapitel 1: Der Markt macht „Plopp!“
Am Samstagmorgen war der kleine Viertelmarkt schon wach, bevor Ben überhaupt richtig wach war. Es roch nach Erdbeeren, Brot und ein bisschen nach Käse, der sehr stolz auf sich war. Ben war acht, frech und schnell mit einem Spruch. Neben ihm liefen seine zwei besten Kumpel: Oskar, der immer alles genau wissen wollte, und Sami, der in seinem Rollstuhl geschniegelt und geschniegelt durch die Gassen sauste, als hätte er einen eingebauten Turbo.
„Heute machen wir einen Plan“, sagte Ben wichtig und hob einen Finger, als wäre er der Markt-Kapitän.
„Welchen Plan?“, fragte Oskar. „Einen richtigen Plan mit Punkten?“
Sami grinste. „Ben macht selten Pläne. Ben macht eher… Plopp.“
„Plopp ist auch ein Plan!“, sagte Ben. „Ein kurzer. Sehr effizient.“
Sie schlenderten an bunten Ständen vorbei. Eine Frau stapelte Äpfel zu einem Turm, der aussah wie eine rote Burg. Ein Mann rief: „Gurken! Knackig! So knackig, dass sie selber erschrecken!“ Eine Taube watschelte geschniegelt zwischen zwei Kisten und tat so, als würde sie einkaufen.
Am Honigstand klebte ein Schild: „Heute: Probier-Löffel!“
Ben sah die kleinen Holzlöffel und seine Augen machten „Glitzer“. „Ich probiere aus reiner Wissenschaft.“
Oskar seufzte. „Wissenschaft ist gut. Aber nur ein Löffel.“
Sami deutete auf ein anderes Schild am Nachbarstand. Dort stand: „Gratis Luftballon zu jeder Banane!“
„Banane mit Ballon?“, sagte Sami. „Das ist ja fast Magie.“
Ben flüsterte: „Wir brauchen drei Bananen. Dann sind wir… Ballon-Brüder.“
Sie kauften Bananen, bekamen drei Ballons und hielten sie fest. Bens Ballon war blau, Oskars gelb, Samis rot. Der Wind machte ein bisschen Quatsch und zog an den Schnüren.
„Nicht loslassen!“, sagte Oskar sofort.
„Ich lass nie los“, sagte Ben. Genau in dem Moment nieste er: „Hatschi!“
Plopp. Sein blauer Ballon rutschte ihm aus den Fingern und stieg hoch, höher, und dann noch höher. Er schwebte über den Apfel-Turm, über den Gurken-Rufer und direkt auf die große Markttafel zu, wo die Preise mit Kreide standen.
Ben starrte ihm nach. „Mein Ballon macht einen Ausflug.“
Sami lachte. „Dein Plan ist wieder da. Plopp-Plan.“
Oskar zeigte nach oben. „Da hängt er! Auf dem Schild! Wenn der Wind ihn weiter pustet, landet er vielleicht… im Käse.“
Ben legte die Hand ans Herz. „Nicht im Käse. Der Käse klebt schon genug.“
„Dann holen wir ihn“, sagte Sami fröhlich. „Team Ballon-Rettung.“
Und so begann ihre Mission, mitten im warmen Marktlärm, mit drei Jungs, zwei Ballons und einem, der viel zu hoch hing und ganz unschuldig tat.
Kapitel 2: Die große Ballon-Rettung und der Gurken-Irrtum
Sie standen unter der Markttafel und überlegten. Der Ballon klebte oben an einer Ecke, die Schnur baumelte wie ein dünner Spaghetti-Faden.
„Ich springe!“, sagte Ben.
„Du bist nicht so hoch wie die Markttafel“, erklärte Oskar trocken.
Ben stellte sich auf die Zehenspitzen. „Jetzt schon fast.“
Sami sah sich um. „Wir brauchen etwas Langes. Einen Stock. Oder…“ Er zeigte auf den Gemüsewagen, wo lange Lauchstangen wie grüne Zauberstäbe lagen.
Ben flitzte hin. „Entschuldigung, dürfen wir kurz einen Lauch ausleihen? Für eine Rettung!“
Der Gemüsemann hob eine Augenbraue. „Rettung wovon? Einer Suppe?“
„Eines Ballons“, sagte Oskar ehrlich.
Der Gemüsemann lachte. „Na gut. Aber bringt ihn heil zurück. Der Lauch ist empfindlich. Das ist ein Lauch mit Gefühlen.“
„Versprochen“, sagte Ben feierlich und trug den Lauch wie eine Fahne.
Sie stellten sich wieder unter die Tafel. Ben hielt den Lauch hoch. Es fehlten genau… zwei Ben-Längen.
„Du musst höher“, meinte Oskar und zeigte auf eine leere Obstkiste.
Ben stieg drauf. Die Kiste knarzte. „Die Kiste sagt ‚Ächz‘.“
„Dann sag du ‚Leise‘“, schlug Sami vor.
Ben beugte sich, piekste mit dem Lauch Richtung Schnur und flüsterte: „Komm her, du Ausflugs-Ballon.“
Der Ballon wackelte, als würde er kichern. Der Lauch traf die Schnur—fast. Er traf sie so knapp, dass man es kaum sehen konnte, aber Oskar sah es natürlich.
„Du warst zwei Millimeter daneben“, sagte Oskar.
„Zwei Millimeter sind gemein“, murmelte Ben.
Sami rollte ein Stück zur Seite. „Ben, dreh dich ein bisschen. Der Wind kommt von links. Also… wir machen Wind-Logik.“
„Wind-Logik klingt wie ein Fach“, sagte Ben. „Ich bin gut in Mathe. Vielleicht auch in Wind.“
Er drehte sich, piekste nochmal—und diesmal zog der Lauch die Schnur tatsächlich ein kleines Stück herunter. Da passierte es: Der Gurken-Rufer nebenan sah den Lauch in der Luft und rief begeistert: „Ah! Endlich! Ein Lauch-Angler! Frischer Fang!“
Alle lachten, sogar Ben, obwohl er fast das Gleichgewicht verlor. Oskar hielt sofort die Kiste fest. „Nicht wackeln. Wir sind ein Team. Team Nicht-Wackeln.“
Sami rief zum Gurken-Mann: „Wir angeln keinen Fisch, wir angeln einen Ballon!“
„Ballon?“, fragte der Mann. „Ach so! Ich dachte, ihr macht Marktsport.“
Ben sagte: „Marktsport machen wir auch. Disziplin: Lauch-Stabhochschnurziehen.“
Beim nächsten Versuch rutschte die Schnur wirklich tiefer. Oskar griff danach—doch in genau dem Moment kam eine freundliche ältere Dame vorbei, sah die baumelnde Schnur und sagte: „Oh, wie hübsch! Ein Geschenkband!“ Sie nahm sie vorsichtig und wollte sie an ihre Einkaufstasche binden.
„Stopp!“, rief Ben, so schnell wie ein Flummi. „Das ist unser Ballonband! Bitte nicht an die Tasche.“
Die Dame erschrak kurz, dann lachte sie. „Ach du liebe Zeit. Ich dachte, es ist Deko. Auf diesem Markt ist alles möglich.“
„Fast alles“, sagte Oskar. „Aber Ballons brauchen ihre Bänder.“
Die Dame gab die Schnur zurück. „Dann wünsche ich gute Rettung.“
Mit einem letzten, sehr ernsten Lauch-Pieks zog Ben die Schnur herunter, Oskar packte sie, und Sami jubelte: „Gerettet! Der Ballon ist wieder am Boden!“
Ben stieg von der Kiste, verbeugte sich und sagte: „Danke, danke. Autogramme nur auf Bananen.“
Sie brachten den Lauch zurück. Der Gemüsemann nahm ihn wie ein Haustier in Empfang. „Na, Lauch? Alles gut?“
Ben nickte. „Er hat tapfer gekämpft.“
Der Mann grinste. „Dann kriegt ihr zur Belohnung eine Gurke. Für Teamarbeit.“
Oskar strahlte. „Das ist fair.“
Sami hob die Gurke wie ein Pokal. „Wir sind offiziell Gurken-Meister.“
Und Ben? Ben band seinen blauen Ballon extra fest um sein Handgelenk. „Diesmal keine Ausflüge ohne Anmeldung.“
Kapitel 3: Die Pfannkuchen-Verwechslung und der Honig-Klecks
Sie gingen weiter, als hätten sie gerade eine sehr wichtige Welt gerettet. Am Pfannkuchenstand brutzelte es. Es roch süß, warm und nach „Ich will sofort einen“.
„Drei Pfannkuchen, bitte“, sagte Ben.
Die Pfannkuchen-Frau lächelte. „Mit Apfelmus, mit Honig oder mit Zimt?“
Oskar sagte: „Ich nehme Apfelmus. Das ist klar.“
Sami überlegte. „Honig klingt gut. Aber nur ein bisschen. Ich will nicht komplett kleben.“
Ben zwinkerte. „Ich nehme Zimt. Damit ich schneller sprechen kann. Zimt macht Zunge sportlich.“
Die Frau lachte und drehte die Pfannkuchen mit einer großen Kelle. Dabei machte sie ein „Flip“, das klang wie ein kleiner Freudentanz.
Als sie die Teller hinstellte, passierte der nächste Quatsch: Eine Taube landete direkt am Rand, guckte streng auf den Honig und machte „Gurr“, als würde sie sagen: „Das gehört mir.“
Sami beugte sich vor. „Hallo, Frau Taube. Das ist unser Frühstück.“
Die Taube watschelte näher. Ben beugte sich ebenfalls und flüsterte: „Sie will nur probieren. Wissenschaftlich.“
„Keine Wissenschaft mit Tauben“, sagte Oskar. „Sonst wird es… klebrig.“
Zu spät: Ben wollte seinen Zimt-Pfannkuchen schützen und schob den Teller ein Stück. Dabei stieß er aus Versehen an Samis Honigglas. Ein kleiner Honig-Klecks landete auf dem roten Ballon.
Der Ballon klebte an Bens Ärmel.
Ben blieb stehen wie eingefroren. „Oh. Mein Ärmel hat jetzt einen Ballon-Freund.“
Sami prustete. „Der Ballon will dich umarmen!“
Oskar betrachtete die Lage. „Honig ist… sehr überzeugend.“
Ben zog vorsichtig, der Ballon zog zurück. Es sah aus, als würden sie Tauziehen spielen: Ben gegen Ballon, Ballon gegen Ben. Und der Honig war der Schiedsrichter.
Die Pfannkuchen-Frau reichte ein Papiertuch. „Hier, damit ihr euch wieder ent-klebt.“
Ben nahm es und wischte. Der Ballon löste sich mit einem leisen „Pff“, als hätte er kurz die Luft angehalten.
Die Taube nutzte den Moment und pickte blitzschnell an Oskars Apfelmus.
Oskar rief: „Hey! Das ist mein Apfelmus!“
Die Taube tat so, als wäre sie überrascht. Dann schlenderte sie weg. Langsam. Sehr unschuldig.
Ben zeigte ihr nach. „Sie hat ein Alibi-Gesicht.“
Sami lachte so sehr, dass sein Rollstuhl ein kleines Stück zurückrollte. „Oskar, du wurdest bestohlen! Von einer Taube mit Stil!“
Oskar schüttelte den Kopf, musste aber grinsen. „Na gut. Sie war schnell. Ich teile… aus Versehen.“
Ben schob seinen Zimt-Pfannkuchen in die Mitte. „Dann teilen wir richtig. Hier, ein Stück für dich. Und ein Stück für Sami. Und ein Mini-Stück für die Taube—aber nur, wenn sie höflich guckt.“
Die Taube blieb stehen, drehte den Kopf schief und guckte tatsächlich sehr höflich. Zumindest für eine Taube.
Sami sagte: „Sie kann's.“
Ben legte ein winziges Stück an den Boden. Die Taube pickte es, machte zufrieden „Gurr“ und watschelte davon, als hätte sie jetzt ein Abonnement.
Oskar aß und nickte. „Teilen macht den Ärger kleiner.“
„Und den Pfannkuchen leider auch“, sagte Ben, „aber dafür sind wir alle größer im Herzen.“
Sami klopfte mit der Gurke leicht gegen Bens Arm. „Du und deine Sprüche.“
„Sprüche sind gratis“, sagte Ben. „Wie Luftballons zu Bananen.“
Sie aßen, tranken Apfelschorle und schauten den Marktleuten zu. Alles fühlte sich leicht an, wie die Ballons, die jetzt brav bei ihnen blieben.
Kapitel 4: Drei Wellen zum Abschied
Später wurde der Markt ruhiger. Manche Stände packten schon Kisten zusammen. Der Gurken-Rufer rief nicht mehr so laut, eher wie ein müder Vogel: „Gurk…en…“ Dann lachte er selbst und winkte den Jungs.
Die Pfannkuchen-Frau sagte: „Kommt gut nach Hause, ihr drei.“
„Wir kommen wieder“, sagte Ben. „Mit offizieller Ballon-Leine.“
Oskar hielt seine gelbe Schnur fest. „Und mit einem Plan. Mit Punkten.“
Sami nickte. „Und mit Platz für noch mehr Quatsch.“
Sie gingen langsam zum Ausgang des Marktes. Der Wind war jetzt freundlich, eher ein Streicheln als ein Ziehen. Ben schaute zu seinen Freunden und sagte leiser: „War ein guter Tag, oder?“
Oskar lächelte. „Ja. Wir haben zusammen gedacht. Und zusammen gelacht.“
Sami sagte: „Und niemand ist im Käse gelandet.“
Ben tat so, als würde er ernst nachdenken. „Das ist unser Erfolg des Tages.“
Am Ende der Straße blieb Ben stehen. „Okay, Abschied. Aber richtig.“
Oskar hob die Hand. „Eine Welle.“
Sami hob auch die Hand. „Zweite Welle.“
Ben schwang beide Arme, als wäre er ein Windrad. „Dritte Welle, super deluxe!“
Sie winkten dem Markt, den Leuten, der Taube (die kurz zurückgurrte, als würde sie auch winken) und sogar dem Apfel-Turm, der immer noch stand.
Dann gingen sie auseinander, jeder in seine Richtung, die Ballons über ihnen wie kleine, bunte Gedanken.
„Bis nächste Woche!“, rief Ben.
„Bis nächste Woche!“, rief Oskar.
„Bis nächste Woche!“, rief Sami.
Und während ihre Stimmen kleiner wurden, blieb das Gefühl groß: Dass Freundschaft am besten klappt, wenn man zusammen hilft, zusammen teilt und zusammen über den ganz normalen, herrlich verrückten Alltag lachen kann.