Laden läuft...
Geschichte über eine Emotion 5/6 Jahre Lesen 7 min.

Die Glocke im Bauch

Drei sechsjährige Jungen entdecken auf dem Dorfplatz einen verängstigten Kater und lernen unterwegs, dass Angst ihnen Signale gibt, die man mit Freunden teilen und verstehen kann.

Lade diese Geschichte als PDF herunter

Ideal zum Teilen oder Ausdrucken dieser Geschichte!

E-Book herunterladen (.epub)

Lesen Sie diese Geschichte auf Ihrem E-Reader.

Drei Jungen von etwa 6 Jahren sitzen dicht auf einer roten Holzbank auf einem sonnigen gepflasterten Dorfplatz: rechts ein braunhaariger, rundgesichtiger Junge mit Sommersprossen hält behutsam ein staubiges Kätzchen mit blauem Halstuch, mittig ein blond zerzauster Junge lächelt schüchtern und streichelt dem Kätzchen den Kopf, links ein schwarzhaariger Junge lehnt sich leicht vor und hält die Hand mit offener Handfläche dem Tier entgegen; im Hintergrund eine runde Brunnen mit hellem blauen Wasser, rechts ein Blumenstand mit roten und gelben Tulpen, links eine Bäckerei mit offener Tür zu einer schattigen Gasse; die Stimmung ist sanft, stolz und etwas aufgeregt, Farben warm, Formen rund, mit einfachen Schatten und kindlichem Papier-ausgeschnitten-Stil. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Erster Morgen auf dem Dorfplatz

Paul, Leo und Sami trafen sich früh auf dem Platz. Die Sonne malte goldene Kleckse auf die Steine. Es roch nach frischem Brot vom Bäcker. Die drei waren sechs Jahre alt. Sie lachten leise. Heute wollten sie ein Abenteuer suchen.

„Was, wenn dort ein großer Hund ist?“, flüsterte Leo und schaute zum Brunnen. Paul zuckte mit den Schultern. Sami spürte ein kleines Ziehen im Bauch. „Ich habe ein Schmetterling-Gefühl“, sagte er. „Das ist... Angst“, murmelte Paul. Das Wort klang neu und wichtig.

„Angst?“, fragte Sami. „Was macht die Angst?“

„Sie sagt uns, dass etwas wichtig ist“, antwortete Paul. „Wie eine kleine Glocke im Bauch.“

Die Jungen setzten sich auf eine Bank. Eine Taube hüpfte nahebei. Die Angst fühlte sich bei jedem anders an. Bei Leo war sie wie kaltes Wasser an den Händen. Bei Sami wie ein leiser Wind. Bei Paul wie ein Stein im Schuh.

Das geheimnisvolle Geräusch

Plötzlich hörten sie ein Klappern aus der kleinen Gasse neben dem Brunnen. Die drei standen auf. „Wollen wir nachsehen?“, fragte Leo. Es kribbelte im Bauch. Das Kribbeln war eine Mischung aus Neugier und Angst.

Langsam gingen sie näher. Hinter einer offenen Tür lag eine Kiste. Aus der Kiste kam das Klappern. Ein kleiner Kater schaute heraus. Er war nicht groß und zitterte. „Oh!“, flüsterte Sami und kniete sich hin. Der Kater schnurrte leise, aber seine Augen waren groß und wachsam.

„Vielleicht hat er sich verirrt“, sagte Paul. „Er sieht auch ein bisschen ängstlich aus.“ Leo lächelte. „Dann können wir ihm helfen. Zusammen ist es leichter.“ Die drei streckten die Hände. Sami hielt eine Hand flach. Der Kater schnupperte und trat vorsichtig vor. Die Angst in ihren Bäuchen wurde warm und ein bisschen mutig.

„Manchmal sagt die Angst: ‚Pass auf‘“, sagte Paul leise. „Und manchmal: ‚Sei vorsichtig‘.“ Sie hoben den Kater behutsam auf die Bank. Er kuschelte sich kurz an Samsiarm und schnurrte dann kräftiger. Die Glocke in ihren Bäuchen klang leiser.

Die Jungen entschieden, den Kater zum Tierarzt zu bringen. Auf dem Weg über den Platz zeigten sie den Kater den bunten Blumenstand, den Brunnen und den alten Laternenpfahl. Die Dorfbewohner winkten ihnen zu. Ein kleiner Junge aus der Nähe roch an einer Tulpe und rief: „Hallo!“ Die Angst war nicht weg, aber sie wurde kleiner, weil die Jungs zusammenhielten.

Die leise Prüfung

Beim Tierarztraum stand eine schmale Treppe. Sami zögerte. „Ich mag Treppen nicht so gern“, sagte er. Sein Herz klopfte schnell. Paul legte ihm die Hand auf den Rücken. „Wir zählen zusammen“, schlug Leo vor. Sie zählten laut: eins, zwei, drei. Jeder Schritt war ein kleiner Sieg.

Oben war es warm und duftete nach Salbe. Die Ärztin lächelte. „Ihr habt ihn gefunden? Wie schön!“, sagte sie freundlich. Der Kater wurde untersucht. Er hatte nur Hunger und Staub in den Pfoten. Die Angst der Kinder veränderte sich. Sie wurde zur Sorge. Sorge ist eine freundliche Form der Angst. Sie hilft aufzupassen.

„Was ist mit der Angst?“, fragte Sami leise, während der Kater auf seinem Schoß schlief. Die Ärztin setzte sich zu ihnen. „Angst ist wie ein Schutzmantel. Manchmal fühlt er sich schwer an. Manchmal ist er zart wie Seide. Man kann mit Freunden Stücke vom Mantel teilen, dann wird er leichter.“ Ihr Lächeln war weich wie warme Milch.

Die Ärztin gab dem Kater einen kleinen Bandana. „Er gehört vielleicht jemandem“, sagte sie. „Wir hängen einen Zettel am Dorfplatz aus.“ Die Jungen nickten. Sie gingen zurück über den Platz. Der Wind spielte mit dem Bandana wie mit einer Fahne.

Zurück auf dem Platz: Verstehen und Abschied

Auf dem Platz setzten sie sich wieder auf die Bank. Der Kater schlief leise im Arm von Paul. Die Glocke der Angst war noch da, aber sie war nicht laut mehr. „Ich dachte, Angst ist schlecht“, sagte Leo. „Jetzt denke ich, sie zeigt mir Dinge.“

„Ja“, sagte Sami. „Sie hat mir gesagt: Achtung bei der Straße. Sie hat mich auch gesagt, dass ich zum Kater gehen will.“ Paul nickte. „Angst hilft uns zuhören. Aber wir können auch freundlich zu ihr sein. Wir können atmen, zählen oder einen Freund fragen.“

Ein Mädchen kam mit ihrer Mutter vorbei. Sie las den Zettel, auf dem stand: Fundkater. „Das ist mein Kater!“, rief sie plötzlich froh. Der Kater sprang auf und rannte zu ihr. Seine Augen funkelten wie zwei kleine Sonnen. Die Jungen lachten. Ihre Herzen waren warm.

Die Mutter bedankte sich mit einem Lächeln. „Ihr wart sehr mutig und lieb“, sagte sie. Die Jungen fühlten sich stolz. Nicht weil sie keine Angst gehabt hatten, sondern weil sie wussten, was die Angst bedeutete und warum sie geholfen hatte.

Der Platz war ruhig. Die Sonne sank langsam. Die Schatten wurden lang und weich. Die drei Jungen saßen noch einen Moment. Paul schaute den Brunnen an. „Manchmal ist Angst wie ein Schatten“, sagte er. „Sie wird kleiner, wenn wir Licht bringen. Licht sind unsere Hände, unsere Worte und unser Mut.“

„Und Freunde“, fügte Sami hinzu. „Freunde sind kleine Laternen.“

Sie umarmten sich kurz. Dann stand Leo auf. „Auf Wiedersehen, Platz“, flüsterte er. Die drei gingen nach Hause. Ihre Schritte waren ruhig. Die Angst war noch da, aber sie fühlte sich jetzt wie eine Freundin, die manchmal klopft, aber nie allein bleibt.

Als sie in ihre Häuser gingen, winkten sie dem Abend. Die Sterne machten kleine Punkte am Himmel. „Gute Nacht“, sagte Paul leise. „Und danke, dass du uns gewarnt hast, Angst.“ Sie lächelten. Die Dunkelheit war freundlich. Bald schliefen sie ein. Die Angst war nicht besiegt. Sie war verstanden.

Gute Nacht, Platz. Gute Nacht, ihr Jungen. Auf Wiedersehen.

Ohne Werbung 3€ pro Monat

Möchten Sie eine unterbrechungsfreie Lektüre? Unterstützen Sie Oh My Tales, entfernen Sie alle Anzeigen und profitieren Sie ab 3€ pro Monat von weiteren enthaltenen Vorteilen.

Die Pläne und Preise ansehen
Teilen

Melden Sie ein Problem mit dieser Geschichte

Was haben Sie von dieser Geschichte gehalten?

Geben Sie Ihre Meinung ab, indem Sie dieser Geschichte je nachdem, was Sie und/oder Ihr Kind davon gehalten haben, eine Bewertung geben. Vielen Dank im Voraus!

Vielen Dank! Ihre Bewertung wurde berücksichtigt!

Das Quiz: Hast du die Geschichte gut verstanden?

Kleckse
Bunte oder schmutzige Flecken auf etwas, hier auf den Steinen.
Klappern
Ein schnelles, wiederholtes Geräusch, wie von etwas Hartem.
Zitterte
Etwas zittert, wenn es klein oder ängstlich ist und leicht wackelt.
Schnurrte
Das leise, glückliche Geräusch, das eine Katze macht.
Wachsam
Gut aufpassen und nichts Wichtiges verpassen.
Behutsam
Sehr vorsichtig und mit sanften Händen etwas tun.
Tierarzt
Eine Person, die kranke oder verletzte Tiere untersucht und heilt.
Salbe
Eine dicke Creme, die man auf die Haut legt, damit sie heilt.
Bandana
Ein kleines Tuch, das man oft um Hals oder Kopf bindet.
Fundkater
Ein gefundener Kater, also eine Katze, die jemand gefunden hat.
Laternenpfahl
Ein hoher Pfosten, an dem eine Straßenlaterne hängt.
Sorge
Wenn man an etwas denkt und sich wünscht, dass alles gut wird.
Neugier
Das starke Interesse, etwas Neues sehen oder wissen zu wollen.
Schutzmantel
Etwas, das dich schützt, wie ein Mantel, der sicher macht.
Fahne
Ein leichtes Stück Stoff, das im Wind weht wie ein Zeichen.

Erstellen Sie eine magische und einzigartige Geschichte für Ihr Kind!

Erstellen Sie in nur wenigen Minuten ein personalisiertes Abenteuer, in dem Ihr Kind zum Helden wird. Mit unserem exklusiven Tool ist es einfach, kostenlos und unterhaltsam!

Eine Geschichte erstellen

Themen im Zusammenhang mit dieser Geschichte:

freundschaft mut zusammenhalt rettung angst hilfe katze tierarzt

Laden Sie diese Geschichte herunter:

Lade diese Geschichte als PDF herunter E-Book herunterladen (.epub)

Als Nächstes zu lesen in Geschichten über die Emotionen für 5/6 Jahre

Erhalten Sie jeden Sonntagabend neue Geschichten!

Erhalten Sie 7 spannende und fesselnde Geschichten, die auf das Alter und die Vorlieben Ihres Kindes abgestimmt sind, jeden Sonntag um 17 Uhr*. Es ist kostenlos und garantiert spamfrei!
*E-Mail wird um 17 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (MEZ) gesendet.
Wir mögen auch keinen Spam. Deshalb senden wir Ihnen nur Geschichten. Sie können sich jederzeit abmelden.