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Heroische Fantasie 7/8 Jahre Lesen 25 min.

Der Talismann des Mondlichts und die flüsternde Lichtung

Falk, ein junger Heiler mit einem geheimen Talismann, macht sich mit der Ritterin Mara und dem Raben Krah auf den Weg zur heiligen Lichtung und erlebt unterwegs Prüfungen, die Mut, Ehrlichkeit und Gemeinschaft fordern.

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Ein junger Mann namens Falk (ca. 25) mit sanftem, gerührtem Gesicht, erleichtertem Lächeln, zerzaust kastanienbraunen Haaren, leuchtend grünen Augen und einfacher beiger Tunika legt behutsam ein kleines rundes leuchtendes Talisman in die Vertiefung des großen steinernen Altars; eine Frau namens Mara (ca. 30) in mattgrau-grüner Rüstung, ruhig und wohlwollend, hat die Hand auf Falks Schulter und steht leicht hinter ihm rechts; ein schwarzer Rabe namens Krah mit glänzendem Gefieder sitzt auf einem niedrigen Ast links und blickt aufmerksam auf das Talisman; ein haariger Begleiter namens Bruno, rotbraun wie ein großer Hund mit großen ausdrucksvollen Ohren, liegt dankbar am Fuß des Altars mit erhobenem Kopf; Ort: runde, grasbewachsene Lichtung mit moosigen Steinen am Rand, zentraler grauer Steinaltar mit Wellen- und Sternschnitzereien, hohe Bäume im Kreis, Glühwürmchen und sanfter Mondschein, der in Strahlen auf den Altar fällt; Szene: das Zurücklegen des Talismans in den Altar, aus ihm steigt eine warme, sanfte Spirale aus Licht, Personen und Tiere schauen bewegt und beruhigt zu, magische, tröstliche Atmosphäre in Pastelltönen mit goldenen Lichtakzenten. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Der Heiler mit dem stillen Geheimnis

Im Land der dunklen Wälder gab es Bäume, die so hoch waren, dass ihre Kronen wie grüne Dächer den Himmel berührten. Zwischen den Stämmen lag ein weicher Teppich aus Moos, und hier und da öffnete sich der Wald zu einer heiligen Lichtung, rund wie ein stiller See aus Sonne.

Dort lebte Falk, ein junger Heiler mit warmen Händen und wachen Augen. Er wohnte in einer kleinen Hütte aus Holz, die nach Kräutern duftete: nach Minze, nach Kamille und nach etwas, das ein bisschen nach Honig roch. Die Leute aus den Dörfern kamen zu ihm, wenn ein Knie schmerzte, wenn ein Bauch grummelte oder wenn jemand einfach nur Trost brauchte.

„Falk, kannst du mir helfen?“, fragte heute Morgen der Bäcker Udo und hielt sich den Finger.

„Natürlich“, sagte Falk. „Aber sag mir erst: Hast du wieder versucht, den Teig mit dem Ellbogen zu kneten?“

Udo wurde rot. „Vielleicht…“

Falk lachte leise. „Dann wundert es mich nicht.“

Er band Udo einen sauberen Verband um, rührte eine grüne Salbe an und sagte: „Morgen ist es schon viel besser. Und heute knetest du mit beiden Händen, versprochen?“

„Versprochen“, murmelte Udo und schielte dabei zu Falks Kräuterregal, als ob dort noch ein zweites Versprechen läge.

Als die Tür hinter dem Bäcker zufiel, wurde es still. Falk ging zum Fenster. Draußen glitzerte das Licht in den Blättern, doch in seinem Herzen war ein kleiner Schatten.

Denn Falk trug ein Geheimnis.

Unter seinem Hemd, an einer Schnur, hing ein Talismann. Er war rund, aus hellem Stein, und in der Mitte leuchtete eine winzige Ader wie Mondlicht. Wenn Falk die Hand darauf legte, wurde es warm, als würde der Stein freundlich „Hallo“ sagen.

Nur Falk wusste, dass dieser Talismann nicht ihm gehörte.

Er war einst vom Altar der heiligen Lichtung genommen worden, in einer Nacht, die Falk nie vergessen konnte. Damals war er noch ein Kind gewesen, und er hatte geglaubt, er müsse den Talismann retten, weil ein Sturm kam und der Wind wie ein wütender Riese heulte. Er hatte den Stein in die Hände genommen, „nur für kurz“, hatte er sich gesagt. Dann war er gestolpert, hatte sich erschreckt, und am nächsten Morgen… war der Altar leer. Niemand hatte ihn beschuldigt. Niemand hatte etwas gesehen. Doch Falk fühlte das Gewicht des Geheimnisses, als wäre es ein kleiner Stein in seiner Tasche, der nie herausfällt.

Seitdem half er den Menschen, so gut er konnte. Als würde jedes geheilte Knie, jedes getrocknete Tränchen den Talismann leichter machen. Aber er wusste: Eines Tages musste er ihn zurückbringen.

Heute kam dieser Tag schneller, als Falk gedacht hatte.

Es klopfte. Dreimal, langsam, wie ein ernstes Lied. Falk öffnete, und vor der Tür stand Ritterin Mara, die Hüterin der Waldwege. Ihre Rüstung glänzte nicht wie eine Pfanne, sondern matt wie ein alter Stern. Auf ihrer Schulter saß ein Rabe mit klugen Augen.

„Falk“, sagte Mara. „Der Wald flüstert.“

„Der Wald flüstert oft“, antwortete Falk vorsichtig.

Der Rabe krächzte: „Aber heute flüstert er laut.“

Mara trat ein, schaute sich um und senkte die Stimme. „In den heiligen Lichtungen ist die Ruhe dünn geworden. Die Tiere finden den Weg nicht mehr so gut, und die Quellen singen leiser.“

Falks Finger tasteten unbewusst nach der Schnur unter seinem Hemd. „Was bedeutet das?“

Mara sah ihn direkt an, als könnte sie durch Holz und Stoff schauen. „Es fehlt etwas am Altar. Etwas, das dort hingehört.“

Falk schluckte. Sein Herz machte einen kleinen Sprung, wie ein Frosch im Gras.

Mara legte ihm eine Hand auf den Arm, fest und freundlich. „Ich komme nicht, um jemanden zu jagen. Ich komme, um zu helfen. Der Wald braucht seinen Talisman zurück.“

Der Rabe nickte, so gut ein Rabe eben nicken kann. „Zurück, zurück.“

Falk atmete aus. Das Geheimnis fühlte sich plötzlich nicht mehr wie ein Stein an, sondern wie eine Tür, die endlich aufgehen durfte. Er zog den Talismann hervor. Das Mondlicht darin schimmerte, und die Hütte wurde einen Moment lang heller, als hätte jemand eine Kerze angezündet.

„Ich… ich habe ihn“, sagte Falk leise. „Seit Jahren.“

Mara hob die Augenbrauen, aber ihre Stimme blieb sanft. „Dann bist du nicht nur ein Heiler. Du bist auch ein Träger.“

„Ein Träger?“

„Einer, der etwas Wichtiges trägt, bis er es heimbringen kann“, erklärte Mara. „Manchmal braucht Mut länger als ein Tag.“

Falks Wangen wurden warm. „Ich wollte ihn nie stehlen. Ich wollte nur…“

„… ihn beschützen“, beendete Mara den Satz. „Das klingt nach dir.“

Der Rabe hüpfte auf dem Tisch herum und pickte an einem Apfel. „Mut schmeckt nach Apfel“, krächzte er, als ob das alles erklären würde.

Falk musste lachen, obwohl ihm die Kehle eng war. „Wie bringe ich ihn zurück?“

Mara zeigte zum Fenster, wo die dunklen Bäume standen wie eine Reihe stiller Wächter. „Wir reisen zur größten Lichtung, zur Altarstätte. Doch der Weg ist lang. Und auf dem Weg gibt es Dinge, die einen prüfen. Nicht mit Schrecken, sondern mit Fragen.“

Falk steckte den Talismann wieder unter sein Hemd. Er fühlte sich warm an, als würde er sagen: „Los.“

„Dann gehe ich“, sagte Falk.

Mara nickte. „Ich gehe mit dir.“

Der Rabe spreizte die Flügel. „Und ich, ich, ich! Ich heiße Krah, und ich weiß, wo man die besten Beeren findet.“

Falk nahm seinen Kräuterbeutel, ein kleines Fläschchen mit Honigsalbe und seinen Stab, der aus einer Haselrute war. An der Tür drehte er sich noch einmal um, sah seine Hütte, sein stilles Zuhause.

„Ich komme wieder“, murmelte er.

Der Wald antwortete mit einem Rascheln, als würde er sagen: „Wir warten.“

Kapitel 2: Der Weg durch die schwarzen Wälder

Sie gingen auf einem Pfad, der wie ein braunes Band zwischen Farnen und Wurzeln lag. Über ihnen schwangen die Äste, und das Licht fiel in Flecken auf den Boden, wie goldene Münzen.

Mara ging vorne, ruhig wie eine Burgmauer. Falk ging neben ihr und hörte auf jedes Geräusch. Krah flog mal vor, mal zurück und kommentierte alles.

„Da! Ein Pilz, der aussieht wie ein Kissen“, krächzte Krah.

Falk grinste. „Bitte nicht draufsetzen.“

„Warum nicht?“

„Weil du danach vielleicht lila wirst.“

Krah landete auf Maras Helm. „Lila Ritterin! Das wäre lustig.“

Mara schnaubte. „Ich bleibe lieber grau.“

Nach einer Weile kamen sie an eine Stelle, wo der Wald dichter wurde. Die Bäume standen so nah, dass der Pfad schmal wie ein Fluss zwischen Felsen war. Ein leises Brummen lag in der Luft, als ob der Wald tief nachdachte.

Falk spürte, wie der Talismann warm wurde. „Er reagiert“, flüsterte er.

Mara nickte. „Er kennt den Weg.“

Plötzlich sprang etwas aus dem Gebüsch—ein wildes, zotteliges Wesen, etwa so groß wie ein großer Hund. Es hatte große Ohren und sah… eher verwirrt als böse aus.

„Halt!“, rief Mara und zog ihr Schwert nur ein Stück. Nicht zum Angriff, eher wie eine klare Grenze.

Das Wesen setzte sich hin. Es schielte auf den Talismann unter Falks Hemd und machte ein klägliches „Wuff?“

Falk hob beide Hände. „Ganz ruhig. Wir tun dir nichts.“

Krah flog auf einen Ast. „Es sieht aus wie ein Teppich, der laufen gelernt hat.“

„Krah“, sagte Falk, „sei nett.“

„Ich BIN nett! Ich habe es nicht Teppichkopf genannt.“

Das Wesen wedelte zögerlich mit dem Schwanz. Dann hob es eine Pfote, als würde es zeigen: „Schau.“

An der Pfote steckte ein Dorn, lang wie ein kleiner Nagel. Das Tier winselte leise.

Falk kniete sich hin. „Oh, du Arme. Du brauchst Hilfe.“

Mara ließ das Schwert sinken. „Manchmal ist das die Prüfung“, sagte sie. „Nicht kämpfen, sondern heilen.“

Falk zog eine Pinzette aus seinem Beutel. „Das piekst kurz, ja?“

Das Wesen schnupperte an Falks Hand und leckte ihn einmal. Es schmeckte nach Wald und Beeren.

„Eins, zwei, drei“, sagte Falk und zog den Dorn heraus. Das Wesen zuckte, dann atmete es aus, als wäre es erleichtert.

„Brav“, sagte Falk und strich ihm über den Kopf. „Du bist gar kein Monster.“

Krah krächzte: „Monster? Es ist ein Fußweh-Wolf!“

Falk nahm ein bisschen Salbe und rieb die Stelle ein. Das Tier stand auf, probierte vorsichtig, und dann sprang es einmal im Kreis, als wäre es plötzlich ein kleines Karussell.

„Siehst du?“, sagte Falk. „Alles gut.“

Das Wesen machte ein fröhliches „Wuff!“ und rannte dann ein Stück voraus, blieb stehen und schaute zurück, als wollte es sagen: „Kommt!“

Mara lächelte. „Wir haben einen Wegführer.“

Krah rief: „Teppichführer!“

So gingen sie weiter, und das Tier—Falk nannte es „Bruno“, weil es so brummig klang—führte sie sicher um eine sumpfige Stelle herum. Der Wald wurde wieder freundlicher. Sie kamen an einen Bach, dessen Wasser so klar war, dass man die Kiesel am Grund zählen konnte.

Sie machten Pause. Falk füllte seine Flasche, Mara setzte sich auf einen Stein, und Krah badete seine Füße im Wasser und rief: „Kalt! Kalt! Das Wasser hat schlechte Manieren!“

Falk kaute auf einem Stück Brot und sah zu Mara. „Warum hilfst du mir? Du könntest wütend sein.“

Mara zog einen Handschuh aus und zeigte eine kleine Narbe an ihrer Handfläche. „Als ich jung war, habe ich einmal das Banner meiner Einheit verloren. Nur für einen Moment. Es war peinlich. Aber ich habe gelernt: Man wird stärker, wenn man es wiederfindet. Du findest heute etwas wieder—den richtigen Platz für deinen Talismann.“

Falk senkte den Blick. „Ich habe mich so lange geschämt.“

Mara sah ihn an, als würde sie eine Kerze anzünden. „Scham ist wie Nebel. Er zeigt, dass du ein gutes Herz hast. Aber du musst nicht im Nebel wohnen.“

Bruno legte sich neben Falk und seufzte zufrieden. Krah pickte ein Brotkrümelchen und sagte: „Nebelsuppe ist eklig.“

Falk lachte. Dann wurde er still und spürte den Talismann. „Manchmal…“, begann er zögernd, „fühle ich, dass er mit mir spricht. Nicht mit Worten. Mehr wie ein Lied.“

Mara nickte. „Das ist dein Geheimnis, nicht wahr? Du hörst Dinge, die andere nicht hören.“

Falks Augen wurden groß. „Woher weißt du das?“

„Der Wald flüstert“, sagte Mara. „Und du hörst ihn. Das ist selten. Das ist ein Geschenk.“

Falks Brust wurde warm. „Ich dachte immer, ich sei falsch.“

„Nein“, sagte Mara. „Du bist ein Heiler. Und vielleicht noch etwas mehr. Vielleicht bist du ein Freund der Lichtungen.“

Krah hüpfte auf Falks Stab. „Wenn du ein Freund der Lichtung bist, bin ich ein König der Krümel.“

„Das passt“, meinte Mara trocken.

Als die Sonne tiefer stand, zogen sie weiter. Der Pfad wurde steiniger, und in der Ferne sah man zwischen den Bäumen einen alten Turm, halb von Efeu umarmt.

„Dort“, sagte Mara, „liegt die Brücke über den Silbergraben. Hinter der Brücke beginnt der Weg zur Altarlichtung.“

Bruno blieb stehen, schnupperte und machte ein kleines „Wuff“, als ob er sagen wollte: „Da ist etwas los, aber nichts Schlimmes.“

Falks Talismann glühte ein wenig stärker. Sein Herz klopfte schneller. Bald würde es soweit sein.

Kapitel 3: Die kleine Schlacht am Silbergraben

Der Silbergraben war kein echter Graben, eher ein breiter Bach, der im Abendlicht glitzerte. Darüber führte eine alte Holzbrücke, die knarrte, als würde sie sich strecken.

Doch auf der Brücke standen Gestalten—kleine, gepanzerte Kobolde, kaum so groß wie Falks Bein. Ihre Helme waren schief, und ihre Speere sahen eher aus wie zu lange Gabeln.

„Halt!“, piepste der vorderste Kobold. „Zoll! Wer über Brücke will, muss… äh…“ Er schaute auf ein zerknittertes Papier. „…muss ein Lied singen. Oder Kekse geben. Oder beides!“

Krah rief von oben: „Ich bin für Kekse!“

Mara trat vor. „Wir haben keine Kekse.“

Der Kobold schnaubte. „Dann Lied!“

Falk räusperte sich. „Ich kann nicht so gut singen.“

„Dann sehr kurz!“, sagte der Kobold wichtig. „Kurze Lieder sind mutig.“

Bruno setzte sich hin und legte den Kopf schief, als wäre er der Richter.

Falk dachte nach. Dann summte er eine Melodie, die er oft beim Kräutersammeln summte, und sang leise:

„Wald und Licht, Hand und Mut,

alles wird am Ende gut.“

Die Kobolde schauten sich an. Einer wischte sich heimlich über die Augen. „Das war… irgendwie schön“, murmelte er.

Der Anführer räusperte sich. „Regel ist Regel. Schön ist gut. Aber… wir wollten eigentlich auch spannend.“

Mara beugte sich zu Falk. „Das ist keine echte Schlacht“, flüsterte sie. „Eher ein Theater.“

Falk flüsterte zurück: „Dann spielen wir mit.“

Er trat näher an den Kobold heran, freundlich, nicht drohend. „Warum wollt ihr Zoll? Braucht ihr etwas?“

Der Kobold zögerte. „Wir… wir üben, um Wächter zu sein. Aber niemand nimmt uns ernst. Die großen Ritter sagen: ‚Ihr seid nur Kobolde.‘“

Krah krächzte: „Ich nehme euch ernst. Ihr habt sehr… äh… interessante Helme.“

„Danke“, sagte ein Kobold stolz und rückte seinen Helm, der sofort wieder schief rutschte.

Mara steckte ihr Schwert weg und kniete sich hin, damit sie auf Augenhöhe waren. „Wächter sein bedeutet nicht, Leute zu ärgern. Wächter sein bedeutet, zu fragen: Geht es dir gut? Brauchst du Hilfe?“

Die Kobolde blinzelten. „Wirklich?“

„Wirklich“, sagte Falk. „Ein guter Wächter hat ein gutes Herz. Und ein gutes Ohr.“

Der Anführer hob sein Papier. „Aber… wir haben dieses Papier.“

Krah landete neben ihm. „Papier kann man auch zum Zeichnen benutzen. Zeichne Kekse drauf, dann hast du welche.“

„Das ist… schlau“, sagte der Kobold beeindruckt.

Falk holte aus seinem Beutel ein kleines Bündel getrockneter Beeren. „Wir haben keine Kekse, aber Beeren. Teilt ihr mit uns die Brücke, dann teilen wir mit euch die Beeren.“

Die Kobolde machten ein „Ooooh“, als wären Beeren kleine Schätze.

Der Anführer nickte ernst. „Abgemacht! Aber… wir brauchen noch eine Schlacht. Sonst ist es kein Abenteuer.“

Mara lächelte. „Eine Übungsschlacht, ohne Aua. Einverstanden?“

„Einverstanden!“, riefen die Kobolde.

So stellten sich alle auf. Mara hob einen Stock statt des Schwerts, Falk nahm seinen Stab, und die Kobolde hielten ihre Gabel-Speere hoch. Bruno machte „Wuff!“ und rannte im Kreis, als wäre er die Trommel.

„Angriff!“, piepste der Anführer.

Sie tipp-ten nur mit den Stöcken aneinander, klack-klack, wie ein lustiges Spiel. Krah rief: „Ich bin der Schlachtenvogel! Krah!“ und flog über alle hinweg, als wäre er eine Fahne.

Ein Kobold stolperte, setzte sich plumps hin und rief: „Ich bin besiegt! Aber höflich!“

Falk half ihm hoch. „Sehr höflich besiegt.“

Dann rief Mara: „Rückzug!“ und alle taten so, als würden sie dramatisch wegrennen—nur zwei Schritte, dann lachten sie.

Die Kobolde klatschten. „Das war groß!“, rief der Anführer. „Ihr seid echte Helden.“

Falk schüttelte den Kopf. „Helden sind auch die, die teilen.“

Der Kobold nickte, als hätte er gerade einen sehr wichtigen Satz in sein Herz gelegt.

Sie setzten sich an den Rand der Brücke, teilten Beeren und Wasser. Die Kobolde erzählten von ihren Träumen: Einmal wollten sie echte Wegweiser bauen, damit niemand im Wald verloren geht.

„Das ist wunderbar“, sagte Falk. „Wenn ihr wollt, bringe ich euch morgen ein paar Kräuter gegen Mücken. Dann könnt ihr besser wachen.“

„Oh!“, riefen die Kobolde. „Heilerfreund!“

Als die Sonne sich verabschiedete, machten sie Platz. „Ihr dürft gehen“, sagte der Anführer feierlich. „Und… danke, dass ihr uns ernst genommen habt.“

Mara legte eine Hand an den Helm, wie ein Gruß. „Wächter des Silbergrabens—passt gut auf eure Brücke auf.“

Die Kobolde standen stramm. „Jawohl!“

Falk trat auf die Brücke. Sie knarrte, aber sie hielt. Unter ihnen glitzerte das Wasser, und es klang, als würde es leise applaudieren.

Auf der anderen Seite wurde der Wald wieder dunkler, doch nicht bedrohlich—eher wie eine kuschelige Decke. In der Ferne schimmerte ein Licht zwischen den Bäumen: die heilige Lichtung.

Falks Talismann wurde heiß vor Freude. „Er will nach Hause“, flüsterte Falk.

Mara nickte. „Und du auch, ein Stück weit.“

Kapitel 4: Der Altar und das heimkehrende Mondlicht

Die heilige Lichtung lag da wie ein runder, stiller Raum ohne Wände. Das Gras war weich und kurz, als hätte es jemand gekämmt. In der Mitte stand der Altar: ein Steinblock, glatt wie Wasser und mit alten Zeichen, die aussahen wie Wellen und Sterne.

Als Falk den ersten Schritt auf die Lichtung machte, wurde die Luft heller. Nicht wie eine Lampe, eher wie ein freundliches Lächeln, das alles umarmt. Bruno lief los, schnupperte am Rand und legte sich dann hin, als hätte er seinen Dienst getan. Krah flog auf einen hohen Ast und wurde ungewöhnlich still.

Mara blieb einen Moment stehen. „Hier spricht man leiser“, sagte sie.

Falk nickte. „Ich höre es.“

Er ging zum Altar. Sein Herz klopfte so laut, dass er dachte, der ganze Wald müsste es hören. Er zog den Talismann hervor. Im Mondstein floss das Licht wie ein kleiner Bach.

„Ich habe dich genommen“, flüsterte Falk. „Ich wollte dich schützen. Aber ich habe dich auch… festgehalten. Es tut mir leid.“

Ein Windhauch strich über die Lichtung, warm und sanft, wie eine Hand auf der Schulter. Falk fühlte: Keine Wut. Nur Geduld.

Mara trat neben ihn. „Sprich es aus“, sagte sie. „Dann wird es leicht.“

Falk schluckte. „Ich hatte Angst, dass man mich nicht mehr mag. Dass ich kein Heiler mehr sein darf. Dass alle sagen: ‚Falk ist der, der nimmt.‘“

Mara sah ihn ernst an. „Und was bist du wirklich?“

Falk atmete tief ein. „Ich bin der, der zurückbringt.“

Er legte den Talismann in die kleine Mulde oben auf dem Altar. Genau dort passte er hinein, als wäre er ein fehlendes Puzzleteil. In dem Moment leuchtete das Zeichen am Altar auf—nicht grell, sondern weich. Das Licht stieg auf, kringelte sich über die Wiese wie ein Band und floss dann hinaus in den Wald.

Aus den Bäumen kamen Tiere: ein Reh, zwei Hasen, sogar ein Dachs, der so tat, als wäre er zufällig hier. Vögel sangen, als würden sie ein Begrüßungslied kennen, das nur für diesen Augenblick da war.

Krah krächzte leise: „Oh. Das ist… schön.“

Falk drehte sich zu Mara. Seine Augen waren feucht, aber er lächelte. „Es ist wieder richtig.“

Mara nickte. „Ja. Und hörst du das?“

Falk lauschte. Er hörte es wirklich: Das Flüstern des Waldes wurde klarer, wie wenn man ein Fenster putzt. Es sagte nicht viele Worte, eher Gefühle: Danke. Willkommen. Heim.

Bruno stand auf, kam zu Falk und drückte seinen Kopf gegen Falks Bein. Falk kraulte ihn hinter den Ohren. „Danke, Freund.“

Plötzlich schimmerte über dem Altar ein Bild, wie aus Licht gemalt: Ein junger Junge, der im Sturm stolpert, den Talismann festhält und sich fürchtet. Falk erkannte sich selbst.

Er hielt den Atem an. „Oh nein…“

Mara hob beruhigend die Hand. „Schau genau hin.“

Im Lichtbild erschien eine zweite Gestalt: eine alte Frau mit einem Mantel aus Blättern. Sie stellte sich schützend neben den Jungen und legte ihm eine Hand auf den Kopf. Der Sturm wurde leiser.

Falk flüsterte: „Die Hüterin der Lichtung… sie war damals da?“

Der Wind streichelte über das Gras. Falk spürte plötzlich etwas wie ein Satz in seinem Herzen: Du hast es gut gemeint.

Falks Schultern sanken, als würde eine schwere Tasche abgestellt. Er atmete frei.

Mara lächelte. „Manchmal ist ein Geheimnis nur ein ungeöffneter Brief. Und heute hast du ihn geöffnet.“

Krah rief: „Und er war nicht mal mit Spinnen drin!“

„Krah!“, sagte Falk und lachte durch seine Tränen. „Nicht an Spinnen denken.“

„Zu spät“, murmelte Krah, „ich habe schon dran gedacht.“

Das Licht über dem Altar wurde sanfter, dann normal. Aber der Wald blieb anders: freundlicher, wacher. Als würde er sagen: Jetzt sind wir wieder ganz.

Mara legte Falk die Hand auf die Schulter. „Was wirst du den Leuten sagen?“

Falk überlegte. „Die Wahrheit. Dass ich ihn als Kind genommen habe. Und dass ich ihn zurückgebracht habe. Und dass der Wald mir verziehen hat.“

Mara nickte. „Dann werden sie lernen, dass Mut auch Ehrlichkeit ist.“

Auf dem Rückweg war der Pfad nicht kürzer, aber leichter. Es war, als würden die Bäume ihnen Platz machen. Bruno lief fröhlich voran, Krah erzählte, dass er ab jetzt „Krah der Tapfere“ genannt werden wolle, und Mara tat so, als hätte sie das nicht gehört.

Als sie die Brücke erreichten, standen die Kobolde schon da, geschniegelt und geschniegelt—naja, so geschniegelt, wie Kobolde eben sein können. Sie hielten ein selbst gemaltes Schild hoch: „Willkommen, Helden!“ Darunter waren Kekse gezeichnet, die verdächtig nach runden Steinen aussahen.

„Ihr habt es geschafft!“, rief der Anführer.

Falk nickte. „Der Talisman ist zurück.“

Die Kobolde jubelten. „Dann ist der Wald wieder fröhlich!“

Krah krächzte: „Und ich habe Beeren gegessen! Das ist auch wichtig!“

Später, als Falk wieder vor seiner Hütte stand, war der Himmel voll Sterne. Er fühlte sich nicht leer ohne den Talismann—eher frei. Als hätte er Platz im Herzen für neue Lieder.

Mara blieb am Weg stehen. „Du hast heute etwas Großes getan.“

Falk schüttelte den Kopf und lächelte. „Ich habe etwas Heim gebracht.“

„Genau“, sagte Mara. „Und das ist oft das Größte.“

Krah saß auf dem Türbalken. „Wenn ihr jetzt alle fertig seid mit dem Heldenkram: Gibt es bei Heilern auch Abendbrot?“

Falk öffnete die Tür. „Kommt rein. Es gibt Suppe. Und…“

Er zwinkerte. „…vielleicht sogar Kekse.“

Krah fiel fast vom Balken. „Kekse?! Das ist Magie!“

Bruno rollte sich vor dem Feuer zusammen, Mara setzte sich mit einem müden, guten Lächeln, und Falk stellte die Suppe auf den Tisch. Draußen rauschte der Wald, dunkel und freundlich, und in der Ferne, ganz leise, sang die heilige Lichtung wieder ihr klares Lied.

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Talismann
Ein kleiner Gegenstand, dem Menschen besondere Kraft oder Schutz zuschreiben.
Altar
Ein besonderer Stein- oder Tischplatz, an dem man wichtige Dinge ablegt oder ehrt.
Lichtung
Ein heller Platz im Wald, wo keine Bäume stehen und das Gras wächst.
Hüterin
Eine Frau, die auf etwas aufpasst und es beschützt.
Salbe
Eine dicke Creme, die man auf Wunden oder schmerzende Stellen streicht.
Kräuterregal
Ein Regal in der Hütte, wo getrocknete Pflanzen und Heilkräuter stehen.
Scham
Das Gefühl, wenn man sich vor anderen Menschen schlecht oder verlegen fühlt.
Mulde
Eine kleine, runde Vertiefung in einem Stein oder im Boden.
Ader
Ein dünner Strich oder eine feine Linie im Stein oder in einem Blatt.
Schnur
Ein dünnes Band aus vielen Fäden, an dem man Dinge aufhängen kann.

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