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Humorvolle Fantasy 7/8 Jahre Lesen 9 min.

Der Tag, an dem die Zeit wegrannte

Jonas und seine Freunde entdecken, dass die Zeit im Dorf verschwunden ist, und machen sich auf eine abenteuerliche Suche zwischen Bäckerei, Flohmarkt und Luftballons. Dabei treffen sie ungewöhnliche Zeitwesen und lernen, wie wichtig gemeinsam genutzte Zeit ist.

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Ein etwa 8-jähriger Junge mit rundem Gesicht, Sommersprossen und zerzaustem hellbraunem Haar spielt konzentriert eine kleine Holzflöte und hält eine improvisierte Papiersacktasche aus Karton und Schnur, gefüllt mit winzigen glänzenden Kugeln, die „Minuten“ darstellen; neben ihm steht leicht links die etwa 7-jährige Lilli mit großem Strohhut und rot-gelb geringeltem Kleid, sie lächelt schelmisch und klatscht, rechts beugt sich Tommi (etwa 8) mit kurzer Frisur und Latzhose über die Tasche und befestigt mit einem kleinen Schraubenzieher eine Seilnaht, hinten sitzt Frieda (etwa 8) mit geflochtenen Haaren, Notizbuch und Bleistift und macht ernsthafte Aufzeichnungen, und aus der Schaufenstertür einer Uhr-befüllten Bäckerei schaut die rundliche, warme Bäckerin Frau Kringel mit mehlverschürztem Schürzen, einen Croissant in der Hand, dankbar heraus; Schauplatz ist ein bunter Dorfmarkt am Morgen mit bemalten Holzständen, bunten Ballons, alten Spielsachen und Kopfsteinpflaster, die Stimmung fröhlich und leicht verschroben, während Ballons am Himmel die Form einer lachenden großen Stunde annehmen. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Der Tag, der zu spät war

Jonas sprang aus dem Bett, zog seine Socken an und putzte die Zähne in einem Takt, als ob ein unsichtbarer Dirigent mit einer Stoppuhr winkte. Er war sieben Jahre und sehr pünktlich. Uhren mochte er, Kalender sammelte er heimlich unter seinem Kopfkissen, und seine Schuhe standen immer gerade.

Heute aber fühlte sich die Zeit komisch an. Die Sonne gähnte spät durch sein Fenster, und die Küchenuhr tickte so, als hätte sie Schluckauf. "Ich muss die verlorene Zeit einholen", sagte Jonas entschlossen. Er schnappte sich seinen Rucksack, in den er ein Stück Käse, eine Lupe, und eine kleine Flöte steckte. "Nicht zu viel, nicht zu wenig", murmelte er, "nur das Nötigste."

Die Nachbarskatze Mia schlug ihm einen Morgenmiau vor. Jonas zwinkerte. "Komm, Mia. Heute retten wir Minuten."

Die seltsame Bäckerei

Auf dem Weg zur Schule blieb Jonas vor der Bäckerei stehen. Die Schaufenster waren voller Uhrenkuchen. Nicht aus Teig, sondern echt: kleine Kuchen mit Zifferblättern, die tickten. Ein Schild hing schief: HEUTE EXTRA LANGSAM GEBÄCK.

"Was ist los?" fragte Jonas die Bäckerin, Frau Kringel, die eine Schürze mit Sternen trug.

"Die Zeit hat mir gestern meine Hefe ausgeliehen", sagte sie. "Sie kommt zurück mit einem Keks. Aber sie ist heute etwas... verspielt."

Plötzlich schlenderte eine Minute wie ein frecher Vogel aus der Tür, setzte sich auf einen Brötchenteller und fing an, Brötchen zu zählen. Jonas klatschte in die Hände. "Aha! Also ist die Zeit tatsächlich weggerannt."

Frau Kringel lächelte und gab ihm ein warmes Croissant. "Wenn du die Minuten findest, bring sie mir zurück. Ich backe dann eine Torte für das ganze Dorf."

Jonas fühlte, wie sein Ziel klarer wurde. Er wollte die verlorene Zeit einholen. Nicht für sich allein, sondern für alle.

Die Mannschaft der kleinen Sucher

Vor der Schule warteten seine Freunde: Lilli mit ihrem Strohhut, Tommi mit einer Schraubenschlüssel-Tasche und die Zwillingsschwester Frieda, die dauernd etwas notierte. "Du riechst nach Abenteuer", sagte Lilli, als Jonas näher kam.

"Die Zeit ist auf Abwegen", erklärte Jonas. "Wir müssen sie finden."

"Ein Team!" rief Tommi und salutierte mit seinem Schraubenschlüssel. Frieda rollte ihre Notizen aus und zeichnete sofort eine Karte mit einer großen, bunten Linie: "Wir teilen uns auf. Wir fragen die Dinge, die wissen, wo die Zeit spielt."

Sie sprachen mit dem Schulzaun. Der Zaun knarrte so, als hätte er Witze auf Lager. Er wusste, dass Zeit gern im Wind spielte. Sie sprachen mit dem Teich. Der Teich plätscherte schlau: "Zeit mag Spiegel. Schaut nach euren Schatten."

"Die Schatten!" flüsterte Lilli. "Zeit versteckt sich dort, wo wir nicht genau hingucken."

Die Kinder suchten hinter Mülltonnen, unter Parkbänken und in Baumhöhlen. Ein alter Kater schnurrte ihnen etwas zu: "Zeit sammelt gern Sammelstücke. Sucht den Ort mit den meisten verlorenen Dingen." Alle nickten. Der Ort war klar: der Flohmarkt in der Mitte der Stadt.

Das große Finden

Der Flohmarkt war wie ein Karussell aus Sachen. Hüte, Uhren, Spielzeuge, Lachen und das ständige Verhandeln. Jonas spürte ein Kitzeln an seinem Handgelenk. "Da", flüsterte er. Eine Gruppe Sekunden hockte in einer Schachtel mit Murmeln. Minuten spielten Verstecken unter einem Stapel Hörspiele.

"Kommt!" flüsterte Frieda und zog eine Socke heraus. In der Socke saß eine halbe Stunde und strickte Streifen. "Hallo", sagte Jonas freundlich. "Wir müssen euch zurückbringen. Leute warten auf euch."

Die halbe Stunde sah erschrocken aus. "Ich wollte nur ein bisschen ausruhen", piepste sie. "Die Welt dreht sich so schnell."

"Ein bisschen Pause ist okay", sagte Lilli tröstend, "aber nicht für immer."

Sie bastelten aus Papier, Schnüren und Tommis Schrauben eine kleine Trage für die Zeiteinheiten. Die Sekunden quietschten vor Vergnügen, die Minuten summten alte Lieder, die Stunden nickten würdevoll. Doch eine große Sache fehlte: die verlorene Stunde, die wie ein kleiner Hurrikan alles durcheinanderwirbelte und deswegen am meisten vermisst wurde.

"Ich glaube, sie hat sich hinter dem Stand mit den Luftballons versteckt", sagte ein alter Händler mit einem Hut, der aussah, als hätte er schon viele Sonnen gesehen. "Sie liebt Luft."

Die Kinder rannten. Luftballons tanzten, bunte Bänder wehten. Und tatsächlich: ein dunkelblauer Luftballon formte sich zu einer Stunde und lachte. "Ihr wollt mich einfangen?" rief sie und machte einen kichernden Sprung. Jonas atmete tief ein und spielte auf seiner Flöte eine kleine Melodie, die kitzelte. Die Stunde schwebte zur Flöte, neugierig. "Zeit hat Musik gern", flüsterte die Stunde, "musst du wissen." Jonas spielte weiter, Lilli klatschte, Tommi schnipste, und Frieda summte den Takt.

Gemeinsam banden sie die Stunde sanft an die Trage. Die Stunde schaute neugierig auf die Menschen und auf ihre Uhren. "Ich habe den Kindern die Zeit gestohlen, weil sie so viel rannten", sagte sie plötzlich. "Ich wollte sie schlendern lehren."

Jonas setzte sich hin, blickte in die Runde und sagte leise: "Wir brauchen Zeit, um alles zu schaffen. Aber wir benötigen sie auch zusammen." Die Stunde nickte. "Also teilen wir sie auf. Nicht wegnehmen, sondern schenken." Die Stunde leuchtete und teilte sich in viele kleine, warme Minuten, die wie Sonnenstrahlen über den Flohmarkt fielen.

Die Bäckerin bekam ihre Hefe zurück, der Lehrer bekam seine vergessene Krawatte und ein alter Mann seine verlorene Brille. Die Dorfbewohner lachten, als sie merkten, dass sie ein bisschen ruhiger atmen konnten. Es war, als hätten alle gemeinsam beschlossen, schneller zu lachen und langsamer zu hetzen.

"Das ist Teamarbeit", sagte Frieda zufrieden und notierte es mit großen, runden Buchstaben.

Die Rückkehr und die Brise

Mit der Trage voller Minuten zogen die Kinder durch die Straßen. Sie fühlten sich ein bisschen wie Kapitäne, die ein Schiff aus Sekunden und Minuten steuern. Als sie bei der Bäckerei ankamen, umarmte Frau Kringel sie, als wären sie frisch gebackene Brötchen. "Danke", sagte sie. "Ihr habt dem Dorf die Melodie zurückgebracht."

Die Kinder erzählten von der Stunde, die Luftballons liebte, und von der Flöte, die Zeit kitzelte. Die Leute lachten und klatschten. Die verlorenen Zeiten fanden schnell wieder ihren Platz; Uhren atmeten auf und tickten in einem neuen, freundlichen Tempo.

Jonas setzte sich auf die Fensterbank der Bäckerei. Er fühlte, wie die letzte Minute, die noch ein bisschen verschlafen war, zu ihm krabbelte und sich an seine Hand legte. "Ruhig", sagte Jonas sanft. "Wir passen auf dich auf."

Draußen wehte ein Wind, der wie eine alte Bekannte roch: nach Herbstblättern, nach Brot, nach Abenteuern, die noch kommen würden. Er spielte mit Jonas' Haar. Die Kinder spürten etwas Warmes, ein sanftes Streicheln, das sagte: Alles ist gut.

"Das ist die Belohnung", flüsterte Lilli. "Nicht Gold, nicht Trophäen. Eine Brise, die uns sagt: Gut gemacht."

Jonas lächelte. Er dachte an die Sekunden, an die Minuten, an das Lachen und an die kleinen Fehler, die sie gemeinsam repariert hatten. "Wir waren ein Team", sagte er. "Und jetzt haben wir Zeit, um das zu genießen."

Die Windhand strich nochmals über ihre Wangen, machte eine kleine Pirouette und zog dann weiter, um andere Fenster zu öffnen und andere Uhren zu beruhigen. Jonas beobachtete, wie der Wind die Wolken spielte und kleine Staubkörnchen Tanzschritte beibrachte.

"Bis morgen", sagte er zu dem Wind, der sich wie eine Katze zusammenrollte und auf dem Fensterbrett schnurrte. Die Kinder standen auf, schulterten ihren kleinen Rucksack und gingen nach Hause. Die Welt war nicht perfekt, aber sie hatte genug Zeit für ein Lachen, ein Gespräch und ein Croissant.

Als Jonas sein Zimmer betrat, legte er die letzte Minute behutsam auf seinen Nachttisch. Sie glitzerte leise, wie ein kleines Lagerfeuer. Er zog die Decke bis zum Kinn, schloss die Augen und hörte noch das ferne Kichern der Stunde, die jetzt wusste, wie wichtig Teilen war. Die Luft war mild. Eine letzte kleine Brise strich über sein Gesicht, wie ein zärtlicher Gruß.

"Danke", murmelte Jonas schläfrig. Die Brise antwortete nur mit einer zarten, warmen Berührung.

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Das Quiz: Hast du die Geschichte gut verstanden?

Dirigent
Eine Person, die Musik leitet und den Takt mit den Händen zeigt.
Stoppuhr
Eine Uhr, mit der man genau messen kann, wie lange etwas dauert.
Gähnte
Mit offenem Mund langsam Luft einziehen, weil man müde ist.
Schluckauf
Wenn der Körper plötzlich kurz und wiederholt einzieht und ein Ton kommt.
Entschlossen
Wenn jemand genau weiß, was er tun will und nicht zögert.
HEUTE EXTRA LANGSAM GEBÄCK
Auf einem Schild: Die Backwaren sind heute besonders langsam zubereitet.
Trage
Ein Gefährt oder Matte, mit der man Dinge oder Personen tragen kann.
Würdevoll
Mit Ruhe und Respekt handeln, so als wäre etwas sehr wichtig.
Kapitäne
Die Menschen, die ein Schiff führen und Verantwortung haben.
Pirouette
Drehung auf einem Punkt, wie ein kurzer Tanzwirbel.

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