Anna und Lina spielen im Garten. Die Sonne kitzelt ihre Nasen. Der Wind riecht nach Gras. Plötzlich sagt Lina: „Was ist das?“ Sie zeigt auf etwas im Busch. Es knistert leise. Es glitzert im Moos.
Anna und Lina schieben die Blätter beiseite. Da liegt eine alte Karte. Die Karte ist bunt. Sie riecht nach Erde. „Ein Schatz!“, ruft Anna. „Wir suchen den Schatz!“, sagt Lina. Sie springen vor Freude.
Die Karte führt zum alten Kastanienbaum. Unter dem Baum ist ein Koffer. Er ist klein und rostig. Er knarzt, wenn man ihn anstupst. „Der Koffer will nicht aufgehen“, sagt Lina. „Vielleicht braucht er einen Schlüssel“, meint Anna. Sie sehen sich um. Ein Papierschnipsel liegt im Gras. Darauf sind drei Farben: Rot, Blau, Gelb. Die Farben sind wie Punkte auf der Karte.
Sie folgen den Punkten. Der erste Punkt ist bei der kleinen Brücke. Das Wasser plätschert. Es riecht frisch. Ein Ast liegt quer. Anna holt eine Holzlatte aus dem Schuppen. „Wir bauen eine Brücke“, sagt Lina. Sie legen die Latte. Sie halten sich an den Händen. Gemeinsam balancieren sie über das Wasser. „Füßchen vorne, Füßchen hinten“, sagt Anna. Sie schaffen es. Sie klatschen in die Hände. Sie lachen.
Der zweite Punkt ist bei der Hecke. Es raschelt. Ein Vogel singt ein kurzes Lied. Hinter der Hecke finden sie einen Stein. Auf dem Stein ist ein kleines Loch in der Form eines Herzens. Lina steckt die Hand hinein. Sie fühlt etwas Hartes. Es ist ein Schlüssel! Der Schlüssel ist warm von der Sonne. „Hurra!“, flüstert Anna. Sie kichert vor Glück.
Der dritte Punkt ist am Spielplatz. Dort liegt ein Tuch mit bunten Bändern. Die Bänder sind rot, blau und gelb. „Das passt zur Karte“, sagt Lina. Sie binden die Bänder an den Koffergriff. Der Koffer brummt leise. Er fühlt sich nicht mehr so schwer an. Zusammen stecken sie den Schlüssel ins Schloss. Es klickt. Die Kinder halten den Atem an. Dann ziehen sie den Deckel auf.
Drinnen ist kein Gold. Drinnen ist viel Buntes. Es sind kleine Dinge: eine alte Holzpuppe, zwei gelbe Murmeln, ein Tuch voller Samen, ein Buch mit Tierbildern, eine Karte mit einem Satz: „Für die Freunde im Dorf.“ Anna riecht die Samen. Sie duften leicht nach Blumen. Lina streichelt die Puppe. Sie lächelt.
„Das ist unser Schatz“, sagt Anna. „Wir teilen ihn“, sagt Lina. Sie nehmen die Samen und die Puppe. Sie tragen den Koffer zurück ins Dorf. Auf dem Weg singen sie ein Lied. Die Nachbarn hören sie. Herr Müller kommt mit seinem Hut. Frau Schmidt bringt Kekse. Die Kinder im Hof springen herum.
Anna sagt: „Wir pflanzen die Samen zusammen.“ Lina sagt: „Wir lesen das Buch zusammen.“ Alle helfen. Sie gießen die Samen. Sie singen zu den Pflanzen. Die Murmeln werden zu Spielzeug für alle. Die Puppe bekommt einen neuen Schal.
Am Abend sind die Blumen klein und zufrieden. Die Leute sitzen zusammen. Es riecht nach Keksen und warmem Brot. Der Koffer steht offen. Er ist nicht leer. Er ist voller Freundschaft. Anna und Lina halten sich an den Händen. „Das war ein Schatz-Abenteuer“, sagt Lina müde. „Ja“, sagt Anna. „Wir sind mutig gewesen. Wir haben geteilt.“
Die Sterne blinken über dem Dorf. Alle sind ruhig und froh. Die Freundschaft glitzert heller als jede Münze.