Teil 1: Der Morgen mit den bunten Plänen
Heute hat Ben Geburtstag. Ben ist drei Jahre alt. Als er die Augen aufmacht, kitzelt die Sonne seine Nase. Im Flur riecht es nach warmen Brötchen.
„Guten Morgen, Geburtstags-Ben!“, sagt Mama und gibt ihm einen Kuss auf die Stirn.
„Bin ich jetzt groß?“, fragt Ben.
„Schon ein bisschen“, sagt Papa und zwinkert.
Auf dem Küchentisch steht ein kleiner Teller mit drei Erdbeeren. Daneben liegt eine Krone aus Papier. Ben setzt sie auf. Sie rutscht ein wenig schief. Ben kichert. Papa setzt seine eigene Krone auch schief. Mama tut so, als wäre ihre Krone viel zu groß. Alle lachen.
„Heute machen wir eine Geburtstagsparty“, sagt Mama. „Mit Lichtern und Spielen und Kuchen.“
„Und Ballons!“, ruft Ben.
„Und Ballons“, sagt Papa. „Ganz viele.“
Ben ist neugierig. Neugierig ist wie ein kleines Kribbeln im Bauch. „Was machen wir zuerst?“
„Wir bereiten alles vor“, sagt Mama. „Du bist unser Helfer.“
Ben bekommt eine kleine Aufgabe: Servietten auf den Tisch legen. Er legt sie hin. Eine Serviette liegt falsch herum. Ben dreht sie um. Er fühlt sich wichtig.
Dann pustet Papa Ballons auf. Ein roter Ballon macht „pffff“ und fliegt fast weg.
„Der will schon tanzen!“, sagt Papa.
Ben hält ihn fest. „Bleib hier, du Wackelballon!“, sagt er. Der Ballon wackelt trotzdem. Ben lacht wieder.
Mama stellt bunte Becher hin. „Blau, gelb, grün“, zählt Ben. Er zählt langsam, damit es stimmt. Mama nickt. „Du hast Adleraugen.“
Auf dem Sofa liegen kleine Päckchen. Ben schaut hin. „Sind die für mich?“
„Später“, sagt Mama. „Erst feiern wir zusammen. Erst kommt die Freude, dann kommt die Überraschung.“
Ben findet das spannend. Er wippt auf den Zehen. Seine Krone wippt mit.
Teil 2: Der Ballon und das kleine Geheimnis
Am Nachmittag klingelt es. Ben hört es sofort. „Ding-dong! Ding-dong!“ Er rennt zur Tür. Mama geht mit ihm, ganz ruhig.
Da stehen Bens Freunde: Mia mit einem roten Schleifchen im Haar, Tom mit einer kleinen Trommel, und Leni mit einem Stoffhasen im Arm. Auch Oma kommt, sie trägt eine Tüte, die leise raschelt.
„Alles Gute, Ben!“, sagen alle.
Ben strahlt. „Kommt rein! Ich bin drei!“
Im Wohnzimmer hängen Lichterketten. Sie glitzern wie kleine Sterne am Tag. Auf dem Tisch steht ein Kuchen mit drei Kerzen. Daneben stehen die wackelnden Ballons. Ein gelber Ballon liegt ein bisschen abseits, auf dem Teppich.
„Der ist müde“, flüstert Ben und geht zu ihm. Der gelbe Ballon hat ein Band, das sich unter ihm versteckt, wie ein kleiner Schwanz.
Ben bückt sich. „Warum liegst du hier, gelber Ballon?“ Er hebt ihn vorsichtig hoch. Und da sieht er etwas: Unter dem Ballon liegt ein kleines Päckchen, eingewickelt in goldenes Papier. Es funkelt, als hätte es heimlich gelächelt.
„Mama! Papa! Kommt mal!“, ruft Ben.
Alle kommen näher. Oma setzt ihre Brille auf. Mia macht große Augen.
„Oh!“, sagt Tom. „Ein Schatz?“
Ben nickt ernst. „Unter dem Ballon. Da war er.“
Mama kniet sich hin. „Das ist ja wirklich wie ein Schatz.“
Papa sagt leise: „Manchmal verstecken sich gute Dinge, wo man sie nicht erwartet.“
Ben schaut das goldene Päckchen an. Er ist neugierig. Sein Bauch kribbelt wieder. „Darf ich es aufmachen?“
„Ja“, sagt Mama. „Langsam. Ganz langsam.“
Ben zieht am Band. Es macht „schsch“. Das Papier öffnet sich. Drinnen ist eine kleine Dose. Auf der Dose sind Sterne. Ben schüttelt sie ganz leicht. Es klappert.
„Hör mal!“, sagt Ben.
„Das klingt nach…“, sagt Mia.
„Nach etwas Leckerem“, sagt Oma und lacht.
Ben macht die Dose auf. Darin sind bunte Schoko-Münzen. Gold, silber, und ein paar sind rot und blau. Sie glänzen wie echte Piratenmünzen, nur viel freundlicher.
Ben staunt. „So viele!“ Dann schaut er zu den anderen. Er denkt kurz nach. Und dann sagt er: „Das ist ein Schatz. Den teilen wir.“
Tom nickt. „Teilen ist gut.“
Leni umarmt ihren Hasen. „Der Hase teilt auch gern“, flüstert sie.
Ben kichert. „Dann bekommt der Hase auch eine.“
Mama stellt kleine Schälchen hin. Ben legt in jedes Schälchen ein paar Münzen. Eins für Mia. Eins für Tom. Eins für Leni. Eins für Oma. Eins für Mama. Eins für Papa. Und eins für sich selbst. Er zählt dabei leise, damit niemand zu kurz kommt.
„Du bist ein Schatz-Finder“, sagt Papa.
„Und ein Schatz-Teiler“, sagt Mama.
Ben fühlt sich warm im Bauch, so warm wie Kakao.
Teil 3: Lichter, Kuchen und ein ruhiges Ende
Jetzt ist Zeit für Spiele. Sie spielen „Ballon in der Luft“. Alle patschen den Ballon hoch: plopp, plopp, plopp. Der gelbe Ballon ist wieder wach und tanzt mit. Ben ruft: „Nicht auf den Boden, Ballon!“ Der Ballon hört fast zu. Fast.
Dann setzen sich alle an den Tisch. Mama trägt den Kuchen. Die drei Kerzen leuchten. Das Licht zittert ein bisschen, aber es bleibt freundlich.
„Puste aus, Ben“, sagt Oma.
Ben holt tief Luft. „Ich kann das!“ Er pustet. Einmal. Zweimal. Dreimal. Alle Kerzen gehen aus.
„Juhu!“, rufen die Freunde.
Ben schneidet mit Papas Hilfe das erste Stück. Er bekommt ein Stück mit extra vielen Streuseln. Mia bekommt eins mit Erdbeere. Tom bekommt eins mit Schoko. Leni bekommt eins, das nicht zu groß ist. Oma sagt: „Genau richtig.“
Später gibt es Musik. Tom trommelt ganz leise. Mama klatscht. Papa tanzt wie ein Roboter, aber ein sehr netter Roboter. Ben lacht so sehr, dass seine Krone fast herunterfällt.
Als es draußen dunkler wird, werden die Lichterketten noch schöner. Sie glitzern, als würden sie „Gute Nacht“ üben, aber noch ist es nicht so weit.
Ben sitzt kurz auf Mamas Schoß. „War das ein echter Schatz?“, fragt er.
Mama streicht ihm über die Haare. „Für mich ist es ein echter Schatz, weil du ihn gefunden hast. Und weil du ihn geteilt hast.“
Ben schaut zu seinen Freunden, die noch leise spielen. „Ich war neugierig“, sagt er.
„Neugier ist wie eine Taschenlampe“, sagt Papa. „Sie zeigt dir Dinge.“
Bald ziehen alle Jacken an. Es gibt Umarmungen. „Tschüss, Ben!“, sagt Mia. „Danke für die Münzen!“
„Tschüss!“, sagt Tom. „Dein Roboter-Papa ist lustig!“
Papa macht noch einmal den Roboter. Alle lachen. Leni winkt mit ihrem Hasen.
Als die Tür zu ist, ist das Haus ruhig. Aber es fühlt sich nicht leer an. Es fühlt sich voll an. Voll mit Licht und Lachen.
Ben gähnt. Mama trägt ihn ins Bett. Sein gelber Ballon darf mit ins Zimmer. Er wird an einen Stuhl gebunden. Er wackelt ganz sanft, als würde er Ben zudecken.
„Gute Nacht, Geburtstag“, flüstert Ben.
„Gute Nacht, mein Schatz-Finder“, sagt Mama.
Papa gibt ihm einen Kuss. „Morgen bist du auch noch drei. Und übermorgen auch.“
Ben kuschelt sich in seine Decke. Er denkt an den Schatz unter dem Ballon. An die glitzernden Münzen. An das Teilen. An die Kerzen. An das warme Kribbeln der Neugier.
Der gelbe Ballon wippt einmal. Ben lächelt. Dann schläft er ruhig ein.