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Geschichte des Ramadan 9/10 Jahre Lesen 5 min.

Das Versprechen im Abendlicht

Leila hilft beim Kochen, schreibt Gedichte und lernt Geduld beim Fasten, während ihre Familie und Nachbarn gemeinsam Essen und Geschichten teilen.

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Ein fröhliches, stolzes 10-jähriges Mädchen mit geflochtenen braunen Haaren und leuchtenden Augen trägt ein blau-türkis geblümtes Kleid, sitzt am Holztisch und hält eine Dattel; die etwa 35-jährige Mutter mit einem leichten Kopftuch und einer gelben Zitronenschürze steht hinter ihr und reicht goldene Sambusa, die 6-jährige kleine Schwester mit kurzen Locken im rosa Kleid sitzt rechts, bewundert die Große und hält einen Löffel, die Nachbarin Oma Rosa (ca. 70) mit grauem Dutt und olivgrünem Mantel kommt zur Kücheneingangstür mit einem Tablett Kekse; warme, helle Küche mit buntem Geschirr, dampfenden Suppenschalen, Sambusa, Milchreis und einer Dattenschachtel, goldenes Abendlicht durch ein großes Fenster mit langen Schatten auf dem gefliesten Boden — Szene: Iftar, die Familie versammelt sich zum Fastenbrechen, im Mittelpunkt das Mädchen, das die erste Dattel nimmt. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

1. Abendlicht und Gedichte

Leila saß auf dem Fensterbrett und kitzelte mit ihrem Bleistift das Papier. Ihre Gedanken hüpften wie kleine Vögel durch den Raum, denn heute wollte sie ein besonderes Gedicht schreiben. Die Sonne schickte ihre letzten goldenen Strahlen über die Dächer und malte leuchtende Muster auf Leilas Schulheft. „Das Abendlicht ist wie Honig auf dem Fensterglas“, schrieb sie. Dann lachte sie leise, weil sie das so schön fand.

Ihre Mutter rief aus der Küche: „Leila, kannst du mir bitte helfen?“ Leila legte ihr Gedicht beiseite, denn sie hatte versprochen, heute beim Kochen zu helfen. Und Leila hielt immer ihre Versprechen – das war ihr wichtig. Sie rutschte vom Fensterbrett, strich sich den Zopf gerade und lief mit flinken Schritten in die Küche.

2. Geheimnisse in der Küche

In der Küche duftete es nach Zimt und frischem Teig. Leilas Mutter trug eine bunte Schürze mit gelben Zitronen darauf. „Heute machen wir Sambusa“, erklärte sie, „das ist unser Ramadan-Lieblingsessen.“ Leila durfte die Füllung rühren und den Teig ausrollen. Sie versuchte, besonders geduldig zu sein, obwohl der Teig manchmal lieber an ihren Fingern klebte als am Nudelholz.

„Geduld ist das halbe Kochen“, flüsterte ihre Mutter und zwinkerte ihr zu. Leila lachte. Sie stellte sich vor, wie Geduld vielleicht wie ein unsichtbarer Kochmütze auf ihrem Kopf saß. Während sie die kleinen Teigtaschen füllten, erzählte ihre Mutter lustige Geschichten von früher, als Leila noch kleiner war und einmal Mehl mit Puderzucker verwechselt hatte. Beide kicherten so sehr, dass sogar der Teig fast eifersüchtig wurde.

3. Das Warten auf das Abendessen

Der Tag zog sich lang wie Kaugummi. Leila spürte ein leises Ziehen in ihrem Bauch – sie hatte den ganzen Tag gefastet. Aber sie wollte es schaffen. Sie war stolz darauf, dass sie ihre Versprechen hielt, auch wenn das bedeutete, hungrig zu sein.

Sie setzte sich mit ihrem Gedicht ans Fenster und las die Zeilen leise vor. Draußen wurde das Licht immer weicher, die Vögel zwitscherten ihr Abendlied. Ihre kleine Schwester kam vorbei und wollte wissen, was Leila da schrieb. „Ich schreibe über das Abendlicht“, sagte Leila. Die Schwester staunte: „Ich dachte, du schreibst über Essen!“

Leila musste schmunzeln. „Das Abendlicht macht alles besonders“, erklärte sie. „Auch das Essen.“ Gemeinsam beobachteten sie, wie die Schatten länger wurden und der Himmel langsam violett und gold wurde.

4. Das Wunder des Teilens

Endlich hörten sie den Ruf zum Fastenbrechen. In der Küche war alles bereit: Datteln, Suppe, knusprige Sambusa und ein süßer Milchreis. Die Familie saß um den Tisch, und Leila durfte die erste Dattel nehmen. Sie wartete geduldig, bis alle bereit waren, und genoss dann den ersten Bissen, der wie ein Fest im Mund schmeckte.

Beim Essen erzählten alle, was sie heute erlebt hatten. Leila erzählte von ihrem Gedicht und davon, wie sie gelernt hatte, dass Geduld beim Kochen genauso wichtig war wie beim Warten aufs Abendessen. Die Familie lachte über ihre lustigen Teig-Geschichten und bestaunte das Gedicht, das Leila vorlas.

Als sie fertig gegessen hatten, klopfte es an der Tür. Ihre Nachbarin, Oma Rosa, stand draußen mit einem Tablett voller Kekse. Leila lud sie ein, hereinzukommen, und gemeinsam teilten sie die süßen Kekse. Oma Rosa erzählte eine Geschichte von einem Ramadan in ihrer Kindheit, und alle hörten gespannt zu.

5. Ein Versprechen auf dem trockenen Boden

Nach dem Essen half Leila beim Aufräumen. Als sie die letzten Krümel zusammenfegte, bemerkte sie, dass der Boden in der Küche ganz trocken war. Gestern hatte sie aus Versehen Wasser verschüttet und versprochen, heute besser aufzupassen. Sie grinste stolz: Kein Tropfen war zu sehen.

Am Abend, als sie wieder am Fenster saß, schrieb Leila die letzten Zeilen in ihr Heft: „Das Abendlicht macht Versprechen leicht wie Federn. Und geteilte Kekse schmecken doppelt so gut.“

Sie schloss das Heft und fühlte sich warm und zufrieden. Sie hatte gehalten, was sie versprochen hatte – beim Kochen geholfen, Geduld geübt, geteilt und den Boden trocken gelassen. Und irgendwo da draußen, dachte sie, schickte das Abendlicht allen Kindern auf der Welt ein leises, goldenes Lächeln.

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Kitzelte
Etwas leicht mit den Fingern berühren, so dass es ein Gefühl wie Kitzeln gibt.
Fensterbrett
Die flache Fläche unten am Fenster, auf die man sitzen oder etwas stellen kann.
Schulheft
Heft, in dem Kinder zu Hause oder in der Schule schreiben und üben.
Abendlicht
Das Licht am Abend, wenn die Sonne langsam untergeht und alles weich leuchtet.
Fensterglas
Die Scheibe im Fenster, durch die man nach draußen sehen kann.
Schürze
Kleidungsstück, das man über der Kleidung trägt, damit sie beim Kochen sauber bleibt.
Füllung
Die Masse, die man in etwas hineinfüllt, zum Beispiel in Teigtaschen oder Kuchen.
Nudelholz
Rundes Holzwerkzeug, mit dem man Teig flach rollen kann.
Geduld
Ruhe und Ausdauer, wenn man auf etwas wartet oder etwas Übung braucht.
Teigtaschen
Kleine Tüten aus Teig, die mit einer Füllung gefüllt und meist gebacken werden.
Eifersüchtig
Wenn man traurig oder wütend ist, weil jemand anderes etwas hat, das man selbst will.
Abendlied
Ein Lied, das man am Abend singt, oft leise und ruhig.
Fastet
Auf Essen und Trinken für eine bestimmte Zeit verzichten, oft aus religiösem Grund.
Datteln
Süße Früchte, die oft beim Fastenbrechen als erster Biss gegessen werden.
Zusammenfegte
Mit einem Besen Krümel und Schmutz an einen Ort fegen, um sie wegzuräumen.

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