Die Reise beginnt
Mia und Jonas sitzen am Strand. Ihre Taschen sind klein. Ihre Augen sind groß. Heute ist ein besonderer Tag. Der Unterwasserleuchtturm blinkt nicht mehr richtig. Die Fischer haben das gemeldet. Ein warmes Licht soll den Schiffen helfen. Mia ist genau und zugleich beweglich. Jonas ist mutig und fröhlich. Sie sind sechs Jahre alt.
„Wir müssen die Stelle finden“, sagt Mia. Sie zeichnet mit einem Stock auf dem Sand. „Genau!“ sagt Jonas. „Und wir helfen den Tieren. Immer freundlich.“
Der kleine Forschungstruck Lilli liegt am Ufer. Lilli ist eine runde, blaue Tauchkugel. Sie kann langsam untertauchen und leise singen. Die Kinder steigen ein. Lilli macht ein leises Summen. Die Eltern winken. „Passt gut auf euch auf!“, ruft Mamas Stimme. Mia atmet tief ein. Jonas nimmt Mias Hand. Die Kugel schließt sich. Wasser glitzert. So beginnt das Abenteuer.
Unter dem Meer
Lilli taucht. Die Welt unter Wasser ist bunt. Fische flitzen wie Pinselstriche. Seetang wiegt sich wie grüne Fahnen. Mia prüft die Karten. Jonas schaut durch das Bullauge. „Da vorne!“, ruft er und zeigt. Ein alter Stein mit Muscheln liegt auf dem Meeresgrund. Darauf sitzt eine kleine Karte. Die Karte zeigt die Position des Leuchtturms. Aber die Pfeile sind verwirrt.
„Die Karte ist alt“, sagt Mia. Sie zählt und misst ruhig. Jonas holt eine kleine Lampe. Die Lampe ist warm. Zusammen lesen sie die Zeichen. Sie lachen leise, wenn ein neugieriger Seestern die Lampe berührt. „Hallo, du kleiner Freund“, flüstert Mia. Der Seestern winkt mit einem Arm.
Plötzlich schwebt eine Schildkröte vorbei. Sie hat Augen wie weiche Steine. „Ich heiße Tala“, sagt die Schildkröte mit einer tiefen Stimme. „Ich kenne den Weg zum Leuchtturm. Er ist nicht weit. Aber der starke Strom hat ihn ein Stück verschoben.“ Jonas schaut besorgt. „Dann müssen wir ihn wiederfinden und markieren“, sagt Mia mit fester Stimme.
Lilli gleitet weiter. Sie müssen durch ein Feld von Quallen. Die Quallen leuchten wie kleine Laternen. Sie sind sanft. Mia lenkt ruhig. Jonas singt ein kleines Lied. Die Quallen öffnen sich und zeigen einen Weg. Ein großes, braunes Octopus-Tuch hält den Boden fest. Ein Tintenfisch schaut schüchtern aus einer Höhle. Er hat einen Rucksack aus Algen. „Kannst du helfen?“, fragt Mia.
Der Tintenfisch nickt und reicht eine dünne Kette. „Wenn wir den Leuchtturm an seine Stelle binden, hilft diese Kette. Aber wir brauchen einen starken Griff“, sagt er. Mia überlegt. „Wir können zusammenarbeiten“, sagt sie. „Du hältst die Kette, Jonas hilft beim Ziehen und ich lege die Markierung.“ Die beiden Kinder nicken. Sie sind ein Team.
Sie schwimmen weiter. Da entdeckt Jonas etwas Funkelndes unter einer Felsbank. Es ist eine kleine Perle. Sie strahlt freundlich. „Diese Perle kann als Signal leuchten“, sagt Tala. „Aber zuerst müssen wir den Leuchtturm an die richtige Stelle bringen.“ Die Kinder nehmen die Perle vorsichtig. Sie leuchtet wie ein Herz.
Bald sehen sie den Leuchtturm. Er steht schief. Ein Netz hat ihn umschlungen. Um ihn herum liegen Seetang und kleine Steine. Jonas nimmt Mut. „Wir schaffen das!“, ruft er. Mia nickt und atmet ruhig. „Paso für passo“, sagt sie leise, so wie die Schildkröte es ihr beigebracht hat.
Sie arbeiten langsam. Der Tintenfisch hält die Kette. Jonas zieht mit klugen Zügen. Mia führt die Perle nach oben. Die Quallen geben Licht. Die Fische helfen, kleine Steine wegzuschieben. Ein Schwarm kleiner Fische zieht am Seil wie viele kleine Hände. Es ist schwer. Manchmal rutscht etwas weg. Manchmal weht ein starker Strom. Dann hält Mia die Luft an und findet einen neuen Plan. Sie windet sich geschmeidig. Sie kann auch anders. Jonas bleibt stark. Er lacht, wenn etwas komisch wird. Zusammen geben sie nicht auf.
Am Ende stehen sie vor dem Leuchtturm. Mia überprüft die Karte. „Genau hier“, sagt sie und zeigt mit dem Finger. Sie setzt eine kleine Flagge aus Seetang und Möwenfedern auf den Boden. Die Flagge winkt. Die Perle wird in einer kleinen Kuppel am Leuchtturm befestigt. Der Tintenfisch knotet die Kette mit geschickten Armen.
Das Willkommen
Langsam, ganz langsam, beginnt der Leuchtturm zu leuchten. Erst ist es ein kleines Licht. Dann wird es warm und groß. Die Perle sendet ein sanftes Licht. Es ist kein scharfes Blinken. Es ist ein Willkommen. Die Fische schwimmen in Kreisen. Die Schildkröte Tala lächelt mit den Augen. „Gut gemacht“, sagt sie.
Auf dem Wasser oberhalb des Meeres sehen die Fischer das Licht. Ein Boot winkt mit roten Tüchern. „Das Licht ist wieder da!“, ruft ein Fischer. Die Kinder hören die Stimmen von oben. Sie fühlen sich stolz und ruhig. Mia und Jonas halten sich an den Händen. Ihr Herz schlägt ruhig.
„Danke“, flüstert Jonas zu den Tieren. „Danke, dass ihr geholfen habt.“ Der Tintenfisch zwinkert. Die Quallen stecken ihre Lampen in den Wind. Die Perle glüht wie ein kleines Herz. Der Leuchtturm sendet nun einen klaren, warmen Strahl. Es ist ein Signal der Freundlichkeit. Es sagt: Willkommen, die See ist freundlich hier. Kommt sicher an.
Bevor die Kinder zurück nach Hause fahren, zeigt Mia noch auf die Karte. Sie schreibt mit einem kleinen Stein ihren Namen und Jonas' Namen daneben. „Wir haben es genau gemacht“, sagt sie leise. Jonas küsst die Stirn der Schildkröte. „Bis bald, Tala.“
Lilli steigt leise auf. Das Wasser glitzert wie Zucker. Die Sterne sehen auf die Kinder herab. Zuhause warten warme Decken und Tee. Die Eltern klopfen an die Kugel. „Seid ihr müde?“, fragen sie. Mia und Jonas nicken. Sie sind müde und glücklich.
In der Nacht denkt Mia an die Perle und an das Licht. Jonas träumt von tanzenden Quallen. Beide wissen etwas Wichtiges: Wenn man freundlich ist und zusammenarbeitet, kann man große Dinge schaffen. Wenn man genau denkt und doch weich bleibt, findet man immer einen Weg. Das Licht des Leuchtturms blinkt noch ein letztes Mal durch die Fenster. Es klingt wie ein kleines Willkommen für alle, die sicher ankommen wollen. Die Kinder lächeln. Die Welt ist warm und freundlich. Ende.