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Fantastische Geschichte der Zauberei 11/12 Jahre Lesen 11 min. Verfügbar als Hörgeschichte

das glöckchen im nebelwald

Anselm und Melanie begeben sich in den geheimnisvollen Kesselwald, um eine alte Malediction zu brechen, und entdecken dabei, dass Freundschaft und Mut der Schlüssel zur Lösung ihrer Abenteuer sind. Gemeinsam begegnen sie mysteriösen Schatten und müssen lernen, dass nicht alles, was gefangen hält, auch böse ist.

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Ein junger Zauberlehrling, Anselm, ein zwölfjähriger Junge mit zerzausten braunen Haaren und neugierigen leuchtenden Augen, steht im Zentrum einer geheimnisvollen Lichtung. Sein Gesicht drückt Staunen und Aufregung aus, während er ein kleines silbernes Glockenspiel hält, das im Licht funkelt. Neben ihm beobachtet Melanie, ein fünfzehnjähriges Mädchen in einem leuchtend orangefarbenen Mantel, aufmerksam ein geöffnetes altes Buch, ihre blonden Haare wehen leicht im Wind. Die Lichtung ist von majestätischen, knorrigen Bäumen umgeben, und der Boden ist mit einem Teppich aus leuchtend lila Blumen bedeckt. Glitzernde Kristalle ragen aus den Wurzeln eines großen Baumes in der Mitte und erhellen den Raum mit einem sanften Licht. Die Szene zeigt den Moment, in dem Anselm und Melanie das magische Buch entdecken, bereit, einen alten Fluch zu brechen. Schatten tanzen um sie herum und verleihen der verzauberten Atmosphäre einen Hauch von Geheimnis. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

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Dauer der Hörgeschichte: 11:46

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Kapitel 1: Die Stimme im Nebel

Im goldenen Licht des späten Nachmittags stand Anselm am Rand des alten Kesselwaldes. Er war zwölf Jahre alt, ein Junge mit wirren, braunen Haaren, nachdenklichen Augen und einem wachen Geist, der lieber Fragen stellte, als voreilig Antworten zu geben. In seiner rechten Hand hielt er einen kleinen Beutel, aus dem das leise Klingeln eines silbernen Glöckchens drang – ein Geschenk seiner Großmutter, das rasselnd klang, wenn Gefahr nahte.

Anselm atmete tief ein. Die Luft schmeckte nach feuchtem Moos und dem Versprechen eines Abenteuers. Heute würde er nicht allein gehen: Neben ihm stand Melanie, eine ältere Schülerin und offizielle Vermittlerin zwischen den beiden Magierschulen der Gegend. Melanie hatte ein freundliches Grinsen und trug stets einen orangen Umhang, der in der Dämmerung wie eine Flamme leuchtete.

„Bist du bereit?“, fragte Melanie, während sie ein altes Pergament entrollte, auf dem die Worte „Clara Silva – Nebellicht“ in krakeliger Schrift standen.

— „So bereit, wie man eben sein kann, wenn man eine jahrhundertealte Malediction brechen will“, antwortete Anselm trocken.

Melanie lachte leise. „Mit deinem Humor schaffst du das schon.“

Der Weg zur Lichtung war schmal, fast zugewachsen, und an manchen Stellen fühlte sich Anselm, als würde der Nebel direkt durch seine Jacke kriechen. Die Geräusche wurden dumpf, jeder Schritt schien den Boden tiefer einzudrücken als sonst.

Plötzlich blieb Melanie stehen und hob die Hand. „Spürst du das auch? Die Zeit... sie verlangsamt sich.“

Anselm nickte. „Und hör mal, alles klingt, als ob es unter Wasser wäre.“ Er schüttelte den Beutel. Das Glöckchen klang hell und klar im Nebel, und sofort verzogen sich kleine, schattenhafte Gestalten am Rand der Lichtung.

„Der Grelot funktioniert“, murmelte Anselm mit Erleichterung.

Sie traten aus dem Nebel – und vor ihnen lag die sagenumwobene Lichtung. Ein Teppich aus Veilchen wuchs dort, silbrig glänzend im diffusen Licht. In der Mitte stand ein uralter, knorriger Baum, und zwischen seinen Wurzeln schimmerte ein geheimnisvoller Stein, in den seltsame Runen geritzt waren.

— „Siehst du den Stein?“, fragte Melanie aufgeregt. „Dort fängt alles an. Oder hört es auf.“

Kapitel 2: Die unsichtbaren Fäden

Anselm war fasziniert von dem Baum und dem Stein. Er kniete sich nieder, sein Herz klopfte wild. „Was meinst du, Melanie? Soll ich den Stein berühren?“

Melanie zögerte. „Die Sage sagt, dass nur jemand mit ehrlichen Absichten den Bann lösen kann. Und dass die Magie, die hier wirkt, ihre eigene Vorstellung von richtig und falsch hat.“

Anselm strich vorsichtig mit den Fingern über die Runen. In dem Moment, als er sie berührte, spürte er ein leises Prickeln in den Händen, als ob kleine, unsichtbare Fäden durch ihn hindurchflössen.

— „Na los, sag etwas Nettes. Vielleicht reagiert der Stein auf Komplimente“, witzelte Melanie.

Anselm grinste und flüsterte: „Du bist ein wirklich schöner Stein und hast sicher viele Geschichten zu erzählen.“ Für einen Moment war Stille. Dann flackerte ein schwaches Licht in den Runen auf.

Plötzlich drang eine Stimme aus dem Baum, sanft und voller Melancholie. „Wer sucht die Lösung, wo der Nebel die Zeit bindet?“

Anselm schluckte. „Ich... ich bin Anselm. Ich suche, weil ich helfen will.“

Die Stimme antwortete: „Die Schatten fliehen vor Klang und Mut, doch was bleibt, ist das Band, das nicht zerreißt.“

Melanie trat näher. „Du meinst, die Malediction ist nicht nur ein Zauber, sondern ein Versprechen?“

Der Baum schwieg. Nur das Licht der Runen pulsierte langsam, wie ein Herzschlag.

In diesem Moment kroch aus dem Schatten ein kleiner, schwarzer Igel hervor. Sein Fell glänzte ungewöhnlich, und seine Augen wirkten wach und klug.

Anselm blickte neugierig zum Igel. „Bist du auch verzaubert?“

Der Igel nieste leise und schĂĽttelte ein Blatt von seiner Nase, bevor er unter den Baum verschwand.

— „Vielleicht führen uns die Tiere zum Ziel“, überlegte Melanie.

Anselm nickte. „Oder sie bewachen ein Geheimnis.“

So beschlossen sie, dem Igel zu folgen, der zielstrebig um den Baum herum huschte und dann plötzlich in einer Mulde verschwand.

Kapitel 3: Die Schatten und der Klang

Die Mulde entpuppte sich als schmaler Gang unter den Baumwurzeln. Anselm zwängte sich vorsichtig hindurch, gefolgt von Melanie, die ihren Umhang festhielt, damit er nicht hängen blieb. Dunkelheit umfing sie, aber das Glöckchen aus Anselms Beutel bimmelte so hell, dass die Schatten an den Wänden zurückwichen.

Unter der Erde war es kühl und feucht. Der Gang führte zu einer kleinen Kammer, in der die Wände mit leuchtenden Kristallen übersät waren. In der Mitte lag ein weiterer Stein, größer und mit einem winzigen Spiegel auf seiner Oberfläche.

Als Melanie näher trat, sahen sie beide plötzlich ihr Spiegelbild – aber es war nicht ganz richtig; sie wirkten älter, ernster, aber auch mutiger.

— „Was siehst du?“, fragte Melanie leise.

Anselm überlegte. „Ich glaube, das bin ich... wie ich einmal sein könnte. Wenn ich die Malediction breche.“

In diesem Moment zuckte ein Schatten durch den Raum. Anselm schwang das Glöckchen, und der Schatten zuckte zurück, aber diesmal blieb er stehen und sprach mit krächzender Stimme: „Ihr wollt das Band lösen. Doch was dann?“

— „Dann sind wir frei, und das Gleichgewicht bleibt gewahrt“, antwortete Melanie diplomatisch. „Wir wollen niemandem schaden.“

Der Schatten lachte, tief und rau. „Manches Band hält nicht gefangen – es hält zusammen.“

Anselm überlegte. „Vielleicht müssen wir nicht zerstören, sondern verstehen.“

Der Schatten verschmolz mit der Wand, und für einen Moment herrschte absolute Stille. Dann öffnete sich hinter dem Spiegel eine Tür, und ein goldener Schein flutete die Kammer.

„Komm“, flüsterte Melanie, „wir sind auf dem richtigen Weg.“

Kapitel 4: Die Fehler, die GlĂĽck bringen

Hinter der Tür lag eine weitere Lichtung, noch heller und klarer als die erste. Hier tanzten Glühwürmchen in der Luft, und der Nebel war von silbernen Fäden durchzogen, die wie Spinnennetze glitzerten. In der Mitte stand ein steinerner Sockel, auf dem ein verwittertes Buch lag.

Melanie runzelte die Stirn. „Das muss das Buch der Bindungen sein. Die Legende sagt, nur wer den wahren Namen der Malediction kennt, kann sie lösen.“

Anselm trat vorsichtig näher und schlug das Buch auf. Die Seiten waren leer.

— „Das kann doch nicht sein!“, rief Melanie. „Wir brauchen einen Namen!“

Anselm dachte nach. „Was, wenn die Malediction keinen Namen hat, weil sie gar nicht böse ist? Was, wenn sie... wartet?“ Er griff nach dem Glöckchen und ließ es noch einmal hell erklingen.

Plötzlich begannen die leeren Seiten zu leuchten, und Worte erschienen wie von selbst: „Ein Fehler wird zum Segen, wenn Mut und Freundschaft ihn tragen.“

Anselm blinzelte. „Wir sind aus Versehen diesem Igel gefolgt. Und jetzt... sind wir hier.“

Melanie lachte. „Manchmal bringen Fehler die beste Magie hervor.“

Ein Windstoß wirbelte das Buch auf, und ein letzter Satz erschien: „Wenn du gehst, vergiss nicht, das Tor zu schließen – und das Herz offen zu halten.“

Der Igel tauchte erneut auf und stupste Anselms Hand an. Ein kleiner Samen lag in seinem Maul. Anselm nahm ihn vorsichtig und spürte, wie eine sanfte Wärme durch ihn hindurchströmte.

— „Vielleicht ist das der Schlüssel“, sagte Melanie. „Pflanz den Samen.“

Anselm kniete sich hin und setzte den Samen in die Erde der Lichtung. Sofort begann ein feines, grünes Pflänzchen zu sprießen, das in wenigen Sekunden zum blühenden Busch wurde. Die Malediction – das unsichtbare Band – löste sich wie Tau in der Morgensonne auf.

Kapitel 5: Das Tor schlieĂźt sich

Mit einem Mal lichtete sich der Nebel. Die Schatten zogen sich zurück, und das Glöckchen verstummte von selbst – als Zeichen, dass keine Gefahr mehr lauerte.

Anselm stand auf und lächelte zufrieden. „Ich glaube, das war's, oder?“

— „Ich denke schon“, antwortete Melanie. „Wir haben das Band nicht zerstört, sondern gewandelt. Das ist viel besser.“

Sie gingen langsam zurück zur ersten Lichtung. Der Baum wirkte jetzt heller, seine Runen funkelten, als wollten sie danken. Der kleine Igel wackelte fröhlich davon, seine Aufgabe erfüllt.

Anselm blickte ein letztes Mal zurück. „Ich hab gar keinen Wunsch, wiederzukommen. Aber ich geh mit einem warmen Gefühl.“

Melanie legte ihm die Hand auf die Schulter. „So fühlt sich Freundschaft an. Und Mut.“

Sie durchschritten das Tor aus Nebel, das sich langsam hinter ihnen schloss. Kein Bedauern, kein Blick zurück – nur das sichere Gefühl, gemeinsam etwas Gutes bewirkt zu haben.

Anselm wusste, dass die Welt voller unsichtbarer Fäden war, die Menschen und Magie verbanden. Und dass manchmal ein kleiner Fehler – wie einem Igel zu folgen – alles zum Guten wenden konnte.

Als sie wieder im warmen Sonnenlicht standen, lachte Melanie: „Nächstes Mal bringst du aber einen Regenschirm mit. Für den Fall, dass die Magie uns wieder im Nebel erwischt.“

Anselm grinste und schüttelte das Glöckchen, das jetzt nur noch leise klirrte – wie das Echo eines Abenteuers, das im Herzen bleibt.

Manchmal ist es ein verschlossenes Tor, das am meisten Frieden schenkt. Und der Mut, weiterzugehen, wächst mit jedem Schritt – vor allem, wenn ein Freund an deiner Seite ist.

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Malediction
Ein böser Zauber oder Fluch, der jemandem oder etwas schadet.
Nebels
Eine dichte Ansammlung von Wassertröpfchen in der Luft, die die Sicht einschränkt.
Runen
Alte Schriftzeichen, die in verschiedenen Kulturen zur magischen oder religiösen Bedeutung verwendet werden.
Klang
Ein Geräusch oder Ton, der von Schwingungen erzeugt wird.
Verwirrung
Ein Zustand, in dem man nicht klar denkt oder versteht, was passiert.
Bann
Ein Zauber oder eine magische Einschränkung, die jemanden oder etwas bindet oder festhält.

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