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Geschichte von Dinosauriern 9/10 Jahre Lesen 20 min.

Ravo und Toma auf der Spur des Spiegelquells

Der neugierige Velociraptor Ravo verliert nach einem Gewitter sein Rudel und zieht mit dem mutigen Triceratops Toma durch Nebel, rätselhafte Zeichen und leuchtende Quellen, um Hinweise auf ihre Spur zu finden.

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Ein junger, gefiederter Velociraptor namens Ravo, tiefgrün mit cremefarbenem Bauch und feinen braunen Streifen, konzentriert und mutig, sprintet mit gestreckten Beinen und steifer Schwanz über flache Trittsteine eines glitzernden Flusses; ein juveniler Triceratops namens Toma, kompakt mit gebrannter-Ton-Haut und drei kleinen Hörnern, steht an einer Felsspalte und brüllt (Schallwellen sichtbar); die Anführerin Sira, ältere Velociraptorin mit silbernem Streifen über dem Auge, kauert am schattigen Eingang der Schlucht und wickelt ein verletztes Küken in Blätter; Schauplatz: kleine, rot gestreifte Schlucht mit kantigen Felsen, grüner Moosbewuchs, warmes Spätnachmittagslicht, leichter Nebel und papercut-Farn; Hauptszene dynamisch: Ravo in der Mitte, ein großer dunkler Pterosaurier stürzt mit ausgebreiteten Flügeln herab, klare Komposition, scharfe Silhouetten, kontrastreiche Farben und papierartige Konturen. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Der Wind erzählt von Spuren

In der Zeit, als die Sonne noch heißer über der Welt hing und die Wälder nach Farn und Harz dufteten, lief ein junger Velociraptor namens Ravo allein durch das hohe Gras. Er war nicht der Größte, nicht der Lauteste, aber er war der, der am längsten nachdachte, bevor er sprang.

„Ein kluger Kopf ist schneller als zwei schnelle Füße“, murmelte Ravo und hielt die Schnauze dicht über den Boden.

Vor ihm zogen sich grüne Hügel wie schlafende Wellen. Auf ihren Kuppen wackelten Ginkgo-Bäume im Wind, und zwischen den Hügeln glitzerten kleine Bäche wie hingestreute Silberfäden. Ravo liebte diese Gegend, weil man von oben weit sehen konnte. Und wer weit sehen konnte, fand eher, was er suchte.

Ravo suchte sein Rudel.

Gestern hatte ein plötzliches Gewitter die Luft zerkratzt. Donner war wie ein brüllender Tyrann über den Himmel gerollt. Ravo war vor einem umstürzenden Baum ausgewichen, hatte sich in einer Mulde versteckt – und als der Regen aufhörte, waren die Stimmen seines Rudels fort. Keine kichernden Jungtiere, kein warnendes Knurren der Älteren, kein vertrautes Rascheln vieler Füße.

Jetzt hörte er nur den Wind.

Ravo schloss die Augen und stellte sich vor, wie sein Rudel klingen würde, wenn es ganz in der Nähe wäre. Dann öffnete er sie wieder und sagte leise: „Wenn ich neugierig bleibe, finde ich Antworten.“

Er entdeckte etwas im Schlamm: kleine, schmale Abdrücke. Raptor-Spuren. Doch daneben lagen breite, runde Tritte, so groß wie Blätterteiche.

„Das ist nicht mein Rudel“, stellte Ravo fest. „Aber vielleicht weiß jemand etwas.“

Er folgte den großen Tritten den Hang hinauf. Oben roch es nach warmem Stein und nach etwas Süßem – reife Früchte. In der Ferne rief ein Pterosaurier, und Ravo antwortete nicht. Er hörte lieber.

Plötzlich raschelte es, und eine Stimme sagte: „Wenn du so angestrengt guckst, bekommst du Falten in die Stirn.“

Ravo fuhr herum. Vor ihm stand ein junger Triceratops, kompakt wie ein kleiner Hügel, mit drei Hörnern, die noch nicht ganz ausgewachsen waren.

„Ich bekomme keine Falten“, sagte Ravo ernst. „Ich denke nur.“

Der Triceratops grinste. „Dann denk mal: Warum folgt ein Raptor meinen Familien-Tritten?“

Ravo senkte höflich den Kopf. „Ich habe mein Rudel verloren. Ich suche Hinweise.“

Der Triceratops blinzelte. „Ich heiße Toma. Und ich bin gut im Hinsehen. Man nennt mich… na ja, eigentlich nennt mich keiner so, aber ich nenne mich selbst: Toma, der Spurenknacker.“

Ravo musste trotz sich selbst kichern. „Gut, Toma der Spurenknacker. Hast du Raptoren gesehen?“

Toma wurde ernst und scharrte mit dem Vorderfuß im Gras. „Gestern im Gewitter habe ich Stimmen gehört. Viele. Sie zogen Richtung Nebelhang. Und dort…“ Er senkte die Stimme. „Dort gibt es etwas Seltsames.“

Ravos Augen funkelten vor Neugier. „Seltsam ist manchmal gefährlich. Aber es ist auch manchmal die Abkürzung.“

„Dann komm“, sagte Toma. „Zwei Köpfe sind neugieriger als einer.“

Und so gingen sie gemeinsam in die grünen Hügel, dem Nebel entgegen.

Kapitel 2: Die Hügel, die flüstern

Der Nebelhang war kein richtiger Berg, eher ein langer Rücken aus Gras und Farnen. Doch an diesem Morgen lag eine weiße Decke darüber, als hätte jemand Milch über die Welt gegossen.

„Ich mag Nebel nicht“, sagte Toma und schnaubte. „Man weiß nie, ob da ein Baum steht oder ein hungriger Nachbar.“

Ravo hob den Schwanz ein bisschen höher, als würde er damit die Angst ausbalancieren. „Wenn man nicht weiß, was da ist, fragt man eben.“

„Den Nebel?“, spottete Toma.

„Warum nicht?“ Ravo trat in die Weißheit hinein. „Nebel, wo sind die Spuren?“

Zu Tomás Überraschung antwortete der Nebel nicht mit Worten, aber mit Zeichen: Die feuchte Luft ließ dunkle Abdrücke im Gras glänzen. Ravo kniete sich hin, schnupperte und sagte: „Hier sind Raptor-Spuren. Frisch. Und sie laufen…“ Er folgte ihnen mit dem Blick. „Sie laufen nicht geradeaus. Sie kreisen.“

„Kreisen?“, wiederholte Toma. „Wie wenn man einen Käfer nicht findet und immer wieder um denselben Stein läuft?“

„Genau so.“ Ravo runzelte die Stirn. „Als hätte etwas sie verwirrt.“

Sie gingen weiter, Schritt für Schritt. Der Nebel wurde dichter, und plötzlich hörten sie leises Summen, wie tausend winzige Flügel. Zwischen zwei Felsen schimmerte ein Licht, blaugrün wie ein Käferpanzer.

Toma trat zurück. „Das Seltsame! Das meinte ich!“

Ravo blieb stehen, aber seine Neugier zog ihn wie eine unsichtbare Leine. „Licht macht keine Spuren“, flüsterte er. „Aber es kann Spuren verstecken.“

Sie schlichen näher. Zwischen den Felsen wuchs ein Busch aus Farnen, doch seine Spitzen glitzerten, als hätten sie Sternstaub gefressen. In der Mitte hing eine kleine Pfütze, aber sie war nicht auf dem Boden. Sie schwebte, rund und ruhig, als wäre Wasser plötzlich vergessen worden.

Toma schluckte. „Wasser, das nicht runterfällt… das ist nicht normal.“

Ravo nickte langsam. „Normal ist nur das, was wir schon kennen. Und wir kennen das hier noch nicht.“

Aus der schwebenden Pfütze stieg ein Geräusch auf, ein sanftes Plopp, und dann eine Stimme, dünn wie ein Grashalm: „Wer fragt, findet. Wer findet, fragt weiter.“

Toma riss die Augen auf. „Hat… hat das Wasser gesprochen?“

Ravo atmete tief ein. „Ja. Und es klingt… freundlich.“

Die Stimme wiederholte: „Wer fragt, findet.“

Ravo trat noch näher, bis sein Spiegelbild im schwebenden Wasser zu sehen war. Doch statt seines Gesichts sah er kurz etwas anderes: ein Bild von vielen Raptoren, die durch eine Schlucht liefen, zwischen roten Felsen. Über ihnen kreiste ein großer Schatten.

Ravo zuckte zurück. „Eine Schlucht! Das ist eine Richtung.“

Toma stellte sich neben ihn. „Wie heißt du, du… schwebendes Ding?“

Die Pfütze glitzerte. „Ich bin ein Spiegelquell. Ich zeige Wege denen, die neugierig sind.“

Ravo spürte, wie sein Herz schneller schlug, aber nicht vor Angst. Vor Hoffnung. „Kannst du uns zeigen, wo mein Rudel ist?“

Der Spiegelquell schimmerte stärker. „Ich kann Bilder geben. Gehen müsst ihr selbst.“

Ravo nickte. „Dann gib uns ein Bild, und wir geben dir ein Versprechen.“

„Welches?“, fragte die Quelle.

Ravo sah Toma an, dann wieder das Licht. „Dass wir nicht aufhören zu fragen, bis wir verstehen. Und dass wir freundlich bleiben, auch wenn wir staunen.“

Der Spiegelquell machte ein leises Plopp, als würde er lachen. „Dann schaut.“

Im Wasser erschien erneut die Schlucht. Diesmal deutlicher: Ein Stein, der wie ein Zahn aussah. Ein Baum, der schief wuchs. Und am Eingang der Schlucht lag ein großer, runder Abdruck – wie eine Schale.

Toma stupste Ravo an. „Den Zahnstein kenne ich! Der ist nicht weit. Wir müssen nur über die Hügel, dann runter ins Tal.“

Ravo richtete sich auf. „Dann gehen wir. Neugier voraus.“

Und der Nebel hinter ihnen wurde ein wenig dünner, als hätte er ihnen Platz gemacht.

Kapitel 3: Der Fluss der Fragen

Die Sonne kämpfte sich durch den Nebel, als Ravo und Toma über die Hügel liefen. Das Gras kitzelte Ravos Beine, und überall sprangen kleine Echsen davon, als hätten sie plötzlich einen Termin.

„Wenn ich mein Rudel finde“, sagte Ravo nach einer Weile, „werde ich zuerst fragen, warum sie ohne mich weitergezogen sind.“

Toma schnaubte. „Vielleicht dachten sie, du bist schon vor ihnen. Raptoren sind schnell.“

„Schnell sein hilft nicht, wenn man in die falsche Richtung rennt“, erwiderte Ravo.

Sie erreichten einen Fluss, breit und lebhaft. Er murmelte über Steine, als erzähle er Witze, die nur Wasser versteht. In der Mitte ragte ein Baumstamm heraus, der als Brücke dienen konnte, wenn man mutig war… oder vorsichtig.

Toma sah auf das Wasser. „Ich bin nicht gemacht zum Balancieren.“

Ravo betrachtete die Strömung. „Dann fragen wir den Fluss.“

Toma starrte ihn an. „Du fragst wirklich alles.“

Ravo beugte sich vor. „Fluss, wo ist der sicherste Weg?“

Der Fluss gluckste. „Sicher ist langweilig! Aber… dort, wo die Steine lächeln.“

„Steine, die lächeln“, wiederholte Toma. „Wasser macht Witze.“

Ravo hob einen Stein am Ufer auf. Darunter waren kleine runde Kiesel, die aussahen wie Zähne in einem Maul. „Vielleicht meint er diese flachen Steine, die aus dem Wasser schauen. Wie ein Lächeln.“

Tatsächlich ragte weiter flussaufwärts eine Reihe flacher Steine aus dem Wasser, wie eine unordentliche Treppe. Ravo testete den ersten Stein mit einer Kralle. Er wackelte kaum.

„Ich gehe zuerst“, sagte Ravo. „Du folgst langsam. Und wenn du fällst, lachst du später darüber.“

„Ich lache nie über Fallen“, brummte Toma. „Nur über andere.“

Ravo grinste. „Dann pass gut auf.“

Sie hüpften von Stein zu Stein. Das Wasser spritzte, als klatsche es Beifall. Toma wackelte einmal gefährlich, ruderte mit dem Schwanz und rief: „Ich bin ein großer, eleganter Vogel!“

„Du bist ein Triceratops“, rief Ravo zurück.

„Dann bin ich ein Triceratops-Vogel!“

Ravo lachte so sehr, dass er fast selbst ausrutschte. Doch sie schafften es ans andere Ufer, nass an den Füßen und stolz im Bauch.

Dort fand Ravo wieder Spuren: Raptor-Abdrücke, und dazwischen tiefe Kratzlinien, als hätte jemand mit Krallen über den Boden gezogen.

Ravo beugte sich hinunter. „Sie sind gerannt. Und sie haben etwas gezogen oder geschleppt.“

Tomás Augen wurden rund. „Vielleicht ein verletztes Rudelmitglied?“

Ravo nickte langsam. „Oder etwas, das sie unbedingt mitnehmen wollten.“

Ein Ruf hallte von weit weg, ein scharfes „Krii-krii!“ wie ein Alarm. Ravo erstarrte.

„Das ist das Signal meines Rudels“, flüsterte er. „Sie sind nahe.“

Toma legte den Kopf schief. „Dann los!“

Sie rannten, durch Farne, über warmen Sand, an einem Hang entlang, bis die Welt sich plötzlich öffnete: Vor ihnen lag die Schlucht aus dem Spiegelquell-Bild. Rote Felsen, der Zahnstein, der schiefe Baum. Und am Eingang lag tatsächlich der runde Abdruck wie eine Schale – ein riesiger Fußtritt, der in der Erde stand wie ein Krater.

Toma schluckte. „Wer hat so große Füße?“

Ravo antwortete leise: „Jemand, den man besser nicht überrascht.“

Und dennoch trat er vor, weil Neugier manchmal lauter ist als Angst.

Kapitel 4: Die Schlucht der großen Schatten

In der Schlucht war es kühler. Die Felsen hielten die Hitze fest, aber in den Ritzen wuchs Moos, und es roch nach feuchtem Stein. Ravo hörte Stimmen – viele Stimmen – doch sie klangen angespannt.

Er duckte sich hinter einen Felsen und spähte.

Da waren sie: sein Rudel, verteilt zwischen Steinen. Einige standen Wache, andere beugten sich über etwas am Boden. Ravo erkannte die Anführerin, Sira, an ihrem schmalen, silbrigen Streifen über dem Auge. Sie sprach schnell und leise.

Ravo wollte aufspringen und rufen, doch Toma drückte ihn vorsichtig mit der Schnauze zurück. „Erst schauen. Dann springen“, flüsterte er.

Ravo atmete aus. Toma hatte recht. Weisheit war manchmal: warten.

Am Boden lag ein junges Raptor-Kind, das Bein verdreht. Daneben lag ein Bündel aus langen Blättern, wie eine improvisierte Schiene. Zwei Rudelmitglieder versuchten, es festzubinden.

„Wir müssen weiter!“, zischte ein Raptor. „Der Große kommt zurück!“

„Wir lassen niemanden zurück“, antwortete Sira fest. „Nicht wegen Schatten, nicht wegen Angst.“

Ravos Brust wurde warm. Sein Rudel war tapfer. Und dann sah er den Schatten: Hoch oben kreiste ein riesiger Flugsaurier, seine Flügel wie dunkle Segel. Er ließ einen heiseren Schrei hören und sank ein wenig tiefer.

Toma flüsterte: „Das ist kein Nachbar. Das ist ein Albtraum mit Flügeln.“

Ravo dachte schnell. Ein verletztes Kind, ein kreisender Jäger, eine Schlucht, aus der es nur wenige Ausgänge gab. Wenn der Flugsaurier herunterstieß, würde Panik ausbrechen.

Ravo erinnerte sich an den Spiegelquell: „Wer fragt, findet.“ Er sah sich um und stellte sich eine Frage: Was kann einen Schatten verwirren?

Sein Blick fiel auf eine Stelle, wo die Felsen eine Art Echo-Spalte bildeten. Wenn man dort rief, würde der Klang springen wie ein Ball.

Ravo drehte sich zu Toma. „Kannst du laut brüllen?“

Toma sah beleidigt aus. „Ich kann so laut brüllen, dass sogar Steine sich entschuldigen.“

„Gut“, sagte Ravo. „Wenn der Flieger angreift, brüllst du in die Echo-Spalte. Ich renne raus und locke ihn Richtung Fluss. Geräusche und Bewegung. Er soll nicht auf das Rudel achten.“

Toma schluckte. „Du willst den Schatten anlocken?“

Ravo nickte. „Nur kurz. Und ich laufe schnell. Aber ich brauche dich als Donner.“

Toma atmete tief ein. „Für deinen Haufen… äh, Rudel. Ich mache Donner.“

Ravo trat aus dem Versteck und rief, so klar er konnte: „Sira!“

Alle Köpfe schossen herum. Für einen Atemzug war alles still.

Dann rief Sira: „Ravo! Du lebst!“

Ravo rannte zu ihnen. „Ich habe euch gesucht. Was ist passiert?“

Sira zeigte auf das verletzte Kind. „Blitzschreck. Es ist gestürzt. Wir konnten nicht warten, der Schatten kreist seitdem.“

Über ihnen wurde der Schrei lauter. Der Flugsaurier klappte die Flügel ein Stück ein und stürzte.

Ravo rief: „Jetzt!“

Toma stellte sich in die Echo-Spalte, riss das Maul auf und brüllte so gewaltig, dass die Luft vibrierte. Das Echo sprang hin und her, als wären plötzlich zehn Triceratops da.

Der Flugsaurier zögerte in der Luft, verwirrt von den vielen „Feinden“. Ravo rannte aus der Schlucht hinaus, direkt in die Sonne, und fauchte und sprang, damit er gesehen wurde.

„Hier!“, rief Ravo. „Ich bin die lauteste Mahlzeit der Welt!“

„Das glaube ich sofort!“, brüllte Toma hinterher.

Der Flugsaurier entschied sich für Bewegung statt Echo und folgte Ravo, die Krallen bereit. Ravo rannte, so schnell er konnte, den Hang hinunter Richtung Fluss, sprang über Wurzeln, glitt über Sand und spürte den Wind der Flügel hinter sich.

Am Fluss angekommen, sprang Ravo auf die lächelnden Steine. Der Flugsaurier stieß nach ihm, doch seine Krallen trafen nur Wasser. Die Strömung spritzte hoch, und der Flugsaurier flatterte fluchend zurück.

Ravo rief keuchend: „Wasser! Lächle noch breiter!“

Der Fluss gluckste, als würde er wirklich lachen, und die Strömung zog einen Ast vorbei, der dem Flugsaurier direkt vor den Schnabel trieb. Er wich aus, verlor kurz die Höhe und stieg dann wütend wieder auf.

Ravo nutzte den Moment, rannte zurück, diesmal im Schutz von Bäumen, und schlich zur Schlucht. Dort wartete Toma, außer Atem, aber mit stolzer Haltung.

„Du lebst“, sagte Toma.

„Du auch“, antwortete Ravo. „Und mein Rudel?“

Aus der Schlucht hörte man hektisches Trippeln, dann Stimmen, die näher kamen.

Sira erschien, zusammen mit zwei Raptoren, die das verletzte Kind vorsichtig trugen. „Wir sind bereit“, sagte sie. „Ravo, du kommst genau richtig.“

Ravo spürte, wie sich etwas in ihm beruhigte, als würde ein Stein endlich an seinen Platz fallen.

„Dann gehen wir“, sagte er. „Und diesmal bleiben wir zusammen.“

Kapitel 5: Heimweg über grüne Wellen

Sie verließen die Schlucht im schnellen, aber geordneten Lauf. Der Flugsaurier kreiste noch einmal, sah aber so viele wachsame Augen und hörte Tomás tiefes Schnauben, dass er schließlich höher stieg und in der Ferne verschwand.

Der Weg führte wieder in die grünen Hügel. Das Gras wogte, und die Sonne machte goldene Flecken auf den Boden. Das Rudel war stiller als sonst, weil sie das verletzte Kind schonten. Doch die Stille war nicht traurig. Sie war konzentriert, wie ein gemeinsames Denken.

Ravo ging neben Sira. „Es tut mir leid“, sagte er. „Ich habe mich im Gewitter versteckt und euch verloren.“

Sira schüttelte den Kopf. „Du hast überlebt. Das ist klug. Und du hast uns gefunden. Das ist… sehr klug.“

Ravo sah zu Toma, der neben ihnen trottete, die Hörner leicht erhoben, als trüge er eine unsichtbare Krone. „Ohne Toma hätte ich den Weg nicht so schnell gefunden.“

Toma räusperte sich. „Ich nehme Dank in Form von… na ja, Worten. Worte sind gut.“

Das Rudel lachte leise. Selbst das verletzte Kind kicherte und verzog dann das Gesicht, weil Lachen wehtat.

Sie machten Halt auf einem Hügel, wo der Wind angenehm kühl war. Dort wuchs eine Gruppe glitzernder Farne – nicht so stark wie beim Spiegelquell, aber doch, als hätten sie etwas von seinem Zauber in den Blättern behalten.

Ravo stellte sich davor und sagte: „Neugier hat uns heute geholfen. Aber Neugier muss auch freundlich sein. Sonst wird sie nur Gier.“

Sira nickte. „Was hast du gelernt, Ravo?“

Ravo schaute in die Ferne, wo ihre Heimat lag: ein Tal mit vielen Büschen, Wasserstellen und sicheren Verstecken. „Dass Fragen Türen sind“, sagte er. „Und dass man manchmal durch eine Tür gehen muss, auch wenn man nicht weiß, was dahinter ist.“

Toma stupste ihn. „Und dass Echo-Spalten super sind.“

„Auch das“, gab Ravo zu.

Am späten Nachmittag erreichten sie das Tal. Die anderen Rudelmitglieder, die vorausgegangen waren, kamen ihnen entgegen. Es gab freudige Rufe, Nasenstupser, und ein paar übertrieben beleidigte Blicke: „Wo warst du denn?“„Da drüben!“„Da drüben ist groß!“

Ravo blieb einen Moment stehen und atmete den vertrauten Duft ein. Dann sah er Toma an. „Du hast mir geholfen, mein Rudel zu finden. Das vergesse ich nicht.“

Toma hob das Kinn. „Ich bin ein wertvoller Freund. Das merkt man sofort.“

Ravo lächelte. „Ja. Und du bist neugierig, auch wenn du manchmal so tust, als wärst du nur mutig.“

Toma wurde kurz rot um die Augen, soweit ein Triceratops eben rot werden kann. „Vielleicht“, murmelte er. „Aber wenn du wieder etwas Seltsames findest, sag mir Bescheid.“

Ravo blickte hinauf zu den Hügeln, wo der Nebelhang weit weg wie ein weißer Gedanke lag. Irgendwo dort schwebte der Spiegelquell und wartete auf die nächste Frage.

Ravo legte den Kopf schief und sagte leise, als würde er mit dem Wind sprechen: „Wer fragt, findet.“

Dann lief er zu seinem Rudel, in die Wärme vieler Stimmen, und wusste: Solange er neugierig blieb, würde er nie wirklich verloren sein.

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Mulde
Eine kleine Vertiefung im Boden, in der sich Wasser oder Tiere verstecken können.
Schnauze
Der vordere Kopfteil von Tieren, mit Maul und Nase zum Riechen und Fressen.
Ginkgo-Bäume
Eine besondere Baumart mit fächerförmigen Blättern, oft sehr alt werdend.
Velociraptor
Ein kleiner, schneller Dinosaurier mit schlankem Körper und scharfen Krallen.
Gewitter
Ein Sturm mit viel Regen, Blitz und lautem Grollen am Himmel.
Donner
Das laute Geräusch nach dem Blitz, das wie ein ferne Trommel wirkt.
Nebelhang
Ein Hügel oder Hang, der von dichtem Nebel umgeben ist.
Spiegelquell
Ein besonderes Wasser, das Bilder zeigt, als wäre es wie ein Spiegel.
Schlucht
Eine tiefe, enge Stelle zwischen steilen Felsen, wie ein großes Tal.
Flugsaurier
Ein großer Flieger aus der Zeit der Dinosaurier, mit breiten Flügeln.
Strömung
Die Richtung und Kraft, in der Wasser in Flüssen fließt.
Echo-Spalte
Eine enge Felsöffnung, die Geräusche zurückwirft wie ein Ruf-Mehrfachlaut.
Krater
Eine runde Vertiefung im Boden, wie eine große Mulde nach einem schweren Tritt.
Schiene
Eine feste Stütze, meist als Hilfsmittel, um etwas ruhig zu halten oder zu führen.
Rudel
Eine Gruppe von Tieren derselben Art, die zusammenlebt und zusammenjagt.

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