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Geschichte über die Behinderung 9/10 Jahre Lesen 10 min.

Miras Superkraft: ein klares Nein und mutige Schritte

Mira, zehn, geht nach einem Unfall zur Reha und übt langsam, ihr Bein zu stärken, dabei erlebt sie auf dem Schulhof und im Tierpark, wie wichtig es ist, Grenzen zu setzen und auf sich zu achten, während Familie und Freund*innen sie unterstützen.

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Die Protagonistin ist ein 10-jähriges Mädchen mit ruhigem, entschlossenem Gesicht, konzentrierten Augen, zusammengepressten Lippen und einer Haarsträhne auf der Stirn; sie trägt bunte Turnschuhe, blaue Leggings und ein gelbes T‑Shirt und stellt einen Fuß auf einen leicht schwankenden Holz-Wackelbalken. Frau Keller, etwa 40 Jahre alt, steht lächelnd und wohlwollend neben dem Mädchen, die Hände bereit, trägt sportliche, dezente Kleidung (graue Hose, hellgrünes Polo) und schaut ermutigend. Im Hintergrund steht ein Vater (ca. 35–45 Jahre) neben einer Bank, wirkt beruhigt und zum Applaudieren bereit, mit leichter Jacke und einem Rucksack auf der Bank. Der helle, sonnige Übungsraum hat einen hellen Holzboden, bunte Matten, einen großen roten Gymnastikball, Übungsplakate an den Wänden und ein großes Fenster, das warmes, weiches Licht hereinlässt. Die Szene zeigt Vertrauen und ruhige Anstrengung, positive, sichere Atmosphäre mit warmen Farben und sanften Kontrasten. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Der gelbe Zettel am Kühlschrank

Ich heiße Mira, bin zehn und eher… ruhig. Mama sagt: „Du beobachtest erst und redest dann.“ Das stimmt. Heute beobachte ich den gelben Zettel am Kühlschrank. Darauf steht: „Reha um 16:00. Turnschuhe! Trinkflasche!“ Daneben klebt ein kleiner Smiley, den mein Bruder Ben gemalt hat. Er hat ihm eine Superheldenmaske gegeben.

Ich gehe langsam hin, nehme den Zettel ab und halte ihn wie eine Eintrittskarte. Seit meinem Unfall vor ein paar Monaten ist mein rechtes Bein nicht mehr so stark wie früher. Manchmal fühlt es sich an, als würde es erst nachdenken müssen, bevor es mitmacht.

Ben kommt in die Küche und sagt: „Heute schaffst du bestimmt den Turbo-Schritt!“ Er macht dazu ein Geräusch wie ein Motorrad: „Brrrrm!“

Ich muss kichern. „Ich bin kein Motorrad.“

„Noch nicht“, sagt Ben ernst und schiebt mir eine Banane zu, als wäre es ein Geheimauftrag. „Energie.“

In meinem Rucksack landen Turnschuhe, Trinkflasche und mein kleines Notizheft. Da schreibe ich Dinge rein, die ich nicht vergesse möchte. Zum Beispiel, dass Frau Keller in der Reha immer einen Pfefferminzbonbon in der Tasche hat. Und dass ich es mag, wenn man mich fragt, bevor man mir hilft.

Draußen ist die Luft frisch. Papa begleitet mich. Wir gehen langsam, aber gleichmäßig. Ich zähle die Pflastersteine. Das macht meinen Kopf ruhig. Und mein Bein auch, irgendwie.

Frau Keller und der Wackel-Balken

In der Reha riecht es nach Holz, Seife und ein bisschen nach Sportsocken. Frau Keller lächelt, wie sie immer lächelt: nicht zu laut, eher wie eine warme Lampe.

„Hallo, Mira“, sagt sie. „Wie geht's dem Bein heute?“

Ich überlege kurz. „Es ist… wach. Aber noch nicht superwach.“

„Gute Beschreibung“, sagt sie. „Dann machen wir es nicht zu schwer. Wir wecken es freundlich.“

Wir gehen zum Wackel-Balken. Der heißt wirklich so, weil er wackelt, als hätte er Schluckauf. Früher bin ich draufgestiegen und habe mich geärgert, wenn ich wackelte. Heute nehme ich mir vor, nicht zu schimpfen. Ich stelle den Fuß drauf. Der Balken wackelt. Ich wackle mit. Das fühlt sich komisch an, aber auch ein bisschen lustig, wie ein Tanz, den nur meine Schuhe kennen.

„Dein Blick ist ruhig“, sagt Frau Keller. „Und dein Atem auch. Genau so.“

Ich mache einen Schritt. Dann noch einen. Mein Knie zittert kurz.

„Pause?“ fragt sie.

Ich nicke.

Wir setzen uns auf die Bank. Frau Keller gibt mir einen Pfefferminzbonbon. „Nur wenn du willst“, sagt sie.

„Ich will“, sage ich und lutsche den Bonbon. Es prickelt. Wie kleine Sternchen.

Dann machen wir die Übung mit dem Gummiband. Ich ziehe, halte, lasse langsam los. Frau Keller zählt mit, Ben zählt manchmal zu Hause auch, aber er zählt immer zu schnell, weil er schon beim nächsten Abenteuer ist.

„Du bist zuverlässig“, sagt Frau Keller plötzlich. „Du kommst, du übst, du sagst, wenn es reicht. Das ist stark.“

Ich spüre, wie mir warm wird. Nicht im Bein. Im Bauch.

Das Schulhof-Abenteuer mit dem Ball

Am nächsten Tag in der Schule ist Sportpause. Draußen auf dem Hof hüpft ein Ball, als hätte er sehr gute Laune. Meine Freundin Leni winkt. „Mira! Kommst du mit?“

Ich gehe zu ihr. Nicht schnell. Aber ich komme.

„Wir spielen Pass-Spiel“, erklärt Leni. „Du kannst auch im Tor stehen, wenn du willst.“

„Ich will erst nur passen“, sage ich. „Langsam.“

„Okay“, sagt Leni sofort, als wäre das das Normalste der Welt. Das fühlt sich gut an.

Der Ball rollt zu mir. Ich stoppe ihn mit dem Fuß. Ein bisschen unsicher, aber es klappt. Ich passe zu Leni. Der Ball fliegt nicht wie eine Rakete, eher wie ein höflicher Vogel. Trotzdem kommt er an.

Dann ruft Jonas aus meiner Klasse: „Ich helf dir!“ Er läuft hinter mich und will mich an den Schultern festhalten, als wäre ich ein Einkaufswagen, der sonst wegrollt.

Ich erschrecke. Mein Körper wird hart wie ein Brett.

„Stopp“, sage ich. Nicht laut, aber klar. „Bitte nicht anfassen.“

Jonas zieht die Hände zurück. „Ich wollt nur helfen.“

„Ich weiß“, sagt Leni und stellt sich neben mich. „Aber Mira hat gesagt Stopp.“

Jonas schaut kurz auf seine Schuhe. Dann auf mich. „Okay. Sag einfach, wenn du Hilfe willst.“

Ich nicke. Mein Herz klopft weniger wild. Der Ball rollt wieder. Diesmal passt Leni zu mir, und ich passe zurück. Wir lachen, als Jonas den Ball aus Versehen mit der Fußspitze nach hinten schießt.

„Rückwärts-Trick!“, ruft Ben, der am Zaun wartet, um mich abzuholen, und tut so, als wäre er ein Trainer. Jonas lacht auch. Es ist nicht perfekt, aber es ist gut.

Ein kleiner Ausflug, ein großes „Nein“

Am Samstag wollen wir in den Tierpark. Ich mag Tiere, weil sie nicht so tun, als wären sie etwas anderes. Eine Ziege ist einfach eine Ziege. Und ich bin einfach Mira.

Am Eingang gibt es einen Weg mit kleinen Steinen. Für andere ist das nichts. Für mein Bein ist es wie: „Oh! Überraschung!“ Papa fragt: „Soll ich dich stützen?“

„Noch nicht“, sage ich. „Ich probiere erst.“

Wir gehen langsam. Ben läuft voraus und zählt Enten. „Eins, zwei, drei… die da guckt frech!“

Ich grinse. „Enten können frech gucken?“

„Klar“, sagt Ben. „Das ist ihr Hobby.“

Nach einer Weile wird mein Bein müde. Nicht dramatisch, eher wie ein Handy-Akku, der gelb wird. Mama zeigt auf eine Bank. „Pause?“

Ich nicke. Wir setzen uns. Ich trinke Wasser. Ich spüre, wie gut es ist, wenn niemand drängelt.

Dann kommt eine Frau vorbei, die ich nicht kenne. Sie sieht mein Bein, sieht meine Gehhilfe, die ich manchmal benutze und heute am Rucksack habe. „Ach du Arme“, sagt sie und beugt sich zu mir, als wäre ich viel kleiner als zehn. Sie greift nach meinem Rucksack. „Ich trag das für dich. Komm, komm.“

Mein Bauch wird eng. Ich mag es nicht, wenn fremde Menschen einfach entscheiden. Ich atme ein, so wie Frau Keller es mir gezeigt hat. Dann sage ich, ruhig und deutlich: „Nein, danke. Bitte lassen Sie meinen Rucksack.“

Die Frau hält inne, als hätte sie gegen eine unsichtbare Wand getippt. „Ich wollte doch nur…“

„Ich weiß“, sage ich. „Aber ich möchte das nicht.“

Papa steht auf, freundlich, aber fest. „Mira hat Nein gesagt.“

Die Frau nickt langsam. „Entschuldigung.“ Sie geht weiter.

Mein Herz klopft, aber diesmal vor Stolz. Leni hat mal gesagt, Mut fühlt sich nicht immer wie ein Feuerwerk an. Manchmal fühlt er sich an wie ein kleiner Stein in der Tasche: schwer, aber echt.

Ben kommt zurückgerannt. „Was war los?“

„Nichts Großes“, sage ich. „Nur ein Nein.“

Ben hebt die Daumen. „Superkraft-Nein.“

Ich lache leise. „Ja. Eine Superkraft, die man nicht immer braucht, aber immer haben darf.“

Abendlicht und zuverlässige Schritte

Abends liege ich im Bett. Die Decke ist weich, und das Zimmer ist dunkelblau wie eine ruhige See. Mama sitzt am Rand und streicht mir über die Haare. „War ein guter Tag“, sagt sie.

„Ja“, sage ich. „Ich hab geübt.“

„In der Reha?“

„Auch“, sage ich. „Und im Tierpark.“

Mama schaut mich fragend an.

„Ich habe Nein gesagt“, erkläre ich. „Und es war okay.“

Mama nickt, als würde sie genau das hören wollen. „Du hast immer das Recht, Nein zu sagen. Auch wenn jemand nett sein will.“

„Sogar dann?“

„Gerade dann“, sagt sie. „Nett sein heißt auch zuhören.“

Ich denke an Frau Keller, an den Wackel-Balken, an den Ball, an Jonas' Hände, die gestoppt haben, als ich Stopp gesagt habe. Und an meinen eigenen Satz, der nicht laut war, aber stark.

„Weißt du“, sage ich, „mein Bein ist manchmal langsam. Aber ich kann trotzdem zuverlässig sein.“

Mama lächelt. „Du bist es längst.“

Ich drehe mich auf die Seite. In meinem Kopf sehe ich den gelben Zettel am Kühlschrank. Reha um 16:00. Turnschuhe. Trinkflasche. Und vielleicht schreibe ich morgen dazu: „Mein Nein gehört mir.“

Dann wird mein Atem ruhig. Und ich schlafe ein, mit einem kleinen, sicheren Gefühl, als hätte ich einen festen Boden unter mir, auch wenn es manchmal noch wackelt.

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Das Quiz: Hast du die Geschichte gut verstanden?

Reha
Kurz für Rehabilitation. Ort, wo Menschen üben, um wieder besser zu werden.
Wackel-Balken
Ein schmaler Balken, der wackelt und auf dem man das Gleichgewicht übt.
Schluckauf
Wenn der Körper plötzlich komische Geräusche macht und kurz zuckt.
Pfefferminzbonbon
Süßigkeit mit frischem Minzgeschmack, die im Mund prickelnd sein kann.
Gummiband
Ein elastisches Band, das sich dehnen lässt und für Übungen benutzt wird.
Zuverlässig
Wenn jemand immer tut, was er sagt und man ihm vertrauen kann.
Notizheft
Kleines Heft, in das man Dinge schreibt, damit man sie nicht vergisst.
Gehhilfe
Hilfsmittel, das beim Gehen unterstützt, zum Beispiel ein Stock oder Rahmen.
Pflastersteine
Kleine rechteckige Steine, die zusammen Wege auf dem Boden bilden.
Pause
Eine kurze Zeit zum Ausruhen, wenn man müde ist.

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