Kapitel 1: Der erste Schultag mit Rollstuhl
Matti ist sieben Jahre alt und hat heute einen neuen Rollstuhl. Er ist ein bisschen aufgeregt, weil er mit diesem Rollstuhl zum ersten Mal in seine neue Klasse geht. Eigentlich ist Matti ziemlich mutig, aber heute ruft sein Herz in seinem Bauch leise: „Bitte, lass alles gut gehen.“
Seine Mama begleitet ihn bis zum Schultor und sagt: „Du schaffst das, Matti. Ich bin stolz auf dich.“ Matti lächelt und winkt ihr mit seiner kleinen Hand zu. Dann rollt er los. Der Schulhof ist laut. Kinder laufen, springen und lachen. Einige schauen kurz zu Matti, manche winken freundlich, andere tuscheln leise.
Im Klassenraum sucht Matti seinen Platz. Die Lehrerin, Frau Baum, kommt ihm entgegen und sagt freundlich: „Schön, dass du da bist, Matti.“ Sie zeigt ihm, wo er stehen kann, und rückt ihm sogar den Tisch etwas näher. Matti spürt ein warmes Gefühl im Bauch. Plötzlich ruft ein Junge aus der hinteren Reihe: „Mit Rädern in der Schule? Lustig! Fährst du jetzt Rennen gegen uns?“ Einige Kinder kichern.
Matti wird ein bisschen rot, aber sagt ruhig: „Ich bin vielleicht langsamer, aber ich kann trotzdem vieles machen.“ Frau Baum lächelt ihm aufmunternd zu. Der Unterricht beginnt, und Matti merkt, dass er bei den Rechenaufgaben genauso schnell ist wie die anderen.
Während der Pause denkt Matti darüber nach, was der Junge gesagt hat. Er schaut zu den anderen Kindern, wie sie fangen spielen. Da kommt Tilda, ein Mädchen mit langen roten Zöpfen, zu ihm. „Willst du auch mitspielen?“, fragt sie. Matti überlegt kurz und sagt dann: „Ich kann zwar nicht rennen, aber ich kann trotzdem mitmachen.“ Er lacht. Tilda lacht auch und sagt: „Du kannst unser Schiedsrichter sein!“ Das findet Matti lustig.
Kapitel 2: Die kleinen Herausforderungen
Am nächsten Tag gibt es Regen und alle Kinder bleiben in der Pause drinnen. Die Tische stehen dicht beieinander, und zwischen den Stühlen ist kaum Platz. Matti stößt mit seinem Rollstuhl gegen einen Stuhl und sagt leise „Ups, Entschuldigung.“ Ein paar Kinder murmeln etwas, aber Matti bleibt freundlich.
Als er an seinem Platz ankommt, merkt er, dass sein Rad klemmt. „Mist!“, flüstert er. Da sieht ihn Leon, der Junge aus der hinteren Reihe. Leon schaut kurz, kommt dann aber näher und sagt: „Brauchst du Hilfe?“ Matti zögert einen Moment, dann nickt er.
Zusammen schaffen sie es, das Rad wieder freizubekommen. Matti grinst: „Danke, Leon. Jetzt läuft alles wieder rund!“ Leon lacht und sagt: „Du bist ja ein richtiges Technik-Genie.“ Die beiden lachen, und Matti fühlt sich schon ein bisschen wohler.
Nach der Pause basteln alle Kinder an einem großen Plakat für das Schulfest. Matti kann den Kleber nicht so gut erreichen, weil er zu hoch steht. Tilda bemerkt das gleich und schiebt den Kleber zu ihm. „Hier, Matti! Jetzt bist du dran.“
Matti klebt die bunten Papierstücke auf und sagt stolz: „Wir sind ein gutes Team, Tilda.“ Tilda strahlt und sagt: „Mit dir macht alles mehr Spaß.“ Matti merkt, dass es manchmal schwer ist, aber mit ein bisschen Hilfe geht vieles einfacher.
Kapitel 3: Wenn Worte weh tun
Eine Woche später beim Mittagessen in der Mensa ruft ein anderes Kind aus der Parallelklasse: „Guck mal, der Rolli-Boy braucht wieder extra Platz!“ Einige Kinder lachen, und Matti spürt, dass ihm die Tränen in die Augen steigen.
Doch dann denkt er an das, was Mama immer sagt: „Lass dich nicht ärgern. Du bist stark.“ Matti atmet tief durch und sagt zu dem Kind: „Ich brauche Platz, damit ich zu meinem Stuhl komme. Aber das ist nicht schlimm. Jeder braucht mal Hilfe.“
Frau Baum hat das Gespräch gehört und sagt freundlich: „Wir helfen uns alle gegenseitig. Jeder ist mal dran.“ Die anderen Kinder nicken. Tilda ruft: „Ohne Matti wäre das Plakat nur halb so schön geworden!“
Matti fühlt sich wieder besser. Nach dem Essen geht er zu Leon und sagt: „Danke, dass du neulich geholfen hast. Willst du nachher mit mir das Mathe-Rätsel lösen?“ Leon nickt begeistert.
Kapitel 4: Matti hilft auch
An einem Donnerstagmorgen kommt Tilda ganz traurig in die Klasse. Sie hat ihren Lieblingsstift verloren und sucht schon überall. „Ich finde ihn nie wieder!“, ruft sie verzweifelt.
Matti überlegt kurz und sagt dann: „Ich kann dir helfen. Ich hab beim Herumrollen einen Stift unter dem Schrank gesehen.“ Gemeinsam fahren sie zum Schrank. Matti kann mit seinem Rollstuhl ganz nah an den Boden heran und entdeckt tatsächlich den Stift. „Da ist er!“, ruft Matti und reicht Tilda den Stift.
Tilda strahlt: „Du bist der Beste, Matti! Ohne dich hätte ich ihn nie gefunden.“ Matti wird ein bisschen verlegen, aber freut sich sehr. „Manchmal ist es eben gut, wenn man anders ist“, sagt er leise. Tilda nickt.
An diesem Tag merkt Matti, dass er nicht nur Hilfe braucht, sondern auch helfen kann. Er fühlt sich richtig stark.
Kapitel 5: Ein fröhlicher Abschied
Die Schule ist vorbei, und alle Kinder packen ihre Sachen ein. Auf dem Schulhof winken Matti und Tilda sich lachend zu. „Bis morgen!“, ruft Tilda. Leon läuft vorbei und sagt: „Vergiss das Mathe-Rätsel nicht, Matti!“
Matti winkt zurück, seine Hand hoch in der Luft. Sein Herz fühlt sich leicht an. Er weiß jetzt: Jeder ist manchmal anders, und das ist gut so. Gemeinsam ist alles leichter, und niemand sollte ausgelacht werden, weil er anders ist.
Als Mattis Mama ihn abholt, strahlt er übers ganze Gesicht. „Heute war ein guter Tag“, sagt er. Und das findet er auch.