Teil 1
Am Abend war der Himmel weich und rosa. Lina saß im Flughafen bei Mama. Mama hieß Kapitänin Mia. Sie war Pilotin. Sie trug eine blaue Jacke und lächelte.
„Darf ich mit dir zum Flugzeug schauen?“, fragte Lina leise.
„Ja, sehr gern“, sagte Mia. „Aber erst machen wir alles ruhig und sicher. Piloten planen immer.“
Sie gingen zusammen zum großen Flugzeug. Es war weiß und glänzte. Kleine Lichter blinkten freundlich.
„Was machst du zuerst?“, fragte Lina.
„Ich schaue, ob das Flugzeug gesund ist“, sagte Mia. „Wie bei dir: erst Hände waschen, dann schlafen.“
Lina kicherte. „Und das Flugzeug wäscht… seine Flügel?“
Mia lachte leise. „So ähnlich. Ich mache einen Rundgang. Ich schaue die Reifen an. Ich schaue die Flügel an. Ich schaue die Türen an.“
Ein Mechaniker winkte. „Hallo, Kapitänin Mia.“
„Hallo, Tom“, sagte Mia. „Alles bereit?“
„Fast“, sagte Tom. „Wir prüfen noch kurz.“
Lina sah genau hin. „Warum so viel prüfen?“
Mia kniete sich zu ihr. „Weil viele Menschen mitfliegen. Wir passen gut auf. Sicherheit ist wie ein warmer Schal.“
Lina nickte. Das klang gemütlich.
Teil 2
Im Cockpit war es ruhig. Viele Knöpfe leuchteten wie kleine Sterne. Lina durfte auf dem Klappsitz sitzen, ganz nah bei Mama.
Mia setzte sich und sagte: „Jetzt kommt die Checkliste. Das ist eine Liste, damit wir nichts vergessen.“
„Wie eine Einkaufsliste?“, fragte Lina.
„Genau“, sagte Mia. „Nur für das Fliegen.“
Sie zeigte auf ein Blatt. „Erstens: Türen zu. Zweitens: Instrumente an. Drittens: Funk.“
Aus dem Lautsprecher kam eine Stimme: „Kapitänin Mia, hier ist die Bodencrew.“
„Ich höre“, sagte Mia freundlich.
„Die Passagiere sind an Bord. Gepäck ist verstaut“, sagte die Stimme.
„Danke“, sagte Mia. „Wir sind gleich bereit.“
Lina flüsterte: „Wer hilft dir noch?“
„Viele“, sagte Mia. „Tom der Mechaniker. Die Bodencrew. Und meine Co-Pilotin Sara.“
Sara drehte sich um. „Hallo Lina.“
„Hallo“, sagte Lina schüchtern.
Mia zeigte auf eine Anzeige. „Jetzt prüfen wir die Menge an Treibstoff. Treibstoff ist das Essen für das Flugzeug.“
„Hat es genug Essen?“, fragte Lina.
„Gute Frage“, sagte Mia. „Wir schauen auf die Zahl. Wir rechnen. Und wir sprechen darüber.“
Sara sagte: „Treibstoffmenge stimmt. Reicht für den Weg und für Reserve.“
„Reserve?“, fragte Lina.
„Ein bisschen extra“, erklärte Mia. „So wie du noch einen Schluck Wasser am Bett hast. Das ist beruhigend.“
Lina fühlte sich sicher.
Mia schaute aus dem Fenster. „Heute fliegen wir über Berge und über ein Meer. Oben sieht die Welt ganz groß aus.“
„Wohin fliegt ihr?“, fragte Lina.
„In eine Stadt mit vielen Sprachen“, sagte Mia. „Dort sagen Kinder ‚Hallo‘ auf andere Arten. Das ist spannend.“
„Kann man trotzdem Freunde sein?“, fragte Lina.
„Ja“, sagte Mia. „Man kann lächeln. Man kann winken. Man kann zuhören. Offen sein macht das Herz weit.“
Lina winkte in Gedanken schon ganz weit.
Teil 3
Es wurde Zeit. Lina durfte nicht mitfliegen, aber Mama brachte sie noch einmal zur Tür vom Cockpit.
„Ich bleibe hier bei Oma und Papa“, sagte Lina. Ein bisschen traurig, aber auch ruhig.
Mia strich ihr über die Haare. „Und ich komme wieder. Nach der Landung rufe ich an. Versprochen.“
„Versprochen“, wiederholte Lina.
Mia ging noch einmal alles durch. „Anschnallen-Schild an. Wetter geprüft. Startbahn frei.“
Sara sagte: „Bereit.“
Mia sagte: „Bereit.“
Unten im Gang sprach Mia freundlich zur Crew: „Danke, dass ihr alle zusammenarbeitet. So fliegen wir sicher.“
Lina hörte das und fühlte Wärme im Bauch.
Draußen glitt das Flugzeug langsam. Die Lichter am Flughafen funkelten. Der Himmel war jetzt dunkelblau, ganz sanft.
Als Lina später im Bett lag, erzählte Oma leise: „Mama schaut auf die Sterne, auf die Wolken und auf die Instrumente. Sie prüft alles, auch den Treibstoff. Sie arbeitet mit vielen Menschen zusammen. Und sie bringt Menschen in andere Länder.“
Lina kuschelte ihr Kissen. „Dann ist die Welt groß. Und Mama fliegt durch sie durch.“
„Ja“, flüsterte Oma. „Und du kannst die Welt auch kennenlernen. Mit Augen, Ohren und einem offenen Herzen.“
Lina dachte an die Stadt mit vielen Sprachen. Sie stellte sich Kinder vor, die lachen und winken. Sie atmete langsam ein und aus.
„Gute Nacht“, murmelte sie.
Ihr Gesicht drehte sich zur bequemsten Seite. Die Decke war weich. Im Kopf flog ein ruhiges Flugzeug durch einen stillen Himmel. Und Lina schlief friedlich ein.