Lina war eine junge Cowboy-Frau. Sie trug einen braunen Hut und lächelte. Heute sollten Gäste von weit her kommen. Sie wollte sie am Bahnhof von Staubtal begrüßen.
„Komm, Keks!“, sagte Lina zu ihrem Pony. Keks schnaubte froh. Die Sonne war warm, und das Land war groß und offen. Das Gras wogte wie ein grünes Meer. Weit weg glänzten rote Felsen.
Lina ritt los. Klapp-klapp machten die Hufe. In ihrer Tasche klapperten kleine Gläser Honig für die Gäste. „Wir schaffen das“, flüsterte sie.
Bald kam der Fluss. Er war nicht tief, aber er rauschte. Eine alte Holzbrücke war kaputt. Zwei Bretter hingen schief. Lina hielt an. „Oh je.“
Sie atmete ruhig ein. „Keks, wir sind mutig.“ Sie schaute nach links und rechts. Da lagen große Steine im Wasser, wie Trittsteine. Lina stieg ab und prüfte sie mit dem Stiefel. Fest. Noch ein Stein. Fest.
„Langsam“, sagte sie. Keks folgte ihr. Schritt für Schritt. Lina hielt den Zügel kurz und sprach leise. „Guter Keks.“ Plitsch, platsch—sie waren drüben. Lina lachte. „Siehst du? Klug sein hilft!“
Da hörten sie ein „Huuui!“ Ein kleines Kalb rannte auf den Weg. Hinter ihm rollte ein leerer Wagen, ganz ohne Pferd. Er rumpelte und wurde schneller.
„Stopp!“, rief Lina. Sie dachte schnell. Neben dem Weg stand ein weicher Heuhaufen und ein langes Lasso-Seil hing an einem Zaunpfahl. Lina sprang hin, nahm das Seil und warf es. Schwupp! Das Seil legte sich um die Deichsel. Lina zog, Keks trat fest auf den Boden, und der Wagen bremste. Rummm—er landete im Heu. Ganz weich. Das Kalb blieb stehen und muhte leise.
Ein Cowboy-Junge kam angerannt. „Danke! Ich heiße Tom.“
„Ich bin Lina“, sagte sie. „Freunde helfen.“
Tom nickte. „Ich begleite dich zum Bahnhof.“
Zusammen ritten sie weiter. Am Bahnhof pfiff der Zug. Zwei Gäste stiegen aus, winkten und lächelten. Lina gab ihnen Honig. „Willkommen im Westen!“
Am Abend saßen alle am Lagerfeuer. Es knisterte sanft, und der Himmel war voller Sterne. Lina strich Keks über die Mähne. „Heute waren wir mutig“, sagte sie leise. Und alle fühlten sich warm und sicher.