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Städtische Fantasy 5/6 Jahre Lesen 12 min.

Lina und die höfliche Magie

Das Mädchen Lina hilft einem verlorenen Brief, der von wilder Magie aufgehalten wird, und lernt zusammen mit kleinen Windfreunden, dass Höflichkeit zwischen Menschen und Zauberwesen Brücken bauen kann.

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Ein etwa sechsjähriges Mädchen, Lina, schüchtern lächelnd mit braunen Zöpfchen und einem roten Mantel mit Farbflecken, kniet vor einer Tür und reicht einem circa 40-jährigen Mann mit salt-and-pepper Haaren und abgenutzter Jacke eine leuchtende Briefkarte mit der Aufschrift Tut mir leid; der Mann sitzt auf der Schwelle mit einer leeren Teetasse, überrascht und gerührt, während auf Linas rechter Schulter Pikk, ein handflächengroßer Kompassbote in kupfer-türkis mit neugierigen Augen und winzigen goldenen Funken, sitzt; um sie schweben farbige, schmetterlingsartige Magiefunken in Zitronengelb, Himmelblau und Korallenrosa, die die Szene auf dem feuchten Kopfsteinpflaster einer abendlichen Esplanade mit bernsteinfarbenen Laternen, runden Fenstern und Papiergirlanden leicht verklären. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Teil 1: Wind auf der Esplanade

Lina zog ihren roten Mantel enger. Die Esplanade neben den hohen Häusern war heute besonders windig. Bunte Blätter tanzten wie kleine Drachen über den Steinplatten. Zwischen den Laternen schwirrten winzige Lichter, die wie Glühwürmchen aussahen, aber leise summten wie Stimmen.

„Guten Morgen, Wind“, flüsterte Lina. Sie war fünf Jahre alt und kannte die Esplanade so gut wie den Weg zu ihrem Lieblingscafé. Doch heute fühlte sich alles anders an. Der Wind trug ein Flüstern mit sich, ein Wort, das wie eine Melodie klang. Lina hörte zu.

„Hallo, Lina“, sagte eine Stimme, die zugleich aus der Luft und aus ihrem Inneren kam. Ein kleines Funkeln setzte sich auf ihre Schulter. Es sah aus wie ein winziger Kompass mit Augen. „Ich bin Pikk, der Briefträger des Zwischenwegs. Wir brauchen dich.“

Lina blinzelte. „Ich?“ Ihre Stimme zitterte vor Aufregung. „Ich bin doch klein.“

„Klein und mutig“, sagte Pikk. „Und du möchtest die wilde Magie höflich machen. Das haben wir gehört.“

Lina dachte an die Magie, die manchmal in der Stadt aussah wie buntes Papier, das durch die Straßen flog, oder wie Regenschirme, die plötzlich tanzen wollten. Manchmal war die Magie unruhig und lachte, ohne zu fragen. Lina wollte, dass die Magie bitte sagte und danke.

Pikk nickte. „Komm mit. Es gibt einen Tunnel aus Nebel unter der Esplanade. Dort treffen sich die Briefe, die zwischen den Welten reisen.“

Lina nahm Pikk in die Hand. Der Nebel war weich wie Zuckerwatte und roch nach alten Büchern. Dahinter leuchtete ein kleiner Korridor aus Laternen. Menschen in Mänteln, Katzen mit Schals und eine fliegende Posttasche schickten Karten in die Lücken zwischen den Gebäuden. Es war ein Netz, das die Stadt mit anderen Orten verband: mit Bergwäldern, mit Meeren aus Glas, mit Inseln, die nachts leuchten.

„Wir sind die Boten“, sagte eine große Frau mit einem Mantel aus Regennachrichten. „Wir tragen Geschichten, Träume und kleine Wünsche. Manchmal braucht die Magie Hilfe, sich zu benehmen.“

Lina stellte sich vor. „Ich heiße Lina. Ich möchte lernen, der Magie „bitte“ und „danke“ beizubringen.“

Die Boten lächelten. Der Chef der Boten, ein alter Mann mit einem Hut aus Fahrplänen, legte eine Karte vor Lina. Auf der Karte stand ein Ort, der flackerte wie ein Spiegel. „Das ist der Zankplatz“, erklärte er. „Die wilde Magie wohnt dort gerade. Sie kichert und sprüht Funken. Dann tut sie Dinge, die Menschen verwirren. Wir haben einen Brief, der verloren ist. Er sucht seinen Weg zurück. Würdest du helfen?“

Lina nahm die Karte, ihr Herz klopfte wie kleiner Regen. „Ja“, sagte sie. „Ich werde höflich sein.“

Pikk kicherte. „Und ich zeige dir, wie man mit Wind redet.“

Teil 2: Der Zankplatz und der verlorene Brief

Der Zankplatz war hinter einem Markt voller Musik. Dort standen Häuser, die aussahen, als hätten sie Ohren. Die Luft dort knisterte vor Farben. Die wilde Magie sprang von Ziegel zu Dachrinne wie ein Kätzchen, das keine Angst kannte. Sie roch nach Zitrone und frischgebackenem Brot.

„Wer stört meine Kitzelspiele?“ rief die Magie. Ihre Stimme klang wie Glocken, die verlegen lächelten. Plötzlich wirbelte ein Brief aus der Luft. Er flatterte, suchte einen Umschlag, aber fand keinen.

Lina trat vor. „Hallo“, sagte sie sanft. „Ich bin Lina. Wir sind Boten. Wir helfen verlorenen Briefen.“

Der Brief zitterte. „Ich sehe nicht gut“, piepste er. „Ich suchte mein Zuhause. Ich muss eine Entschuldigung bringen.“

Lina nahm den Brief auf. Er war warm und duftete wie Apfelmus. „Wir bringen dich. Sag mir, wie du heißen.“

„Ich heiße ‚Tut mir leid‘“, sagte der Brief klein. „Ich bin schüchtern.“

Die wilde Magie hüpfte höher. „Warum soll ein Brief wie ein Kind behandeln werden?“ lachte sie. „Magie tanzt! Sie braucht keine Wörter.“

Lina setzte sich auf einen kleinen Stein. Sie nahm den Brief wie eine echte Person. „Manchmal fühlt sich Magie allein. Manchmal macht sie Sachen, weil sie nicht weiß, wie sie sagen soll, was sie meint. Wenn wir ihr zeigen, wie man höflich ist, wird sie vielleicht sanfter.“

Pikk piepste zustimmend. „Und Worte sind wie Brücken.“

Die Magie zog eine Augenbraue hoch. Sie schickte einen Funken, der Lina über den Kopf streichelte. Lina kicherte, obwohl ihr ein wenig mulmig wurde. Dann begann sie zu singen, ganz leise. Es war kein richtiges Lied, eher ein Flüstern, das wie ein Tellerwind klang.

„Bitte“, sang Lina, „und danke, das macht Platz für Sonnenschein. Möchtest du nicht auch probieren?“

Die Magie stoppte. Für einen Moment war es so still, dass man die Laternen hören konnte. Dann probierte die Magie ein „bitte“ — ein ungeübtes, knisterndes „biiitte“. Es klang wie eine Seifenblase. Alle lachten, sogar der alte Mann mit dem Fahrplanhut.

Der Brief strahlte. „Ich finde mein Ziel leichter, wenn man höflich ist“, sagte er. „Menschen öffnen Türen, wenn sie höflich sind.“

Lina nickte. Sie und Pikk führten den Brief durch die Straßen, wo die Ampeln manchmal blinkten und spontan tanzen wollten. Sie sagten „Bitte“ zur Tür, die sich öffnete, „Danke“ zu dem Postboten, der seine Mütze zog, und „Entschuldigung“ zu einer Parkbank, die aus Versehen mit dem Wind sprach. Die wilde Magie schaute zu. Ab und zu stützte sie einen Brief, damit er nicht umherflog.

Ein kleiner Rückschlag passierte, als ein Regenbogenkabel über die Straße fiel und Funken sprühte. Der Brief leuchtete auf und wollte hochspringen. Lina fasste seine Kante fest. „Nicht allein springen“, sagte sie. „Wir bleiben zusammen.“

Die Magie murmelte etwas, das wie eine Entschuldigung klang. Ein paar Funken küßten Linas Hand, und sie fühlte sich warm wie Sommer.

Teil 3: Ein Mini-Rebellenplan

Als sie fast am Ziel waren, stoppte eine große Maschine die Straße. Sie hörte sich an wie ein Uhrwerk mit Schnurrbart. Die Maschine mochte keine Höflichkeit. Sie schob Leute zur Seite und brummte. „Hier ist keiner, der grüßt“, knurrte sie.

„Wir müssen höflich durchkommen“, flüsterte Lina. Sie sah Pikk an. „Hast du einen Plan?“

Pikk zwinkerte. Er rief kleine Windfreunde herbei, die wie Papierflieger aussahen. Sie formten ein buntes Band, das die Maschine umarmte. Die Windfreunde flüsterten „Bitte“ und „Danke“ in ihr Metallohr. Die Maschine schnurrte verwirrt, dann begann sie, ihre Zähne zu polieren wie jemand, der sich schämt.

Die wilde Magie steckte die Nase in das Uhrwerk. „Warum soll ich mich ändern? Ich bin so schnell und frei!“, sagte sie.

Lina trat näher. „Frei sein ist schön. Aber manchmal stolpern andere. Wenn du kurz wartest und 'bitte' sagst, können alle mit dir tanzen.“

Die Maschine bewegte sich zur Seite. Die Menschen applaudierten. Der Brief hüpfte vor Freude. „Ich bin fast zuhause“, rief er.

Ein kleiner Junge, der seinen Ball verloren hatte, kam zurück. Er sagte „Danke“ zur Maschine. Die Maschine lächelte wie ein nachdenklicher Baum. Sie rollte die Straße frei.

Die wilde Magie setzte sich auf Linas Schulter und sah sie an, als hätte sie gerade ein Geheimnis verstanden. „Vielleicht ist Höflichkeit ein neuer Tanz“, murmelte sie.

Lina lachte. „Dann tanzen wir zusammen.“

Teil 4: Heimkehr und eine leuchtende Zukunft

Am Ende der Straße stand ein Haus mit Fenstern wie Augen, die freundlich blinzelten. Lina reichte dem Brief die Hand und sagte: „Bitte komm rein. Du bist sicher.“

Die Tür öffnete sich wie ein Lächeln. Ein Mann saß dort mit traurigen Augen. Er hielt eine leere Teetasse. Als der Brief ihn berührte, flüsterte der Raum „Danke“. Der Mann hob den Brief, und sein Gesicht wurde weich.

„Das ist für dich“, sagte Lina. „Es tut mir leid, schrieb diese Worte.“

Der Mann lächelte so, dass kleine Falten wie Geschichten entstanden. „Danke, kleine Bote“, sagte er. „Ich habe gar nicht gewusst, dass ein ‚Tut mir leid‘ so warm sein kann.“

Draußen auf der Esplanade tanzte die wilde Magie mit den Windfreunden. Sie sagte „bitte“ und „danke“ und lernte sogar, „Entschuldigung“ zu flüstern, wenn sie aus Versehen einem Vögelchen den Hut vom Kopf pustete. Pikk kuschelte sich an Lina.

„Du hast gut geholfen“, sagte er. „Die Netze zwischen den Welten sind jetzt ein bisschen freundlicher.“

Lina blickte über die Stadt. Die Laternen glühten wie kleine Monde. Menschen gingen nach Hause, manche mit Geschichten in ihren Taschen. Die Magie hüpfte noch immer, aber sie hüpfte leiser, als ob sie jetzt das Klatschen verstand.

„Ich wollte die Magie höflich machen“, sagte Lina. „Und ich habe gelernt, dass man mit ihr reden kann, wie mit einem Freund.“

Pikk nickte. „Und du hast gelernt, dass Wörter Brücken bauen. Kreativität ist wie ein Samen. Wenn man ihn mit Höflichkeit gießt, wächst ein ganzer Garten.“

Lina lächelte. Sie fühlte sich wie eine Brücke selbst, leicht und stark. Die Stadt summte wie ein großes Schlaflied. Die wilde Magie legte eine warme Spur über die Esplanade, wie eine Decke.

Bevor Lina nach Hause ging, flüsterte die Magie etwas zu ihr, das niemand sonst hören konnte. „Danke“, sagte sie. „Fürs Zuhören. Fürs Tanzen. Für die Bitte.“

Lina legte ihre Hand auf ihr Herz. „Danke“, antwortete sie. „Und vergiss nicht: ‚Bitte‘ ist wie ein Licht, das die Wege zeigt. ‚Danke‘ macht die Wege warm.“

Sie winkte den Boten und dem alten Mann mit dem Fahrplanhut. Die Laternen nickten. Pikk flog auf ihrer Schulter wie ein kleiner Mutbringer. Lina wusste, dass sie wiederkommen würde. Die Stadt war voller Türen, die Fragen hatten, und die wilde Magie brauchte Freunde, die mit ihr redeten.

Als Lina nach Hause ging, war die Esplanade ruhig. Der Wind sang ein leises Lied, und Lina summte mit. In ihrem Kopf wuchsen Pläne: Geschichten, Briefe, kleine Experimente, wie man Magie eine Keksdose reicht, wenn sie zu wild wird. Sie träumte davon, wie die Stadt eines Tages voller höflicher Magie sein könnte, überall, wo Menschen und Wunder sich trafen.

Sie schloss die Haustür, und die Lampe neben dem Flur flackerte wie ein Auge, das zufrieden blinzelt. Lina legte den Kopf auf das Kissen und dachte an den Brief, an die Maschine, an die tanzende Magie. Ihr Herz fühlte sich wie ein heller Samen. Sie atmete tief ein und wusste: Was sie gesät hatte, würde bald blühen.

Draußen auf der Esplanade flackerte ein Licht auf, wie ein Versprechen. Die Magie murmelte ein leises „Bitte“ in den Wind. Der Wind erwiderte „Danke“ und trug die Worte durch die Stadt, bis sie in allen Ecken leise aufleuchteten.

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Das Quiz: Hast du die Geschichte gut verstanden?

Esplanade
Ein langer Platz in der Stadt, wo Menschen gehen und der Wind weht.
Nebel
Feiner Dampf in der Luft, der alles etwas verschwommen macht.
Korridor
Ein langer Gang, der Räume oder Orte miteinander verbindet.
Boten
Menschen oder Tiere, die Nachrichten, Briefe oder Dinge tragen.
Zankplatz
Ein Ort, wo Streit oder viel Lärm und Durcheinander ist.
Wilde Magie
Unruhige, lebhafte Zauberkraft, die springt und Dinge verändert.
Fahrplanhut
Ein ungewöhnlicher Hut, der wie ein Fahrplan aussieht oder damit zu tun hat.
Posttasche
Eine Tasche, in der Briefe und Post getragen werden.
Uhrwerk
Das innere Teil einer Uhr, das Zahnräder hat und tickt.
Netze
Gewebe oder Verbindungen, die Dinge fangen oder zusammenhalten.

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