Am Morgen mit der warmen Decke
Lina kuschelte sich in ihre gelbe Decke. Die Decke hatte kleine Sterne und ein lachendes Mondgesicht. Heute fühlte sie sich ein bisschen müde. Ihre Mama setzte sich auf den Stuhl neben dem Bett und strich Lina über das Haar. „Guten Morgen, kleine Mutmacherin“, sagte sie leise.
Lina war fünf Jahre alt. Sie mochte Pfützen, Bilderbücher und ihren blauen Rucksack mit dem Hasen. Seit einigen Wochen ging sie öfter zum Arzt. Manchmal musste sie ein kleines Medizinfläschchen nehmen. Das machte ihr nicht so viel Spaß, aber Mama erklärte alles genau. „Wir prüfen die Uhr und bleiben vorsichtig“, sagte Mama mit einem Lächeln.
Lina setzte sich auf und schaute auf den Nachttisch. Die Uhr tickte leise. „Ist es Zeit?“, fragte sie. Mama schaute auf die Uhr am Ofen und dann auf Lina. „Noch fünf Minuten. Wir zählen bis drei und trinken dann zusammen. Ich zähle, okay?“ Lina nickte. Sie mochte, wenn Mama mit ihr zählte. Beim Zählen machte Mama immer ein lustiges Gesicht, das Lina kichern ließ. Kichern hilft beim Mutigsein, dachte Lina.
Ein Nachmittag voller kleiner Abenteuer
Am Nachmittag gingen Lina und Mama in den Park. Der Wind spielte mit den Blättern. Lina entdeckte eine Bank mit einem kleinen Kratzer und setzte sich daneben. Ein Junge holte seinen Ball, ein Hund schnüffelte neugierig und eine ältere Dame fütterte die Tauben. Alles schien ganz normal und freundlich.
Plötzlich rief Lina: „Ich hab Hunger.“ Mama kramte in der Tasche und fand ein kleines Brot und einen Apfel. „Perfekt, unsere Energie für das nächste Abenteuer“, sagte sie. Nach dem Essen holte Lina ihr Malbuch heraus. Sie zeichnete ein Bild von einer großen Sonne, einem Luftballon und einem winzigen Krankenhaus mit einem lachenden Herz.
Ein anderes Kind kam vorbei und lud Lina ein, Verstecken zu spielen. Lina zögerte kurz. Manchmal wurde sie beim Spielen müde oder atmete schwerer. Mama war immer in der Nähe. „Wenn du willst, kannst du mit einem Stoppzeichen spielen“, schlug sie vor. Sie zeigte auf ein kleines Kärtchen mit einem roten Punkt. „Wenn du dich komisch fühlst, hältst du das Kärtchen hoch. Dann kommen wir zusammen.“
Lina fand das eine gute Idee. Beim Spielen rannten sie und lachten. Einmal blieb Lina stehen, hob das Kärtchen hoch und murmelte: „Kurz Pause.“ Mama kam sofort und setzte sich zu ihr. „Alles in Ordnung? Soll ich die Uhr prüfen?“ fragte Mama. Sie zog ihr Handy heraus. „Es sind noch fünf Minuten bis zur Medizin.“ Die Uhr zeigte die Zeit, und Lina atmete tief ein und aus. Das Gefühl, die Zeit zu wissen, gab ihr Sicherheit. Sie trank das Flüsschen, das Mama ihr reichte, und steckte das kleine Kärtchen wieder in ihre Tasche. Dann rannte sie weiter, als ob sie eine Rakete wäre.
Abend, Mut und ein Foto
Am Abend gingen sie noch zur Apotheke, um ein Pflaster zu holen. Lina wählte ein mit bunten Erdbeeren. „Für kleine Abenteuerkratzer“, sagte die Apothekerin mit einem Augenzwinkern. Lina lächelte. Auf dem Rückweg zeigte sie ihrer Mama ein Pflaster-Lächeln und erzählte stolz: „Ich hab heute mein Stopp-Kärtchen benutzt und die Zeit geprüft.“
Zu Hause setzten sie sich an den Küchentisch. Mama füllte die Medizin in einen kleinen Becher. „Erinnerst du dich, wie wir zählen?“, fragte sie. Lina nickte und schaute auf die Küchenuhr. „Zwei, drei, vier“, zählte sie leise, dann nahm sie die Medizin mit einem kräftigen „Mmh!“ Mama klatschte leise in die Hände. „Brav gemacht, Lina. Du bist so mutig.“ Lina spürte, wie Wärme und Stolz in ihr wuchsen. Mut ist wie eine warme Decke, dachte sie wieder.
Vor dem Zubettgehen machten sie etwas Besonderes: Ein Foto. Mama holte die kleine Kamera. „Für den Mut-Foto-Ordner“, erklärte sie. Lina setzte sich auf das Sofa, hielt ihr Erdbeerpflaster hoch wie ein Tapferkeitsabzeichen, und lächelte so breit sie konnte. Mama rief: „Drei, zwei, eins!“ Klick. Das Foto zeigte Lina mit ihrem Pflaster, der gelben Decke im Hintergrund und Augen, die funkelten wie Sterne.
„Dieses Bild ist für später“, sagte Mama. „Wenn du mal vergisst, wie stark du bist, schauen wir es uns an.“ Lina kuschelte sich in die Decke. „Und wir prüfen die Uhr. Immer zusammen“, murmelte sie schläfrig. Mama deckte sie zu, gab einen sanften Kuss auf die Stirn und flüsterte: „Gemeinsam sind wir vorsichtig und mutig.“
Lina schlief ein mit dem Foto neben sich. Im Traum jagte sie mit einer Rakete durch einen Himmel voller Uhren und Erdbeeren. Jedes Mal, wenn eine Uhr stoppte, lächelte ein Stern. Am Morgen würde sie wieder zählen, die Uhr prüfen und vielleicht neue Abenteuer erleben. Aber immer, wenn sie ein bisschen ängstlich wäre, würde das Foto sie daran erinnern: Sie ist mutig, sie ist vorsichtig, und sie ist nie allein.